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In den Tiefen der klassischen Charttechnik
von Jochen Steffens
 
Die Prognose im gestrigen Steffens Daily empfanden wohl einige Leser als unbefriedigend. Eben weil ich nicht geschrieben habe: „Genau das wird passieren!“, sondern nur darauf hingewiesen habe, dass es zurzeit mehrere Möglichkeiten gibt. Um deutlich zu machen, dass ich so eine Aussage nicht leichtfertig äußere, möchte ich mich heute mit Ihnen einmal in die Tiefen der klassischen Charttechnik begeben:
 
Der S&P500: Zwischen Trendwende und Seitwärtstrend
 
Einer der vielleicht interessantesten Charts ist der S&P500 Chart. Einige werden sich erinnern, ich hatte ihn mit diesen Linien bereits vor einiger Zeit vorgestellt:
 
 
Nach der klassischen Charttechnik sollten die Kurse nach einem Trendbruch (grüner Pfeil) noch einmal an diesen Trend heranlaufen und diesen somit testen. Beim S&P500 sehen Sie, wie genau dieser Test abgelaufen ist (blauer Pfeil). Dass es an dieser Linie zu einem erneuten, dynamischen Anstieg gekommen ist, ist insofern aus charttechnischer Sicht bullish zu werten. Es bedeutet, dass der Markt sich endgültig von dem alten Abwärtstrend verabschiedet hat. Mehr allerdings noch nicht! Und hier werden viele Fehler gemacht: Ein Trendbruch bedeutet nicht sofort auch eine nachhaltige Trendumkehr. Dazu folgende Beispiele.
 
Die verschiedenen Folgen eines Trendbruchs anhand des DAX-Aufwärtstrends 2003-2007
 
1. Variante: die flacheren Trends
 
Oft verlieren anfangs hochdynamische Trends mit der Zeit etwas an Trenddynamik. Das ist ein ganz normaler Prozess, schließlich kann eine hohe Dynamik nicht endlos fortgesetzt werden. Diese "Normalisierung der Dynamik" führt logischerweise dazu, dass viele Trendlinien entstehen und wieder gebrochen werden:
 
 
Sie sehen hier fünf große Aufwärtstrendlinien, von denen vier gebrochen wurden, ohne dass es zu einem nachhaltigen Trendwechsel gekommen ist.
  
Auf den S&P500 Chart übertragen bedeutet das: Nach der extremen Abwärtstrenddyanmik könnte die aktuelle Aufwärtsbewegung lediglich dazu führen, dass sich flachere Abwärtstrends bilden.
  
2. Variante: die Seitwärtsbewegung
  
Aus diesem Grund ist der Bruch einzelner Trendlinien nicht sonderlich aussagekräftig. Ein stärkeres Signal ist es, wenn Trendkanäle gebrochen werden. Ein Trendkanal bildet sich, wenn an der Ober- und Unterseite eines Aufwärtstrends parallele Trendlinien entstehen. Trendkanäle haben eine erheblich höhere Relevanz als einfache Trendlinien, obwohl auch Trendkanäle sich wie in Variante 1 beschrieben abflachen können.
  
Wenn ein Aufwärtstrendkanal gebrochen wird, folgen oft auch längere Seitwärtsbewegungen. Auch das kann man schön am Aufwärtstrend des DAX erkennen:
 
 
Nachdem der grüne Aufwärtstrendkanal nachhaltig verlassen wurde und ein Test von unten bereits etwas zu tief scheiterte, bildete sich eine lang andauernde Seitwärtsbewegung aus.  Interessant ist hierbei, dass die Seitwärtsbewegung im Prinzip bereits in dem Trendkanal ihren Anfang genommen hat. Das ist ein typischer Hinweis für Variante 2.
  
3. Variante: der Trendwechsel
 
Und natürlich kann ein Trendbruch auch zu einem nachhaltigen Trendwechsel führen.
 
 
Nach dem Bruch eines langen und dynamischen Aufwärtstrendkanals kam es zu einem sehr dynamischen Abwärtstrend. Es fand also ein klarer Trendwechsel statt. Auffällig ist, dass es vor dem Trendbruch nach unten, noch eine Übertreibung nach oben gegeben hat. Und genau diese Übertreibung ist typisch für die 3. Variante. Sehr oft wird vor einem nachhaltigen Trendbruch der Aufwärtstrendkanal nach oben verlassen (oder der Abwärtstrendkanal nach unten).
 
