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So langsam nutzt es sich ab
Herr Allgemeinheit

So langsam nutzt es sich ab
von Jochen Steffens

Der Vergleich mit einer der besten Headlines des neuen Jahrtausends: „Wir sind Papst“ wird so langsam überstrapaziert, wenn wir nun nach Lesart vieler Medien auch schon Grand Prix sein sollen. Aber eins muss man Lena Meyer-Landrut lassen: Sie hat eine unglaubliche Blitzkarriere hingelegt. Wie ein junges Mädchen, ganz ohne Brimborium, alleine, fast etwas verloren wirkend, ganz Europa begeistern kann, ist sicherlich ein Phänomen - allerdings kein neues.

Alles egal?

Natürlich fragen sich die Medien, was der Hintergrund des Erfolges von Lena ist. Meiner Meinung nach etwas ganz Simples: Schaut man ihr zu, wirkt es so, als wäre es ihr völlig egal, was andere Leute über sie denken. Das lässt sie sehr natürlich wirken, selbstbewusst, frech, dreist, ein bisschen zu laut und natürlich auch etwas verrückt mit viel Spaß. Eine Mischung, die offenbar begeistert.

Die Tradermentalität

Witzigerweise sind einige davon auch Eigenarten, die einen guten Trader ausmachen. Insbesondere die Fähigkeit sich über Meinungen und Ansichten der anderen hinweg zu setzen und sein ganz eigenes, persönliches Ding zu drehen.

Das Dumme ist nur: Menschen sind sehr soziale Wesen. Dazu gehört die meist unbewusste Fähigkeit, sich mit seinen Meinungen und Einstellungen einer Gruppe anzupassen. Die meisten Menschen tun alles, um eben nicht als „verrückt“ zu gelten oder sonst wie anzuecken. Diese Fähigkeit der sozialen Anpassung ist für den gesellschaftlichen und beruflichen Erfolg ohne Frage sehr wichtig und wird vom Kindergarten an trainiert.

Der eigenbrötlerische Trader

An den Börsen ist diese Eigenschaft tödlich. Wer sich an den Börsen anpasst, die Meinungen der Massen übernimmt, wird selten erfolgreich sein. Tatsächlich muss Tradern und Spekulanten egal sein, was die anderen denken. Und so verwundert es nicht, dass viele erfolgreiche Trader und Spekulanten eine gewisse Tendenz zu eigenbrötlerischem Verhalten aufweisen. Offenbar begünstigt dieses Eigenbrötlertum die Fähigkeit, sich von der Masse und damit dem Mainstream abzusetzen

Es gibt auch einen anderen Weg

Zum Glück muss man nicht zum Sonderling werden, es gibt auch andere Möglichkeiten. Dazu muss man sich diese Prozesse nur bewusst machen. Das ist allerdings nicht so leicht, wie man zunächst denken mag. Es gibt eine Vielzahl von Experimenten, die belegen, wie viele Menschen bereits in kleinen Gruppen große Schwierigkeiten haben, eine Meinung zu vertreten, die nicht dem Gruppenkonsens entspricht. Dabei ist es unerheblich, wie überzeugt sie jeweils von ihrer eigenen Meinung sind. Um wie viel schwieriger wird es sein, wenn die Masse sich einig ist, und man mit seiner bescheidenen anderen Meinung ganz alleine steht – als kleiner Spekulant gegen die wortgewaltigen Medien. Und doch lohnt sich dieser beständige Kampf um die eigene Meinung nirgendwo mehr als an den Börsen.

EU-Probleme ausgereizt?

Nicht nur bei der Überschrift: „Wir sind…“ ist eine Abnutzung zu erkennen. Offenbar geschieht nun genau das, was ich in der letzten Woche bereits angekündigt hatte. Das Thema “Probleme in der EU“ verliert immer mehr seinen Reiz für die Börsen. Am Freitag wurde Spanien durch die Ratingagentur Fitch von AAA auf AA+ abgestuft. Doch die Abstufung hat offenbar keinen größeren Einfluss mehr auf den DAX. Dieser zeigte sich heute trotz der schlechten Vorgaben aus den USA vom Freitag recht freundlich. Wenn jetzt nicht noch wesentlich schlimmere Nachrichten kommen, dürfte dieses Thema damit durch sein.

Nach dem erfreulichen Start, passierte allerdings nicht mehr viel. Die USA Börsen sind aufgrund des Memorial Days geschlossen. Es fehlten somit die Impulse aus den USA.

Viele Grüße

Jochen Steffens


Herr Allgemeinheit
Von Torsten Ewert
 

Verehrte Leserinnen und Leser,

haben Sie schon mal von Mr Market gehört? Auf diesen exzentrischen Typen machte uns Benjamin Graham, geistiger Ziehvater von Investmentlegende Warren Buffett, aufmerksam. Mr Market treibt an den Börsen sein Unwesen. Mal verschleudert er dort Qualitätsaktien für „‘n Appel und’n Ei“, ein anderes Mal zahlt er dagegen Mondpreise für völlig wertlose Klitschen. Das wäre nicht weiter schlimm, würde er mit seiner Stimmungslage nicht auch alle anderen Börsianer anstecken. Die machen dann prompt den gleichen Blödsinn...

