Schlechte Stimmung, steigende Maerkte?

Mittwoch, 25. Juni 2008
In dieser Ausgabe:
 
 

Schlechte Stimmung, steigende Kurse?

von Jochen Steffens
 
Wie ich gestern geschrieben habe, ist das Verbrauchervertrauen des Conference Boards auf ein Niveau historischer Tiefs gefallen (Veröffentlichung vom 24.06.08). Mich hat interessiert, ob niedrige Werte beim Verbrauchervertrauen tatsächlich im Zusammenhang mit entscheidenden Tiefs an der Börse stehen. Hier das Ergebnis:
 
 
 
Leider habe ich die Daten nur ab 1980. (Falls ein Leser ältere Daten des oben genannten Verbrauchervertrauens besitzt, würde ich mich freuen, wenn er mir diese zusenden könnte. Vielen Dank dafür schon einmal im Voraus).
 
Aber selbst hier in dieser relativ kurzen Zeitspanne sieht man, dass Werte unter 60 Punkten häufig mit entscheidenden Tiefs an den Börsen zusammenfallen (blaue Kreise). 

Die Untergangsstimmung nach dem 87er Crash

Interessant sind die Jahre nach dem 87er Crash (grüner Kreis). Damals war die Stimmung extrem schlecht. Sie erholte sich über Jahre nicht. Viele der damaligen Analysten und Kommentatoren gingen in dieser Zeit von einem Zusammenbruch des internationalen Finanzsystems aus. Das Ende der Wirtschaft sei nahe, so der Konsens. Hauptargument war die hohe Haushaltsverschuldung der USA, die Schwäche des Dollar und die außer Kontrolle geratene Finanzpolitik der US-Regierung. Wir kennen diese Argumente.
 
Tatsächlich aber stiegen die Kurse in dieser Zeit, trotz all dieser überzeugenden Analysen, munter immer weiter. Diese, über lange Jahre schlechte Stimmung, leitete schlussendlich eine der größten Rallyes der Nachkriegszeit ein.
 
Auch 2002-2003 sank die Stimmung der Verbraucher wieder einmal auf einen Tiefpunkt. Die meisten von Ihnen werden sich noch an diese Zeit erinnern. Untergangspropheten hatten Hochkonjunktur, Weltuntergangszenarien waren en vogue. Niemand wusste, wie man aus dem Schlamassel jemals wieder herauskommen sollte.
 
Aber auch damals signalisierte diese sehr düstere Stimmung den eigentlichen Wendepunkt an den Märkten. Allein der Dax vervierfachte sich in den folgenden Jahren fast.

Und jetzt?

Jetzt ist die Stimmung wieder extrem schlecht. Interessanterweise steht diese extrem schlechte Stimmung in einem hohen Dissens zur Börsenentwicklung. Die Kurse sind noch gar nicht so weit gefallen, dass es so eine Stimmung „rechtfertigen“ würde. Wieder sind die Argumente sehr einleuchtend und überzeugend: Die hohen Energie- und Nahrungsmittelpreise, Inflation, Kreditmarkt- und Immobilienkrise, Naher Osten...

Wo soll da eine Rallye herkommen?

Genau, das ist die eigentliche Frage. Und ich als Antizykliker habe gelernt, wenn ich anfange mir diese Frage zu stellen, sollte ich mich so langsam auf der Käuferseite umsehen.
 
Das „langsam“ ist das eigentliche Problem dabei, ein Stimmungsindikator ist natürlich nicht für perfektes Timing geeignet. Der Vertrauensindex kann
 
  1. noch tiefer fallen
  2. noch eine Weile auf niedrigstem Niveau rumdümpeln
  3. kurz ansteigen, um dann noch etwas tiefer zu rutschen
etc.
 
Wir müssen also abwarten, bis sich deutlichere charttechnische Signale herausbilden, um dann entsprechend zu handeln. Wie ich gestern geschrieben habe, wäre eine Bestätigung des Triple-Bottom für langfristige Anleger ein vergleichbar zuverlässiges Einstiegssignal. Wenn es noch eine Ebene weiter runter geht, sollte man hingegen tiefliegende Abstauberlimits bei ausgesuchten Aktien in den Markt legen. So kann man das abfischen, was andere verkaufen. Natürlich sind das keine Tradingpositionen, sondern langfristig ausgerichtete Investitionen.
 
Als langfristiger Investor sollte man hoffen, dass es noch in diesem Jahr passiert, dann käme man zu höchst günstigen Kursen noch vor der Abgeltungssteuer in den Markt!

Der spannendste Tag des Jahres?

So, und nun wenden wir uns vielleicht dem spannendsten Abend des Jahres für fußballinteressierte Börsianer zu:
 
20.15 Ergebnis der Fed-Sitzung (hier wird die Rhetorik im Statement entscheidend sein)
20.45 EM Halbfinale Deutschland-Türkei
 
Fed-Sitzung: Die Zinsen bleiben unverändert, da sind sich die Analysten einig. Ich rechne mit einem Statement, aus dem hervorgeht, dass es „etwas später“ zu Zinserhöhungen kommen kann.
 
EM: Ich tippe auf 3:1...
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens

US-Wirtschaftsdaten

von Jochen Steffens
 
Die Zahl der Verkäufe neuer Häuser ist in den USA im Mai um 2,5 % auf 512.000 zurückgegangen. Analysten hatten mit 510.000 bis 520.000 Hausverkäufen gerechnet, nach 525.000 Hausverkäufen zuvor. Die Zahl lag somit am unteren Ende der Erwartungen.
 
Die Auftragseingänge in den USA für langlebige Wirtschaftsgüter blieben im Mai unverändert. Analysten hatten hingegen mit einem Zuwachs von 0,0 bis 0,3 % gerechnet, nach einem Plus von 1,0 % zuvor.

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