Und die Krise zieht weitere Kreise

  
Und die Krise zieht weitere Kreise
von Jochen Steffens
  
Die Ratingagentur Fitch hatte die Bonitätsnote Griechenlands von „A-“ auf „BBB+“ gesenkt. Die weiteren Aussichten für die Kreditwürdigkeit des Landes bewerten die Bonitätsprüfer „negativ“.
Heute folgte eine Nachricht der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), die den Ausblick für die Kreditwürdigkeit von spanischen Staatsanleihen auf "negativ" von bislang "stabil" gesenkt hatte. Das könnte auch zu einer Ratingabstufung Spaniens führen, sofern die dortige Regierung keine "aggressiveren Schritte" unternimmt, fiskalpolitische und außenwirtschaftliche Ungleichgewichte einzudämmen.
 
Die Ratingagentur Moody`s hatte unlängst davor gewarnt, dass auch Staaten mit Top-Ratings wie Großbritannien und die USA immer näher an den unteren Rand ihres Triple-A Ratings geraten. Noch sei das Spitzenranking allerdings „belastbar“. Nur zur Information, Länder wie Kanada, Deutschland, Frankreich, Schweiz, Neuseeland, Österreich und Luxemburg werden von Moody’s als „resistent“ charakterisiert. Hier muss man sich also keine Sorgen machen.
 
Moody’s spricht auch den Umstand an, dass auf alle Staaten langfristig zusätzliche Belastungen durch hohe Zinsen hinzukommen. Die ausufernde Staatsverschuldung in allen Ländern ist in Zeiten niedriger Zinsen gut finanzierbar. Aber was passiert, wenn aufgrund von Inflationssorgen die Zinsen anziehen, und die Staaten sich auf einmal einer ständig wachsenden Zinslast gegenübersehen?
 
Umso wichtiger werden Maßnahmen zu einer nachhaltigen Konjunkturerholung werden. Dazu gehören eben auch ein Abbau der Arbeitslosigkeit und natürlich die Konsolidierung der Haushalte.
 
Gerade der europäische Markt reagierte auf die schlechteren Perspektiven für den ehemaligen Überflieger Spanien verschnupft. Es ist die Befürchtung im Markt, dass noch weitere negative Nachrichten aus dem Kreditmarktbereich kommen. Dubai, Griechenland, Spanien - und wie geht es weiter? Was wird diese Krise noch für Überraschungen bereithalten?
 
 
Wie interpretiert man eine „Orientierungslosigkeit“ des Marktes
 
In den letzten Tagen liest man viel von der Orientierungslosigkeit des Marktes oder der Orientierungslosigkeit der Anleger oder sogar der Indizes. Kurz, den Medien wird so langsam die Seitwärtsbewegung bewusst. Was aber bedeutet eine „Seitwärtsbewegung“? Ist das bullish, bearish oder lediglich ein Zeichen von Unentschlossenheit?
 
Klassische Charttechnik
 
Die klassische Charttechnik macht es sich einfach. Sie sagt: Eine Konsolidierung in Form einer Seitwärtsbewegung - auch Rechteck genannt - ist bullish, da Rechtecke Fortsetzungsformationen sind.
  
 
Somit müsste man also irgendwann mit einem Ausbruch aus diesem Rechteck nach oben rechnen.
 
Die Topformation

Wenn es doch so einfach wäre. Gerade nach langen Trends und nach starken Bullenphasen brauchen Tops oft einen längeren Zeitraum, um sich auszubilden. Das ist der entscheidende Unterschied zwischen Top-Formationen und Boden-Formationen: Bodenformationen benötigen wesentlich weniger Zeit, um sich zu etablieren.
 
