Die Folgen eines erneuten Wintereinbruchs in den USA

 
 
Die Folgen eines erneuten Wintereinbruchs in den USA
von Jochen Steffens
 
Also im Moment scheint mir, als wären Europa und die USA was die Börsennachrichten anbetrifft etwas gespalten. In Europa interessieren sich die Börsen-Medien natürlich für Griechenland und die Frage, wie diesem Land geholfen wird. Für Europa mag es sogar stimmen, dass dies einen Einfluss hat.
 
In den USA geht es jedoch darum, welche Pläne die Fed zum Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik vorlegen wird. Ein heftiger Wintereinbruch in den USA hat unterdessen verhindert, dass Ben Bernanke persönlich vor dem Repräsentantenhaus erscheint. Seine Vorschläge wurden in schriftlicher Form übermittelt.
 
Aber auch die US-Konjunkturdaten leiden unter diesem Wintereinbruch. Der Bericht über die US-Öllagerbestände wurde schlichtweg auf Freitag verschoben (Neuer Termin: Freitag 16.30 Uhr MEZ).
 
Falls Sie morgen keinen Steffens Daily erhalten sollten, könnte es also auch an dem "heftigen" Wintereinbruch hier in Köln liegen. Ganz abwegig wäre es aber auch nicht, dass mich lediglich eine Möhne (ältere Frau mit dunkler Kopfbedeckung - im rheinischen Karneval jedoch einfach nur eine „närrische“ Frau) entführt hat und ich in der Kölner-Weiberfastnacht verschwunden bin. Wer weiß, wer weiß.
 
US-Märkte reagierten nervös auf die Bernanke-Pläne
 
Gerade die US-Märkte reagierten auf die Vorlage der Pläne zum Ausstieg aus dem Niedrigzinsniveau zunächst nervös. Schließlich betonte Ben Bernanke in seinem Schreiben, dass die Fed den Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik je nach Situation auch schneller vornehmen könne.
 
Diese Aussage muss man als klaren Hinweis im Zusammenhang mit den Inflationssorgen sehen. Ben Bernanke macht damit deutlich, dass er ein zu starkes Anziehen der Inflation nicht dulden wird. Solange das kein Lippenbekenntnis bleibt, ist das zwar sehr vernünftig, aber nicht gut für die Märkte.
 
Denn das ist wiederum ein möglicher Hinweis darauf, dass die Zinsen in den USA doch schneller, beziehungsweise früher anziehen werden, als von einigen Analysten erwartet. Somit muss sich der Markt erneut mit Zinserhöhungssorgen rumschlagen, die nach den schlechten Arbeitsmarktdaten zunächst wieder etwas aus dem Fokus der Anleger gerückt waren.
 
Viele Faktoren bestimmen nun den Markt
 
Jetzt wird es sehr kompliziert. Der geneigte Börsianer muss in den folgenden Wochen auf mehrere Faktoren gleichzeitig achten:
 
  1. Wie entwickelt sich die US-Wirtschaft? Kommt es zu einer zu starken dynamischen Erholung, werden die Zinsen wahrscheinlich viel schneller angehoben, als allgemein erwartet. Das hängt damit zusammen, dass in diesem Fall auch die Inflation deutlicher anziehen wird. Damit sind wir bei Punkt 2: 
  2. Wenn die Inflationsrate zu sehr anzieht, wird das den Markt belasten. Denn das wäre ein klarer Hinweis auf baldige Zinserhöhungen. Diese sind wiederum gefährlich, so lange nicht belegt ist, dass die US-Wirtschaft auch ohne die monetäre Stimulation weiter wachsen kann. 
  3. Die Statements der Fed zu den jeweiligen Zinssitzungen werden nun extrem wichtig. Es besteht die Gefahr, dass die Märkte vor den jeweiligen Statements abtauchen, da die Anleger in Sorge geraten, die Fed werde deutlichere Hinweise auf Zinserhöhungen aufnehmen.
  4. Wichtig bleibt natürlich auch die Entwicklung des US-Arbeitsmarktes. Nur wenn wir hier eine Erholung sehen, ist auch ein längerfristiges Anziehen der Inflationsraten möglich. Auf der anderen Seite würde eine Verschärfung auf dem US-Arbeitsmarkt für eine weitere Rezession in den USA sprechen.
  5. Zum Schluss muss der Dollar beobachtet werden. Auf die Korrelation zwischen Dollar und den US-Indizes hatte ich immer wieder hingewiesen. Im Moment stabilisiert sich der Dollar. Das wirkt eigentlich einer Inflation entgegen, belastet aber den US-Export. Ein weiter fallender Dollar könnte sich aber nach diesen Äußerungen von Ben Bernanke ebenfalls als gefährlich erweisen, er würde über die Rohstoffeinfuhren die Inflationsrisiken erhöhen.
Nein, es wird nicht einfacher in den nächsten Wochen. Und diese Flut von Faktoren, die sich teilweise auch noch widersprechen bzw. entgegengesetzt wirken, werden unter Umständen dazu führen, dass der Markt seine Richtung verliert. Auch dies ist ein Hinweis auf die von uns erwartete Seitwärtsbewegung.
 
Konsolidierungen verraten viel über die Stärke des Marktes
 
Dabei wird gerade diese aktuelle Konsolidierung viel über die eigentliche Stärke des Marktes verraten. Wenn sie frühzeitig gebremst wird und wieder neue Hochs entstehen, wäre dies ein positives Zeichen. Je tiefer sie jedoch geht, je mehr wichtige Widerstände verletzt werden, desto schwächer sind die Märkte.
 
DAX versus S&P500
 
Und damit zum Schluss noch einmal zu dem DAX-Chart, den ich Ihnen vor kurzem schon vorgelegt hatte:
 
 
 
Sie sehen, der DAX ist aus dem blauen Trendkanal nach unten ausgebrochen. Heute hat er diesen von unten den Regeln entsprechend noch einmal getestet und unter diesem Trend ein Doji (Kurskerze, die wie ein Kreuz aussieht) ausgebildet. Beides ist bearish. Somit wäre die Seitwärtsrange (hier grün) das nun favorisierte Szenario.
 
Allerdings widerspricht das zurzeit noch der Analyse zum S&P500 Chart, die ich Ihnen gestern vorgestellt hatte. Wer hat also Recht? Der S&P500 oder der DAX. Und damit sind wir wieder beim Anfang dieses Steffens Daily. Ich denke, bei den europäischen Indizes muss man im Moment etwas vorsichtig mit den Analysen sein – hier ist sicherlich ein Einfluss durch die Probleme einiger EU-Staaten zu erkennen. Die eigentlichen Signale muss der US-Markt liefern…
 
Viele Grüße
  
Jochen Steffens
 
 
 

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