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Die schlimmste Rezession der Nachkriegszeit
von Jochen Steffens
 
Da freut sich doch die Presse. Endlich wieder Schlagzeilen, die Angst und Schrecken verbreiten. Das generiert Auflage: „Die schlimmste Rezession der Nachkriegszeit.“, “Die Wirtschaft bricht in diesem Jahr um 6,7 % ein“ „Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal um 3,8 % geschrumpft!“ und andere.
 
Schließlich heißt es bei den etablierten Medien nicht „Sex Sells“ (Sex verkauft) – das wäre nicht seriös, sondern Fear Sells (Angst verkauft). Ob es jedoch tatsächlich seriöser ist, mit Angst auf Kundenfang zu gehen, darüber kann man streiten. Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen, reduziert deren Lebensqualität erheblich. Frauen oder Männer auf einem Cover zu zeigen, wohl eher weniger. Aber gut, das ist ein ganz anderes Thema.
 
Höchst amüsant war der erstaunte Kommentar der Nachrichtensprecherin eines Börsensenders: „Der deutsche Leitindex „DAX“ reagierte jedoch nicht auf diese Horror-Nachrichten und notiert zurzeit leicht im Plus.“
 
Die Börse ist Zukunft
 
Warum sollte er auch? Die Börsen reagieren nicht (oder kaum) auf Nachrichten, die im Groben schon seit Wochen eingepreist sind. Die Börse hält sich zudem im Prinzip schon im Jahr 2010 auf, und hier lautet die für den Markt interessante Frage: Kommt es zu einer Erholung oder Zwischenerholung der amerikanischen Wirtschaft?
 
Vergleichbares gilt auch für die Wirtschaft selbst: Die Unternehmen dürften 2009 bereits innerlich abgeschrieben haben. Auch den Unternehmen geht es also nun darum, ob die Weltwirtschaft im Jahr 2010 wieder in Bewegung kommt.

So gesehen, sind diese Nachrichten tatsächlich nur noch für die Medien als Quotenbringer interessant – aber gut, warum auch nicht.
 
Worauf spekuliert der Markt?
 
Angezweifelt werden darf, ob der Markt bereits jetzt auf eine mögliche Verbesserung der US-Wirtschaft im Jahr 2010 spekuliert. Zwar waren verbesserte US-Konjunkturdaten der Auslöser für die kleine Rally, aber eigentlich ist etwas anderes passiert:  Der Markt hatte einen Crash hingelegt und zumindest kurzfristig nach unten „überreagiert“. Die leicht verbesserten US-Daten machten den Marktteilnehmer nur eben diese Überreaktion bewusst. Und deswegen wurde in den letzten Wochen diese Überreaktion abgebaut. Mehr ist das, was wir hier sehen, noch nicht. Dazu der S&P500 Chart:
  
 
 
Im S&P500, aber auch in einigen anderen Charts, wird dieser Umstand sehr deutlich. Bis jetzt hat der Index lediglich die wichtige Widerstandszone im Bereich der 950 / 1000 Punkte-Marke von unten getestet. Sollte er diese Marke nicht nachhaltig überwinden können und an dieser abprallen, müsste mit einer zweiten großen Abwärtswelle gerechnet werden. Wie mein Kollege Robert Rethfeld zutreffend herausgearbeitet hat, stehen sehr viele Indizes weltweit unter vergleichbar wichtigen Widerständen. Sollten diese Indizes alle daran scheitern, müssten wir auch an den globalen Märkten mit einer weiteren, dynamischen Abwärtswelle rechnen. Nur wenn diese Widerstände nachhaltig und dynamisch genommen werden, wäre das dann endlich ein Hinweis darauf, dass die Börsen im Jahr 2010 tatsächlich mit einer besseren Entwicklung der US-Wirtschaft rechnen.
 
