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Politische Rhetorik auf höchstem Niveau
Kurse machen Nachrichten!

Politische Rhetorik auf höchstem Niveau
von Jochen Steffens

Was für ein Spiel! Was für ein Fest! 4:1 gegen England, wer hätte das gedacht? Für uns Fans bedeutet dies natürlich, dass weiter gefeiert werden kann, und wahrscheinlich wird sogar das Wetter mitspielen. Am Freitag/Samstag soll es (zumindest in Köln) bis zu 36 Grad heiß werden. Da sich Public Viewing derweil endgültig als neuer Volkssport etabliert, wird der es für die Fans hart am Samstag. Aber auch unsere Jungs werden gegen Argentinien kein leichtes Spiel haben.

G20 Gipfel ohne nennenswerte Ergebnisse

Die Börse lässt das alles natürlich kalt. Sie spielt ihr eigenes, endloses Spiel. Auf dem G20 Treffen ist nichts Kritisches beschlossen worden, sprich keine schärferen Regeln für die Banken. Und das wäre das einzige gewesen, was die Börse interessiert hätte. Spontan nahm sie diese Unsicherheit aus den Kursen, sprich die Börse notierte zunächst im Plus.

Aber interessanterweise wurde auf dem G20 Gipfel die deutsche Sparpolitik sozusagen geadelt. Trotz aller Kritik aus dem Ausland, die wir in den letzten Wochen im Zusammenhang mit den Sparplänen der Regierung gehört haben, wurden Ziele (allerdings unverbindliche) zur Schuldenregulierung benannt.

Rhetorik für Fortgeschrittene

Doch viel schöner ist, was die Beschäftigung der Regierungen mit dieser Kritik für Blüten hervorgebracht hat. Und so sei mir trotz der Hitze ein kleiner Exkurs in die Rhetorik erlaubt, einfach weil es so schön ist. Es entstand nämlich ein neues Paradebeispiel für politische Rhetorik. Ab jetzt wird allgemein ein

„wachstumsfreundlicher Defizitabbau“

angestrebt!

Diese Formulierung muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Klingt das schön! Was für ein Euphemismus (Rhetorische Figur der Beschönigung). Vergessen sind die Sorgen und Nöte, dass das Sparen zu harten Einschnitten führen wird. Vergessen sind die Ängste, dass das Wachstum leiden werde. Sicher, als geneigter Rhetoriker fühlt man sich ein wenig an andere politische Euphemismen, wie den nuklearen Ernstfall (statt Atomkrieg) oder die kollateral Schäden (unbeabsichtigte Verluste bei der Zivilbevölkerung während eines militärischen Angriffs) erinnert, aber wir sollen nicht unken:  Wollen wir denn nicht alle wachstumsfreundlichen Defizitabbau, jetzt sofort?

Auf die Spitze getrieben

Aber es wird noch besser: Mir dieser Formulierung wurde die Rhetorik auf die Spitze getrieben: Es verbirgt sich etwas getarnt neben dem Euphemismus noch eine weitere rhetorische Figur in dieser Formulierung: Das Oxymoron: Dabei werden sich widersprechende oder sich gegenseitig ausschließende Begriffe zu einer Formulierung zusammengefügt. Sparen wird sich immer negativ auf das Wachstum auswirken. Es kann lediglich gelingen, die Sparmaßnahmen so zu gestalten, dass sie möglichst wenig negativen Einfluss auf die Wirtschaft haben. Somit ist „wachstumsfreundliches“ Sparen genau genommen ein Widerspruch, also ziemlicher Unsinn (zum Verständnis: wirtschaftsfreundliches Sparen wäre hingegen möglich). Doch das wird kaum jemand bemerken. Für diese Formulierung hat der Erfinder echt einen Orden verdient.

Aber kommen wir zum Markt:

Ich vermute, dass die Abwärtsbewegung noch etwas weiter geht. Aufgrund der aktuellen Kursentwicklung ist mit einem hübschen Fehlsignal auf der Unterseite zu rechnen:

Das ist wieder der Chart, der die vermeintliche Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS), die ich hier am 23.06.2010 im Steffens Daily besprochen habe, darstellt. Ich denke, die blaue Nackenlinie wird nach unten gebrochen, nur um alle in Panik zu versetzen. Und erst dann kommt es zu einem erneuten Anstieg (wenn überhaupt). Wir hatten solche Fälle schon häufiger. Dazu zwei Beispiele:

Sie sehen, die Beispiele sind mit der Situation im Dow Jones vergleichbar. Und da der Markt solche Spielchen liebt, muss damit gerechnet werden, dass auch der Dow erst einmal seine Nackenlinie bricht und sich erst dann entscheidet, was weiter passiert.

