Kleine Short-Squeeze
von Jochen Steffens
Ich hatte geschrieben, dass sich die Märkte heute etwas positiver entwickeln könnten. Aufgrund besserer US-Konjunkturdaten kam es jedoch sogar zu einer Short-Squeeze, welche die Kurse in den USA und Europa erheblich anfeuerte.
Squeeze ist Englisch und heißt so viel wie „Enge, Engpass, Quetsche“. Mit Short-Squeeze ist dann auch eine Situation gemeint, in der Anleger, die auf fallende Märkte gesetzt haben, also „Short“ waren, bei plötzlich steigenden Kursen aus dem Markt gezwungen werden. Die meisten Shorties sind kurzfristig unterwegs, so dass sie auch schneller bereit sind, sich von ihren Positionen zu trennen. Das macht diese Short-Squeeze so explosiv.
Eine Reihe von Faktoren als Auslöser
Heute finden wir eine entsprechende Situation vor. Viele Trader haben, was nun offensichtlich wird, auf fallende Kurse bis zur Fed-Sitzung gesetzt. Nun werden einige denken: „Ich realisiere lieber meinen Gewinn, wer weiß, was die Fed tatsächlich in ihrem Statement veröffentlicht.“ Wenn Shorties ihre Positionen wieder auflösen, führt das zu steigenden Kursen. (Um Short zu gehen, leiht man sich Aktien und verkauft diese im Markt. Wenn man die Position auflösen will, muss man also die Aktien zurückkaufen, um sie dem Verleiher wieder zurückzugeben. )
Bessere US-Konjunkturdaten
Die Kurse steigen also. Wenn in dieser Situation, so wie heute, auch noch unerwartet gute US-Konjunkturdaten veröffentlicht werden, kommt natürlich noch mehr Kaufdruck auf. Bei den Positionen der Shorties, die eben noch deutlich im Plus waren, schmelzen diese Gewinne dahin. Natürlich überlegt sich der Shortie, ob er jetzt mit diesem deutlich kleineren Gewinn-Puffer noch das Fed-Statement abwarten will. Seine Angst ist natürlich, dass es nach der Fed-Sitzung zu stark steigenden Kursen kommt.
Zunächst schwacher Umsatz
Sollten die Short-Position sogar ins Minus laufen, wird das weitere Short-Auflösungen nach sich ziehen. Es kommt also eine große Anzahl von Aktienkäufern in den Markt. Diese treffen auf einen sowieso schon schwachen Umsatz, da der Rest der Anleger natürlich lieber erst einmal abwartet, was die Fed denn so sagen wird.
Trader, die auf steigende Märkte wetten
Hinzu kommen dann auch noch weitere Trader, die vielleicht das entscheidende Einstiegsignal gesehen haben oder auf eine bessere Entwicklung im Anschluss an die Veröffentlichung des Fed-Statements hoffen. Und schon ist die Short-Squeeze perfekt.
Allgemein sagt man, die erste Short-Squeeze ist selten die letzte. Das bedeutet, nach der ersten Short-Squeeze in einem Abwärtstrend, kommt es meistens noch einmal zu weiter fallenden Kursen und erst die zweite oder sogar dritte Short-Squeeze beendet den Trend. Allerdings gilt das für massive Abwärtstrends. Ob man diese Weisheit also auf den kleinen Abwärtstrend seit den letzten Hochs anwenden kann, ist zumindest fraglich.
Gerade die gefallenen Engel profitieren
Ein Hinweis darauf, dass es sich um eine solche Squeeze handelt ist, dass gerade die Aktien extrem ansteigen, die zuvor sehr stark gefallen sind. Es kommt somit zum Teil zu sehr starken Kursgewinnen in diesen Einzelaktien.
Nächste Ziel im DAX: Die 5.000-Punkte-Marke
Das nächste Ziel im DAX ist damit wieder die 5.000-Punkte-Marke. Dort wird es sich dann entscheiden. Scheitern die Kurse erneut an dieser Marke, müssen wir eventuell sogar wieder mit stark fallenden Kursen rechnen. Wahrscheinlich wird also doch das Statement der Fed heute entscheiden, was in den nächsten Tagen passieren wird. Auf der anderen Seite, wenn der Markt so heftig reagiert, dürfte vieles auch schon eingepreist sein. Naja, abwarten und Tee trinken.
Viele Grüße
US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens
Der Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter in den USA ist im Mai um 1,8% gestiegen. Analysten hatte hingegen mit einem Rückgang um 0,8% gerechnet, nach einem Plus von 1,8 % im Vormonat. Auch für der Auftragseingang ohne den Transportbereich wurde ein Plus von 1,1% gemeldet, nach 0,44 % zuvor.
Auslöser für die Rally war aber, dass der Ordereingang für zivile Investitionsgüter ohne Flugzeuge um 4,8 % angestiegen ist und damit den stärksten Anstieg sei über fünf Jahren verzeichnete. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Firmen wieder anfangen, zu investieren.
Etwas untergegangen ist im Taumel der Gefühle, dass die Zahl der US-Neubauverkäufe im Mai um 0,6% auf einen saisonbereinigten Jahreswert von 342.000 gefallen ist. Analysten hatten hingegen mit einem Anstieg um 2,3% gerechnet.
Nach wie vor, ist die Entwicklung auf dem US-Immobilienmarkt sehr wichtig für den weiteren Verlauf der US-Wirtschaft. Wie man an dem Diagramm sieht, befinden sich die Werte allerdings immer noch auf historisch niedrigem Niveau. Man sollte dabei bedenken, dass die Bevölkerung in den USA seit den 60er auch entsprechend zugenommen hat. In diesem Diagramm ist auch sehr schön der Immobiliencrash selbst zu erkennen. Ob es eine Erholung der US-Wirtschaft ohne den US-Immobilienmarkt geben wird?