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Wie Sie als Anleger von der US - Gesundheitsreform profitieren
von Torsten Ewert
 
Verehrte Leserinnen und Leser,
 
In den USA erlangten die (mehrfach geänderten) Vorschläge zur Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama die notwendige Mehrheit im US-Repräsentantenhaus.

Die regierenden Demokraten und der Präsident selbst feiern dies als wichtigen innenpolitischen Erfolg. Das ist die Entscheidung natürlich – schließlich versuchten sich vorher bereits einige Vorgänger Obamas erfolglos am gleichen Projekt.

Kritiker verweisen dagegen auf die sehr knappe Mehrheitsentscheidung sowie die diversen Zugeständnisse und Verwässerungen, die im Laufe der Zeit als Ergebnis etlicher Kompromisse zustande kamen. Die Republikaner erklärten zudem, das zu erwartende Gesetz bei nächster Gelegenheit (also einem erneuten Regierungswechsel) wieder kassieren zu wollen.

Ungewissheit bleibt

Anscheinend beginnt nun auch für die Amerikaner eine unendliche Geschichte nach dem Motto „Nach der Reform ist vor der Reform“. Für uns sind jedoch vor allem die Auswirkungen auf die Börsen von Interesse.

Auch hier bleibt die Ungewissheit bestehen. Das zeigt sich bereits heute Morgen beim Blick auf die europäischen Aktienmärkte. So büßte der Gesundheitssektor gemessen am entsprechenden Branchenindex des STOXX 600 gegenüber dem Gesamtmarkt leicht ein. Dagegen sprang der Kurs des Dialysespezialisten Fresenius Medical Care (FMC) auf ein neues Allzeithoch. FMC ist seit jeher stark in den USA vertreten. Die Aktie profitiert daher weniger von der Entscheidung an sich als vielmehr von der Tatsache, dass nun die bis zuletzt herrschende Unsicherheit in der Frage der Gesundheitsreform erst einmal beseitigt ist.

Der zersplitterte Gesundheitssektor

Doch Analysten erwarteten bereits vor Wochen, dass das absehbare Ende der Reformdiskussion in den USA den dortigen Gesundheitssektor beflügelt. Hinkte dieser doch der erfreulichen Aktienmarktentwicklung der letzten zwölf Monate immer noch merklich hinterher. Besonders offensichtlich wird dies im Vergleich zum Tief nach dem Lehman-Schock (siehe Chart):

 
 
Quelle: MarketMaker
 
 
Bekanntlich kam es danach im März 2009 zu neuen Tiefs. Während der Gesamtmarkt, gemessen am S&P 500 dabei doch deutlich tiefer notierte, hielt sich der Gesundheitsmarkt (krisensicher!) vergleichsweise stabil. Trotzdem holte der S&P 500 noch im März diesen Rückstand wieder auf. Seitdem entwickelte sich der Gesundheitssektor merklich schwächer. Selbst Rückschläge in den Konsolidierungen holte der US-Leitindex sehr schnell wieder auf. Derzeit notiert der S&P 500 auf einem neuen Jahreshoch, der US-Gesundheitssektor erreichte dies dagegen noch nicht.

Allerdings ist der Gesundheitsmarkt – speziell in den US – sehr heterogen: Neben Dienstleistern wie der bereits genannte FMC tummeln sich dort klassische Pharmakonzerne (z.B. Pfizer), Medizintechnikunternehmen (z.B. Medtronic) und viele weitere Unternehmen, die von Kopfschmerztabletten bis zu plastischer Chirurgie eine riesige Bandbreite von Produkten und Dienstleistungen anbieten. Hinzu kommen Versicherer und Abrechnungsdienstleister (vergleichbar unseren „Krankenkassen“). Und nicht zu vergessen diverse Biotech- und Gentechnikfirmen sowie Generikahersteller, die den Pharmariesen Konkurrenz machen.

Verheißungen und Enttäuschungen

Speziell die Versicherer werden die Auswirkungen der neuen Reform natürlich unmittelbar zu spüren bekommen. Doch traditionell bestimmen in den USA die großen Pharmakonzerne wie Pfizer oder Merck & Co. das Bild der Gesundheitsindustrie. Gerade für sie ist aber die Gesundheitsreform nur eine von vielen Herausforderungen, die ihnen derzeit zu schaffen machen.

