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Seltene Erden: Rohstoffe der Zukunft

Ausgabe vom 03.09.2012

 


Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

wissen Sie, was sich hinter der Bezeichnung Terbium verbirgt? Yttrium, Neodym oder Antimon ? Nein, es geht hier nicht um irgendwelche neuen Medikamente oder Wirkstoffe. Es handelt sich dabei vielmehr um die Rohstoff-Gruppe der sogenannten Seltene Erden. Oder anders gesagt: Es handelt sich um die Rohstoffe der Zukunft. Die Elemente werden für technologische Anwendungen immer wichtiger. Eine Bestandsaufnahme.

17 Rohstoffe werden immer seltener

Unter dem Begriff Seltene Erden werden 17 mineralische Rohstoffe zusammengefasst, die weltweit sehr begehrt sind. Diese Rohstoffe werden zur Herstellung zahlreicher Hightech-Produkte benötigt und erfreuen sich deshalb steigender Beliebtheit. Doch der wachsenden Nachfrage steht ein beschränktes Angebot gegenüber. Zusätzliche Brisanz erhält dieses Thema dadurch, dass Hauptproduzent China seine Ausfuhren der seltenen Rohstoffe gedrosselt hat – zum Leidwesen der globalen Hightech-Industrie.

In Zukunftstechnologien dringend benötigt

Wir alle lieben Smartphones, Notebooks und Hybrid-Motoren. Was jedoch kaum jemand weiß: Für die Produktion der genannten Hightech-Produkte werden kleine Mengen mineralischer Rohstoffe benötigt, die unter dem Begriff Seltene Erden zusammengefasst werden. Yttrium wird zum Beispiel für die Herstellung von hochwiderstandsfähiger Keramik sowie für Hochtemperaturleiter benötigt. Terbium kommt bei speziellen Magneten oder bei energiesparenden Leuchtstoffmitteln zum Einsatz. Selbst in Windkraftanlagen werden Seltene Erden verbaut. Schnell wird klar, dass Seltene Erden in den nächsten Jahrzehnten immer wichtiger sein werden.

China dominiert den Markt

Problematisch ist jedoch, dass ausgerechnet China weltweit mit Abstand die größten Mengen der seltenen Erden fördert. Aus diesem Grund konnte das Reich der Mitte eine marktbeherrschende Stellung auf diesem Gebiet einnehmen. Chinas Anteil an der weltweiten Jahresproduktion Seltener Erden liegt bei erschreckenden 90 Prozent. Aber damit nicht genug. Mit Ausfuhrbeschränkungen versucht die aufstrebende Nation ihre herausragende Situation weiter zu festigen.

Bereits in den letzten Jahren hat China den Verkauf von Seltene Erden zurückgefahren. Als Folge daraus sind die Preise der mineralischen Rohstoffe deutlich gestiegen. Kein Wunder, dass dieses Vorgehen in anderen Teilen der Welt nicht gut ankommt. Industrieverbände aus unterschiedlichen Ländern wettern seit langem gegen die dominierende Stellung Chinas und fordern eine Liberalisierung des Marktes.

Welthandelsorganisation „vermittelt"

Die angeordneten Exportbeschränkungen Chinas haben bereits Untersuchungen der Welthandelsorganisation WTO ausgelöst. Sowohl die EU, als auch Amerika und Japan werfen der Volksrepublik illegale Methoden vor, um Vorteile für die chinesische Wirtschaft zu erhalten. Selbstverständlich weist China die Vorwürfe zurück. Die Kontrollen seien lediglich zum Schutz der Umwelt eingerichtet worden, hieß es aus Peking.

China rudert zurück

Immerhin deutet sich ein kleiner Lichtblick im Streit um die seltenen Erden an. Vor einigen Tagen hat Peking verkündigt, dass der Export Seltener Erden wieder leicht hochgefahren werden soll. Ob dies tatsächlich geschieht und wie es allgemein in dieser Diskussion weitergeht, muss zunächst abgewartet werden. Fest steht allerdings, dass China mittlerweile immerhin versucht, etwas mehr Ruhe in das Thema hineinzubringen. Der chinesische Ministerpräsident ließ am vergangenen Freitag auf einer Konferenz verlauten, dass sein Land nicht die Absicht habe, den Export Seltener Erden einzuschränken.

Ziel: Unabhängigkeit zurückerlangen

Darüber hinaus versuchen westliche Industrienationen auch auf andere Art und Weise, sich von der Abhängigkeit Chinas zu lösen. Zwar kommt über 90 Prozent der aktuellen Jahresproduktion der Seltenen Erden aus dem Reich der Mitte, jedoch besitzt China lediglich geschätzte 30 Prozent der weltweiten Reserven. Logische Konsequenz: Seit dem strategischen Vorgehen Chinas und den gestiegenen Preisen für die seltenen Rohstoffe arbeiten zahlreiche Unternehmen mit Hochdruck an der Erschließung neuer Quellen. Unter anderem wurde auch in Deutschland eine Rohstoffallianz gebildet, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die Versorgung der hiesigen Industrie langfristig sicherzustellen. Bereits in diesem Jahr sollen aller Voraussicht nach die ersten Projekte an den Start gehen.

Wie auch immer es im Streit um Seltene Erden weitergehen wird – wir werden Sie auf dem Laufenden halten. Das Thema bleibt spannend und wird uns noch einige interessante Meldungen liefern.

 

Freundliche Grüße aus Köln

Ihr

Bernd Raschkowski

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