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Der Lahme und der Blinde
(Über-)Regulierungsdruck verunsichert die Märkte

Der Lahme und der Blinde
von Jochen Steffens

Der Markt ist heute aus mehreren Gründen eingebrochen. Als einer dieser Gründe werden die sich ausweitenden Spannungen zwischen Nord- und Südkorea genannt. Mittlerweile spitzt sich die Lage zu und Nordkorea lässt nach aktuell noch nicht bestätigten Informationen das Militär aufmarschieren. Das hatte in Asien zu Kursverlusten geführt, die sich belastend auf die europäischen Börsen ausgewirkt haben.

Natürlich werden sich einige Anleger fragen, ob diese Querelen in Asien tatsächlich auch nachhaltige Auswirkungen auf die westlichen Börsen haben können. Nordkorea ist in wirtschaftlicher Hinsicht uninteressant. Doch Südkorea steht, gemessen am Bruttosozialprodukt, immerhin schon auf dem 15. Platz weltweit. Bei den Exportnationen rangiert das Land auf Platz neun. Jeder kennt die großen Namen der südkoreanischen Firmen: Samsung, Hyundai oder LG, etc. Eine Eskalation in Korea könnte somit tatsächlich das weltwirtschaftliche Wachstum spürbar belasten.
Fast wie im kalten Krieg
Doch das ist nicht alles. Korea ist ein geteiltes Land. Nordkorea ist ein sozialistischer Staat mit einer zentralisierten Planwirtschaft. Südkorea ist eine Demokratie mit einer Marktwirtschaft. An der Grenze zwischen Nord- und Südkorea stehen sich somit die alten Ideologien des kalten Krieges gegenüber. Nordkorea gilt dabei zumindest offiziell noch als Verbündeter Chinas. Südkorea wird von den USA als einer der wichtigsten Verbündeten in Asien angesehen. So gesehen stehen sich an dieser Grenze auch die beiden Großmächte USA und China gegenüber. Und das macht die Situation natürlich besonders heikel. Scheinbar begrenzte Konflikte, in denen sich Großmächte gegenüberstehen, haben natürlich immer das theoretische Potenzial sich auszuweiten.

Der Blinde und der Lahme
Allerdings muss man sich fragen, wer von den beiden Großmächten ein Interesse an einem militärischen Konflikt in Korea haben sollte. China und die USA sind zurzeit miteinander verbunden wie der Blinde und der Lahme. Ohne die Exporte in die USA würde Chinas exportabhängige Wirtschaft einen empfindlichen bis existenziellen Schlag bekommen. Ohne die Käufe amerikanischer Staatsanleihen durch die Chinesen würden wahrscheinlich die Zinsen in den USA rapide steigen, und die USA könnten schnell Schwierigkeiten bekommen, ihre Schulden zu refinanzieren. Sollte es zu einem Konflikt kommen, wären somit beide Seiten die Verlierer.
Und so verwundert es nicht, dass bei der aktuell in Peking stattfindenden Großkonferenz zwischen den USA und China beide Seiten sehr bemüht sind, bei diesem Thema besonnen zu reagieren. Allerdings muss man auch darauf hinweisen, dass der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea an den Börsen alle paar Jahre wieder zum Thema wird. Hoffen wir, dass wie so oft auch dieses Mal die USA und China eine Eskalation vermeiden können.
Ölpreis fällt

Auffallend ist in diesem Zusammenhang, dass der Ölpreis heute deutlich unter Druck kommt. Dieser sollte bei gravierenden Kriegssorgen allerdings eher anziehen. Das würde ich als Zeichen dafür sehe, dass der Markt noch nicht wirklich mit einer Eskalation des Konflikts rechnet. Behalten Sie also in den nächsten Tagen im Zusammenhang mit diesem Thema den Ölpreis im Auge.

Noch mehr Regulierung

Ein weiteres Thema, dass die Kurse heute belastet hat, ist wieder einmal die Regulierungswut der Politiker. Neuesten Gerüchten zufolge, soll das Verbot ungedeckter Shorts nun auf alle Aktien im DAX ausgeweitet werden. Zu diesem Thema hat mein Kollege Bernd Raschkowski einen Artikel verfasst, den Sie direkt im Anschluss finden.
DAX bricht Aufwärtstrend 
Bleibt zum Schluss noch ein Blick auf den DAX:
  
Mit dem heutigen Kurseinbruch hat der DAX nun doch den grünen Aufwärtstrend nach unten gebrochen. Der Bruch wird dadurch bestätigt, dass er mit einem Gap-Down geschehen ist. Das muss als bearishes Zeichen gewertet werden.
Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es zunächst zu einem Test der unteren grünen Begrenzungslinie von unten kommen. Sollten die Kurse wieder in den Trend hineinlaufen, könnte dieser Ausbruch als ein Fehlsignal gewertet werden. Es wäre sozusagen der letzte Rausschüttler gewesen. Dieses Szenario wird besonders dann interessant, wenn es in den nächsten Tagen zu einem Gap-Up kommen sollte. Dann hätte sich ein Island-Reversal mit einem Fehlsignal gebildet.
Scheitern die Kurse jedoch an dieser Linie gilt der Test des alten Aufwärtstrends als bestätigt. Der Ausbruch ist in diesem Fall als relevant anzusehen. In diesem Fall gehe ich davon aus, dass es damit zu der Seitwärtsbewegung kommen wird, die wir am Anfang des Jahres (u.a. auch in unseren Jahresausblick) prognostiziert haben. Andere Indizes, wie der EuroStoxx50, sind bereits wesentlich früher in diesen prognostizierten Seitwärtstrend übergangen.
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens

