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Kleiner Privatkrieg?
von Jochen Steffens
 
Ich muss noch einmal auf Porsche und Volkswagen zurückkommen. Denn so langsam wird offensichtlich, was wahrscheinlich tatsächlich hinter den Kulissen gelaufen ist und das Chaos auslöste.
 
Wie gesagt, Porsche hat sich 31,5 % über Optionen an Volkswagen gesichert. Gegenspieler dieser Optionen sind Banken. Diese Banken, so die Gerüchte, besaßen aber nicht die komplette Anzahl an Aktien, um diese Porsche bei Fälligkeit zu liefern, es fehlten auch bei den Kursschwankungen Alternativen, um sich anders abzusichern. Also mussten die Banken Volkswagen-Aktien im Markt kaufen. Sie hatten demnach eine große „Minus-Position“ an Aktien (dazu komme ich gleich noch mal). Da aber die Zahl der verfügbaren Aktien immer niedriger wurde, trieben die Banken mit ihren eigenen Käufen sozusagen ihre eigenen Kurse.
 
Die Idee
 
Eine Lösung musste her. Jeder den ich kenne, war davon überzeugt, dass Volkswagen bei 400 Euro massiv überbewertet sei. Diese eindeutige Schieflage zieht natürlich Zocker an, wie die Fliegen. Die größten „Zocker“ sind Hedge-Fonds, die ein hohes Interesse daran hatten, gegen diese Überbewertung von Volkswagen mit den verschiedensten Strategien zu traden.
 
Die Banken haben nun also diesen Hedge-Fonds die Volkswagen-Aktien geliehen, die sie mittlerweile zur Sicherung der Optionen erworben hatten. Und das in dem Wissen, dass die Hedge-Fonds diese Aktien im Markt verkaufen werden, um von fallenden Kursen zu profitieren (shorten). Wenn man sich eine Volkswagen-Aktie leiht, diese zu 400 Euro verkauft und zu 220 Euro etwas später zurückkauft, hat man schließlich einen satten Gewinn von 180 Euro je Aktie in der Tasche. Ein geniales Geschäft, für die Hege-Fonds, so schien es.
 
Die Banken wussten wie wenig Aktien nur noch im Markt frei verfügbar sind. Ihnen musste also klar gewesen sein, dass wenn die Hedge-Fonds die geliehenen Aktien im Markt verkaufen, der Volkswagen-Kurs massiv einbrechen wird!
 
Auf beiden Seiten profitieren
 
Wahrscheinlich wollten die Banken also genau das erreichen. Denn nach den  durch die Hedge-Fonds ausgelösten Kursverluste hätten die Banken zu günstigen Kursen den Rest der Aktien kaufen können, die sie zur Sicherung der Optionen, die Porsche hielt, brauchten. Ein nahezu perfekter Plan, da sie so auf beiden Seiten profitierten: Auf der einen Seite durch die Gebühren der geliehenen Aktien, auf der anderen Seite, weil sie nur so an die restlichen Aktien zu günstigen Kursen kommen konnten.
 
Der Plan ging auf, zunächst
 
Und tatsächlich der Kurs der Volkswagen-Aktie halbierte sich in der vorigen Woche in kürzester Zeit von über 400 Euro auf knapp 200 Euro. Perfekt! Wahrscheinlich haben die Banken in die fallenden Kursen hinein den Hedge-Fonds einige der Aktien abgekauft, die sie ihnen zuvor selbst geliehen hatten.
 
Die Dummen waren die Hedge-Fonds, denn sie hatten jetzt genau die Minus-Position an Volkswagen-Aktien im Depot, die zuvor die Banken besessen hatten. Jetzt mussten die Hedge-Fonds die Aktien in dem engen Markt kaufen, um die geliehenen Aktien an die Banken zurückzugeben. Die Banken haben quasi den Kaufzwang an die Hedge-Fonds übergeben. Und das führte dann am Montag zu den Übertreibungen nach oben, weil die Hedge-Fonds bei weiter steigende Kursen kaufen mussten, um ihre eigenen Verluste zu begrenzen.
 
Das Problem
 
Was für die Banken perfekt war, war natürlich für Porsche ein Problem. Diese Halbierung des Aktienkurs von Volkswagen bis Freitag letzter Woche konnte Porsche natürlich nicht gefallen. Vielleicht hat Porsche aber auch direkt von dieser Aktion der Banken Wind bekommen. (Unter Umständen hing Porsche sogar mit den Banken unter einer Decke – wer weiß.) Porsche musste auf jeden Fall dringend handeln, weil ihnen durch die Kursverluste ein erheblicher Gewinn wegbrach.
 
Eine Erklärung, am besten am Sonntag
 
Liest man jetzt nach dieser Erläuterung die Erklärung von Porsche, die letzten Sonntag veröffentlicht wurde, macht alles Sinn: Porsche sagt doch explizit, dass deutlich mehr Short-Positionen im Markt seien als erwartet! Das spiegelt genau das wieder, was ich oben beschrieben habe. Durch die Veröffentlichung der Bestände und der Optionen und die Erklärung, bis zu 75 % an Volkswagen erwerben zu wollen, wollte Porsche eigenen Angaben nach, den Shorties die Gelegenheit geben, ihre Positionen in Ruhe und ohne größeres Risiko aufzulösen. Kurz, Porsche wollte diesem Spiel einen Riegel vorschieben. Die Kommentare erscheinen aus dieser Sicht nun sehr einleuchtend.
 