Der Sektor kämpft nämlich bereits seit Jahren mit hausgemachten Problemen. Diese sind es auch, die im vergangenen Jahrzehnt zu der Enttäuschung der Anleger in Sachen Pharmabranche beitrugen. Dabei schienen die Aussichten ursprünglich verheißungsvoll:

  1. Vielversprechende Durchbrüche in der Genforschung und Krebstherapie rückten die erfolgreiche Bekämpfung komplexer Krankheiten (z.B. Parkinson oder Alzheimer) scheinbar in greifbare Nähe.
  2. Die demografische Entwicklung (alternde Bevölkerung) ließ zudem den relevanten Markt relativ überproportional wachsen.
  3. Dabei wurden die Menschen auch in reiferem Alten zunehmend aktiver und wohlhabender als in früheren Generationen. Damit war potenziell die Grundlage geschaffen für Produkte und Leistungen, die nicht exklusiv über die Erstattungen der Krankenkassen abgerechnet wurden. Das versprach ein einträgliches Zusatzgeschäft.

Doch leider erfüllte sich kaum eine dieser Erwartungen. Als Haupthindernis erwies sich dabei erstaunlicherweise ausgerechnet die Demografie, die für Gesundheitskonzerne zeitweise wie eine sichere Gelddruckmaschine erschien.

Wat den een sin Uhl, ...

Denn während die Industrie ein gigantisches Marktpotenzial witterte, sahen die staatlichen Gesundheitssysteme, Krankenkassen und Versicherungen, aber schließlich auch die Kunden und Versicherten eher einige riesige Kostenlawine auf sich zurollen:

Die zunehmende Zahl Älterer erfordert höhere Ausgaben zur Behandlung von Krankheiten. Die längere Lebenserwartung erhöht die Kosten nochmals (weil damit auch immer mehr Menschen unter mehreren chronischen Krankheiten leiden). Gleichzeitig sinkt die Zahl der Arbeitsfähigen, die Beiträge einzahlen. Allein dadurch öffnete sich die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben deutlich.

Ermöglicht der medizinische Fortschritt dann noch die (teure) Behandlung weiterer Krankheiten bzw. erhöht er die Lebenserwartung deutlich, werden die genannten Probleme ein weiteres Mal verschärft. Kein Wunder also, dass die Sozialsysteme inzwischen versuchen, dieser Kostenexplosion Herr zu werden. Beitragserhöhungen, Leistungsbeschränkungen und der Umstieg auf kostengünstigere Alternativen sind dabei die wichtigsten Mittel zur Kostendämpfung.

Vertreibung aus dem Paradies

Dieser massive Gegenwind traf insbesondere die Pharmakonzerne weitgehend unvorbereitet. In Deutschland herrschten diesbezüglich nahezu paradiesische Zustände, konnten die Unternehmen die Preise für Neupräparate doch weitgehend selbst festlegen.

Inzwischen stehen wirksame Schranken sogar vor der Marktzulassung. Dazu trugen die Pharmahersteller mit diversen Medikamentenskandalen (z.B. tödliche Nebenwirkungen) teilweise selbst bei. Folge: Die Behörden verschärfen die Zulassungsbestimmungen, fordern mehr und aufwändigere Voruntersuchungen und hinterfragen den tatsächlichen Nutzen eines neuen Präparates im Vergleich zu seinen Vorgängern oder Konkurrenzprodukten auf dem Markt.

Doch selbst wenn ein Medikament all diese Hürden überwindet, ist noch nicht sicher, dass die Krankenkassen es in ihren Leistungskatalog aufnehmen. Aus einem vermeintlichen Blockbuster (Produkt mit einer Millarde Dollar potenziellem Jahresumsatz) wird so schnell ein Rohrkrepierer.

Kostenbumerang für Pharmariesen

Die traditionelle Kostentreiberei der Medizinhersteller wird so zum Bumerang. Die Entwicklungskosten steigen bei anspruchsvollen Therapien (z.B. für Krebsbehandlungen) ohnehin an. Nun wächst nicht nur der Aufwand für die Studien zur Marktzulassung, sondern diese meist sehr zeitintensiven Untersuchungen verzögern auch noch den Markteintritt.

Außerdem droht bis zuletzt ein Scheitern des Gesamtprojekts. Kann sich doch immer noch eine unerwünschte und inakzeptable Nebenwirkung zeigen. Oder irgendein Konkurrenzprodukt wird zwischenzeitlich verbessert und reduziert so den „Nutzenzuwachs“ des eigenen Präparates, so dass die Kassenzulassung entfällt. Oder, oder, oder...

