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Ein Fest für die Statistiker
von Torsten Ewert
 
Da Herr Steffens heute einen auswärtigen Termin wahrnehmen muss, geht es heute gleich mit Torsten Ewerts Märkte am Montag weiter:
 
Verehrte Leserinnen und Leser,
 
der Oktober 2008 ist Vergangenheit. In der Börsengeschichte wird er aber weiterhin einen herausragenden Platz einnehmen. Hat er doch den Statistikern ein Unmenge an Material geliefert und sämtliche Hitlisten durcheinander gewürfelt.
 
Natürlich, die vergangenen viereinhalb Wochen haben dem allseits gefürchteten „Crashmonat“ Oktober alle Ehre gemacht – obwohl das historisch gar nicht belegbar ist. Denn im S&P 500 zum Beispiel kommt der Oktober im Durchschnitt ganz gut weg: Mit einem Wert von +0,61 % seit 1950 liegt er dicht am Durchschnittswert von 0,66 % und ist damit ziemlich unauffällig. Der September dagegen trägt mit durchschnittlich -0,70 % die rote Laterne...
 
Der Crash-Oktober 2008
 
Aber wie gesagt, in diesem Jahr hat der Oktober wieder einmal den Vogel abgeschossen. Mit einem Minus von 16,8 % hat er die schlechteste Monatsperformance seit dem berühmt-berüchtigten Crash von 1987 geliefert – damals war das übrigens auch im Oktober... (siehe Chart)
 
 
Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass die Kurse im Oktober auch schon einmal viel tiefer standen: Im Tief am 10. Oktober hatten wir sage und schreibe -27,3 % Verlust zu verbuchen – auch das wurde nur vom 87er Crash überboten, als es über 30 % abwärts ging.
 
Allerdings war die Woche vom 06. bis zum 10. Oktober tatsächlich die mit dem größten Wochenverlust im S&P 500 seit 1950. Minus 18,2 % rauschte der Index damals in den Keller. Im Gegenzug brachte die vergangene Woche mit einem Plus von 10,5 % die zweitbeste Wochenperformance überhaupt. Übertroffen wurde das nur von der Erholung die – ebenfalls im Oktober – 1974 nach dem Ölpreisschock zu verzeichnen war (siehe folgender Chart).
 
Trotzdem schloss der Index unter 1.000 Punkten – das erste Mal seit über fünf Jahren. Da wir im Oktober 2007 das vorläufige Hoch im S&P 500 gesehen haben, heißt das also, dass in nur einem Jahr die Performance der vorangegangenen vier Jahre ausradiert wurde.
 
Wenn es nur die Statistik wäre...
 
Na schön, werden Sie sagen (falls Sie von diesen Verlusten nicht zu arg betroffen waren), aber was bringt uns diese Statistik? In der Tat wäre das nur eine Randnotiz wert, wenn – ja, wenn nicht andere Anlageklassen ähnliche Extreme aufzuweisen hätten.
 
So hat der US-Dollar gegenüber dem Euro allein im Oktober fast 11 % gewonnen (siehe nächster Chart). Auch das wurde nur einmal vorher, nämlich im März 1991 zum Ende des zweiten Golfkriegs getoppt (damals war es natürlich ein Gewinn gegenüber der D-Mark).
 
(Quelle: MarketMaker)
 
Das absolute Extrem hat allerdings der Rohstoffindex Reuters-Jeffries CRB geliefert. Dieser ist mit fast minus 30 % im Oktober regelrecht abgestürzt. Eine annähernd schlechte Monatsperformance gab es seit Auflegung des Index im Jahre 1957 nicht (Chart).
 
(Quelle: MarketMaker)
 
Auch die Zinsmärkte sind außer Rand und Band. Diverse Risikoprämien haben sich auf historische Rekordwerte erhöht, zum Beispiel die zwischen Unternehmens- und Staatsanleihen. Aber selbst der einfache Geldmarktsatz für kurzfristige Anlagen fiel so stark wie seit den Crashzeiten des Neuen Marktes nicht mehr und übertraf dabei sogar den Einbruch vom September 2001 (siehe Chart unten).
 
(Quelle: MarketMaker)
 
Und auch aus Immobilien-Fonds werden momentan enorme Mittel abgezogen, die Preise sind ja schon seit längerem in etlichen Regionen im freien Fall...
 
Die neue Qualität der Marktbewegungen
 
Eine solche Volatilität quer durch alle Anlageklassen ist bisher beispiellos. Bei der Ursachenforschung stößt man relativ schnell auf die Hedgefonds, die in riesigen Positionen mit starker Kreditfinanzierung steckten. Ihre Rolle bei den Wahnsinnssprüngen der VW-Aktie in der letzten Woche hatte Jochen Steffens an gleicher Stelle schon erläutert.
 
Offensichtlich war aber VW nur die Spitze des Eisberges. Mittelabflüsse, Positionsschieflagen und inzwischen völlig unpassende Hedgegrößenordnungen führten offenbar zu diesem Einbruch quer durch alle Anlageklassen. Einfach weil diese Großanleger nun auf Teufel-komm-raus Kasse machen mussten.
 
