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Das schwarze Loch der Finanzmarktkrise
von Jochen Steffens
 
Weiterhin werden katastrophale Wirtschaftsnachrichten aus den USA gemeldet. So ist die Zahl der Beschäftigten in den USA im November um mehr als eine halbe Millionen (533.000 (!)) zurückgegangen. Analysten hatten mit einem Rückgang von „nur“ 320.000 gerechnet. Dies ist der stärkste Rückgang seit 34 Jahren und gleichzeitig der 11. Rückgang in Folge. Auch die Zahlen vom September und Oktober mussten drastisch revidiert werden. Im September: statt der zuvor gemeldeten minus 284.000 nun minus 403.000, im Oktober: statt minus 240.000 nun minus 320.000.
 
Ich habe Ihnen hier einmal den längerfristigen Chart der Beschäftigungszahlen in den USA mitgebracht. Sie sehen, dass die aktuelle Situation auf dem US-Arbeitsmarkt bereits jetzt wesentlich dramatischer als im Jahr 2001 ist.
 
 
 
Dies sind natürlich sehr schlechte Nachrichten für den US-Konsum. Da die Märkte in Erwartung schlechter Nachrichten bereits im Vorfeld dieser Zahlen deutlich gefallen sind, war der Abschlag nach den Zahlen nicht so drastisch, wie man zunächst hätte meinen können. Kurzzeitig versuchten die US-Indizes sogar tatsächlich ins Plus zu kommen. Erstaunlich genug. Doch anschließend setzte sich offenbar doch die Erkenntnis durch, dass diese Zahlen wirklich schlecht sind. Abgerechnet wird aber erst zum Handelsschluss. Wenn die Märkte diese Nachricht auch noch wegstecken, wäre das ein weiteres positives Zeichen.
 
Notenbanksitzung und großer Verfallstag
 
Die Börse spielt Zukunft. In zwei Wochen sind die Fed-Leitzinssitzung und der große Verfallstag. Die Fed wird die Leitzinsen weiter senken, das steht wohl außer Frage. Was den Verfallstag betrifft, muss man sich darüber bewusst werden, dass zurzeit große Short-Positionen im Markt liegen. Die Stillhalter könnten dazu verleitet werden, die Märkte im Vorfeld nach oben zu treiben, um die Short-Positionen nicht ins Geld laufen zu lassen. Allerdings sollte der Dax dann besser nicht unter die 4.100 / 4.000 Punkte Marke fallen. Dann müssten sich die Stillhalter absichern und es käme zusätzlicher Verkaufsdruck auf.
 
Es gibt also zwei Szenarien. Entweder die Märkte schaffen es, sich trotz dieser schlechten Zahlen zu fangen. In diesem Fall sollten wir davon ausgehen, dass wir tendenziell eher positive Wochen sehen. Das Kursziel für den Verfall läge dann bei 4500-4600 Punkten im Dax.
 
Oder es kommt zu einer Kapitulation, die entsprechend starke Kursverluste zur Folge hätte, die nicht genau zu prognostizieren sind. Das ist die entscheidende Frage der nächsten Woche.
 
Horrorszenarien
 
Wäre es ein normaler Börsenzyklus, ein normaler Abwärtstrend, ich würde nach wie vor alles investieren, was ich habe. Heute ist überall zu lesen, dass die Deutsche Bank ein „Horrorszenario“ malt. In einem Interview mit der Bild-Zeitung soll der Chefsvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, gesagt haben, dass es im nächsten Jahr einen Rückgang des Wirtschaftswachstums um bis zu 4 % geben könne. Das wäre die tiefste Rezession seit Bestehen der Bundesrepublik.
 
Normalerweise sind solche Nachrichten, gerade wenn sie in der Bild getitelt werden, der klassische Kontraindikator. Es fehlt noch die Schlagzeile: „Raus aus allen Aktien“ oder „Rette sich wer kann!“.
Aber es handelt sich nicht um einen normalen Abwärtstrend, wir erleben einen der schärfsten Kurseinbrüche seit langer Zeit. Und hier kann es sein, dass die Stimmung erst noch wesentlich schlechter werden muss, als sie schon ist. Im Moment ist vieles nicht mehr „normal“.
 
