Ein Deal im Banne der neuen Weltordnung

 
 
Ein Deal im Banne der neuen Weltordnung
von Torsten Ewert 
 
Verehrte Leserinnen und Leser,
 
der Klimagipfel in Kopenhagen ist gescheitert. Dieser Misserfolg ist nicht zuletzt auch Ausdruck der neuen Weltordnung. In dieser fordern immer mehr Staaten und Regionen ihr Mitspracherecht zu den globalen Themen. Das wird auch künftig Einigungen auf der Weltbühne erschweren.
 
Wirtschaft und Wandel
 
Was bedeutet das für die Wirtschaft und uns Börsianer? Unternehmen werden in der globalisierten Welt langfristig nur dann eine Überlebenschance haben, wenn sie diesen Wandel in ihre langfristige Strategie mit einbeziehen.
 
Dazu ein Beispiel: Die großen, meist staatlich gelenkten Konzerne Chinas können vielfach ohne Beachtung kurzfristiger Quartalsergebnisse und kritischer Analysten an ihrer Expansionsstrategie festhalten. Notfalls stehen sie auch das eine oder andere kritische Jahr durch, um ihre globale Ziele und die der Pekinger Regierung durchzusetzen.
 
Dem müssen sich auch westliche Konzerne stellen, um in diesem neuartigen Wettbewerb nicht dauerhaft ins Hintertreffen zu geraten. Damit entsteht bereits ein wichtiger Impuls, der das aktuell so viel gescholtene kurzfristige Denken in der Wirtschaft ändern könnte.
 
Unternehmen im Umbruch
 
Für Investoren ergibt sich daraus eine wichtige Konsequenz: Sie sollten nämlich verstärkt darauf achten, welche Unternehmen diesem Wandel nicht nur in Sonntagsreden Beachtung schenken, sondern bereits konkrete Schritte eingeleitet haben.
 
Auch dazu ein Beispiel.
 
Egal wie der Energie-Mix der Zukunft aussehen mag – für geraume Zeit wird die Welt noch auf fossile Energieträger angewiesen sein. Insbesondere Ölfirmen haben dabei das Problem, dass die verfügbaren Reserven in geopolitisch kritischen Regionen liegen oder die betreffenden Länder die Vorkommen unter staatlichen Schutz stellen.
 
Für westliche Förderunternehmen und den Westen insgesamt ergibt sich damit unter Umständen eine fatale Abhängigkeit (siehe der alljährliche Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine). Große Ölkonzerne könnten darin auch durchaus eine langfristige Bedrohung ihres Geschäftsmodells erkennen. Also müssen sie entsprechende Maßnahmen ergreifen.
 
Keine kleinen Fische
 
Der US-Multi Exxon Mobil beispielsweise meldete in der vergangenen Woche, ein Übernahmeangebot für den Konkurrenten XTO Energy abgegeben zu haben. Dieser Deal im Gesamtumfang von 41 Milliarden Dollar wäre der größte für Exxon Mobil seit dem Kauf von Mobil durch Exxon im Jahre 1999 und der achtgrößte im Energiesektor überhaupt.
 
Hier geht es also wahrlich nicht um Peanuts. Doch was verrät uns dieser Schachzug über Exxon Mobils Strategie?
 
Dazu eine Blick auf XTO: Dies ist ein Förderunternehmen, das sehr stark im Erdgasgeschäft engagiert ist. Weltweit hält es die Rechte an ca. 1.300 Milliarden Kubikmeter Gas und produziert täglich knapp 3 Milliarden Kubikmeter (das entspricht fast der Hälfte des deutschen Monatsbedarfs).
 
