Wann Sie als Anleger wirklich in Panik geraten muessen


Wann Sie als Anleger wirklich in Panik geraten müssen
US-Konjunkturdaten
Sharewise-Sentiment
 

Wann Sie als Anleger wirklich in Panik geraten müssen
von Jochen Steffens

Auf die Antwort zu dieser Überschrift komme ich erst ganz zum Schluss zu sprechen. Zunächst folgendes:

Griechenland oder Aussagen der Fed?

Und wieder beschatten Nachrichten aus Griechenland den Markt. Die Risikoprämien für griechische Staatspapiere steigen und steigen. Gleichzeitig baten griechische Banken die Regierung, weitere Mittel aus einem Rettungsfonds freizugeben. Immer noch geistert die Sorge um einen Kollaps griechischer Banken umher.

Doch andererseits waren es in den USA andere Nachrichten, welche die Stimmung trübten..So hat sich Thomas Hoenig erneut dafür ausgesprochen, dass die Fed die Nullzins-Politik bald aufgeben soll, um ein Abrutschen in eine Inflation zu verhindern. Hinzu kam, dass Ben Bernanke warnte, die US-Wirtschaft sei noch nicht über den Berg.

Im Kern widersprechen sich die beiden Aussagen und weisen somit lediglich auf den Disput in der Fed hin: Zinsen rauf oder nicht?

Ohne den Arbeitsmarkt kann kein Vertrauen in die Erholung der US-Wirtschaft entstehen

Die Schwierigkeiten
der US-Wirtschaft erkennen wir unter anderem daran, dass der US-Arbeitsmarkt einfach nicht entsprechend reagieren will. In dieser Woche wurden schon wieder 460.000 Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gemeldet, ein Anstieg um 18.000 Anträge. Hier scheint es keine Beruhigung zu geben, trotz Volkszählung in den USA und trotz einer scheinbar wiedererstarkenden US-Wirtschaft. Aber ein Wirtschaftsaufschwung ohne Einfluss auf den Arbeitsmarkt ist immer kritisch.

 
Vergleichen wir die aktuelle Situation mit der Entwicklung seit 1997:

 
In den Boomjahren vor dem Jahr 2000 lagen die Erstanträge im Schnitt um die 300.000. Mit der Krise zwischen den Jahren 2000 und 2004 stiegen sie deutlich an. Vergleicht man die damaligen Zahlen mit den Zahlen der aktuellen Krise, wird deutlich, um wie viel heftiger der Arbeitsmarkt reagiert hat.
 
Bereits im vierten Quartal 2002 stabilisierten sich die Kurse in den USA. Spätestens mit dem Anfang des Irak-Krieges starteten die Börsen eine gewaltige Rally, die bis in die Jahre 2007/8 anhielt. Deutlich sieht man, dass dabei die Anträge auf Arbeitslosenhilfe wieder auf das Niveau zurückgingen, das man von den Jahren des großen Booms kannte.
 
Noch kein Normalniveau erreicht
 
Zwar fällt die Anzahl der Erstanträge auch mit der Rally, die wir 2009 nach dem Crash erlebt haben, aber die Zahlen sind dennoch weit von diesem „Normalniveau“ entfernt. Und so wundert es natürlich nicht, dass immer noch Arbeitsplätze in den USA abgebaut werden (siehe Nonfarm Payrolls).
 
Wenn also die Schaffung neuer Arbeitsplätze ein Beleg für den Erfolg einer wirtschaftlichen Erholung ist, dann zeigen die aktuellen Zahlen, dass die US-Wirtschaft noch nicht soweit ist. Und insofern hat Ben Bernanke mit seiner Aussage natürlich recht, dass die US-Wirtschaft noch nicht über den Berg sei. Ein erstes positives Signal dafür, dass der wirtschaftliche Aufschwung auf verlässlichen Füßen steht, wäre aus Sicht des US-Arbeitsmarkts, wenn die Erstanträge unter ein durchschnittliches Niveau von 350.000 fallen und die neu geschaffenen Stellen (Nonfarm Payrolls) Werte über 100.000 erreichen.
 