Das kleine schwarze Loch
 
Interessanterweise ist es zurzeit immer noch so, dass die Stimmung vergleichsweise schnell wieder bullish wird, sobald sich ein, zwei positive Tage zeigen. Das hat man in der letzten Woche gesehen.  Dabei ist zurzeit immer noch nicht realistisch zu prognostizieren, wann das ganze Drama enden wird. Einfach weil man nicht weiß, wann und ob die Milliardenprogramme und die Zinssenkungen in der Wirtschaft ankommen. Zunächst einmal hat die Finanzmarktkrise offenbar dazu geführt, dass ein kleines schwarzes Loch entstanden ist, in dem Liquidität einfach absorbiert wird.
 
Weltweit wird nun versucht, diesem schwarzen Loch so viel Materie zuzuführen, dass es implodiert und aufhört „Geldwert“ zu vernichten. Das ist das Ziel. Um aber zu wissen, wann das geschehen wird und ob es überhaupt möglich ist, müsste man wissen, wie groß dieses schwarze Loch eigentlich ist. Nun ist es unmöglich, ein schwarzes Loch genau zu umschreiben, wo ist die Grenze, welche Summen werden ihm noch zum Opfer fallen, bevor es satt ist. Analysten fragen sich, wie viel Geld fehlt. Es werden gigantische Summen genannt. 8-9 Billionen in den USA. Eine andere Quelle schreibt: Weltweit sollen 10 Billionen fehlen (die Zahlen passen zwar nicht zusammen, ich zitiere sie trotzdem). Doch das alles sind nur Schätzungen. Fakt ist: Wir wissen es nicht, und offenbar weiß es niemand.  
 
Charttechnik im Sog der Krise
 
In solchen Situationen neige ich dazu, wie viele von Ihnen sicherlich wissen, mich auf die Charttechnik zu berufen. Doch selbst dieser, in den letzten Jahren auch in extremen Situationen ansonsten vergleichsweise zuverlässige Zweig der Börsenanalyse, ist im Moment in den Sog des schwarzen Lochs geraten. Wie ich hier in den letzten Tagen belegen konnte, hat die Signalqualität erheblich gelitten.
 
Man kann also nichts weiter tun, als mit den Schultern zu zucken und abzuwarten, bis sich nach dem Unwetter erste Sonnenstrahlen zeigen. Dann kann man nur noch hoffen, dass diese Sonnenstrahlen nicht aus dem Auge des Hurrikans zu uns herunter scheinen.
 
Trübsal blasen ist dabei keine Lösung. Es gilt viel mehr, sich fit zu machen und mit der Geduld eines Anglers genau aufzupassen. Denn nach jedem Unwetter, nach jeder Krise, nach jedem Crash, mag er noch so schlimm ausgesehen haben, kam auch immer wieder der Sommer und in diesem werden nach wie vor die großen Gewinne gemacht. Deswegen, wie in den letzten Wochen so oft mein Tip: Riskieren Sie zurzeit nicht zu viel, damit Sie zum Schluss noch Geld übrig haben, um daran teilzuhaben.  
 
Unvorstellbare Zahlen
 
Zu diesen gigantischen Zahlen, die zurzeit durch die Medien geistern, habe ich eine Leserzuschrift erhalten, die ich Ihnen nicht vorenthalten will, da ihr eine interessante Betrachtungsweise zugrunde liegt:
 
Hallo Herr Steffens,
 
Gigantische Zahlen, die keiner mehr versteht.[...]
 
Anbei mal mein Versuch, mir eine Vorstellung zu machen...
 