Ein Beispiel
 
Eines der bekanntesten Beispiele ist das große Top um das Jahr 2000 im Dow Jones:
 
 
Dort ist eine typische Seitwärtsbewegung (blaues Rechteck) zu erkennen, die von März 1999 bis September 2001 andauerte. Tatsächlich sind solche Rechtecke typisch für große Tops. Allerdings verstecken sie sich oft in anderen Formationen. Eine der bekanntesten Topformationen, die Schulter-Kopf-Schulter-Formation ist besonders dann, wenn sie mit mehreren Schultern ausgebildet wird, eigentlich auch nur eine spezielle Form einer Seitwärtsbewegung.
 
Rounding-Tops

Aber selbst bei den Rounding-Tops, die sich über mehrere Jahre ausbilden können, findet sich im Kern eine Seitwärtsbewegung. Dazu als Beispiel, wie das aussehen kann, der aktuelle DAX:
 
 
Wir denken uns den Chart einfach entlang der roten Linie des Roundings und den darauf folgenden Prognoselinien weiter. Dann hätte es in der Mitte des Roundings eben auch eine Seitwärtsbewegung gegeben. Für den DAX würde das übrigens bedeuten, dass sich eine große „W-Formation“ als Bodenformation ausbildet. Das ist aber nur eines von vielen zurzeit noch sehr theoretischen Szenarien. In unserem Zusammenhang belegt dieses Beispiel jedoch anschaulich, wie ein Rechteck das Hoch in einem Rounding ausbildet.
 
Die Abhängigkeit vom Betrachter
 
Bei den vielen Möglichkeiten fällt es dem überzeugten Bären natürlich leicht, diese Seitwärtsbewegung als ein Zeichen des drohenden Endes der Zwischenerholung in dem größten Crash seit knapp 100 Jahren zu bezeichnen. Er wird dazu auch genügend Beweise finden. Genauso wird der Bulle darauf bestehen, dass Rechtecke Fortsetzungsformationen sind und die Rally weiter geht. Schlussendlich gibt es noch die Steffens-Daily-Leser, die gerne beide Seiten betrachten und somit bis hierhin keinen befriedigenden aber damit auch keinen falschen Schluss aus diesen Analysen ziehen können.
 
Fundamentale Betrachtung
 
Tatsächlich kann man allein aufgrund der Feststellung, dass sich der Markt nun in einem Rechteck aufhält, keine wirklich verlässlichen Prognosen erstellen. Und hier zeigt sich, wie wichtig die Verbindung von Charttechnik mit der fundamentalen Grundsituation ist, um bestimmte Formationen besser einordnen zu können:
 
Wir haben eine enorme Rally hinter uns. Der Markt war und ist noch stark überkauft. Das bedeutet, eine Konsolidierung ist mehr als überfällig. Nun sind aber in den USA und in vielen anderen Ländern dieser Erde die Zinsen sehr niedrig, zudem findet das Geld einfach keine Renditemöglichkeiten außerhalb der Börsen. Also fließt das Geld mit der Hoffnung auf Rendite in die Märkte.
 
Das bedeutet, zurzeit stehen sich zwei Fraktionen gegenüber: Die einen, die gerne ihre Gewinne sichern wollen, weil sie um die weitere Zukunft der Märkte besorgt sind und die anderen, die auf der Suche nach Rendite versuchen, zu günstigen Kursen in den Markt zu drängen. Das Ergebnis aus diesem Kampf zwischen diesen beiden Fraktionen ist, dass der Markt weder nach oben, noch nach unten ausbrechen kann. Was macht der Markt also? Er läuft seitwärts. So einfach ist das.
 
Eine Konsolidierung...
 
Über diese Seitwärtsbewegung baut sich aber auch gleichzeitig die überkaufte Situation ab. Eine richtige Konsolidierung in Form von stark fallenden Kursen ist aufgrund der vielen Käufer einfach nicht möglich. Sobald sich die überkaufte Situation nachhaltig abgebaut hat, können die Kurse wieder steigen.
 
... mit einem Aber
 
Aber natürlich darf in dieser fragilen Situation nicht Schlimmes passieren (so wie damals im Dow Jones, als im Jahr 2001 der Anschlag auf das World Trade Center verübt wurde). Dann könnten diejenigen, die noch in den Markt wollen, Angst bekommen und ihren Kaufwillen aufgeben.

