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23.07.2008
Die hohe Kunst keinen Stopp zu setzen
von Jochen Steffens
 
Mit dem Bruch des März-Tiefs vor einigen Handelstagen bei 6167 Punkten dürften viele Stopps ausgelöst worden sein. Jetzt scheint es fast so, als würde sich der Ausflug auf die 6000 Punkte-Marke als heftiges Fehlsignal herausstellen.
 
 
 
Ich möchte diese Entwicklung einmal nutzen, um mit einem Börsenmärchen aufzuräumen, das sich durch die gesamte Börsenwelt zieht. Ich weiß, dass ich mich damit quasi in ein Wespennest setze, denn diese Weisheit gilt als eines der unumstößlichen und ehernen Gesetze der Börse: Legen Sie Stopps in den Markt!
 
Nun, Sie wissen, ich bin Antizykliker. Immer wenn die Masse etwas als unumstößliche Wahrheit begreift, mache ich mir so meine Gedanken.
 
Um es vorweg zu nehmen:
Stopps machen beim kurzfristigen und mittelfristigen Traden Sinn – keine Frage!  
Auch für Börsenneulinge sind Stopps auf jeden Fall ein absolut wichtiges und notwendiges Instrument, um nicht zu schnell, zu viel Geld zu verlieren. Daran will ich nicht rütteln.
 
Aber bei sehr langfristigen Strategien (10 / 20 Jahre oder länger) und einem sehr breit diversifiziertem Portfolio sind Stopps kontraproduktiv. 

Stopps sind das Allheilmittel der Börsen

Überall lesen Sie, dass Stopps Verluste minimieren und damit die eigene Performance optimieren. Das ist leider demnach nicht immer richtig. Man kann es back-testen: Je langfristiger eine Anlagestrategie ausgerichtet ist, desto negativer wirkt sich eine Stopp-Strategie auf die Performance aus.

Der Wiedereinstieg

Das Grundproblem beim Stopp ist nämlich die Frage des Wiedereinstiegs. Unbewusst kennt das jeder langfristig orientierte Anleger. Fällt der Kurs auf einen tiefliegenden Stopp, bleibt das unbefriedigende Gefühl, dass man vielleicht jetzt doch lieber fast schon wieder in diese Aktie eingestiegen wäre. Schließlich dürfte der Markt/die Aktie zu diesem Zeitpunkt schon massiv überverkauft gewesen sein. Irgendwie ist der Zeitpunkt immer ungünstig, an dem man ausgestoppt wird. Zum Beispiel der Dax, wann steigt man jetzt wieder in den Dax ein, wenn man bei 6200 Punkten ausgestoppt wurde? Kniffelige Frage.
 
Doch das ist nicht das einzige Problem: Ist der Stopp zu eng gesetzt, fliegt man zu oft raus und verpasst somit, wenn es schlecht läuft, die gesamte folgende Rally. Setzt man ihn zu weit, ufern die Verluste aus.

Diverse Stopp-Strategien

Es gibt nun eine Menge ausgefeilter Stopp-Strategien, die mehr oder weniger versuchen, diese Probleme in ein Schema zu pressen. Meiner Meinung nach nur, um die „Eigenverantwortung“ und damit das schlechte Gefühl auszumerzen: Schließlich hat man nicht selber gehandelt, sondern das System.
 
Nur, mit jedem Stopp kappen Sie sich eine mögliche Performance nach oben und realisieren Verluste nach unten. Sie werden so nie in der Nähe der Hochs verkaufen und selbst wenn sie die Stopps nachziehen, werden Sie bei langfristigen Strategien immer 15-30 % der einmal gemachten Performance wieder abgeben.

Das Timing ist im langfristigen Segment unwichtiger

Wenn Sie in einem langfristigen Depot direkt beim Einstieg einen Stopp setzen, muss ihr Einstiegstiming sehr gut sein. Langfristig gesehen ist es aber eigentlich unerheblich, ob die Aktie zunächst einemal 15 % oder 20 % abgibt. Jim Rogers zum Beispiel sagte vor der Agrarrohstoff-Hausse von sich, dass er ein sehr schlechtes Timing habe. Das sei ihm aber egal, er wisse, dass die Agrarrohstoffe steigen werden. Ihm war es demnach egal, ob die Kurse nach einer Investition erst einmal deutlich ins Minus rutschten.
 
Wenn Sie bei einem Minus von 15 % - 20 % aussteigen, realisieren Sie diesen Verlust und manifestieren ihn. Das wieder zu einem Zeitpunkt, wo die Aktie,  wie gesagt, häufig überverkauft ist. Und dann müssen Sie in eine andere Position einsteigen, um diese verlorenen Prozente wieder einzubringen. Doch auch diese Position könnte jetzt 15-30 % verlieren. Warum also nicht direkt in der ersteren investiert bleiben?