 
Zwischenfazit und Übertragung auf den S&P500 Chart:
 
Nun muss man nur noch die oben beschriebenen Varianten auf den eingangs vorgestellten S&P500 Chart übertragen:
 
 
In diesem Chart sind deutlich Übertreibungen nach unten zu erkennen (blaue Pfeile), wobei die untere Trendlinie nicht eindeutig zu bestimmen ist und deswegen gestrichelt eingezeichnet wurde.
 
Diese Überteibungen sind typisch für die 3. Variante. Das heißt, dass in diesem S&P500 Chart ein nachhaltiger Trendwechsel in Form eines Aufwärtstrends die wahrscheinlichste Folge des Trendbruchs sein wird.
 
Die Crux mit den Wahrscheinlichkeiten
 
Allerdings, und das ist die Crux bei der Sache, muss man sich klar machen, was die Aussage „die wahrscheinlichste Variante“ bedeutet.
 
Gehen wir einmal beispielhaft davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit der drei Varianten gleich gewichtet wäre. Dann würden auf 100 Trendbrüche folgen: 33,3 flachere Trends, 33,3 Seitwärtsbewegungen und 33,3 Trendwechsel.
 
Mit dieser Übertreibung nach unten im S&P500 Chart würde sich das Bild vielleicht auf: 25 zu 25 zu 50 verändern.  Das heißt jedoch, dass es bei 100 Fällen eines Trendbruchs, bei dem es zuvor eine Übertreibung nach unten gegeben hat, 50 Mal zu einem Trendwechsel kommt und 50 Mal (2 * 25) eben nicht(!).
 
Grundlage vieler Missverständnisse
 
Hier entstehen die meisten Missverständnisse bei der Beschäftigung mit der klassischen Chartanalyse. Es gibt keine 100 % zuverlässigen Formationen und Ergebnisse. Die meisten Analysen und Formationen führen lediglich zu einer graduellen Erhöhung der Wahrscheinlichkeit (oft im Bereich der 60 % Marke). Das mag zunächst unbefriedigend sein, ist aber tatsächlich der entscheidende Unterschied zwischen Roulette und Börse.
 
Schnelles Aufgeben und falsche Kritik
 
Aber natürlich, gerade wenn man als Trader anfängt, sich mit der Charttechnik zu beschäftigen, hofft man auf etwas mehr Sicherheit im Umgang mit den Börsen. Wenn dann ein ambitionierter Trader eine eindeutige Formation entdeckt und diese vielleicht sogar zwei Mal hintereinander nicht aufgeht, wird er schnell die Charttechnik als Unsinn abtun. Er übersieht dabei, dass sogar in 40 von 100 Fällen das Kursziel einer Formation eben nicht erreicht wird. Das heißt, auch beim dreimaligen oder sogar zehnmaligen Scheitern, wäre das noch nicht ein Beweis gegen die Charttechnik.
 
Die Lösung
 
Daraus folgt: Als Trader müssen Sie bemüht sein, möglichst viele Aspekte, welche die Wahrscheinlichkeit auf Ihre Seite bringen, zu analysieren. Verbinden Sie Charttechnik mit gesamtwirtschaftlichen Faktoren und fundamentalen Aspekten kann die Wahrscheinlichkeit bereits auf ein sehr interessantes Maß ansteigen. Aber selbst innerhalb der Charttechnik sollten Sie auf mehreren Ebenen analysieren, um deutlich bessere Ergebnisse zu erzielen (so ist übrigens die Target-Trend-Methode entstanden).
 
Eine weitere Ebene
 
Wir haben bis jetzt die Makroebene des S&P500 analysiert. Wir können aber natürlich auch weiter in diesen Chart hineinzoomen, sozusagen.
 
 
Wir analysieren somit den aktuellen Aufwärtstrend seit März 2009. Auch hier sehen wir, dass die Dynamik (ähnlich wie im DAX, siehe Steffens Daily von gestern) deutlich zurückgeht. Das erkennt man daran, dass die Trendlinien (blau) immer mehr abflachen. Dies ist wiederum ein deutlicher Hinweis darauf, dass wir dabei sind, in eine Seitwärtsbewegung überzugehen.
 