(Über-)Regulierungsdruck verunsichert die Märkte
von Bernd Raschkowski
Die aktuelle Börsenphase ist sicherlich nichts für schwache Nerven: Die vergangene Woche zeichnete sich durch herbe Kursverluste und eine hohe Volatilität an den Märkten aus. Auch die Währungen dieser Welt verzeichneten extreme Ausschläge. In der aktuellen Handelswoche scheint es ähnlich zu werden, Investoren meiden weiterhin die Risikomärkte. Wie kommt es zu der weltweiten Verunsicherung?
Wie Sie den einschlägigen Medien der vergangenen Tage bereits entnehmen konnten, wird unter anderem der Regulierungsdruck für die Kursverluste verantwortlich gemacht. Der deutsche Vorschlag einer Transaktionssteuer auf Finanzgeschäfte sowie das in einer Nacht-und-Nebel-Aktion beschlossene Verbot ungedeckter Leerverkäufe von Anleihen und Finanzaktien belastete nicht nur den Deutschen Aktienindex, sondern sorgte auch im Ausland für Verunsicherung. Heute wurde zudem bekannt, dass die Bundesregierung das Leerverkaufs-Verbot auf alle deutschen Aktien ausweiten möchte. Anleger weltweit fürchten nun, dass weitere Regierungen unter dem Druck der Öffentlichkeit Maßnahmen der Finanzmarktregulierung beschließen könnten.
Die Märkte reagierten verwundert, vor allem weil das deutsche Short-Verbot so überraschend schnell beschlossen wurde und einem Verzweiflungsakt ähnlich sieht. Während die neuen Restriktionen bezüglich der Euro-Staatsanleihen durchaus eine marktstabilisierende Wirkung hatten, schürte das Leerverkaufsverbot auf Aktien der deutschen Finanzdienstleister jedoch die Angst der Anleger vor anstehenden Negativ-Schlagzeilen der Branche. „Warum sonst hatte es die Regierung damit so eilig?“, fragte ein Händler auf dem Parkett.
Der Vorschlag der Transaktionssteuer tat sein Übriges. Besonders verblüfft reagierten Anleger auf das unabgestimmte Vorgehen der Deutschen, eine einheitliche europäische Linie wäre wünschenswert gewesen. Die Verunsicherung führte selbstverständlich zu einem Abzug von Geldern aus risikoaffinen Märkten. 

Wirkung der Maßnahmen sind umstritten
Eine grundsätzliche Steuer auf alle Finanztransaktionen würde nicht nur das Handelsvolumen verringern und so zu mehr Intransparenz auf den Märkten führen, sondern zusätzlich die Falschen treffen. Leiden würden zum Beispiel auch alle privaten Fondssparpläne, die für den Aufbau einer privaten Vorsorge im Rentenalter so unglaublich wichtig geworden sind. Zudem sollte klar sein, dass die institutionellen Investoren mit hoher Wahrscheinlichkeit Schlupflöcher für Transaktionen untereinander finden und mindestens zum Teil an der Steuer vorbeikommen sollten.
Und was ist mit dem Leerverkaufs-Verbot ungedeckter Anleihen und Aktien? Meiner Meinung nach generell völlig in Ordnung, schließlich erhöhen sich durch einen ungedeckten Leerverkauf die im Umlauf befindlichen Wertpapiere und üben auf diese Weise Druck auf die jeweilige Gattung aus. Self-fulfilling prophecy.
Wichtig ist hierbei jedoch die Unterscheidung zu gedeckten Leerverkäufen. Letztere sind ein wichtiger Teil des Preisbildungsprozesses und leisten über höhere Liquidität einen Beitrag zu mehr Transparenz und Effizienz auf den Märkten. Es wäre falsch, hier alles über einen Kamm zu scheren und aus reinem Aktionismus heraus auch die gedeckten Leerverkäufe zu untersagen.
Fazit: Insgesamt dürfte sich die deutsche Regierung mit dem Alleingang in Sachen Finanzmarktregulierung einen Bärendienst erwiesen haben. Die Wirkung des europäischen Rettungspakets von bis zu 750 Milliarden Euro, welches das Vertrauen in die angeschlagene Währungsunion wieder stärken sollte, verpuffte schnell nach den neuen Ankündigungen. Die Währungsunion steckt sowieso schon in ihrer größten Krise seit dem Bestehen, neue Unsicherheitsfaktoren sind da wenig angebracht. Hauptaufgabe muss es sein, die drohende Schuldenkrise zu bewältigen und Euro-Land wieder auf eine gesunde finanzielle Basis zu stellen.
Neue Regeln für den globalen Finanzmarkt sind generell natürlich absolut notwendig. Schließlich muss das verloren gegangene Vertrauen nach der Bankenkrise wiederhergestellt werden und zukünftige, ähnliche Probleme unbedingt vermieden werden. Allerdings sollten die Maßnahmen gut abgestimmt und überlegt sein. Einen voreiligen Rund-um-Schlag gegen Banken und Kapitalmärkte mit all den negativen Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft gilt es unbedingt zu vermeiden.
Beste Grüße
Bernd Raschkowski
P.S.: Der Spott internationaler Medien nach dem deutschen Vorpreschen in Sachen Finanzmarktregulierung ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Eine amerikanische Publikation fragte sarkastisch, was in Deutschland nach der Leerverkaufs-Regel als nächstes verboten werden würde. Etwa Regentage? Oder böse Schimpfwörter? Ich persönlich fänd` verlorene Fußball-Spiele ganz gut...

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