Der große Bruder von Mr Market

Nach meinen Recherchen ist Mr Market aber nur der kleinere, weniger begabte Bruder eines anderen, sehr distinguierten Herrn mit einer ähnlichen Macke. Nennen wir ihn hier der Einfachheit halber „Herr Allgemeinheit“. Dieser sehr einflussreiche, aber praktisch unsichtbare Gentleman steckt mit seinen Gemütszuständen sogar ganze Völker an.

Dabei geht er äußerst subtil vor. Wenn Mr Market an der Börse verrücktspielt, gibt es immer einige Besonnene, die vor ihm warnen oder sich seinem Einfluss entziehen können. Wenn Herr Allgemeinheit seinen Einfluss spielen lässt, hören Sie lange nirgends eine mahnende Stimme.

Herr Allgemeinheit hat dann ein leichtes Spiel mit uns. So wie momentan. Derzeit hat er nämlich wieder so seine Phase. Allerdings machen wir es ihm auch sehr leicht. Angesichts der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko gibt es niemanden – mich eingeschlossen – der nicht für höhere Strafen bei solchen Umweltfreveln plädierte. Auch Regeln, die solches zukünftig verhindern, wünscht sich jeder. Gleiches gilt für den Finanzmarkt

Die wohltuende Abwesenheit von Risiko

Hier wie da hält sich auch unser Mitleid in Grenzen, wenn die Lasten für die betreffenden Unternehmen dramatisch ansteigen. Beispiel Ölfirmen: Da Strafen erst nachträglich verhängt werden können (also wenn die Verschmutzung schon da ist), sucht man nach Mitteln, die Betreiber zu zwingen, vorher „ausreichende“ Sicherheitstechnik zu installieren. Das kostet diese natürlich viel Geld.

Da trotzdem noch ein Restrisiko besteht, möchte man – à la Bankenabgabe – einen Fonds bilden. Dieser würde in Art einer Versicherung zu den normalen Zeiten gefüllt und stünde auch dann zur Verfügung, wenn ein Unternehmen infolge eines solchen Schadens z.B. pleite ginge.

Könnte man das wie geplant umsetzen, fühlten wir uns alle wohler. Wir hätten dann ein großes Risiko im Griff. Denken wir dann. Weil momentan eben auch Herr Allgemeinheit so denkt. Und uns mit diesem Gedanken angesteckt hat. Dem guten Herrn Allgemeinheit graust es derzeit nämlich vor allem, was „Risiko“ heißt. Und weil er so einflussreich ist, hat er uns gefühlsmäßig alle schon auf seiner Seite.

Zwei alte Gaukler

Doch genau wie sein Bruder, Mr Market, gaukelt er uns nur etwas vor. In einem Börsencrash sind keineswegs werthaltige Unternehmen plötzlich wertlos. Das will uns Mr Market nur weismachen. Und die „Versicherung“ gegen Ölkatastrophen funktioniert wahrscheinlich auch nicht. Vorstellbar ist, dass sich die Firmen einfach auf den Fonds verlassen und erst recht schludern. Motto: Schließlich haben wir ja dafür bezahlt.

Das Beste, was geschehen könnte: dass solche Förderprojekte von den Unternehmen dann aus Kostengründen ganz unterlassen werden. Dann hätten wir weniger Öl und vermutlich höhere Preise. Na gut, werden Sie vielleicht sagen, erneuerbare Energie sind sowieso besser.

Zu viele Bedenken sind hinderlich

Schön, doch Wind und Sonnenenergie kommt bei uns in Form von Strom an. Dafür werden aber neue Hochspannungsleitungen benötigt, um diese zusätzliche Energie zu transportieren. Doch in Deutschland z.B. regt sich inzwischen allerorten Widerstand dagegen. Herr Allgemeinheit steht dort und raunt bedeutungsschwanger von „Risiken“: echten, möglichen und vermeintlichen.

Eingeweihte werden erwidern, es braucht keine oberirdischen „Drähte“, man könne die Leitungen auch verbuddeln. Abgesehen davon, wie stark dadurch die befürchteten Risiken tatsächlich geringer werden und keine neuen auftreten – klar ist, verbuddeln ist teurer! Auch hier besteht am Ende die Gefahr, dass wir mit leeren Händen dastehen, wenn die Unternehmen solche Projekte dann aus Kostengründen einstellen. Natürlich könnten wir uns auch einfach bereiterklären, die höheren Preise für das geringere Risiko zu tragen. Das ist ja letztlich der Sinn einer Risikobegrenzung, auch an der Börse: für mehr Sicherheit verzichte ich auf Ertrag und Einkommen. Doch diese Diskussion führen wir noch gar nicht...