Schafft er es nach dem Bruch die Nackenlinie nachhaltig zurückzuerobern, wäre dies das entscheidende Einstiegssignal. Fallen die Kurse immer weiter wird es bearisher. Dazu dann aber mehr.

Viele Grüße

Jochen Steffens


Kurse machen Nachrichten!
von Torsten Ewert

Verehrte Leserinnen und Leser,

am vergangenen Montag schrieb ich an dieser Stelle über den – nicht ganz ernst gemeinten – Zusammenhang zwischen Jochen Steffens (früheren) Urlaubszeiten und fallenden Börsenkursen. Im Rückblick auf die Woche seit seiner Rückkehr könnte man nun auf die Idee kommen, dass sich dieser Zusammenhang umgekehrt hat: 

Die drei K-Zusammenhänge

Am Montag vor seiner Arbeitsaufnahme erreichte der DAX sein jüngstes Hoch. Seit Dienstag (seinem ersten Arbeitstag) fällt unser Leitindex und verlor dabei bisher 3,5 %. Nun ist natürlich jedem klar, dass hierbei keinesfalls ein unmittelbarer Zusammenhang im Sinne von Ursache und Wirkung besteht („WENN Jochen Steffens aus dem Urlaub zurückkehrt, DANN fallen die Kurse“).

Eine solche Kausal-Abhängigkeit (das erste „K“!) existiert nur in ganz speziellen Fällen („Es regnet, die Erde wird nass“). In unserem Fall (Urlaub vs. Börsenkurse) haben wir es wohl eher mit einem Zufall zu tun (der Statistiker nennt das „Koinzidenz“ – das zweite „K“).

Für uns Börsianer haben beide Fälle eher geringe Bedeutung. Echte Ursache-Wirkungsbeziehungen sind an der Börse so selten, dass sie kaum eine Rolle spielen. Und der Zufall ist an der Börse ohnehin unser ständiger Begleiter...

Viel schwieriger ist der dritte K-Zusammenhang, die Korrelation. Hier stellt man eine bestimmte Abhängigkeit fest („Der Euro fällt, die deutschen Exporte steigen“), die auch einen logischen Zusammenhang aufweist (ein fallender Euro macht deutsche Produkte für Ausländer eben günstiger und damit attraktiver). Dennoch ist diese Abhängigkeit keine Gesetzmäßigkeit und tritt nicht in jedem Fall in gleicher Form in Erscheinung.

Börse und Korrelationen

Als Anleger halten wir nach solchen Korrelation allenthalben Ausschau. Da uns die starren kausalen Gesetzmäßigkeiten an der Börse fehlen, suchen wir nach anderen Hilfsmitteln zur Orientierung. Doch wie in solchen Fällen üblich, schießen wir dann häufig über das Ziel hinaus. Soll heißen, wir sehen Korrelationen, wo gar keine sind (Nein, Jochen Steffens‘ Urlaub und die Börsenkurse korrelieren auch nicht!).

Mitunter nimmt dies amüsante bis skurrile Züge an. Insbesondere dann, wenn – nachträglich – bestimmte Kursbewegungen mit den „passenden“ Nachrichten „begründet“ werden. Wobei dann genau genommen sogar kausale Zusammenhänge konstruiert werden...

In der vergangenen Woche ließ sich das in ungewohnter Anschaulichkeit verfolgen. Eine einzige (!) namhafte Quelle schaffte es doch tatsächlich, an vier von fünf Tagen nur zwei Nachrichten wahlweise als Begründung für steigende und fallende Kurse zu verwenden!

„Informationseffizienz“ von Reuters

Bekanntermaßen ließ China am vorletzten Wochenende verlautbaren, dass die Bindung des Yuans an den Dollar (wieder) aufgegeben werden soll. Da die Währungspolitik der chinesischen Regierung seit jeher ein Zankapfel auf internationalem Parkett ist und die Ankündigung relativ überraschend kam, war die Freude zunächst entsprechend groß: Die Kurse in Asien und Europa stiegen zunächst.

Folgerichtig waren auch die US-Futures vorbörslich im Plus. Der Reuters-Marktkommentar konnte also pünktlich zur Eröffnung der US-Börse verkünden: „Futures weisen auf eine starke Eröffnung nach Chinas Yuan-Ankündigung hin“.