Zudem bildet sich bereits in dem aktuellen Aufwärtstrendkanal eine Seitwärtsbewegung, auch das ist ein weiterer Hinweis. Noch ist allerdings der Trendkanal NICHT gebrochen. Noch ist es also zu früh, uneingeschränkt eine Seitwärtsbewegung auszurufen (wie gesagt, im DAX sieht das Bild etwas anders aus).
 
Fazit
 
Stellt man nun alle diese Betrachtungen zusammen, kommt man zu dem Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit einer Seitwärtsbewegung durchaus gewachsen ist. Gerade die Trendlinie, die durch die letzten Tiefs im S&P500 geht, ist bereits fast waagerecht (siehe letzten Chart). Auf der anderen Seite spricht geleichzeitig vieles dafür, dass der Trend erst einmal noch weiter geht (siehe Analyse oben)
 
In der kurzfristigen Betrachtung befinden wir uns somit an einer wichtigen Marke, die eine (erste) Entscheidung bringen wird. Es ist das letzte Hoch, sprich die 1.150er Marke. Sollten die Kurse an dieser Marke scheitern, wäre das ein Hinweis auf eine Seitwärtsbewegung, der sich bestätigt, wenn im Anschluss daran der Trendkanal nach unten gebrochen wird. Wird jedoch dieses Hoch überwunden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich der grüne Aufwärtstrendkanal weiter fortsetzt.
 
Und damit ist vielleicht ein wenig mehr verständlich geworden, warum ich gestern geschrieben habe, dass es nun sehr spannend wird. Doch zu diesen hier heute einmal ausführlich beschriebenen charttechnischen Analysen des S&P500 gesellen sich auch noch die Analysen der anderen US-Indizes, der europäischen Indizes, der Devisen, der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und geopolitischen Vorgänge.
 
Diese Gesamtanalyse, die sich täglich neu hinterfragen muss, ermöglicht tatsächlich erst, die Wahrscheinlichkeit auf relevante Niveaus zu heben. Doch selbst unter Beachtung all dieser Faktoren bleiben es lediglich Wahrscheinlichkeiten. Sicherheit gibt es nie. Und da soll einer sagen, der Beruf des Traders / Spekulanten wäre einfach…
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens

 
US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens
 
Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind in der vorherigen Woche um 6.000 auf 462.000 Anträge gesunken. Analysten hatten mit 460.000 Anträgen gerechnet.
 
  
Wir stagnieren bei den Erstanträgen nach wie vor auf sehr, sehr hohem Niveau. Alle zwei Monate werden fast eine Millionen neue Anträge gestellt und das obwohl die Börsen eine doch deutliche Erholung der US-Wirtschaft vorweggenommen haben. Aber eine Erholung ohne den Arbeitsmarkt, kann das gut gehen?
 
Das Handelsbilanzdefizit der USA ist im Januar von zuvor 39,9 Milliarden Dollar auf 37,3 Milliarden Dollar gesunken. Analysten hatten hingegen mit einem Defizitanstieg auf 41 Milliarden Dollar gerechnet.
 
 
Die Exporte fielen im Januar um 0,3 Prozent auf 142,7 Milliarden Dollar. Dies stellt den ersten Rückgang seit acht Monaten dar. Die Importe gingen um 1,7 Prozent auf 180 Milliarden Dollar zurück. Und dieser doch unerwartet deutliche Rückgang der Importe ist der Grund, warum das Handelsbilanzdefizit weiter sinkt. Interessant ist, dass sich das Handelsbilanzdefizit zu China von zuvor 20,57 Milliarden Dollar auf nunmehr 18,3 Milliarden Dollar verringert hat. Auch hier ist ein deutlicher Rückgang der Importe zu erkennen.
 

Sharewise Sentiment
von Jochen Steffens
 
 
 
Sehr interessant ist, dass trotz weiter steigender Kurse die Stimmung bearisher wird. So sank der Prozentsatz der Bullen von zuvor 59 % auf nunmehr 56 %. Offensichtlich trauen viele Anleger dem aktuellen Anstieg der Kurse nicht. Das muss eigentlich bullish gewertet werden, erklärt aber, warum zurzeit die Umsätze zurückgehen. Sollte die Bullenquote bei steigenden oder stagnierenden Kursen unter die 50 % Marke fallen, wäre das ein schon fast klares bullishes Signal.
  

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