Einfache Lösung?
 
Und aus diesem Grund bleibt tatsächlich nichts anderes übrig, als bei so einer Seitwärtsbewegung abzuwarten, ob es zu einem nachhaltigen Ausbruch nach oben oder nach unten kommt. Hier bilden sich die entsprechenden Zeichen. Als Investor, aber auch als Trader kann man jedoch versuchen, an der unteren Begrenzung der Seitwärtsbewegung Positionen aufzubauen und je nach Anlagehorizont weit oder eng abzusichern. An diesen Linien hat man ein vergleichsweise gutes Chance/Risiko-Verhältnis. Denn es gilt: Eine Seitwärtsbewegung ist eine Seitwärtsbewegung ist eine Seitwärtsbewegung – und diese setzt sich meist länger fort, als die meisten glauben wollen...
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens
Finanzmarktausblick 2010
 
Wie jedes Jahr möchte ich Sie auf den interessante Finanzmarktausblick 2010 von wellenreiter-invest, der am 18. Januar 2010, 18:30h, Hotel Mövenpick, Oberursel/Taunus stattfindet, aufmerksam machen:
 
Folgt der Deflation jetzt eine größere Inflationswelle? Erleben wir einen weiter steigenden Goldpreis? Wohin fällt der US-Dollar? Erholt sich die Weltwirtschaft in 2010 weiter? Sind erste Anzeichen einer erneuten Rezession erkennbar? Wie verändert sich das Umfeld für die Banken? Welche Richtung nehmen die Aktienmärkte in 2010? Und nicht zuletzt: Wie dürften sich die Finanzmärkte in der kommenden Dekade entwickeln?
 
Manfred Hübner, Chris Zwermann, Robert Rethfeld und Alexander Hirsekorn erläutern die wichtigen Tendenzen und Bewegungsrichtungen der Finanzmärkte in 2010. Die Genannten können einen langjährigen, positiven "Track Record" im Hinblick auf ihre Jahresausblicke vorweisen.
 
Manfred Hübner gilt als einer der führenden Experten der Behavioral Finance in Deutschland. Er ist Gründer und Geschäftsführer der sentix GmbH.
 
 
 
Chris Zwermann kann - wie kaum ein anderer - die globalen wirtschaftlichen Zusammenhänge verständlich erläutern und hat sich als Währungsexperte einen Namen gemacht.
 
 
 
Robert Rethfeld ist Finanzjournalist und Herausgeber des Börsendienstes Wellenreiter-Invest. Seine Kolumnen werden auf n-tv und in vielen anderen Internet-Diensten veröffentlicht.
 
 
 
Alexander Hirsekorn ist Trader und Finanzjournalist. Er veröffentlicht seinen wöchentlichen Marktausblick im Rahmen des Wellenreiters und schreibt regelmäßige Kolumnen für den "Smart Investor" und das "Traders Journal".
 
 
 
 
Moderation: Roland Klaus, TV-Journalist
 
Teilnahmegebühr: Die Kosten für die Teilnahme an der Veranstaltung betragen 95 Euro. Abonnenten zahlungspflichtiger Dienste, die von den vier Referenten angeboten werden, zahlen eine ermäßigte Gebühr von 75 Euro (Alle Beträge incl. MwSt.) Leistungen: Vorträge, Sektempfang, Finger-Food-Büfett, Getränke vor Beginn der Veranstaltung. Veranstaltungsbeginn ist 18:30h.
 
Anmeldungen per E-Mail an admin@wellenreiter-invest.de
(Bitte Teilnehmerzahl und Rechungsadresse angeben). 

US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens
 
Der Großhandelsumsatz in den USA ist im Oktober um 0,3 % gestiegen. Die Lagerbestände sind allerdings um 1,2 % geklettert .
 
Das Verhältnis Lagerbestände gegenüber Umsatz (Inventories/Sales Ratio) liegt bei 1,16.
 

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