ZEW uebertrieben positiv?

 
 
ZEW übertrieben positiv?
von Jochen Steffens
 
Hinweis: Vom 18. - 23.02.09 erhalten Sie keinen Steffens Daily. Mich hat erneut dieser grippale Infekt erwischt und er zeigt sich nun hartnäckiger als zuvor. Bevor ich diesen nun noch weiter verschleppe, will ich mich einmal richtig auskurieren. Da in Köln in der Karnevalszeit sowieso der Alltag eingestellt wird, ist der Zeitpunkt vielleicht gerade günstig. Den nächsten Steffens Daily erhalten Sie somit am Dienstag nächster Woche. Ich bitte um Ihr Verständnis.
 
Immer noch keine klaren Signale
 
Der Markt liefert immer noch keine klaren Signale. Der Nasdaq100 befindet sich weiterhin in seinem möglichen aufsteigenden Dreieck, hier einmal im Stundenchart:
 
 
Es muss tatsächlich auch in diesem Chart erst noch eine Entscheidung fallen. Ich bin gespannt, ob das in den nächsten Tagen passieren wird.
 
Das US-Konjunkturprogramm ist beschlossen. Die US-Autobauer müssen heute ihre Restrukturierungsmaßnahmen dem Kongress vorlegen. Anschließend wird sich das Schicksal von GM, Ford und Chrysler entscheiden. Sollte die US-Automobilindustrie im Worst-Case-Szenario zusammenbrechen, wären bis zu einer Millionen Arbeitsplätze in den USA gefährdet, wenn man die Zulieferbetriebe mit einrechnet. Ich glaube kaum, dass die US-Regierung ein solches Horrorszenario in der aktuellen Situation zulassen wird, um nicht zu sagen: zulassen kann. Ein Zusammenbruch der Autobauer würde über Kredite und andere Faktoren das sowieso schon angeschlagene Finanzsystem derart belasten, dass auch hier ein Zusammenbruch in diesem Fall nicht ausgeschlossen werden könnte.
 
ZEW steigt um über 25 Prozentpunkte
 
Angesichts dieser Nachrichten ist es sehr schwierig zu beurteilen, wie man den aktuell stark steigenden ZEW-Indikator beurteilen soll. Dieser ist in der jüngsten Veröffentlichung um satte 25,2 Punkte von zuvor minus 31 Punkte auf nunmehr nur noch minus 5,8 Punkte gestiegen.
 
 
 
Damit hat er sich schon deutlich von den Tiefs erholt. Normalerweise hat er an den Tiefs eine Vorlaufzeit zum Markt von ca. 3 Monaten. Das würde bedeuten, dass wir bald mit einer Rally rechnen könnten.
 
Allerdings fällt auf, dass die Einschätzung der aktuellen Situation (rote Linie) auf einen neuen Tiefstwert gerutscht ist. Ich frage mich demnach zurzeit, ob dieser fast schon übertriebene Optimismus der Finanzexperten, der im Kontrast zur Beurteilung der aktuellen Lage steht, nicht sogar schon wieder eher als Kontraindikator zu werten ist. Zudem frage ich mich, wo dieser Optimismus eigentlich herkommt, da, wie gesagt, in meinem Kollegenkreis die Stimmung eher düster ist.
 
Zu viele denken das Gleiche

Allerdings erwarten viele Analysten, Kleinanleger und andere für den Sommer eine Rally. Das ZEW geht davon aus, dass sich die Wirtschaft ab Mitte des Jahres leicht erholen wird. Wenn die Wirtschaft sich im Sommer erholt, sollte die Börse das aber schon deutlich früher einpreisen. Mir gefällt insgesamt dabei diese positive Einschätzung nicht. Wenn zu viele das Gleiche denken, wird irgendetwas passieren, womit keiner rechnet. Vielleicht müssen aber auch nur die Tiefs noch einmal aus dem Markt genommen werden, wie ich in dem gestrigen Szenario bereits beschrieben hatte. Ich denke, das würde ausreichen, um eine entsprechende Panikstimmung auszulösen.

Viele Grüße
 
Jochen Steffens

 
 
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