Damit findet sich die Pharmabranche in einer ähnlichen Situation wieder wie seit ein paar Jahren die Automobilindustrie in Bezug auf neue Mobilitätskonzepte: Scheinbar überraschend sieht sie sich mit einem Dilemma konfrontiert, dass sie lange Zeit erfolgreich unterschätzt und verdrängt hat.

Keine schlüssigen Konzepte

Und genau wie in der Autobranche verfügt kaum ein Konzern über ein schlüssiges Konzept, wie diesen Herausforderungen zu begegnen ist. Hier wie dort sehen wir hektische Aktivitäten und viele unterschiedliche Versuche, auf die neuen Gegebenheiten zu reagieren.

Diese kollektive Ignoranz ist neben der Diskussion über die US-Gesundheitsreform in den vergangenen Monaten die Ursache der jahrelangen Underperformance des Gesundheitssektors. Doch wie geht es nun weiter? Wie finden Anleger unter den vielen Anbietern den künftigen Überflieger, der eine Investition lohnt?

Wie Sie die vielversprechendsten Aktien finden

Nun, zunächst gilt es, diejenigen Unternehmen auszusortieren, die höchstwahrscheinlich erfolglos bleiben werden. Das sind häufig die, welche am Althergebrachten hängen. In der Pharmabranche ist dies das „Prinzip Größe“ – Umsatz und Produkte werden einfach zugekauft. Damit fallen Pfizer (Übernahme von Wyeth) und Merck & Co. (Übernahme von Schering-Plough) bereits heraus.

In Frage kommen dagegen Unternehmen, die mit ihrer Strategie seit langem nachweislich erfolgreich sind. Diese werden zwar kaum zu Überfliegern mutieren, aber vermutlich auch weiterhin solide Erträge erwirtschaften. Johnson & Johnson ist so ein Kandidat.

Besser sind natürlich Unternehmen, die mit ihrer klaren Strategie dabei noch von den genannten Entwicklungen besonders profitieren können. In der Pharmabranche betrifft das z.B. die Generikahersteller, die günstige Nachahmerpräparate etablierter Medikamente produzieren. In der Regel zeigen deren Aktien durch ihre relative Stärke den Trend bereits an. Beispiel hierzu: der israelische Generika-Konzern Teva. Weder die Krise noch der jüngste 3-Milliarden-Euro-Kauf des deutschen Konkurrenten Ratiopharm konnte den Kursanstieg stoppen.

Und dann wären da natürlich noch die absoluten Newcomer. Häufig drängen diese aus ganz anderen Bereichen in einen solchen, im Umbruch befindlichen Markt. Auch eignet sich wieder der Vergleich mit der Autoindustrie: Im 19. Jahrhundert waren nicht etwa die Hersteller von Dampfmaschinen o.ä. die Protagonisten bei der Entwicklung des Automobils. Daimler, Ford und Citroen waren „Startups“, also echte Neueinsteiger!

Die mehrstufige Trend-Chance für Langfristanleger!

Das Problem für Anleger: Abgesehen, dass es schwer ist, diese Firmen frühzeitig ausfindig zu machen, sind sie meist (noch) nicht börsennotiert und damit für Privatanleger nicht erreichbar. Doch für Langfristanleger besteht trotzdem eine Chance: Wenn Sie eine solche krisengeschüttelte Branche identifiziert haben, gehen Sie einfach in mehreren Stufen vor:

Zunächst konzentrieren Sie sich auf die aktuell aussichtsreichsten Aktien gemäß dem oben genannten Schema. Dann sind Sie investiert und behalten die Branche schon aus diesem Grund im Auge. Spätestens wenn eines dieser Investments aus „unerklärlichen“ Gründen schwächelt, ist Zeit für die nächste Tiefenanalyse.

Meist zeichnet sich dann bereits ein nächster neuer Trend ab, der wiederum andere Favoriten präsentiert. Auf diese Weise folgen Sie idealerweise einem neuen Trend über viele Jahre. Wie Sie sehen, gibt es derzeit mindestens in der Pharma- und Autoindustrie derartige Chancen. Andere Kandidaten finden Sie möglicherweise in der Versorger-, Solar- oder Softwarebranche. Damit verfügen Sie auch über genug Ausweichmöglichkeiten, falls die nächste Gesundheitsreform in den USA oder anderswo Ihnen ein neues Konzept abverlangt...


Mit besten Grüßen

Torsten Ewert

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