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Gerüchte und haltlose Behauptungen
von Jochen Steffens
 
Manchmal muss man sehr aufpassen, denn die Börse ist voll von Gerüchten. Das Problem ist, der überwiegende Teil dieser Gerüchte sind schlichtweg falsch. Nur wie soll man herausbekommen, welche Gerüchte falsch, welche richtig sind? Wie eigentlich bei allen Nachrichten, die nicht von absolut zuverlässigen Quellen stammen, hilft heutzutage leider nur die eigene Recherche. Und hier sollte man sehr gründlich sein. Ich lese in letzter Zeit zum Thema Börse, Wirtschaft und Politik derart viel Unsinn, dass man echt verzweifeln will. Gerade das Internet hat sich zum Tummelplatz von haltlosen Behauptungen, Verschwörungstheorien und Außenseiterthesen gemausert. Und die Bereitschaft der Menschen, alles zu glauben, was geschrieben steht, ist immer sehr hoch, zu hoch. Doch wie geht man mit einem Gerücht um? Dazu ein Beispiel:
 
Deutsche Bank mit 200 Mrd. Euro in Schieflage?
 
Ich habe in der letzten Woche eine Mail von einem Kollegen erhalten, dass sich in Frankfurt das Gerücht verbreite, die Deutsche Bank hätte massive Probleme mit toxischen Wertpapieren. Es soll um eine Summe von 200 Mrd. Euro gehen. Auch von einer Krisensitzung hierzu sei die Rede, deren offizielles Thema die Lage in den USA gewesen sein soll.
 
Passend für ein typisches Gerücht ist die Aussage, dass diese Schieflage bis zur Wahl natürlich unbedingt geheim gehalten werden soll. Das ist der Verschwörungsaspekt, der in diesem Fall sogar noch von der Aussage gekrönt wird, dass allerdings Bundeskanzlerin Merkel bereits informiert sei. Ich neige mittlerweile dazu, solche Gerüchte, die derart typische Merkmale aufweisen, zu ignorieren. Aber wir wollen es einmal als Beispiel nutzen:
 
1.       Schritt: Gesunder Menschenverstand
 
Zunächst sollte man Börsengerüchten mit dem gesunden Menschenverstand entgegentreten. So kann ich mir kaum vorstellen, dass gerade jetzt bei der Deutschen Bank noch eine unerwartete (!) Schieflage durch toxische Wertpapiere auftaucht. Die Banken sollten ihre Bestände mittlerweile kennen. Aber gut, in dieser Krise ist alles möglich, also wer weiß.
 
In diesen Schritt gehört auch die Frage, ob dieses negative Gerücht nicht von „interessierten Kreisen“ absichtlich gestreut wurde. Das hat meistens den Hintergrund, dass hier Fonds u.a. versuchen, zu guten Kursen in eine Aktie hinein zu kommen, oder ihre Short-Positionen zu verkaufen. Angesichts der schon fortgeschritteneren Kursbewegung der Deutschen Bank halte ich das für eher wenig wahrscheinlich. Zurzeit wären eher kursstützende Gerüchte förderlich, um vielleicht noch zu guten Kursen aussteigen zu können.
 
2. Schritt: Kursverlauf und Insiderverkäufe
 
Dann sollte man sich in einem zweiten Schritt den Kursverlauf im Vergleich zum Index (hier der DAX) anschauen. Denn häufig zeigen sich schlechte Nachrichten (die schon bei Insidern bekannt sind, bevor sie als Gerücht in Umlauf kommen) im Kursverlauf.
 
 
 
Eine leichte relative Schwäche ist zu erkennen, allerdings ist die Deutsche Bank gerade in den letzten Tagen dabei, diese wieder abzubauen. Das spricht eher gegen dieses Gerücht.
 
Die Schwäche wird wohl vielmehr damit zu tun haben, dass es gerade im August erhebliche Insiderverkäufe bei der Deutschen Bank gegeben hat. Es wurden Aktien im Wert von mehreren Millionen Euro veräußert. Verkäufer waren unter anderem Kevin Parker, Leiter des Asset-Managements, Seth Harrison Waugh, Mitglied des Group Executive Committee und CEO der Deutsche Bank America.
 
Diese Insiderverkäufe sind unschön und tendenziell geeignet das Gerücht zu untermauern. Es gibt eine Börsenweisheit, nach der man immer sehr vorsichtig sein muss, wenn Insider Deutsche Bank Aktien verkaufen. Oft kamen Verkäufe ein oder zwei Monate bevor der Gesamtmarkt sein Hoch gefunden hat, so die These. Aber solche Insiderverkäufe allein sind noch kein Beweis. So gab es zum Beispiel Insider der Deutschen Bank, die in der Nähe der Tiefstkurse Aktien veräußert haben, also zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. Gerade der oben genannte Kevin Parker hat noch am 26.02.09 Aktien 22.499 Aktien zu 21,59 Euro verkauft.  Auch im April und Mai gab es zahlreiche Verkäufe – eindeutig zu früh.
 