Doch Exxon Mobil geht es bei dem Deal nicht einfach um zusätzliche Ressourcen. Interessant ist für die Texaner vor allem das Know-How ihrer Landsleute bei der Gasförderung. XTO gehört nämlich zu den Spezialisten bei der Förderung sogenannter unkonventioneller Vorkommen, zum Beispiel aus Tonschiefer. Ebenso wie die bekannteren Ölsandvorkommen in Kanada erfordern derartige Quellen eine spezielle Technologie, beispielsweise Horizontalbohrtechniken.
 
Vorteil: Heimische Vorkommen
 
Der Vorteil dieser Lagerstätten ist vor allem, dass sie, wie die kanadischen Ölsande, in Regionen liegen, zu denen Exxon Mobil freien Zugang erwerben kann. Etliche Vorkommen liegen sogar in den USA selbst. Aber auch Deutschland haben die Amerikaner im Visier: In Niedersachsen hat sich Exxon Mobil vor einiger Zeit bereits große Abbaugebiete gesichert und will dort nun einen dreistelligen Millionenbetrag in neue Förderprojekte investieren.
 
Damit beweist der Konzern strategisches Gespür, denn auch die Europäer sind inzwischen an einer größeren Unabhängigkeit von den russischen Gaslieferungen interessiert. So plant ein Konsortium um die österreichische OMV und Deutschlands RWE bereits seit Anfang des Jahrzehnts ein Pipeline-Projekt, um Öl von den Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres nach Europa zu bringen.
 
Strategische Planung
 
Diese „Nabucco“-Pipeline – obwohl schon viele Jahre in der Planung – soll frühestens 2014 das erste Gas nach Europa liefern. Rohstoffprojekte erfordern also immer eine sehr lange Vorlaufzeit. Insofern deuten die zuletzt bekannt gewordenen Schritte von Exxon Mobil in Richtung Diversifizierung in den Gassektor auf eine entsprechende strategische Vorausplanung hin.
 
Das zeigt auch das Timing beim XTO-Kauf, denn auch solche Vereinbarungen schließt man ja nicht über Nacht. Trotzdem gelang es Exxon Mobil den Deal unter Dach und Fach zu bringen, als die Erdgaspreise relativ niedrig waren (siehe Chart).
 
 
Quellen: US Energy Information Administration, eigene Berechnungen
 
Während der Ölpreis (rot; rechte Skala) bereits Anfang 2009 sein Tief in der aktuellen Krise ausbildete, sackte der Erdgaspreis (grün; linke Skala) noch bis Anfang September ab (Gründe hierfür waren krisenbedingt höhere Lagerbestände und zusätzliche Explorationsprojekte).
 
Gutes Timing und angemessene Preise
 
Dadurch stieg das sogenannte Öl-Gas-Ratio (blaue Kurve unterer Chartteil) auf Werte über 27 an und liegt mit Werten um 15 noch immer weit jenseits der seit Jahren üblichen Bandbreite. Exxon Mobil kam also bei XTO zum Zuge, als die Bewertung der Reserven vergleichsweise niedrig erfolgen konnte.
 
In den USA steht Exxon in dem Ruf, nie zu viel für eine Übernahme zu zahlen. Dafür ist die relativ unproblematisch verlaufene Mega-Übernahme von Mobil vor zehn Jahren vielleicht ein beredtes Beispiel. Obwohl der Konzern für XTO den „üblichen“ stattlichen Aufpreis von ca. 25 % zahlt, sprechen die Umstände eher dafür, dass der Preis angemessen ist.
 
Insofern ist die Reaktion der Börse auf diesen Deal vielleicht eine Fehlinterpretation. Denn während der XTO-Kurs fast automatisch durch die Decke ging, sackten Exxon-Mobil-Papiere erst einmal um einige Prozente ab. Aus strategischer Sicht könnte der Kauf von XTO für Exxon Mobil jedoch langfristig eine sehr lohnende Investition werden.
 
Für weitsichtige Investoren wäre damit die schematische Reaktion der Börse eine exzellente Kaufgelegenheit.
 
 
Mit besten Grüßen
 
Torsten Ewert
 
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