von Torsten Ewert
HINWEIS: Aus terminlichen Gründen erscheint der nächste Steffens Daily erst wieder am Mittwoch, den 11.11.2009.
Vor zwei Wochen wies ich an dieser Stelle darauf hin, dass der „Titelblatt-Indikator“ ein erstes Warnsignal in der laufenden Rally gegeben hat. Prompt hat der DAX über acht Prozent verloren und dabei das nächste Warnsignal gesendet (siehe Chart):
Quelle: MarketMaker
Ein nächstes Warnsignal
Aufgrund des Kursverlaufes der letzten Woche bildet sich nun unvermeidlich ein neues tieferes Tief aus. Erneute Kursrückgänge könnten diesen Punkt auch noch weiter nach unten verschieben.
Damit haben sich nicht nur die beiden Umkehrkerzen vom Oktober (gelbe Ellipse) durchgesetzt, sondern es wurde auch der seit März gültige Aufwärtstrend gebrochen. In der gegenwärtigen Situation ist ein neues tieferes Tief also auf jeden Fall ein ernstes Zeichen.
Wie Sie im obigen Chart erkennen können, zeichnet sich ein typischer Aufwärtstrend (wie der jüngste seit März 2009) nämlich dadurch aus, dass nicht nur immer neue Hochs gebildet werden, sondern dabei auch die Zwischentiefs mit nach oben wandern (waagerechte violette Linien). Folglich wird ein Abwärtstrend sowohl durch neue Tiefs als auch immer niedrigere Zwischenhochs charakterisiert.
Das nun entstandene neue Tief könnte also der Anfang eines neuen Abwärtstrends sein.
Mehrere Voraussetzungen formen einen Abwärtstrend
Natürlich müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein, damit ein neuer Trend entsteht. Möglich ist jetzt genauso gut eine kurze Konsolidierung, die ja formal ebenfalls einige Kriterien einer Abwärtsbewegung erfüllt. Gerade in der längerfristigen Betrachtung kommt den fundamentalen Aspekten bei der Unterscheidung zwischen Korrektur/Konsolidierung und Abwärtstrend eine besondere Bedeutung zu.
Gute Dienste zur Früherkennung der konjunkturellen Befindlichkeiten liefern Umfragen zur Lage der Unternehmen, da sie zum einen eine gewisse Objektivität aufweisen (Lageeinschätzungen basieren auf konkreten Zahlen) und zum anderen – im Gegensatz zu den meisten offiziellen Daten – sehr aktuell sind. Typische Beispiele sind Einkaufsmanager-Indizes, wie der ISM-Index aus den USA, oder auch das bekannte ifo-Geschäftsklima aus Deutschland. Letzteres liefert über seine Erwartungskomponente auch ein Stimmungsbild aus der Wirtschaft.
Im historischen Vergleich ergibt sich aus den ifo-Werten der letzten Monate eine interessante Erkenntnis (siehe folgende Grafik).
Quelle: ifo
Die Lage hält (noch), was die Stimmung verspricht
Der Einbruch des Jahres 2008 hat in der Wirtschaft ohne Zweifel tiefe Spuren hinterlassen: Nie zuvor sanken sowohl die Lagebeurteilung als auch die Erwartungshaltung der Unternehmen auf so tiefe Werte wie Ende 2008/Anfang 2009.
Allerdings sucht auch die Erholung von diesen Tiefstwerten in der Historie Ihresgleichen! Noch nie schossen die Erwartungswerte derart in die Höhe wie im Jahresverlauf 2009 (grüne Kästchen). Das könnte durchaus ebenfalls ein Warnsignal sein. Doch auch die Lageeinschätzung verbesserte sich nach einigem Zögern überdurchschnittlich (nur 1996 gab es einen vergleichbaren Anstieg; s. violette Kästchen).
Trotz vielerlei Bedenken seitens Ökonomen und Analysten stiegen beide Komponenten auch bei den jüngsten Erhebungen weiter deutlich an. Bisher spiegeln sich also die Befürchtungen über einen „Double Dip“ der Wirtschaft noch nicht in dem Meinungsbild der Unternehmen wider.
Gefahren gibt es aber trotzdem. Denn durch den Anstieg öffnet sich die Schere zwischen aktueller Lage und künftigen Erwartungen immer weiter. Dieses so genannte „Erwartungs-Gap“ wird größer und muss sich früher oder später zwangsläufig schließen. Optimal wäre natürlich eine anhaltende Lageverbesserung bei abflachender Erwartungskurve, fatal dagegen ein scharfer Einbruch beider Werte.
Diese Unsicherheit über den weiteren Verlauf wird gegenwärtig offenbar an den Börsen eingepreist. Zwar heben inzwischen die Analysten die Gewinnerwartungen für die Unternehmen immer weiter an. Doch wir wissen auch, dass solche „Verbesserungen“ häufig eine Reaktion auf die vorangegangenen Kursanstiege und optimistischere Verlautbarungen aus den Vorstandsetagen der Konzerne sind.
Der Markt dagegen lässt deutliche Zweifel erkennen.
Anhaltende Konsolidierung erwartet
Diese Zweifel sollten uns noch einige Zeit begleiten. Denn da ifo, ISM und Co. nur im Monatsrhythmus erhoben werden, dauert es noch eine Weile, bis sich klar erkennen lässt, wohin für die Unternehmen im nächsten Jahr die Reise gehen wird.
Damit fällt vermutlich auch die Jahresendrallye aus, auf die etliche Anleger noch sehnsüchtig warten. Aber wir hatten immerhin schon eine unvermittelte Sommer-Rallye, und auch der „obligatorische“ Herbst-Crash fiel aus.
Sofern wir als doch noch einen neuerlichen Angriff auf die Jahreshochs erleben werden, handelt es sich dabei vermutlich um eine Gegenbewegung in der nun eingeläuteten Konsolidierung bzw. einen weiteren Liquiditätsschub.
Doch die Bären wittern nun wieder etwas Morgenluft. Insofern werden uns die nächsten Tage und Wochen verraten, wie stark diese inzwischen geworden sind. Oder was die Bullen noch in der Hinterhand haben.
Kluge Anleger schichten in den nächsten Wochen ihr Depot um: In Anstiege verkaufen sie die schlechtesten Aktien und sichern die Gewinne ab. In schwachen Zeiten halten sie Ausschau nach neuen Chancen und unterbewerteten Papieren.
Mit besten Grüßen
Torsten Ewert
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