Eine deprimierende Zwischenbilanz

Bisher leistet Herr Allgemeinheit mit seiner momentanen Risikoaversion ganze Arbeit. Biokraftstoffe sind in der Versenkung verschwunden. Die Untersuchungen über Speichermöglichkeiten für Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken hat er von Amts wegen einstellen lassen. Aus unerfindlichen Gründen würgte er allein die Diskussion über die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken in Deutschland noch nicht ab...

Dafür hat dieser Bedenkenträger nun die Wochenbetten deutscher Mütter erreicht: Die Berufshaftpflicht für freie Hebammen steigt auf Sätze, die für die Betroffenen die Weiterarbeit ökonomisch unsinnig machen. Was bei der Ölförderung und den Stromleitungen bisher nur eine theoretische Möglichkeit ist, wird hier auf einmal ganz konkret

Auch dabei ist der Grund ein gestiegenes Einzelfallrisiko. Was auch völlig logisch und nachvollziehbar ist: Ein gravierender Fehler in diesem Bereich hat für die betroffenen Eltern unter Umständen erhebliche finanzielle Konsequenzen in Form von jahrelangen Pflegekosten. Und die steigen nun mal dramatisch an.

Von „armen“ und „reichen“ Gesellschaften

Doch dieses Beispiel zeigt auch: Eine zu starke Risikoaversion macht unsere Gesellschaft ärmer. Hausgeburten zum Beispiel wird es bald nicht mehr geben, wenn sich keine andere Lösung findet. Da mag manch einer schulterzuckend drüber hinweggehen. Doch die Dimension, um die es für unsere Gesellschaft als Ganzes geht, ist um ein Vielfaches größer!

Amerika wäre nicht entdeckt worden, wir würden heute nicht fliegen, ja noch nicht einmal Auto fahren, wenn die Menschheit versucht hätte, jedem Risiko aus dem Weg zu gehen. Ohne Zweifel sind dabei immer auch Fehler gemacht worden. Große Fehler, schwerwiegende Fehler, leichtsinnige Fehler. Wir wollen keine Fehler. Wir wollen auch keine Fehler machen. Doch ohne diese Möglichkeit, quasi die Ultima Ratio unseres Handelns, werden wir die eingefahrenen Wege von gestern nicht verlassen.

Mit alten Rezepten retten wir weder den Euro, noch den Golf von Mexiko und auch nicht die Hausgeburt. Gut möglich, dass die Kohlendioxidspeicherung unter der Erde ein Irrweg ist. Doch hätte sie mit Sicherheit jede Menge zusätzliche Erkenntnisse gebracht. Zum Beispiel über die Sicherung von Stoffen, die an unzugänglichen Stellen unter hohem Druck stehen...

Bei Lichte besehen geschahen viele Entdeckungen (z.B. des Penicillins, der Röntgenstrahlen oder auch Amerikas) zufällig und auf Wegen, die zu ganz anderen Zielen führen sollten. Dieser Möglichkeiten, die irgendwo noch schlummern, berauben wir uns, wenn wir den Einflüsterungen des Herrn Allgemeinheit zu sehr unser Ohr leihen.

Kontrollierte Spinnerei und eine spontane Umfrage

Denken Sie an das gute alte Brainstorming: Mit vielfältigen, auch „spinnerten“ Ideen zur Lösung eines Problems kommen. Verbieten Sie dabei das „Spinnen“, finden Sie auch keine Lösungen. Das Problem: Am grünen Tisch ein wenig zu spinnen, ist relativ ungefährlich. An einer Ölquelle oder in einem Atomkraftwerk munter drauf los zu experimentieren, ist eine ganz andere Sache.

Jetzt wollen Sie von mir eine Lösung? Die habe ich auch nicht. Aber ich weiß, was uns bei der Lösung helfen könnte: das Zauberwort heißt „Technikfolgenabschätzung“ (ja, ich weiß, es hört sich so an, als könnte es auch aus dem kranken Hirn von Herrn Allgemeinheit stammen...). Aber warum machen wir das dann nicht?

Tja, gute Frage. Ich habe dazu eine Vermutung, aber dabei müssen Sie mir helfen. Jeder Steffens-Daily-Leser fragt in dieser Woche jeden ihm persönlich bekannten Akademiker, ob er sich mit „Technikfolgenabschätzung“ beschäftigt (es zählt nur ein klares „JA“!). Die Zahl der von Ihnen befragten und die JA-Sager schreiben Sie mir per E-Mail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). Da bin ich ja mal gespannt...

Ach ja, neulich hab ich den kleinen Mr Market kurz getroffen. Er war schon wieder ziemlich depressiv gestimmt. Könnte also sein, dass er – wenn er ihnen demnächst auch über den Weg läuft – dann völlig am Boden zerstört ist. Lassen Sie sich davon bloß nicht anstecken!

Mit besten Grüßen

Torsten Ewert

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