Unterstellt, ich könnte jede Sekunde einen Dollar auf einen Haufen werfen,
würde ich in einem Jahr (60Sek.x60Min.x24Std.x365Tage) 31.536.000 Dollar (31,5 Millionen) anhäufen können (was ich mir bildlich auch nicht mehr vorstellen kann).
 
Für die berichteten 800 Milliarden würde ich schon 25.367 Jahre brauchen (800.000.000.000:31.536.000).
 
Für die 9 Billionen 285.388 Jahre (9.000.000.000.000:31.536.000).
 
Unterstellt ich lebte 80 Jahre und täte in dieser Zeit 24 Stunden von der Geburt bis zum Tod täglich nichts anderes als sekündlich einen Dollar auf einen Haufen zu werfen, würde das Anhäufen dieser Summe außer meinem Leben
weitere 3.567 Menschen (3567,35) mit gleicher Lebenszeit von der Geburt bis zum Tod vollständig auslasten. [Anm. d. Red.: 3.568 Menschen müssten demnach 80 Jahre lang 24 Stunden täglich jede Sekunde einen Dollar auf einen Haufen werfen.]
 
Mit freundlichen Grüßen
 
P.K.
 
 
Ein schönes Wochenende und einen besinnlichen 2. Advent auch trotz dieser trüben Börsenzeiten
 
Ihr

Jochen Steffens
 
P.S. Heute möchte ich Sie noch auf den höchst interessante Gastbeitrag meines geschätzten Kollegen Stephan Heibel zum Thema Automobilgiganten in den USA aufmerksam machen. Siehe weiter unten.

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Schwere Entscheidung über Rettung für BIG 3

von Stephan Heibel

Es geht ums nackte Überleben in diesen Tagen für die Autoindustrie der USA. 34 Mrd. USD an staatlichen Hilfen wollen die Big 3 inzwischen, vor zwei Wochen waren es „nur“ 25 Mrd. USD. Der US-Kongress, der dieses Geld zur Verfügung stellen soll, möchte diesmal genauere Informationen haben.  

Denn beim letzten mal als jemand mit herunter gelassener Hose vor dem Kongress stand, es war damals Hank Paulson, wurde der Druck für ein umgehendes Handeln so groß, dass man kaum Bedingungen an das Rettungspaket i.H.v. 700 Mrd. USD stellte. Paulson injizierte 25 Mrd. USD in jede Bank, und dennoch musste er letztlich die Citigoup mit weiteren Milliarden auffangen, der Immobilienmarkt hat sich entgegen dem Versprechen Paulsons nicht stabilisiert und eine Rezession ist inzwischen zur Gewissheit geworden.
 
Verständlich also, dass der Kongress diesmal genau wissen will, warum die Kapitalspritze von 34 Mrd. USD den Big 3 das Überleben sichern soll. Vor zwei Wochen verlangte der Kongress daher, dass die Big 3 einen verlässlichen Plan vorlegen sollten, der die Befürchtung ausräumt, dass später nochmals Geld nachgeschossen werden müsse.
 
Populär wurde natürlich die Kritik, dass die drei CEOs jeweils mit Privatjet eingeflogen wurden. Tipp: Wenn Sie einmal einen Offenbarungseid schwören müssen, fliegen Sie bitte nicht im Privatjet ein.
 
Statt eines gemeinsamen Planes reichten die Big 3 jeder einen eigenen Plan ein. Statt gemeinsam mit einem Flieger, oder mit einem Linienflug einzufliegen, kam jeder mit einem eigenen Fahrzeug: Eine 10-stündige Anreise von Detroit nach Washington.
 
Auch für uns in Deutschland ist das Ergebnis der Verhandlungen extrem wichtig. Es ist erschreckend, wie viele der DAX Unternehmen mittelbar an der Automobilindustrie hängen. Würde General Motors beispielsweise nicht gerettet werden, so könnte der Reifenhersteller Continental 3,25 Euro je Aktie abschreiben: Das ist fast der gesamte für 2009 prognostizierte Gewinn.
 
