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Neue Deutsche (Boom-)Welle
von Torsten Ewert

Verehrte Leserinnen und Leser,

am Freitag kam die Veröffentlichung des ifo-Geschäftsklimaindex (siehe auch Steffens Daily vom 23.07.2010) mit einem Paukenschlag daher: Nicht nur dass der Index entgegen den Erwartungen deutlich stieg – dieser Anstieg war auch der stärkste seit der Wiedervereinigung, also seit der Index in der aktuellen Form existiert!

Deutschland - Konjunkturinsel der Glückseligen?

Das Überraschende ist weniger der unerwartete Anstieg als solcher, sondern eben dessen Stärke. Dazu führen wir uns einfach vor Augen, dass der ifo-Index auf Basis einer Umfrage unter Unternehmen ermittelt wird. Und deren Bewertungen sind in der Regel erheblich zurückhaltender als z.B. die Einschätzungen der Finanzexperten, die im Rahmen der Erhebung der Daten zum ZEW-Index erfragt werden.

Noch erstaunlicher wird dieser Optimismus, wenn man sich die Teilindizes „Lage“ und „Erwartungen“ anschaut. Dass die Lageeinschätzung ebenso wie der Gesamtindex einen historisch beispiellosen Satz nach oben gemacht hat, verwundert nicht. Schließlich konnten wir in den vergangenen Wochen bereits den Medien entnehmen, dass die deutsche Exportwirtschaft inzwischen regelrecht brummt.

Viel unerwarteter ist dagegen der Satz bei den Geschäftserwartungen der Unternehmen. Auch dieser Wert sprang überdeutlich nach oben und zwar um den zweithöchsten Betrag seit 1991. Damit erreicht der dazugehörige Teilindex auch den zweithöchsten seiner Geschichte. Und wie gesagt – deutsche Unternehmer zählen gewiss nicht zu den notorischen Optimisten...

Deutschland im Boom...

Als Konsequenz dieser Daten ergibt sich etwas nahezu Unglaubliches – Deutschland befindet sich damit offiziell in einem Wirtschafts-Boom! Dazu die Darstellung der ifo-Teilindizes in einer anderen Form:

 
Quelle: ifo-Institut

In dieser „ifo-Uhr“ werden die Rohdaten (Salden) der beiden Teilkomponenten „Lage“ und „Erwartung“ als Punkte in ein Koordinatensystem eingetragen. Der zeitliche Verlauf ergibt sich durch Verbinden der Punkte aufeinanderfolgender Umfragewerte.

Sehr gut zu sehen ist in dieser Darstellung das langsame Auslaufen des Booms 2007 und das allmähliche Abgleiten in den Abschwung ab 2008 (rechte Seite). Auch die Rezessionsphase (links unten) ist klar erkennbar, ebenso die relativ schnelle Erholung und der Übergang in den Aufschwung (oben). Nur, mit den aktuellen Werten befindet sich Deutschland eben bereits wieder ... im Boom (grüne Ellipse!)

... während die USA den „Double Dip“ erwarten

Wie bitte, Boom? Ja, Sie haben richtig gelesen: BOOM!!! Aber Moment, war da nicht was? Reden nicht Ökonomen und Manager seit Wochen von „Wachstumsabschwächung“ und „Ende des Aufschwungs“? Befürchten nicht die USA gar einen Rückfall in die Rezession, den berüchtigten „Double Dip“? Und ausgerechnet die sonst so miesepetrigen Deutschen sonnen sich nicht nur in einer kräftigen konjunkturellen Erholung, sondern rufen sogar den Boom aus?

Unglaublich, aber wahr. Zumindest, wenn wir nach den ifo-Daten gehen. Doch bisher gibt es keinen Grund an diesen Daten zu zweifeln. Dafür habe ich für Sie einmal die wichtigsten Konjunkturfrühindikatoren mit den Werten des ifo-Instituts verglichen: 


Quellen: ifo-Institut, ZEW, Commerzbank, Institute for Supply Management (eigene Darstellung)

Neben den ifo-Daten (hier wegen der Vergleichbarkeit nur in Form der Teilkomponente „Erwartungen“; schwarz), den bekannten ZEW-Index (rot), den „Early Bird“-Frühindikator der Commerzbank (blau) für Deutschland und als Vergleichsmaßstab den wichtigen ISM-Index Industrie aus den USA (grün). [Hinweis: Zwecks Vergleichbarkeit wurden alle Daten auf ihre Tiefstwerte von Ende 2008 = 1 normiert; die folgenden Hochwerte wurden zur besseren Darstellung ebenfalls angepasst; entscheidend ist der Verlauf, nicht der konkrete Wert!]

Die Schere geht auf

Grundsätzlich spiegeln alle Indikatoren den Verlauf eines „Aufschwungs“ wider. Alle Indikatoren bildeten auch mehr oder weniger eine erste kleine Delle in ihrem Verlauf im Herbst 2009 aus (roter Pfeil). Und alle Kurven weisen ab Mai ein erkennbares Hoch auf. Damit zeigen diese Verläufe allesamt eine klare Relevanz. Umso bemerkenswerter ist also die Diskrepanz, die sich nun mit der Veröffentlichung der Daten vom Freitag zwischen dem ifo-Index und den ZEW-Konjunkturerwartungen zeigt (gelbe Ellipse): Während die Unternehmen ihrer Erwartungen im Juli deutlich nach oben geschraubt haben, setzt sich bei den Finanzmarktexperten die seit Monaten anhaltende pessimistische Einschätzung fort.