Die verlorene Performance

Bringt man diese Punkte zusammen, verlieren Sie auf allen Seiten Performance, oben schneiden Sie sich den Gewinn ab, und unten realisieren Sie Verluste und müssen ein neues Risiko eingehen.  Dieser Performanceverlust ist es, der sich auf langfristige Sicht zunehmend negativ auf jede langfristige Strategie auswirken muss.

Langfristig bullish

Machen Sie sich die Mühe und schauen Sie sehr langfristige Charts an. Sie werden erkennen, dass es tatsächlich keinen Sinn macht, Stopps zu setzen. Sie wären immer wieder bei größeren Konsolidierungen ausgestoppt worden. Ob Sie dann den Mut gehabt hätten wieder einzusteigen, ist mehr als fraglich. Besonders, weil oft in diesen Situationen die Stimmung erdrückend ist.
 
Hier der Dow Jones von 1900 - 2007:
 
 

Wie macht man es richtig?

Wichtiger ist jedoch bei einer langfristigen Strategie die Aktienauswahl und natürlich das man sehr breit diversifiziert. Ich würde hier grundsätzlich empfehlen, direkt die Indizes selbst zu kaufen. So reduziert man das Einzelaktienrisiko.
 
Natürlich sollte man auch nicht sein ganzes Geld auf einmal investieren, sondern nach und nach über Jahre immer dann einsteigen, wenn die Börse wieder einmal in Panik verfällt. Dazu gehört zwar etwas Erfahrung, aber damit schlagen Sie im sehr langfristigen Bereich jede Stopp-Strategie. (z.B. wenn Sie 1929 ungünstig am Hoch vor dem Crash eingestiegen wären und dann mit Geduld in weiter fallende Kurse die Position immer weiter ausgebaut hätten, wären Sie nach wenigen Jahren wieder im Plus gewesen. Das kann man auch auf den Dax 2000-2003 übertragen)

Ist vielleicht dieses Mal alles anders?

Aber, werden nun viele sagen, dieses Mal ist die Situation anders, dieses Mal haben die Börsen ihre langfristigen Hochs gesehen. Die Zukunft ist düster: Staatsverschuldung, vielleicht sogar ein drohender Zusammenbruch des internationalen Finanzsystems, die Endlichkeit der Ressourcen, Klimakatastrophe, politische Verwerfungen und alles andere, was in den Medien rauf und runter diskutiert wird.
 
Ob die aktuelle Situation wirklich „schlimmer“ ist, als zu Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929 oder den Weltkriegen oder der Auflösung des Goldstandards und die Zeit der Inflation im Zusammenhang mit dem Vietnamkrieg, die Kuba-, Japan-, Russlandkrise, das Platzen der Dotcom-, Immobilienblase, etc? Wer weiß...
 
Zudem spiegelt der Langfristchart des Dow Jones die USA in ihrer Entwicklung zur Weltmacht wieder. Was wäre also, wenn die Zeit der USA als Weltmacht vielleicht bald zu Ende geht, wie es einige Analysten (allerdings auch schon seit 20 Jahren) behaupten.  Dann kann ich nur empfehlen, sich auch noch den MSI World (ein Index, der die Welt abbildet) ins Depot zu legen. Damit reduzieren Sie auch noch dieses Risiko.

Sicher ist allerdings nichts

Aber natürlich, ich kann Ihnen nicht versprechen, dass sich der Dow Jones oder der MSCI World auch in den nächsten 100 Jahren entsprechend weiter entwickeln werden. Ich kann nicht einmal versprechen, dass es in 100 Jahren noch Börsen geben wird. Und ja, wenn man die Inflation rausrechnet, sieht das Bild auch anders aus.
 
Aber was ich sagen kann ist, dass in den letzten 100 Jahren eine Stopp-Strategie im Dow Jones für sehr langfrstig orientierte Anleger wenig Sinn gemacht hätte, besonders wenn Sie ausschließlich Panik und schlechte Stimmung gekauft und vielleicht bei Euphorie auch noch die Positionen etwas reduziert hätten....
 
Das nur einmal als Anregung. Im kurz- mittelfristigen Bereich kommen Sie aber, wie gesagt, ohne Stopps nicht aus. Zudem sollten Sie Ihr Portfolio bei einer Strategie ohne Stopps breit streuen, damit Verwerfungen bei Einzelaktien nicht stark ins Gewicht fallen. Wie gesagt, bei einer solcher Strategie kauft man am besten direkt den Index und muss die Nerven (und das Geld) haben, auch einmal sehr große Verluste auszusitzen... 

Viele Grüße
 
Ihr
 
Jochen Steffens
 

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