Verfallstag oder Vergleich?

 
 
Verfallstag oder Vergleich?
von Jochen Steffens
 
In den letzten Tagen wirkten die Kursbewegungen etwas zäh. Das hängt, wie erwartet, mit dem großen Verfallstag zusammen, der am Freitag stattfindet.
 
Auf der einen Seite gab es viele Akteure, die darauf gesetzt haben, dass die Rally weiter geht. So liegen zum Beispiel oberhalb von 6.000 Punkten sehr viele Long-Optionen (und darauf emittierte Optionsscheine). Die Stillhalter werden also versucht sein, alles zu tun, damit diese Marke zum Verfall nicht allzu deutlich überwunden wird, dann nämlich laufen die Optionen und Optionsscheine ins Geld und das würde teuer.
 
Auf der anderen Seite haben viele Spekulanten vor und während der Konsolidierung auf fallende Kurse gesetzt. Das heißt, es finden sich unterhalb der 5.800er Marke viele Short-Positionen. Unter dieser Marke würde es ebenfalls teuer. Was macht also der Markt? Er stagniert auf aktuellem Niveau.
 
Konsolidierung oder Top?
 
Derart zähe Seitwärtsbewegungen finden sich aber auch häufig in Topbildungsphasen. Grund genug, die Erholungen, die den großen Crashs der letzten hundert Jahre folgten, zu analysieren und mit der aktuellen Erholung zu vergleichen. Während ich die großen Crashs der Jahre 1929, 1974, 1987 und 2000 mit den aktuellen US-Charts verglichen habe, stellte ich fest, dass sich zwei Chartverläufe auffallend  ähnelten:
 
 
Dargestellt ist der Crash im Dow Jones im Jahr 1974 (rote Kerzen) im Vergleich zum aktuellen Crash im Nasdaq100. Die Parallelität der Kursverläufe ist bestechend. Zunächst fallen die drei tieferen Hochs (A,B,C) auf, denen ein extrem scharfer Einbruch folgte. In beiden Fällen kam es zu einem Doppelboden mit volatilen Zwischenerholungen (D, E). Diese Doppelböden läuteten jeweils eine dynamische Aufwärtsbewegung ein, bei der teilweise sogar die Gaps (Kurslücken) im Nasdaq100 mit denen im Dow Jones 1975 übereinstimmen.
 
Das Niveau von vor dem Crash
 
Zurzeit befinden wir uns wieder auf dem Niveau vor dem scharfen Einbruch. 1975 bildete sich dort ein erstes Hoch (1), dem eine scharfe Konsolidierung folgte. Anschließend wurde noch ein zweites etwas höheres Hoch (2) ausgebildet. Bis hierhin ist die Parallelität eindeutig gegeben, auch wenn der Nasdaq100 zurzeit etwas weniger Dynamik aufweist.
 
Prognose für den weiteren Verlauf
 
Daraus kann man folgendes schließen: Sollte es auf dem aktuellen Niveau oder leicht darüber erneut zu einer scharfen Konsolidierung kommen, der eine Seitwärtsbewegung folgt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es wie 1975/1976 noch zu einer extremen Aufwärtsbewegung kommt (blaues Rechteck). In diesem Fall ergäbe sich hier ein extrem lukratives Einstiegssignal. Da es sich bei den Charts um Wochencharts handelt, könnte es allerdings noch etwas dauern, bis sich dieses Signal ausbildet. Vielleicht geschieht das sogar erst im Zusammenhang mit den Wahlen zum US-Repräsentantenhaus im November.
 
Passender Gesamtkontext
 
Es gibt noch einen zweiten Grund, warum dieser Chartvergleich höchst interessant ist. Wie ich hier schon mehrfach geschrieben habe, besteht eine große Ähnlichkeiten zwischen der aktuellen großen Seitwärtsbewegung der US-Märkte und der von 1965 bis 1985.
 
 
Wie Sie erkennen, gab es auch in den 70er Jahren zunächst einen kleineren Einbruch, dem ein stärkerer folgte, dessen Tief auch noch das Tief des ersten Einbruchs überwand. Insoweit ähnelt diese Entwicklung dem Kursverlauf des S&P500 (untere Grafik) seit 2000. Und zurzeit befinden wir uns eben in dieser Erholung nach dem zweiten Crash in einer großen Seitwärtsbewegung. Auch das unterstützt die These, dass die oben beschriebene Parallelität der Kursverläufe durchaus kein Zufall ist.
 
Prognose für den S&P500
 
Sollte es tatsächlich im Nasdaq100, wie oben beschrieben, noch einmal zu einem starken Anstieg kommen, werden wir diesen natürlich auch im S&P500 sehen. Das würde bedeuten, dass im S&P500 wieder die Hochs der großen Seitwärtsbewegung erreicht werden. Somit stimmt auch hier die Parallelität zur großen Seitwärtsbewegung in den 70er Jahren.
Kommt es demnach zu der erwarteten Konsolidierung und bleibt damit die Synchronität der Kursverläufe bestehen, haben wir einen höchst interessanten und natürlich auch lukrativen Fahrplan zur Hand.
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens 
 
P.S. Heute wird um das Ergebnis der FOMC-Sitzung bekannt gegeben, zwar ist nicht mit einer Veränderung der US-Leitzinsen zu rechnen, aber wie immer könnte das Statement neue Hinweise geben.

US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens
 
Die Zahl der Baubeginne ist im Februar stärker als erwartet um 5,9% auf annualisiert 575.000 gesunken. Analysten hatten mit einem Rückgang um 4,7% gerechnet. Allerdings ist die zahl der erteilten Baugenehmigungen im Februar lediglich um 1,6% gegenüber dem Vormonat gesunken. Hier hatte die Analysten mit einem Minus von 3,1% gerechnet, nach einem Minus von 4,7% zuvor.
 
 
Als Grund für den starken Rückgang der Baubeginne werden die schlechten Wetterbedingungen im Februar genannt. Schwere Schneestürme hatten die Bauaktivität in Teilen der USA behindert. Insofern ist die Anzahl der Baugenehmigungen die aktuell relevantere Zahl und hier hatte es eine positive Überraschung gegeben.
Insgesamt erkennt man in dem Diagramm jedoch, dass von einer nachhaltigen Erholung auf dem US-Immobilienmarkt noch lange nicht zu sprechen ist. Die aktuellen Zahlen liegen zudem immer noch weit unter den Tiefstwerten in der Stockstreet-Datenbank, die bei den Baubeginnen bis zum Jahr 1959 zurückreicht (z.B. 1. Januar 1959 1,657 Mio Baubeginne).

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