Leider bröckelten die Kursgewinne im Laufe des Montags wieder ab. Am Dienstag waren die Futures vorbörslich daher im Minus. Reuters meldete dazu: „Futures leichter wegen Bedenken über Chinas Yuan-Schritt“.

Der Wunsch als Vater des Gedankens

Die Schlagzeile suggeriert, China hätte die Märkte enttäuscht. Enttäuschen kann man jedoch nur entsprechende Erwartungen! Doch die Erfahrungen mit Chinas Währungspolitik mahnen eigentlich zur Vorsicht. China betonte nämlich immer wieder, in Währungsfragen „schrittweise und kontrolliert“ vorzugehen. Eine völlige und sofortige Freigabe der chinesischen Währung war also realistischerweise ohnehin nicht zu erwarten.

Aber wie gesagt, gebraucht wurde ja nur eine Bestätigung für die bereits entstandenen Kursverluste...

Doch es kam noch besser. Am Mittwoch, dem Tag der Bekanntgabe des neuesten Fed-Statements, als die vorbörslichen Zeichen wieder verheißungsvoller waren, lasen wir: „Futures steigen vor dem Fed-Statement“. Der geneigte Börsianer reibt sich verwundert die Augen. Was um alles in der Welt erwarten denn die Märkte nach Meinung der Reuters-Leute von der Fed?

Die Belastungsfaktoren am Arbeits- und Immobilienmarkt sind unübersehbar und nähren bereits seit Wochen die Zweifel an der Nachhaltigkeit der laufenden wirtschaftlichen Erholung. Sollte also die Fed tatsächlich über andere Daten verfügen, die es ihr erlauben, den Märkten hoffnungsfroh zu verkünden „Alles wird gut“?

Irgendeine Begründung findet sich immer

Das Äußerste, was zu erwarten war, wären angemessen positive Ausblicke, eine nicht zu starke Betonung der Risiken und die Verheißung weiter niedriger Zinsen unter Hinweis auf eine schwache Inflation.

Und im Rahmen dieser Erwartungen war das Fed-Statement so positiv, wie es die vorsichtigen Formulierungen der Fed aktuell zulassen. Und so bewegten sich die Kurse danach am Mittwochabend auch insgesamt eher seitwärts.

Aber Reuters spekulierte offenbar tatsächlich auf noch mehr Optimismus! Denn am Donnerstag musste eben dieses Statement als Begründung für die inzwischen vorbörslich schwächeren Kurse herhalten: „Futures fallen nach Fed-Statement“.

Reuters erreichte damit eine bisher ungekannte „Informationseffizienz“: Nur zwei Nachrichten reichen für die Erklärungen der gegensätzlichen Kursbewegungen von vier Tagen!

Kurse machen Nachrichten!

Das Verrückteste dabei ist, dass per Saldo die Kurse in der vergangenen Woche nur gefallen sind. Die Reuters-Schlagzeilen suggerieren jedoch ein Auf und Ab. Aber wie dem auch sei: Egal welche Erklärungen tatsächlich für die Kursbewegungen der vergangenen Woche verantwortlich sind – dieses, zugegeben, extreme Beispiel zeigt deutlich, dass Sie auf „Begründungen“ und Nachrichten besser nichts geben.

Denn heutzutage prasseln täglich unzählige Meldungen und Daten auf die Anleger ein. Welche davon wirklich den entscheidenden Einfluss auf die Börsen hatten (wenn es überhaupt eine solche gibt), ist letztlich nicht nachprüfbar. Wären die Kurse gestiegen, hätten Sie vielleicht von den guten Auftragseingängen in den USA gelesen, die weiterhin eine überdurchschnittlich gute Investitionstätigkeit signalisieren.

So entgehen Sie der „Nachrichtenfalle“

Doch was macht nun ein langfristiger Anleger der weder die Fundamentaldaten sezieren noch die volatile Charttechnik als Signalgeber verwenden kann oder will? Mit einem ausgewogen strukturierten Portfolio (Aktien, Anleihen, Rohstoffe) trennen Sie sich in Schwächephasen wie der aktuellen von Ihren schwächsten Aktien und sammeln „unten“ nach und nach starke Werte wieder auf (die z.B. bereits wieder ein neues Hoch markiert haben).

So passen Sie Ihre Investitionsquote automatisch dem Marktgeschehen an, vermeiden aber, auf den Verlierern sitzen zu bleiben. Nachrichten interessieren Sie dann nur noch in der Tagesschau und Ihr Erfolg ist dann auch kein Zufall mehr.

Mit besten Grüßen

Torsten Ewert

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