Die Finanzmarktkrise war nur der Verstaerker einer vorhersehbaren Entwicklung

 
 
Die Finanzmarktkrise war nur der Verstärker einer vorhersehbaren Entwicklung
von Jochen Steffens
 
Heute fange ich ausnahmsweise einmal mit den Charts an, bevor ich auf ein sehr interessantes Diagramm zu sprechen komme:
 
 
Der Nasdaq100 ist mit einem Fehlsignal erneut an dem primären Abwärtstrend gescheitert und zwar nachdem er das erste Gap geschlossen hat. Das sieht natürlich wenig schön aus, zumal sich damit auch eine Art Doppeltop ausbildet. Hier muss der geneigte Investor also sehr vorsichtig werden. Sie wissen, ich schreibe schon seit Wochen davon, vorsichtig zu werden,  seitdem ist nicht mehr viel an den Märkten passiert. Offensichtlich wurden auch noch andere Marktteilnehmer vorsichtig.
 
Da jedoch die Zinsen immer noch sehr niedrig sind, und Ben Bernanke sich gestern bemüht hat, aufkommenden Zinserhöhungsängsten entgegen zu treten, ist es immer noch nicht die Zeit, short zu gehen. Auch das muss berücksichtigt werden. Der Markt kann immer noch jederzeit nach oben ausbrechen, zumal sich auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingen langsam verbessern. 
 
Kommt es also nicht zu einem Einbruch, wäre die „bearishe“ Variante, dass der Nasdaq100 seitwärts und unspektaktulär aus seinem primären Abwärtstrend herausläuft. Geschieht das, wäre dies ein weiterer Hinweis darauf, dass die Märkte auch nach einem solchen Trendbruch eine ganze Weile weiter seitwärts laufen werden.
 
Das große Bild

Da ich den zugrundeliegenden langfristigen Chart schon länger nicht gezeigt habe, hier noch einmal der primäre Abwärtstrend seit dem Jahr 2000:
 
 
US-Zinsen als Indikation für den Arbeitsmarkt
oder eine andere Art die Welt zu sehen...
 
Ich hatte gestern im Zusammenhang mit den Arbeitsmarktdaten einige Konjunkturdaten-Diagramme durchgesehen. Dabei entdeckte ich eine Ähnlichkeit zwischen der Entwicklung der Leitzinsen in den USA und dem Arbeitsmarkt. Ich habe die beiden Diagramme zusammengefügt, und folgendes Bild entstand:
 
 
Sie sehen hier die Entwicklung des US-Leitzinses (effektiv) in rot und die Entwicklung der US-Arbeitslosenquote (blaue Kurve) in den USA. Was besonders auffällt, ist die hohe Korrelation der Zinskurve mit der Arbeitslosigkeit. Und zwar folgte jedem Zinshoch ein Hoch in der Arbeitslosenquote, allerdings deutlich zeitversetzt. Die schwarzen Pfeile weisen auf eben diesen Zusammenhang hin.
 
Hohe Zinsen führen zur Arbeitslosigkeit
 
Das macht auch Sinn, denn hohe Zinsen würgen die Wirtschaft ab, die Unternehmen entlassen Arbeitnehmer, die Arbeitslosigkeit steigt. Das gleiche gilt auch umgekehrt: Sinken die Zinsen, sinken auch die Arbeitslosenzahlen. Und somit folgt der Arbeitsmarkt auch den Zinstiefs. Dass das zeitversetzt geschieht, liegt daran, dass die Zinsen ein bis zwei Jahre brauchen um auf die Wirtschaft durchzuschlagen.
 
Die steigende Arbeitslosigkeit 2009 war vorhersehbar
 
Interessant wird es, wenn man sich den steilen Anstieg der Zinsen 2004 -2006 anschaut. Eigentlich war nach diesem Anstieg, sofern einem oben aufgezeigte Korrelation bewusst gewesen wäre, nichts anderes zu erwarten, als dass die Arbeitslosenquote ebenfalls hochschießt. Die Finanzkrise dürfte diesen Effekt zwar verstärkt haben, doch mit großer Wahrscheinlichkeit hätten wir auch ohne diese Finanzkrise einen empfindlichen Anstieg der Arbeitslosenquote gesehen.
 
Der Fehler der Fed
 
Auch diese Grafik bestätigt um einmal mehr meine These, dass Ben Bernanke einen großen Fehler gemacht hat, die Zinsen so schnell so weit anzuheben, ohne zwischendurch eine längere Pause einzulegen. (Der Fehler war nicht die Zinsen anzuheben, ein großer Teil der Blase entstand durch die niedrigen Zinsen zuvor, es geht lediglich um die Art und Weise, wie die Zinsen angehoben wurden.)  Diese Pause wäre notwendig gewesen, um abzuwarten, wie sich erste Zinserhöhungen auf die US-Wirtschaft auswirken. Da gerade die Subprimekrise im Prinzip auch wiederum eine Folge des viel zu schnellen Anstiegs der Leitzinsen gewesen ist, bleibt die oben aufgezeigte Korrelation trotz oder gerade wegen der Finanzkrise absolut intakt und schlüssig.
 
Prognose
 
In der Umkehrung bedeutet das aber: Die Zinsen sind nun niedrig, wir werden also bald auch bei der Arbeitslosenquote einen entsprechend deutlichen Rückgang erleben. Die guten Zahlen von Freitag sind somit auch durch diesen Umstand zu erklären. Wie schon geschrieben, wir müssen abwarten, wie groß der Einfluss des Weihnachtsgeschäfts gewesen ist.
Schwierig wird es nur, wenn die Inflation anzieht und die Fed auf die Inflation ähnlich wie in den 80ern reagieren muss. Dann wird sofort auch die Arbeitslosenquoten ansteigen und dieses Mal schnell deutlich über 10 %, also noch höher als 1980.
 
Insofern ist es für mich unverständlich, warum Ben Bernanke gerade wieder die Märkte beruhigt hat, also Zinserhöhungssorgen entgegengetreten ist. Es wäre die Zeit, so langsam die Zinsen anzuheben, um ein oder zwei Prozent, das sollte sich noch nicht auf die Wirtschaft auswirken. Dann etwas abzuwarten, um wieder etwas später ganz vorsichtig weitere Anhebungen vorzunehmen.
 
Alles andere wird die Inflationsgefahren erhöhen. Und die Folgen schnell und stark steigender Zinsen haben wir in den letzten beiden Jahren, aber auch in den 80ern erlebt. Aber vielleicht wird genau das ja der zweite große Fehler des Ben Bernanke.
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens

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