Eine Reihe von Zulieferern gingen pleite, so dass es auch bei BMW, Volkswagen und Daimler zu Lieferausfällen käme. Und Produktionsprobleme bei unseren Autokonzernen würden natürlich auch die anderen Zulieferer beschneiden, wie BASF und Bayer für Kunststoffteile, Infineon für Autochips (oh man, als ob die eine weitere Hiobsbotschaft vertragen könnten!), SAP als Softwarelieferant, E.On und RWE würden weniger Strom liefern dürfen, wenn die Produktion zurück gefahren wird. Linde könnte keine Gase mehr liefern, die für die Produktion eingesetzt werden und ThyssenKrupp sowie Salzgitter (herzlich willkommen im DAX!) blieben auf ihren Autoblechen sitzen.
 
Warum kommen die Big 3 nicht der Bitte nach und liefern ein gemeinsames Konzept ab? Nun, die drei haben vollständig unterschiedliche Standpunkte, symptomatisch für das Gezeter der Branche.
 
 
FORD
 
CEO Alan Mulally ist ein guter Mann. Er hat zuvor die völlig verfahrene Situation zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern bei Boeing gelöst: Als CEO hat er die Weichen auf Wachstum gestellt und Boeing erstmals wieder Gewinne beschert.
 
Ähnlich verfahren war oder ist die Situation im Automobilsektor, und so war es keine schlechte Idee, Mulally vor anderthalb Jahren zu Ford zu holen. Er hat dort auch sofort begonnen, die Modellstrategie auf kleinere Fahrzeuge auszurichten, wobei er wohl die großen nicht schnell genug abgestoßen hat. Aber er hat einen langfristigen Plan eingeführt und dieser Plan sieht vor, dass Ford im Jahr 2010 wieder kräftig Gewinne schreiben soll.
 
So war Mulally auch der erste, der seinen Plan dem Kongress übermittelte. Darin gibt er ausdrücklich an, derzeit keine finanzielle Hilfe zu benötigen. Lediglich, falls sich die Autoindustrie im Jahr 2009 weiter verschlechtern sollte (und das ist schwer nach dem Absatzrückgang von 47% im November), würde er finanzielle Hilfen benötigen. Kreditbürgschaften in Höhe von 9 Mrd. USD möchte Mulally in diesem Fall haben. Bargeld braucht er nicht.
 
Mulally hat seine Hausaufgaben gemacht. Ford steht derzeit unter den Big 3 am besten da.
 
 
GENERAL MOTORS
 
Rick Wagoner ist schon ein alter Haudegen und seit ewigen Zeiten an der Spitze von GM. Ich kann ihn nicht leiden, denn er scheint vollkommen realitätsfern zu sein. Seit Jahren hält er die Umsätze hoch und verkauft Autos unter den Produktionskosten, schreibt pro verkauftem Auto einen Verlust von 2.000 USD. Dennoch hat er die grundsätzliche Strategie, dicke Autos und mit leistungsstarken Motoren, niemals in Frage gestellt.
 
Vor einem Jahr wurde er gezwungen, über eine Fusion mit Renault nachzudenken. Seine Aktivitäten beschränkten sich darauf, die Verhandlungen, zu denen Renault-Chef Carlos Ghosn mit ernsthaften Vorschlägen erschien, als in lächerliche zu ziehen. Es gelang ihm, dass Ghosn die Verhandlungen nach wenigen Wochen abbrach.
 
Ein toller Erfolg für Wagoner: Bei einer Fusion wäre er überflüssig geworden, denn zwei CEOs braucht keine Firma. So konnte er seinen Stuhl retten. Als selbstherrlicher Herrscher ist er vermutlich auch wirklich davon überzeugt, dass nur er weiß, was am besten für GM ist.
 
Nun, inzwischen ist ihm das Geld ausgegangen. Seine Autos werden gar nicht mehr gekauft und wenn er nicht bis zum Jahresende 4 Mrd. USD Soforthilfe vom Staat erhält, dann muss er Insolvenz anmelden. Weitere 4 Mrd. USD braucht er dann schon im Januar und bis 2010 kommen dann noch 11 Mrd. hinzu.
 
