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Schwarzes Gold oder schwarze Pest? Der Ressourcenfluch
von Jochen Steffens
 
Ich hatte gestern in meinem Text zu Russland geschrieben: „Nur auf Öl kann man keine funktionierende Wirtschaft aufbauen.“ Dieser Satz bedarf natürlich einer Erläuterung – denn eigentlich müsste doch ein Land, das Milliarden Dollar durch Ölexporte verdient, ein reiches und glückliches Land sein. Ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Leider ist genau das Gegenteil der Fall.

Das schwarze Gold hat den meisten Staaten nur Unglück gebracht. Man nennt diesen Effekt die holländische Krankheit (Dutch disease) oder das holländische Syndrom, zum Teil auch einfach „Ressourcenfluch“. Entstanden ist der Begriff „holländische Krankheit“ in den 60ern, als vor der niederländischen Küste große Erdgasvorkommen gefunden wurden. Dieses „glückliche“ Ereignis stellte sich jedoch schnell als Belastung heraus.
 
Zunächst scheint alles gut zu gehen
 
Zunächst einmal führten die Mehreinnahmen aus dem Gasgeschäft tatsächlich dazu, dass die Löhne in den Niederlanden stiegen. Das heizte den Konsum an und der dortigen Binnenkonjunktur ging es zunächst sehr gut. Dann jedoch begann die eigentliche Krankheit, deren Entstehen sich wie folgt zusammenfassen lässt:
 
Die Aufwertung der Währung
 
Durch den Export kommt es zu starken Außenhandelsüberschüssen. Diese bringen in der Regel eine Aufwertung der Währung des Landes mit sich, da durch den stark ansteigenden Export Devisen ins Land kommen, deren Umtausch diese Aufwertung verursacht. Aber auch ausländische Investoren und andere Effekte verursachen einen Zustrom von Kapital, welcher die Währung stärkt.
 
Daraufhin kommt es zu verschiedenen desaströsen Effekten (gelten für Gas wie für Öl):
 
Die Belastung der Exportwirtschaft
 
Durch die steigende Währung wird es für die ansässigen Industrien schwieriger, ihre Produkte auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Das kann dazu führen, dass diese exportorientierten Industrien zurückgedrängt werden oder ganz verschwinden.
 
Import belastetet Binnenwirtschaft
 
Es kommt zu einer Nachfragesteigerung im Inland, weil natürlich auch Importe billiger werden. Diese billigen Importe wiederum führen dazu, dass auch die nicht-exportierende Wirtschaft betroffen ist. Die inländische Produktion geht auch in diesem Sektor zurück.
 
Steigende Löhne als zusätzliche Belastung
 
Hinzu kommt, wie oben beschrieben, dass die Löhne steigen. Das liegt auch daran, dass die Öl-Rohstoffindustrie natürlich die besten Arbeitnehmer über höhere Löhne „abwirbt“. Auch das belastet die inländische Industrie, die ebenfalls höhere Löhne zahlen müsste, aber aus oben genannten Gründen sowieso schon belastet ist.
 
Wenig positive Effekte der Ölindustrie
 
Normalerweise würde ein starker Wirtschaftsektor auch andere Industrien (Zulieferindustrien etc.) antreiben. Das gilt besonders für Sektoren, die eine breite Verflechtung mit anderen Industrien gewährleisten. Gerade diese breite Verflechtung ist bei der Ölindustrie nicht gegeben, so dass andere Wirtschaftszweige nicht oder nur in geringem Maße von der Ölförderung profitieren können.
 
Die Wirtschaft des Landes kommt zum erliegen
 
Im schlechtesten Fall führen diese Faktoren dazu, dass die gesamte Produktion des Landes erodiert. Insbesondere dann, wenn die Regierung sich zu sehr auf den Ausbau der Rohstoffindustrie konzentriert.
 
Destruktives Engagement von Interessengruppen (Rent Seeking)
 
Ganz besonders schlimm ist es, wenn die Einnahmen der Ölproduktion nur in die Hände von Wenigen fallen. Das führt zu Korruption und, wie soll man es ausdrücken, „mafiösen“ Strukturen. Das ist besonders dann der Fall, wenn ein Land noch über keine gewachsenen und gesicherten, rechststaatlichen Strukturen verfügt und die Regierungsqualität und -kontrolle nicht gewährleistet ist.
 
Die Öleinnahmen wecken Begehrlichkeiten dieser verschiedenen Interessensgruppen und führen gemeinhin zu einer Bildung von stark vernetzten Strukturen, die das Geld sozusagen unter sich aufteilen. Diese Gruppen haben verständlicherweise dann auch nicht das geringste Interesse daran, ein funktionierendes Rechtsystem zu etablieren. Das führt in der letzten Konsequenz dazu, dass das Geld nicht mehr der Allgemeinheit zu Gute kommt. Also beschleunigt auch diese Entwicklung den Prozess des wirtschaftlichen Untergangs eines Landes.
 