Auch den Sonntag zu wählen, um das zu verkünden, ist sehr geschickt, da niemand zu dieser Zeit handeln kann.
 
Überfunktioniert
 
Dass die Strategie von Porsche aufgegangen, aber irgendwie auch gründlich schief gegangen ist, wird jedem angesichts der letzten Kurskapriolen der Volkswagen-Aktie einleuchten. Immerhin schoss die Aktie auf über 1000 Euro.
 
Das Ganze war also mit großer Wahrscheinlichkeit eine Art kleiner „Privatkrieg“ zwischen Porsche und den Banken. (Eventuell auch ein abgekartetes Spiel der beiden gegen die Hedge-Fonds.) Wobei wohl niemand mit derart dramatischen Folgen gerechnet haben.
 
Image-Schaden
 
Nach der schlechten Presse der letzten Tage hat Porsche angekündigt, einen Teil der Sicherungspositionen (also die Optionen) aufzulösen. Kurz, Porsche kassiert den Gewinn cash, verringert damit aber auch den Druck auf die Banken und erhöht wahrscheinlich auch die Anzahl frei verfügbarer Aktien.
 
Porsche tut offensichtlich alles, um einen erheblichen Image-Schaden von dem eigenen Marken-Namen abzuwenden. Eigentlich agiert Porsche nämlich, wenn sich das alles so zugetragen haben sollte, wie ich es hier dargestellt habe, mehr wie ein Hedge-Fonds, beziehungsweise wie eine Heuschrecke alter (also übelster) Schule. Die Gefahr, dass dies auch die Masse der Verbraucher bald so sieht und der Name „Porsche“ mit der Zeit mehr mit Börsenzockereien, als mit dem Bau von guten Sportwagen verbunden wird, ist einfach zu groß.
 
Natürlich werden die realisierten Gewinne trotzdem exorbitant sein. Kein Wunder also, dass die Porsche Aktie heute knapp 30 % zulegen konnte.
 
Notenbankentscheidung
 
Der wohl wichtigste Termin dieser Woche ist die heutige Zinsentscheidung der US-Notenbank, die um 19.15 Uhr veröffentlicht wird. Der Markt will 50 Basispunkte sehen.
Die Fed muss liefern, sonst würden wahrscheinlich die ersten zarten Ansätze eines Bodens in den USA sofort nach unten aufgelöst. Da eine Überraschung nach oben nur durch einen Zinsschritt von 75 Basispunkte erzielt werden kann, muss man damit rechnen, dass die Kurse zunächst enttäuscht auf einen Zinsschritt von 50 Basispunkten reagieren werden. Es wird allerdings auf das Statement der Fed ankommen.
 
22 % in 24 Stunden
 
Und eins noch zum Schluss: Ich hatte gestern von unseren beiden Abstauberlimits beim Stockstreet-Premium-Trader geschrieben: Es war einfach wieder einmal perfekt: Bereits heute konnten wir die erste der beiden Position mit einem Plus von über 22 % nach nur 24 Stunden verkaufen. Das ist damit der dritte Abstauber-Trade in Folge, den wir mit einem Gewinn um 20 % realisieren - und das in so einem Markt.
 
Es handelte sich um Siemens, dort hatten wir in der vorherigen Woche ein Abstauberlimit bei 34,67 Euro in den Markt gelegt. Heute haben wir zu 42,50 Euro den Verkauf empfohlen. Die Leser konnten sogar bis zum Schluss zu Kursen bis 44,58 Euro verkaufen. Die andere Position notiert auch deutlich im Gewinn. Hier bleiben wir investiert, für den Fall, dass der Markt doch weiter läuft. Wenn er allerdings einbricht, werden wir bereits morgen das nächste Abstauberlimit in den Markt legen!
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens
 
 
P.S. Verpassen Sie diese Chancen nicht und schauen Sie doch einfach mal beim Stockstreet-Premium-Trader herein. Es ist einer der wenigen Dienste, der diesen Crash in den letzten vier Monaten (seit Neuauflage im Juni) ohne nennenswerte Einbußen in der Gesamtperformance überlebt haben, obwohl der Dax in dieser Zeit zeitweise über 40 % im Minus lag! Das ist der entscheidende Punkt: Nur in solchen Krisen zeigt sich die eigentliche Qualität eines Börsendienstes, Fonds, etc...
 

US-Wirtschaftsdaten
von Jochen Steffens
 
Die US-Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter sind im September unerwarteterweise um 0,8 % gestiegen. Analysten hatten mit einem Rückgang im Bereich von 1,0 % gerechnet, nach einem Rückgang von 5,5 % zuvor. Durch den starken Rückgang im Vormonat wird dieser Wert wahrscheinlich etwas verzerrt sein, so dass eine klare Aussage nicht zu treffen ist.

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