Was mich am meisten ärgerte war ein Interview, das ich gestern life sah, als er mit seinem Elektrofahrzeug (als wenn er von Detroit mit diesem Fahrzeug gefahren wäre) beim Kongress ankam. Seine Aussagen ließen nicht die Spur der Reue erkennen. Er machte die allgemeine wirtschaftliche Lage für die Probleme verantwortlich. Und er wünschte, die Wirtschaftskrise hätte GM nicht in diese Lage gebracht. Er sieht nicht den geringsten Fehler bei sich selbst.
 
Also ehrlich, wenn ich im Kongress säße, würde ich als erstes einmal einen neuen Gesprächspartner von GM anfordern. Mag sein, dass die Krise die Probleme vergrößert hat. Doch ein umsichtiger Manager muss in der Lage sein, sein Unternehmen auf schwere konjunkturelle Zeiten vorzubereiten. Wagoner ist ein machtbessener Sturkopf. Ihm traue ich den Wandel bei GM nicht zu.
 
 
CHRYSLER
 
Kommen wir zu Bob Nardelli von Chrysler: es spielt seine „Geheimnis-Karte“ voll aus. Während GM und Ford an der Börse notiert und damit öffentlich sind, ist Chrysler mehrheitlich in der Hand von privaten Investoren, die ihr Geld in Cerberus gesteckt haben.
 
Cerberus hat Chrysler von Daimler abgekauft, als die Verluste ausuferten und die Schreckensnachrichten eigentlich nicht mehr schlimmer werden konnten, glaubte man. Daimler hält übrigens noch 19% der Chrysler-Anteile und hofft, diese noch an Cerberus verkaufen zu können. Doch diese Hoffnung schwindet so langsam.
 
Chrysler profitiert schon seit Monaten von der Möglichkeit, keine Informationen an die Öffentlichkeit zu geben. Während Ford und GM von Absatzeinbußen berichten mussten, war von Chrysler nur zu hören, dass diese Probleme nicht auf das eigene Unternehmen zuträfen. Lächerlich!
 
Nun, in seinem Plan, den er dem Kongress mit ausdrücklichem Verweis auf die Geheimhaltungspflicht übermittelte, stellte er seinen Restrukturierungsplan vor. Details sind, entsprechend der Geheimhaltungspflicht, nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Lediglich der Betrag: Bis Ende des Jahres möchte er 7 Mrd. USD.
 
Ich weiß nicht, ob die US-Bevölkerung einem Unternehmen 7 Mrd. USD geben möchte, also pro Bürger 23 US-Dollar, das nicht einmal kund tut, was es damit vor hat. Und profitieren würden von dieser Hilfe nicht zuletzt die Eigentümer, also die Millionäre, die ihr Risikokapital an Cerberus gegeben haben.
 
Der Kauf von Chrysler seitens der Private Equity Firma Cerberus war eine Spekulation. Cerberus hat keinen Schimmer, wie die Automobilindustrie funktioniert. Man sah nur, dass alles am Boden liegt und wollte den Laden billig einkaufen und teuer verkaufen. Das ist misslungen.
 
 
FINANZIERUNG
 
Unabhängig davon, ob die Hilfe überhaupt fließen wird, gibt es schon Streit, welcher Topf damit belastet werden soll: Der 700 Mrd. USD Rettungsfonds von Hank Paulson? Oder ist es nicht eine Investition in umweltfreundliche und damit zukunftsträchtige Fortbewegungsmittel, so dass das Energieministerium das Geld aufbringen könnte? Oder könnte nicht Bernanke einfach ein paar US-Dollarscheine mehr drucken?
 
