In dieser Ausgabe des Steffens Daily lesen Sie:
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Retten die Chinesen die Weltwirtschaft?
von Jochen Steffens
 
So schnell geht es. Kaum kommt eine positive Meldung, schon sprintet der DAX über 5 % ins Plus.
Dieses Mal war es eine Nachricht aus China: Offenbar plant die chinesische Regierung das bisherige Konjunkturpaket in Höhe von 470 Mrd. Dollar drastisch aufzustocken. Gerüchten zufolge sei sogar eine Verdopplung geplant.
 
Dass der DAX daraufhin steigt, kann man noch verstehen. Immerhin ist China ein wichtiger Importeur für deutsche Produkte. Um zu erklären, warum auch die Kurse in den USA nach dieser Nachricht anziehen, muss man etwas um die Ecke denken.
 
Weltwirtschaft ohne US-Konsumenten
 
Die US-Bürger fallen zunehmend als Konsumenten der Weltwirtschaft weg. Arbeitslosigkeit, Deflation, Rezession, Erhöhung der Sparquote – hier ist nichts mehr zu holen. Nun gibt es aber Analysten, die darauf hoffen, dass die Emerging Markets an die Stelle der Industrienationen, insbesondere der USA, treten und die weltweite Nachfrage nach Produkten antreiben.
 
In vielen Emerging Markets ist die Wirtschaft wiederum abhängig vom Abbau und Verkauf von Rohstoffen. Und jetzt kommt China ins Spiel. Wenn China durch gigantische Konjunkturprogramme seine Wirtschaft am Leben erhält, wird die ungestüme Nachfrage nach Rohstoffen wieder ansteigen. Das wäre insbesondere dann der Fall, wenn China seine Binnennachfrage auf ein Niveau bringt, das die eigene Wirtschaft unterstützen kann (im Moment ist Chinas Wirtschaft noch zu sehr von Exporten abhängig).
 
Steigt die Nachfrage nach Rohstoffen, werden auch die Rohstoffpreise anziehen. In diesem Fall werden die Emerging Markets wieder mehr Geld verdienen. Fasst man nun die direkte Wirkung einer Belebung der chinesischen Wirtschaft auf die Weltwirtschaft, sprich die dadurch entstehende Nachfrage nach Maschinen u.a. und die indirekte Wirkung auf die Emerging Markets zusammen, könnte daraus ein ausreichender Ersatz für die wegbrechende Nachfrage der US-Konsumenten entstehen - so die Hoffnung.
 
Kurz: Die Märkte scheinen zu erwarten, dass dieses Mal China und die Emerging Markets die ins Schliddern geratene Weltwirtschaft vom Eis holen. Man kann nun geteilter Meinung darüber sein, ob das nicht doch nur eine schöne Hoffnung ist.
 
Militärausgaben steigen
 
Etwas, das vielleicht ein wenig bedenklich erscheint und bei der ganzen Euphorie gerne vergessen wird ist, dass China unter anderem auch dadurch die eigene Konjunktur antreibt, in dem es weiter den Militärhaushalt massiv ausweitet. Im letzten Jahr stiegen die Militärausgaben bereits um 17,5 %. In diesem Jahr sollen sie erneut um knapp 15 % wachsen. Der Militäretat legt damit wahrscheinlich im Jahr 2009 doppelt so stark zu, wie das Wirtschaftswachstum.
 
Doch nun zu einem anderen Thema: Ben Bernanke
 
Staatsverschuldung oder Stillstand
 
Wenn Sie den Steffens-Daily lesen, sind Sie vielen anderen Anlegern immer einen Schritt voraus. Das bestätigt sich auch gerade wieder einmal: Denn Ben Bernanke hat vor dem Haushaltsausschuss des Senats geredet. Rechnet man nach einer kurzen Phase der Deflation mit einer „Inflation“, macht das, was er dort gesagt hat, überhaupt keinen Sinn. Aber mit dem Wissen, das ich Ihnen in den letzten Tagen vorgestellt habe, versteht man, was Ben Bernanke eigentlich gemeint hat, ohne es jedoch explizit zu sagen.
 