Ebenfalls erschwerend wirkt sich aus, wenn keine langsam gewachsenen marktwirtschaftlichen Strukturen vorhanden sind, welche diese Probleme ausgleichen könnten.
 
Sprich, Russland ist ein ideales Land für die holländische Krankheit
 
Weitergehende Gefahren
 
Die Gefahr dabei ist, dass der Staatsapparat zu stark wird. Wenn es dann nicht gelingen sollte, die holländische Krankheit zu besiegen, wird das Geld gerne dazu genutzt, das Militär und die Polizei aufzubauen, um letztendlich auch die eigene Bevölkerung zu kontrollieren. Schließlich sind die weitreichenden Folgen der holländischen Krankheit: Hohe Arbeitslosigkeit, Verarmung der Bevölkerung, eine extrem auseinanderklaffende Schere zwischen einer kleinen reichen Schicht und einer großen armen Bevölkerung, die zu sozialen Unruhen führen kann.
 
Wie kann man die holländische Krankheit bekämpfen?

Bestes Beispiel ist Norwegen. Allerdings muss man betonen, dass hier die rechtstaatlichen und marktwirtschaftlichen Strukturen bereits sehr stark waren, als Norwegen zum Ölexporteur wurde. Norwegen hatte, um der Krankheit zu entgehen, einen Erdölfonds eingerichtet. Dabei werden die Exporterlöse erst einmal angelegt und zwar in ausländischen Wertpapieren. Der Staat selbst darf aus dem Fond lediglich ein bestimmtes Maß der Rendite verwenden. Somit konnten die Einnahmen nicht die oben beschriebenen Entwicklungen verursachen. Dieser Fonds verhindert darüber hinaus, dass Interessensgruppen auf das Geld zugreifen können. Die holländische Krankheit schien besiegt.
 
Klopfen an der Hintertür
 
Aber mittlerweile fragt sich die norwegische Bevölkerung, warum es nicht mehr an diesem Reichtum, der da in diesem Fond schlummert, teilhaben kann. Die Begehrlichkeiten wachsen. Das führt dazu, dass das Thema mittlerweile zum Wahlkampfthema geworden ist: Das Geld solle der Bevölkerung in Form von sinkenden Steuern, besserer Ausbildung und besserer Krankheitsversorgung zur Verfügung gestellt werden. So sinnvoll diese Investitionen wären, wirtschaftlich könnten sie sich schnell verselbstständigen. Und zwar dann, wenn solche Maßnahmen zu einem stärkeren Konsum, höheren Löhnen und einer Aufwertung der norwegischen Währung führen würden – die holländische Krankheit klopft an die Hintertür Norwegens...
 
Und so muss man sich fragen, ob die Krankheit nicht möglicherweise nur eingedämmt wurde und Norwegen doch noch heimsuchen wird, nur zeitversetzt. Wie macht man einer Bevölkerung klar, dass weniger oft mehr ist?
 
Schwarzes Gold oder schwarze Pest? Was meinen Sie?
 
Viele Grüße
 
Ihr
 
Jochen Steffens
 
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US-Wirtschaftsdaten
von Jochen Steffens
 
Die Zahl der Erstanträge ist in den USA auf 432.000 gefallen. Erwartet wurden 435.000 bis 438.000 neue Anträge nach zuvor 445.000 (revidiert von 450.000).
 
 
Um Ihnen einmal das Ausmaß der aktuellen Entwicklung aufzuzeigen, habe ich in diesem Chart die letzten drei Jahre eingepflegt, auch wenn dadurch die Einzelheiten nicht mehr zu erkennen sind. Aber so sieht man deutlich den erheblichen Anstieg seit Anfang 2008.
 
Nicht ganz auszuschließen ist, auch aufgrund anderer Faktoren, dass wir gerade den Hochpunkt der Entwicklung hinter uns haben. Aber das wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen. Noch steigt der 4 Wochenschnitt an.
 
Der Philly Fed Index notiert im August bei -12,7. Erwartet wurde er im Bereich -12,0 bis -15,0. Im Vormonat hatte er bei -16,3 gestanden. Auch hier sieht man eine leichte Verbesserung, die sich in den nächsten Monaten noch fortsetzen sollte.
 
 
 
Sie sehen, dass die bezahlten Preise (scharze Linie) deutlich auf 57,5 Punkten, nach 75,6 Punkten zurückgekommen sind. Das wird natürlich auch mit dem Einbruch in den Rohstoffpreisen zu tun haben. Es ist ein klares Signal, dass der Inflationsdruck in den USA zurückgeht! Das muss positiv gewertet werden. Ich bin gespannt, ob auch die Börsen das jetzt schon so sehen!
 
Die Frühindikatoren sind im Juli um 0,7 % gesunken. Erwartet wurde ein Rückgang in Höhe von 0,3 %. Im Vormonat hatte sich keine Änderung ergeben. Damit wurde der Vormonatswert von -0,1 % nach oben revidiert. Hier scheinen sich die niedrigen Zinsen noch nicht auszuwirken. Das verwundert mich ein wenig. Aber gut.
 
 

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