Insofern sind diese Zahlen tatsächlich ein Hinweis darauf, dass Ben Bernanke mit Zinserhöhung eher noch abwarten sollte, um die Gefahr einer anhaltenden Deflation in den USA zu bekämpfen.
 
Und damit zum Markt
 
Kaum fällt der Markt, hört man bereits die ersten Bären vom Ende der Rally reden. Doch ein Blick auf den Chart verrät mehr:



Bis jetzt hat der DAX lediglich nahezu punktgenau die Mittellinie noch einmal von oben getestet, wie man in dem Chart schön sieht. Das ist ein ganz normaler und bekannter Prozess. Zuerst testet der Kursverlauf diese Linie von unten, dann bricht er sie, um sie zum Schluss von oben zu testen.
 
Weniger schön ist, zumindest für kurzfristige Trader, dass der blaue Aufwärtstrend mit einem Gap-Down nach unten gebrochen wurde. Dieses Signal könnte man als kurzfristiger Trader dazu nutzen, erste Gewinne zu sichern.
 
Wichtiger ist jedoch der grüne Widerstandsbereich. Erst wenn dieser nach unten verletzt wird, muss man bearisher werden. In diesem Fall wäre ein Fehlausbruch nach oben entstanden, und diese sind häufig (natürlich nicht immer) ein Anzeichen für ein Ende einer Aufwärtsbewegung.
 
Da wir uns jedoch bereits seit Monaten mit diesem Widerstandsbereich beschäftigen, war auch nicht unbedingt zu erwarten, dass die Kurse sich sofort, ohne nochmaliges Testen dieser Zone, nach oben ablösen werden. Ich hatte zudem geschrieben, dass das gelbe Beta-Target, obwohl es nur ein Beta-Target ist, doch noch eine gewisse Anziehung auf den Kurs haben wird. Auch das ist nun zu erkennen.
 
Fazit
 
Es ist noch nichts Kritisches passiert. Jedes kleine Zwischenhoch kann sich letzten Endes zu einem Top auswachsen, aber wer jedes Mal in Panik gerät, wird wenig Freude an einem solchen großen Aufwärtstrend haben. Erste Zweifel sind erst dann angebracht, wenn die Kurse die oben genannten Warnzeichen ausbilden.
 
Wann ein Anleger in Panik geraten muss?
 
Und damit zur Auflösung der Überschrift. Es ist der Kommentar, den ein Kollege heute am Telefon geäußert hat:
 
„Es ist doch immer das Gleiche: Jetzt ist es Griechenland und der Dominoeffekt, der entstehen könnte, der die Anleger davon abhält, in diese Rally zu investieren. In den Jahren 2003-2005 waren es Terroranschläge, welche die Anleger immer wieder verunsicherten und viele davon abgehalten haben, zu investieren. Es ist immer eine Angstkulisse in der Kurse steigen – eine gute Rally braucht in den ersten zwei Dritteln solche Angstthemen – sonst wären doch alle sofort investiert…"
 
Wenn die Welt wieder in Ordnung ist, alle keine Angst mehr haben, jeder gerne ein paar Aktien erwirbt, weil weit und breit keine Probleme zu erkennen sind und alles sicher scheint – dann muss man als Anleger in Panik geraten!
 
In diesem Sinne
 
Viele Grüße
 
Ihr
 
Jochen Steffens
 

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US-Konjunkturdaten

von Jochen Steffens

Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind um 18.000 auf 460.000 angestiegen:



Damit ist der mehrwöchige Abwärtstrend leider wieder zu Ende. Sollten die Zahlen in den nächsten Wochen weiter steigen, befinden wir uns in einer Seitwärtsbewegung um die 450.000 herum. Dafür spricht auch die Entwicklung des Vierwochenschnitts (grüne Linie).
 
 

Sharewise Sentiment
von Jochen Steffens

 
 

Eine sehr seltsamer Anstieg ist das. Deutlich erkennt man, dass sich die Bullen trotz weiter steigender Kurse immer mehr zurückziehen. Eigentlich spricht das dafür, dass die Kurse weiter steigen werden. Eine Übertreibung ist nicht zu erkennen. Sollten keine externen Faktoren hinzukommen, müssen wir nach diesen Daten davon ausgehen, dass die Märkte weiter steigen.

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