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Inhaltsverzeichnis


Gold mit schwächeren Kursen zum Jahresende

von Bernd Raschkowski

 

 


Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

das Börsenjahr neigt sich langsam dem Ende entgegen. Die Weihnachts-Feiertage stehen vor der Tür. Bereits jetzt verabschieden sich zahlreiche Marktteilnehmer in den Urlaub (oder zunächst in den Einkaufswahn). Damit einhergehend sinken die Umsätze an den Börsen – die Rohstoffe sind bereits fast im Winterschlaf angekommen. Bei den Edelmetallen gab es gestern allerdings noch eine deutliche Bewegung: Gold und Silber rutschten kräftig abwärts.

Bereits seit Ende November tendiert Gold leichter. Die Notierung des Edelmetalls sank nicht dramatisch, aber dennoch überraschend konstant in Richtung Süden. In den ersten Handelstagen des aktuellen Monats wurde die Marke von 1700 US-Dollar unterschritten. Gestern verstärkte sich die Abwärtstendenz: Gold fiel innerhalb von wenigen Stunden um rund 20 Dollar.

US-Ratingagentur hebt Kreditwürdigkeit Griechenlands an

Auslöser für den kleinen Kursrutsch im Gold war eine Meldung der Ratingagentur Standard & Poor`s. Demnach wurde die Kreditwürdigkeit Griechenlands wieder kräftig heraufgesetzt. Wir erinnern uns: In der Vergangenheit war S&P für die Abstufungen der europäischen Länder bekannt, was die Finanzierungs-Probleme verstärkte.

Seitens S&P würde die Aufwertung des Problem-Landes mit den enormen Anstrengungen der übrigen Euro-Länder begründet. Die starke Entschlossenheit der EU, Griechenland im gemeinsamen Währungsraum zu halten, zeigt ihre Wirkung. Außerdem begründete S&P die Hochstufung mit den Sparanstrengungen der griechischen Regierung.

Klares Zeichen der Besserung

Meistens erfolgen Rating-Änderungen in kleinen Schritten, dieses Mal jedoch nicht. S&P hob die Kreditwürdigkeit Griechenlands gleich um sechs Stufen an! Eine klarere Ansage hätte die Agentur kaum geben können. Wie S&P am Dienstagabend mitteilte, werde die neue Bewertung bei B- gesehen. Es ist ein Zeichen dafür, dass sich die Schuldenkrise weiter entspannt hat.

Aber was hat dies mit Gold zu tun bzw. warum fiel das Edelmetall daraufhin so deutlich? In den vergangenen Jahren wurde Gold größtenteils als Sicherheit in Krisenzeiten gekauft. Etliche Marktteilnehmer haben einen Bruch der Währungsunion oder die Pleite einzelner Staaten erwartet. Aktuell geht es jedoch wieder in die andere Richtung: Durch die Entspannung der Situation stoßen einige Gold-Anleger einen Teil ihres Goldes ab.

Einigung in Sachen „Fiskalklippe“ rückt näher

Daneben belastete auch die Nachrichtenlage aus den USA die Edelmetall-Notierungen. Nach neuen Aussagen der amerikanischen Politiker hoffen Anleger nun auf die Beilegung des US-Haushaltsstreits. Republikaner und Demokraten nähern sich langsam an. Maßgebend hierfür ist unter anderem auch der US-Präsident selbst: Barack Obama soll dazu bereit sein, die geplanten Steuererhöhungen für Reiche abzumildern. Damit seien die Chancen für eine baldige Lösung des Konflikts deutlich gestiegen, kommentierte ein Experte.

Positive Nachrichten vom US-Immobilienmarkt

Zusätzlich zu den Nachrichten bezüglich Griechenland und der US-Budgetdiskussion wurden gestern auch positive Konjunkturdaten veröffentlicht. Demnach erholt sich der US-Häusermarkt weiter. Der NAHB-Hausmarktindex kletterte im Monat Dezember auf den besten Stand seit April 2006. Auch hierdurch wurde die Notierung von Gold leicht belastet. Die Probleme der Weltkonjunktur scheinen sich aktuell abzuschwächen. Gold als „sicherer Hafen“ wird dann weniger nachgefragt.

Charttechnik trübt sich ein

Durch die jüngste Entwicklung auf dem internationalen Goldmarkt trübt sich auch die charttechnische Situation des Edelmetalls ein. Der seit Juli bestehende Aufwärtstrend im Gold wurde durch den Rutsch bereits wieder gebrochen. Aus Sicht der Charttechnik verheißt dies nichts Gutes. Bestätigt sich der Trendbruch, dürften weitere Abgaben folgen.

In der folgenden Abbildung ist der Gold-Chart inklusive wichtiger Marken abgebildet:

 

 

Zunächst hat die kleine Unterstützung im Bereich von 1673 US-Dollar die Notierung stabilisieren können. Hier muss die weitere Entwicklung zunächst abgewartet werden. Auf dem Weg nach Süden verläuft die nächste nennenswerte Unterstützung erst bei 1625 US-Dollar. Sollte auch diese Marke nach unten gebrochen werden, wechselt die Chartampel endgültig auf „rot“.

Vorsicht ist angebracht

Gold notiert generell fester, wenn das allgemeine Umfeld von erheblichen Risiken geprägt ist. Genau dies war in den letzten Jahren der Fall. Gold wurde von Investoren als Hort der Sicherheit und Fluchtwährung gekauft. Aktuell dreht sich zumindest kurzfristig die Stimmung: Das Vertrauen in die Märkte und in das Finanzsystem hat wieder etwas zugenommen.

Auch die Risikoneigung zieht wieder an. Dies lässt sich unter anderem auch an den Aktienmärkten ablesen. Der Deutsche Aktienindex markiert fast täglich ein neues Jahreshoch. Für die Edelmetalle ist diese Entwicklung weniger gut, das Geld wird teilweise abgezogen. Jedoch handelt es sich bislang lediglich um eine kurzfristige Betrachtung. Erst in den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob Gold als Krisenschutz weniger wichtig wird. Die Charttechnik mahnt bereits zur Vorsicht. Investierte Anleger können ruhig das Risiko senken und Positionen reduzieren – Gewinnmitnahmen haben noch nie geschadet.

 


Freundliche Grüße aus Köln

Ihr

Bernd Raschkowski


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