Da wurde ein zu großes Rad gedreht
 
Damit Sie mal eine Vorstellung davon bekommen, wovon wir hier sprechen: Nach Schätzungen von Morgan Stanley hat sich das verwaltete Kapital aller Hedgefonds weltweit von etwa 500 Milliarden US-Dollar im Jahre 2000 auf knapp 2.000 Milliarden, also 2 Billionen Dollar im ersten Halbjahr fast verfünffacht (zum Vergleich: das ist fast so viel wie das Bruttoinlandsprodukt von Frankreich).
 
Allerdings hat sich diese Summe allein im zweiten Halbjahr dieses Jahres um knapp 300 Milliarden Dollar durch Mittelabflüsse an die Kunden verringert. Und jeder an die Kunden ausgezahlte Dollar muss durch X Dollar Liquidation an Nettowerten des Fonds erst einmal besorgt werden („X“ bezeichnet in diesem Fall den Hebel, also die Kreditfinanzierung des Fonds, und liegt in der Regel deutlich über 1).
 
Weitere fast 300 Milliarden sind nach Einschätzung von Morgan Stanley zusätzlich durch die negative Wertentwicklung vernichtet worden. Hier sind also offenbar Leute am Werk, die absolut keine Ahnung davon haben, was es bedeutet, mit riesigen Summen zu spekulieren. LTCM lässt grüßen...
 
Wann hat dieser Exodus ein Ende?
 
Es ist unmöglich zu sagen, ob dieser Exodus des vergangenen Monats nun der Höhepunkt oder nur eine weitere Welle in der gegenwärtigen Krise war. Wenn man sich anschaut, dass inzwischen durch die Verwerfungen an den Märkten auch bereits erste Staaten an den Rand des Bankrotts getrieben werden (neben Island stehen inzwischen auch Pakistan, Ungarn und die Ukraine kurz vor der Staatspleite), dann werden Erinnerungen an die Asienkrise 1998 wach.
 
Damals spekulierten die (wenigen) Hedgefonds gezielt gegen die Währungen einzelner Länder. Wenn die Hedgefonds von heute mit ihrer ungleich größeren finanziellen Macht sich die Wunden geleckt haben und dann versuchen, ihre Verluste wieder wett zu machen, sollten die Wackelkandidaten wieder „sattelfest“ sein. Die internationale (Finanz-)Politik hat also noch einiges vor sich...
 
Fakten statt Spekulationen
 
Aber zugegeben, dass sind alles noch Spekulationen. Versuchen wir uns, an die Fakten zu halten und schauen wir uns dazu einfach die Kursverläufe unter langfristigem Aspekt an.
 
(Quelle: MarketMaker)
 
In obigem Chart habe ich auf die Monatskurse des S&P 500 die beiden bekannten Indikatoren MACD und Stochastik angewendet. Interessant ist insbesondere der Stochastik-Indikator. Sie können sehr gut erkennen, dass Werte von unter 30 beim Stochastik (d.h. die blaue Kurve im mittleren Chartteil notiert unterhalb der unteren gestrichelten waagerechten Linie) auch mit einem Crash oder einem Bärenmarkt einhergehen.
 
Einerseits scheinen Stochastik-Werte von unter 30 mit einer baldigen Trendwende einherzugehen, andererseits kann der Stochastik aber einfach auch immer weiter fallen bzw. längere Zeit auf tiefen Niveaus verharren (siehe rote Kreise).
 
Traue keiner Statistik...
 
Hilft uns hier wieder die Statistik? Wenn wir jeden Einbruch des Monats-Stochastik unter die 30er Marke als Crash bzw. Bärenmarkt definieren, können wir vom vorangegangenen Hoch bis zum Tief der jeweiligen Korrektur einen maximalern Verlust in jeder dieser Schwächephasen bestimmen. Genauso können wir die Dauer jeder dieser Phasen abzählen.
 
Die bisherigen 13 Einbrüche dieser Art dauerten im Schnitt 13,4 Monate und brachten durchschnittlich einen maximalen Kursverlust im Tief von 27,5 % mit sich. Aktuell dauert der Einbruch wie gesagt bereits 12 Monate und hatte in der Spitze schon ein Minus von 46,3 % erreicht. Steht also die Trendwende unmittelbar bevor? Schließlich hat der Crash sein „Soll“ ja bereits erfüllt!
 
Umkehrsignal im November?
 
Leider ist das nicht ganz so einfach. Bevor die Kurse wieder weiter steigen können, müssen sie natürlich erst einmal nachhaltig nach oben drehen. Das habe sie zwar bereits getan, aber unsere Indikatoren zeigen davon noch rein gar nichts – klar sie arbeiten ja auch nur auf Monatsbasis.
 
Nun ist der MACD naturgemäß ein recht träger Geselle, aber der Stochastik reagiert doch recht unmittelbar. Aber er würde im November sogar nach oben drehen, wenn wir weitere (Netto-)Verluste sehen. Das könnte auf einen vorläufigen Boden hinweisen, der aber auch immer noch nur in eine Bärenmarkt-Rally münden könnte. Denn schließlich ist die alte Tiefstmarke bei ca. 800 Punkten inzwischen gefährlich nah...
 
Doch vielleicht hilft uns die Statistik ja doch noch. Denn danach haben wir nicht nur den schwächsten Monat des Jahres (September) und den vermeintlichen Crashmonat Oktober hinter uns, sondern im November, Dezember und Januar drei der vier stärksten Monate des Jahres vor uns...
 
 
Mit besten Grüßen
 
Ihr Torsten Ewert

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