Doch die Vertreter der Finanzwirtschaft liegen mit ihren Einschätzungen auch oft genug daneben. Hier im Steffens Daily haben wir den ZEW-Index daher häufig auch als Kontraindikator verwendet (vor allem an seinen Hochs). Doch diesmal erhalten die Analysten prominente Unterstützung: In den USA zeigt auch der wichtige ISM-Index nach unten...

ISM-Index auf Talfahrt in die Rezession?

Auch der viel beachtete ISM wird aus Umfragen unter Unternehmen gewonnen. Die Daten für Juli, die in der kommenden Woche, am 2. August veröffentlicht werden, sorgen derzeit für gespannte Erwartungen unter den Anlegern. Denn andere wichtige regionale Indizes deuten einen weiteren Rückgang des ISM an.

So ergaben sich bei der Veröffentlichung des Empire State Manufacturing Index (Distrikt New York und des „Philly-Fed“-Index (Distrikt Philadelphia) deutliche und unerwartete Abschläge (Analysten hatten teilweise mit einem Anstieg gerechnet! (siehe Steffens Daily vom 15.07.2010). Ökonomen der Deka-Bank haben diese Werte entsprechend des ISM-Index umgerechnet. Danach wäre nun ein weiterer Rückgang des ISM von derzeit 56,2 auf 52 bis 50 Punkte zu erwarten (siehe gestrichelte Fortsetzung der grünen Kurve in der Grafik oben).

Die 50-Punkte-Marke im ISM-Index (entspricht der strichpunktierten Waagerechten in der Grafik oben) ist aber erfahrungsgemäß die Grenze, in der das Wachstum der US-Wirtschaft sich wieder abschwächt. Das hieße, der Aufschwung wäre wieder vorbei...

Spinnen die Deutschen?

Da fragt sich natürlich der geneigte Beobachter, was die Deutschen zu dieser positiven Einschätzung verleitet hat. Oder welche sonstigen Sondereinflüsse Deutschland auf dieser Optimismuswelle schwimmen lassen. Schließlich gibt es außer dem ISM-Index mit der Euro- und Schuldenkrise sowie den entsprechenden Sparpaketen diverser Regierungen noch mehr Belastungsfaktoren, die geeignet wären, der Wirtschaft durchaus einen Dämpfer zu verpassen.

Die knappe Veröffentlichung des ifo-Instituts vom Freitag liefert darüber auch keine Aufklärung. Eine höhere Kapazitätsauslastung, fast in Höhe des langjährigen Durchschnitts, und ein leichter Beschäftigungsaufbau sind wichtige Komponenten der Verbesserung. Ansonsten konstatiert das ifo lapidar: „Die deutsche Wirtschaft ist wieder in Partylaune.“

Da reibt man sich zunächst verwundert die Augen. Die USA sehen schwarz, und Deutschland feiert eine Exportparty nach der anderen. Seit wann kann sich Deutschland denn von der Entwicklung in den USA abkoppeln?

Gibt Deutschland den Takt an?

Nun, es wäre zumindest nicht das erste Mal. Dass der ISM-Index fällt und die ifo-Erwartungskomponente weiter steigt, kam in den vergangenen zwanzig Jahren schon öfter vor. Besonders erstaunlich dabei: Die Aktienmärkte – auch in den USA – richteten sich dann eher nach den Deutschen als nach dem einbrechenden ISM-Index (siehe gelbe Ellipsen in folgendem Chart). Besonders frappierend war dieser Unterschied vor Ausbruch der Finanzkrise 2006/2007. Dagegen ging deutscher Pessimismus und amerikanische Euphorie bestenfalls mit einer Seitwärtsbewegung einher (2004; rote Ellipse):


Quellen: ifo-Institut, Institute for Supply Management, MarketMaker

Nach meiner Einschätzung ist die Stimmung in den USA derzeit extrem schlecht. Noch viel schlechter als es selbst ein 50 Punkte zurückgehender ISM-Index erwarten lassen würde. Das zeigt auch die jüngste Erhebung zur US-Verbraucherstimmung (siehe Steffens Daily vom 16.07.2010).

Der mögliche Trendwechsel an den Börsen

Da zudem auch die US-Märkte aktuell eine auffallende Schwäche gegenüber den europäischen Indizes, speziell natürlich dem DAX, zeigen, könnte die bevorstehende Veröffentlichung des ISM-Index einen erneuten Trendwechsel an den Börsen einleiten:

Fällt der ISM nicht so schlecht aus wie erwartet, dann wird Erleichterung herrschen. Selbst wenn der Wert im Bereich der 50-Punkte-Marke landet, sind steigende Kurse möglich – getreu dem Motto „Kaufe die schlechten Nachrichten“! Und nur wenn die Zahlen die ohnehin schon schlechten Erwartungen noch unterbieten würden, könnte es kritisch werden. Aber wie gesagt, die Stimmung ist derzeit schon extrem schlecht und damit auch die Erwartung gering.

Aus Trading-Sicht ergibt sich damit ein Chance-Risiko-Verhältnis von 2:1 oder besser – also mehr, als viele „Systeme“ zu bieten haben. Achten Sie also auf die Kursentwicklung dieser Woche. Jede Stabilisierungstendenz ist ein mögliches Zeichen für eine Umkehr ab Anfang August. Und birgt damit erhebliches Überraschungspotenzial für Anleger, die sich von der gegenwärtigen schlechten Stimmung haben gefangen nehmen lassen...

Mit besten Grüßen

Torsten Ewert

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