Nun, greift man auf Bernanke zurück, so wird der US-Dollar fallen, da die Geldmenge weiter steigt. Greift man auf Paulson zurück, so wird das Rettungspaket weiter zweckentfremdet, sofern in den wilden Aktionen Paulsons überhaupt ein Zweck zu sehen war. Und warum sollte das Energieministerium die US-Autowirtschaft vor dem Untergang retten müssen? Ist das nicht eine Aufgabe für alle, also die Regierung?
 
Bush jedoch hält sich raus aus der Geschichte. Er versteht die Implikationen ohnehin nicht. Bleibt zu hoffen, dass sich Obama mit einem guten Konzept zu Wort meldet.
 
 
POLITISCHE REIBUNGEN
 
Härtester Gegner einer Rettung der Big 3 ist Senator Shelby aus Alabama. Wussten Sie, dass Toyota und Honda riesige Produktionsstandorte in Alabama unterhalten? Unterstützt wird Shelby von Senator Graham aus South Caroline – ja, das ist, wo BMW seine Fabrik gebaut hat. Na, und so lässt sich natürlich die Interessenlage der Senatoren auf individuelle Vorlieben für den Heimatstaat zurückführen. Da ist es schwer, eine ökonomisch und sozial sinnvolle Lösung zu stricken.
 
 
MEINE LIEBLINGSLÖSUNG AUS VOLKSWIRTSCHAFTLICHER SICHT
 
Chrylser wurde mit Risikokapital gekauft, das war nichts weiter als ein Zock. Chrysler kann daher in meinen Augen abgewickelt werden, so leid mir das für die 19% Anteile im Daimler-Bestand tut. Es gibt zu viele Autos in den USA und Chrysler ist das Paradebeispiel für eine Modelpolitik, die am Kunden vorbei zielte. Sie brauchen sich nur die Schlachtschiffe von Chrysler anschauen!
 
GM kann nicht mit einem Sturkopf an der Spitze weitermachen, Wagoner muss weg. Um Arbeitsplätze zu sichern, sollte GM sodann tatsächlich Konkurs nach Chapter 11 anmelden. Es wird damit Gläubigerschutz beantragt und GM bekäme zur Neustrukturierung seiner Geschäfte Kredite vom Staat. Die Aktien würden wertlos verfallen, die Unternehmensanleihen könnte man abwerten (ich habe im Kongress schon den Vorschlag von 30% Restwert gehört) und die Arbeitsverträge könnten zu deutlich günstigeren Konditionen neu geschlossen werden.
 
Dieser Prozess sollte im Vorfeld ausgearbeitet und sofort veröffentlicht werden, inklusive Endetermin der Restrukturierung und inklusive einer Staatsgarantie, dass die inzwischen gekauften GM-Autos weiter ihren Garantieanspruch behalten. Solange dies nicht garantiert wird, kauft niemand mehr ein Auto von GM und dann nutzen die ganzen Anstrengungen nichts.
 
Ford hat keine Hilfe beantragt, also braucht Ford auch nichts. Höchstens kurzfristige Kreditlinien im Falle von Marktverwerfungen bei der Neustrukturierung von GM sollte man Ford zusagen.
 
Mit diesem Weg die ewige Subventionierung kranker Wirtschaftszweige vermieden werden. Chryslers Auflösung würde die Überkapazitäten beseitigen und Chancen für Wachstum in ein paar Jahren eröffnen. Leider würde jedoch ein Teil der Ausfallkosten von Zulieferern in aller Welt, also auch in Deutschland, getragen werden.
 
 
DIE WAHRSCHEINLICHE LÖSUNG
 
Keine Ahnung. Es geht wohl leider nicht um eine sinnvolle Lösung, sondern darum, seine eigene Machtposition zu demonstrieren. Demzufolge müsste ich für die uneingeschränkte Rettung der Big 3 votieren, damit unsere Zulieferer nicht auf ihren offenen Rechnungen sitzen bleiben.
 
Viele Grüße
 
Stephan Heibel
 
Mehr von Stephan Heibel lesen Sie unter: http://www.heibel-ticker.de
 

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