Ben Bernanke hat sich gestern für ein höheres US-Haushaltsdefizit als notwendigem Übel im Kampf gegen die Rezession ausgesprochen. Man sei gut beraten, jetzt aggressiv vorzugehen. Die Alternative wäre eine langwierige Stagnation, die sowohl die Haushaltslage als auch die Produktion und den Arbeitsmarkt auf längere Zeit belasten würde.
 
Das, was Ben Bernanke da als mögliches Szenario beschreibt, sind die typischen Folgen einer Deflation (und natürlich auch einer Rezession).
 
Er führt weiter aus, dass die höhere Staatsverschuldung in der Krise zwar eigentlich nicht wünschenswert sei, die Wirtschaft- und die Finanzmärkte jedoch mit außergewöhnlichen Herausforderungen konfrontiert seien. Wenn die Politik diese nicht rechtzeitig angeht, käme dies letztlich noch teurer.
 
Es ist genau das, was die Wirtschaftswissenschaftler, zu denen Ben Bernanke auch gehörte, predigen. Bei starken Deflationsgefahren (außergewöhnlichen Herausforderungen) muss sehr schnell und aggressiv gehandelt werden, indem man das System mit Geld flutet. Ansonsten kann es zu spät sein. Wenn sich eine Deflation erst einmal etabliert hat wird es sehr schwer oder/und sehr teuer, diese zu bekämpfen. 
 
Dollar zeigt nach der Rede Stärke
 
Und tatsächlich nach Bernankes Rede reagierte der Dollar kurzfristig und stieg zunächst an. Und das, obwohl eine Ausweitung der Staatsverschuldung den Dollar eigentlich schwächen müsste. Das ist nur damit zu erklären, dass die Devisenhändler die Botschaft der Deflationsgefahren verstanden haben. Es passt einfach alles ins Bild. Bevor wir also über die Inflationssorgen reden, müssen wir erst einmal die Deflation überwunden haben. Wie gesagt, ich glaube, hier vertun sich viele Analysten. 
 
Aber auch Positives war von Ben Bernanke zu hören. Er rechnet damit, dass die Konjunkturprogramme in zwei Jahren die Nachfrage ankurbeln und somit auch die Produktion unterstützen werden. Dann soll sich auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt deutlich entspannen.
 
Es sei mir ein wenig Zynismus gegönnt:
 
Wenn man davon ausgeht, dass die Börse wirtschaftliche Entwicklungen um bis zu einem Jahr vorweg nimmt und Ben Bernanke Recht hat, dann können wir frühestens 2010 mit einer nachhaltigen Stabilisierung der Kurse rechnen. Obama hat gestern jedoch gesagt, Aktien (in den USA) seien auf dem aktuellen Niveau eine gute Investition.
 
Was sind wir doch froh, dass sich Ben Bernanke und Obama so einig sind, obwohl kleine Zwischenrallys, die durchaus auch einen Anstieg von bis zu 50 % (Index) hinlegen können, in vielen Baissen bereits aufgetreten sind (siehe 1929).  
 
Kurz noch zum S&P 500
 
 
Im S&P 500 kann es nun zu dem Retest an das Novembertief bei 741 Punkten kommen, zumal auch noch bei 730 Punkten ein Gap offen ist. Es sind quasi zwei Faktoren, die den S&P 500 in diese Richtung ziehen. Der Retest selber wäre noch bearish zu werten. Erst wenn die Kurse die 741-Punkte-Marke wieder nachhaltig zurückerobern, würde es leicht bullisher werden.

Viele Grüße
 
Ihr
 
Jochen Steffens
 

US-Wirtschaftsdaten
von Jochen Steffens
 
Der ISM Dienstleistungsindex für Februar sank leicht auf 41,6 Punkte. Analysten hatten mit einem Wert von 41,3 Punkten nach zuvor 42,9 Punkten gerechnet.
 
 
 
Der Wert ist etwas zurückgekommen, allerdings weniger stark als erwartet. Insgesamt erholt sich der ISM-Dienstleistungsindex bereits seit November 08, bleibt dabei allerdings immer noch deutlich unterhalb der 50-Punkte-Marke, die eine Expansion anzeigen. Der Dienstleistungssektor macht 80 % der US-WIrtschaftskraft aus.
 
 

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