ISM-Index weist auf Inflationsdruck hin

03.06.08

ISM-Index mit deutlicher Inflationswarnung

Es wird ungemütlich. Der ISM-Index des verarbeitenden Gewerbes zeigte gestern in der Unterkategorie „bezahlte Preise“ einen weiteren starken Anstieg der Preiskomponenten an. Das ist eigentlich ein klares Warnzeichen und hängt natürlich eindeutig mit der Entwicklung des Ölpreises zusammen.

Um Ihnen das zu verdeutlichen, habe ich den Preisindex des ISM mit dem Kursverlauf des Crude Oil verglichen:

 

(Quelle: www.market-maker.de / www.vwd.de)

Der ISM Preisindex (hier blau) hat eine erkennbare Synchronität mit dem Verlauf des Ölpreises (rot). Offenbar hat somit die Ölpreisentwicklung einen erheblichen Einfluss. In den Jahren 1992 – 1995 sieht man zwar, dass es nicht der einzige Aspekt ist, der die Preisentwicklung im verarbeitenden Gewerbe beeinflussen kann, das war aber auch nicht zu erwarten.

Im Jahr 2004-2007 erkennen Sie, dass es offenbar eine Art Gewöhnungseffekt gibt, wenn die Dynamik des Preisanstiegs im Ölpreis nachlässt. Sollte der Ölpreis also die charttechnisch wichtige 135er Marke nicht überwinden und in eine Konsolidierung übergehen, müssen wir damit rechnen, dass sich der Preisindex in den nächsten Monaten beruhigt oder sogar stark nachgibt.

Inflation und Zinsen

Der starke Anstieg der Preiskomponente des ISM-Index zeigt, dass der Inflationsdruck in den USA weiter zunimmt. Diese Entwicklung muss als ein Grund dafür angesehen werden, dass die Fed keine weiteren Zinssenkungen mehr beschließen will. Keine Frage, ein Zinsniveau von 2 % sollte ausreichen, um die US-Wirtschaft anzufeuern. Und das sogar trotz hohem Ölpreis und der immer noch belastende Kreditmarktkrise im Zusammenhang mit der US-Immobilienkrise. Aber, die Fed kann die Zinsen nicht zu lange unten halten, denn dann fliegt ihr die Inflation um die Ohren. Auch dazu habe ich einen  interessanten Chart:

Sie sehen hier die Entwicklung der T-Bonds (30 Years) im Vergleich zu der Preiskomponente des ISM.


(Quelle: www.market-maker.de / www.vwd.de)

Auch hier erkennt man eine beachtliche Synchronität. Immer wenn der Preisindex einbrach, sanken die Zinsen. Noch wichtiger für uns ist aber, dass bei steigenden Preisen auch die Zinsen entsprechend angestiegen sind. Doch seit 2000-2002 lässt diese Abhängigkeit nach. Gerade in den letzten beiden Jahren scheint es so zu sein, als ob die Zinsen die Entwicklung des Preisindex nicht mehr mitmachen.

Der Druck auf die Zinsen wächst!

Meines Erachtens hat sich hier bereits ein dramatischer Druck auf die Zinsen aufgebaut. Dieser ist auch fundamental gerechtfertigt: Wenn die Inflationsgefahren zunehmen, steigen generell die Zinsen mit an.

Wir müssen also damit rechnen, dass wir es in den nächsten Jahren mit tendenziell wieder steigenden Zinsen zu tun haben, zumindest so lange die Rohstoffpreise nicht stark einbrechen und damit die Preiskomponenten sich weiter entsprechend inflationär entwickeln.

In diesem Zusammenhang ist es natürlich nur mehr als gerechtfertigt, sich die Frage zu stellen, ob dieser langanhaltende Trend immer weiter sinkender Zinsen der letzten 30 Jahre nicht in den nächsten Jahren ein Ende findet und sich umkehrt.

Was das für die Märkte bedeutet, können wir uns denken. Sollte es so kommen, werden wir ähnlich wie in den 60-80er Jahren einen tendenziell eher seitwärtsgerichteten Markt erleben.  Dabei wächst natürlich die Gefahr, dass es zu größeren Einbrüchen kommt.  Noch aber sind die Zinsen niedrig, noch stützen diese niedrigen Zinsen den Markt.  Wie lange noch, das  ist eine andere Frage.

Erzeugerpreise in der EU ziehen an

Zum Thema Inflation passt, dass die Erzeugerpreise der Industrie auch in der Euro-Zone im April zum Vormonat um 0,8 % gestiegen sind, nach einem Anstieg von 0,7 % im März.

Im Jahresvergleich sind die Preise der Erzeuger in der Industrie sogar um satte 6, % geklettert. Inflation, ich hör Dir trapsen...

Gerüchte um Lehman Brother lassen Kreditmarktsorgen wieder wach werden

Gerade im Zusammenhang mit der Kreditmarktkrise sind in den letzten Tagen neue Gerüchte laut geworden. So hat die Krise des Baufinanzierers Bradford & Bingley bei britischen Banken zu Problemen geführt. Große Institute wie die Royal Bank of Scotland oder die HBOS fürchten Probleme bei ihren geplanten Kapitalerhöhungen zu kriegen.

Doch so richtig fies wurde es, als bekannt wurde, dass die US-Bank Lehman Brother sich offenbar 4 Mrd. frisches Kapital besorgen will / muss. Den Gerüchten zufolge soll diese Summe unter anderem im Zusammenhang mit Absicherungsgeschäften notwendig geworden sein, mit denen Lehman Bros auf die Verluste im US-Immobilienmarkt reagiert hat.

Am 16. Juni sollen die Quartalszahlen der Bank veröffentlicht werden, hier könnte es also zu dem ersten Quartalsverlust seit dem Börsengang vor 14 Jahren kommen.

Behalten Sie dieses Datum im Hinterkopf. Im Vorfeld könnten gerade Finanzaktien noch einmal unter Druck kommen. Wenn Sie langfristig auf den Bankensektor setzen wollen, können Sie, sofern die Finanztitel insgesamt bis zu diesem Zeitpunkt noch weiter abgeben, um dieses Datum allerdings einen guten Einstieg erwischen.


Viele Grüße

Ihr

Jochen Steffens

 


US-Wirtschaftsdaten

Die Industrieaufträge in den USA sind im April um 1,1 % gestiegen. Erwartet wurde eine Veröffentlichung im Bereich -0,5 bis +0,1 %.

In den letzten Wochen ist an einigen Zahlen zu erkennen, dass die niedrigen Zinsen tatsächlich wieder etwas Feuer und dem Dampfkessel der amerikanischen Konjunktur bringen.  Ob das jedoch ausreicht auch die Kurse weiter anzufeuern, werden wir in den nächsten Tagen sehen.


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