Die Henne oder das Ei
 
Es kann sich nämlich auch genau anders herum verhalten halben. Meines Erachtens viel wahrscheinlicher ist, dass gerade diese Insiderverkäufe mit der Sorge, dass erst nach der Wahl die eigentlichen Horrornachrichten kommen, zu eben diesem Gerücht geführt haben. Aber das gehört eigentlich in Schritt 1.
 
3. Schritt: Welche Nachrichten kommen aus der Firma selbst
 
Liest man das Interview, das Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, der Euro am Sonntag gegeben hat, so finden sich dort viele Dinge, die ich bereits vor meinem Urlaub hier im Steffens Daily immer wieder angemahnt habe. Auch er beschreibt die aktuelle Hausse als liquiditätsgetrieben und meint, dass die hohe Aktienbewertung so lange fortbestehen wird, wie die Niedrigzinspolitik anhält. Er ist der Auffassung, dass die Aktienmärkte im kommenden Jahr getestet werden, wenn die Fed die Zinsen anheben wird.
 
Es scheint ein wenig so, als traue auch Norbert Walter der aktuellen Rally nicht über den Weg. Und natürlich würden, wenn sich eine solche Meinung in der Deutschen Bank verbreitet, auch die Insider aussteigen. Und das möglichst früh, noch bevor der Markt das spitz kriegt.
 
Gegen das Gerücht spricht zudem, dass Josef Ackermann auf einer Bankertagung für die Finanzmärkte ein Licht am Ende des Tunnels sieht. Das allerdings nicht ohne darauf hinzuweisen, dass er das Gleiche bereits vor einem Jahr gesagt hat und zwar genau eine Woche bevor die US-Investmentbank Lehman Brothers zusammengebrochen ist.
 
Ein leicht zynischer und nicht ganz ernst gemeinter Einschub
 
Als paranoider Verschwörungstheoretiker könnte man natürlich auf die Idee kommen, dass die Aussage: „Licht am Ende des Tunnels“ so etwas wie ein Geheimcode für eine große Krise sei, die kurz bevorsteht. Das ist aber natürlich Unsinn und eher Stoff für zweitklassige Thriller
 
Übernahme von der Sal. Oppenheim noch im Gespräch
 
Etwas anderes sollte jedoch beruhigen. Josef Ackermann betonte eben bei dieser Tagung, dass die Deutsche Bank derzeit die Bücher der Sal Oppenheim prüfe. In der nächsten Woche werde die Deutsche Bank ankündigen, was die nächsten Schritte sein werden. Finanzkreisen zufolge, will die Deutsche Bank zunächst Anteile in Höhe von 30 bis 50 Prozent erwerben, später soll dann die Mehrheitsübernahme folgen.
 
Es ist eher unwahrscheinlich, dass Ackermann bekräftigt, nächste Woche Näheres zu dieser Übernahme bekannt zu geben, wenn es eine Schieflage von 200 Mrd. Euro zu beichten gäbe.  Das wäre schon sehr zynisch.
 
Allerdings wurde vor etwas über einer Woche bekannt, dass der Kauf von Teilen der ABN Amro durch die Deutsche Bank geplatzt ist. Hm..
 
Fazit:
 
Fassen wir zusammen: Wir haben ein unbestätigtes Gerücht, dessen eigentlicher Ursprung nicht bekannt ist. Wir haben eine Kursentwicklung, die eine relative Schwäche abbaut. Wir sehen Insiderverkäufe. Das mag etwas bedenklich sein. Doch auch im Februar, April und Mai gab es nicht unerhebliche Verkäufe, ohne das etwas geschehen ist. Diese Insiderverkäufe könnten also auch anders motiviert sein. Ein Grund könnte sein, dass die Insider davon ausgehen, dass die aktuelle Rallye kein Fundament hat. Eventuell wissen die Jungs in den Chefetagen auch, dass zum Beispiel die Fed morgen nach der FOMC-Sitzung Zinserhöhungen für 2010 o.ä. ankündigen wird. Josef Ackermann zeigt sich optimistisch und spricht immer noch von der Übernahme der Sal. Oppenheimer. Auch das passt nicht ins Bild.
 
Fasst man all das zusammen, bleibt vielleicht eine Wahrheitswahrscheinlichkeit von höchstens 15-20 % übrig. Das Problem bei Gerüchten ist allerdings, dass man sich letzten Endes auch nach einer intensiven Recherche nie sicher sein kann, ob sie stimmen oder falsch sind. Das Ergebnis wird also meistens unbefriedigend bleiben. Da jedoch die meisten Gerüchte aus unbestätigten Quellen falsch sind, sollte man grundsätzlich erst einmal davon ausgehen, dass auch das aktuelle Gerücht nicht stimmt, es sei denn man findet deutliche Hinweise, die es bestätigen.

Viele Grüße
 
Jochen Steffens

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