Es ist also vielerorts auf der Welt ein vergleichbares Bild zu erkennen. Das belegt aber nur, wie wichtig die aktuelle Phase und die aktuellen Widerstände sind. Diese enorme Bedeutung könnte allerdings auch dazu führen, dass wir uns noch eine Weile mit diesen Widerständen beschäftigen werden.
 
Charttechnik in Perfektion
 
Und damit zum DAX, der mit der 5.000er Marke kämpft:
 

Es ist genau das passiert, was ich gestern gesagt habe. Es kam wieder zu einer Kerze mit einem langen Docht nach unten, die aber wirklich punktgenau die Mitte des Targets, also die wichtige 4688er Linie, den alten Abwärtstrend und die gestrichelte Aufwärtstrendlinie von oben teste und das auch noch genau am richtigen Tag – perfekt.
 
Sollte dieser Doji (Tageskerze, die wie ein Kreuz aussieht) als Umkehrkerze bestätigt werden, in dem es am Montag zu weiter steigenden Kursen kommt, sieht alles danach aus, dass der DAX tatsächlich an diesem alten Abwärtstrend abprallt. Damit hätte er ihn getestet, das wäre bullish zu werten.
 
Allerdings, wie gesagt, ich glaube nicht, dass die 5.000er Marke so schnell genommen wird. Ich rechne damit, dass wir noch eine Weile mit dieser Marke zu tun haben. Die Bestätigung des Targets ist somit nur ein Hinweis darauf, dass die 5.000er Marke noch im Spiel ist.
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens

US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens

Der Verbraucherstimmungsindex der Universität Michigan ist im Mai (erste Umfrage) auf 67,9 Punkte gestiegen. Analysten hatten einen Wert von 67,5 Punkten erwartet, nach 65,1 Punkten zuvor.

Der Erwartungsindex stieg deutlich von zuvor 63,1 Punkten auf 69,0 Punkte. Der Index zur Einschätzung der aktuellen Lage sank jedoch von zuvor 68,3 auf nunmehr 66,2 Punkte.

 
Damit ergibt sich ein neues Bild: Die Erwartung kreuzt zum ersten Mal seit längerer Zeit die Linie zur aktuellen Einschätzung. Gleichzeitig übersteigt die Erwartung sogar auch den Index. Da das Verbrauchervertrauen eine wichtige Indikation für die US-Wirtschaft ist (immerhin 70 % der US-Wirtschaftsleistung hängt vom Binnenkonsum ab), ist diese erfreuliche Entwicklung der Erwartungskomponente ein sehr positives Signal.
 
Die US-Verbraucher fassen Mut, obwohl die Einschätzung der aktuellen Lage weiter sinkt. Diese wirklich positive Entwicklung darf man nicht unterschätzen. Sollte sich diese Tendenz auch in der zweiten Umfrage und an anderen Umfragen bestätigen und fortsetzen, wäre das ein klarer bullisher Hinweis auf mittelfristige Sicht.
 
Die US-Verbraucherpreise sind zum Vormonat wie erwartet unverändert geblieben. Die Kernrate jedoch stieg überraschend um 0,3 %. Analysten hatten lediglich ein Plus von 0,1 % erwartet. Auf Jahressicht sieht dieses Bild jedoch anders aus, hier verzeichneten die Verbraucherpreise den stärksten Rückgang seit Juni 1955.
 
 
Nach wie vor steigt die Kernrate an, auch wenn die Verbraucherpreise insgesamt zurückgegangen sind. So lange die Kernrate nicht zurückgeht, muss man sich eigentlich keine Sorgen um Deflation machen. Es ist aber interessant, dass die Kernrate dieses Mal nicht, wie sonst üblich, dem allgemeinen Index zeitversetzt folgt. Das muss weiter beobachtet werden.
 
Die Industrieproduktion ist im April um 0,5% gesunken und verzeichnet damit zum 15. Mal in 16 Monaten einen Rückgang. Die Kapazitätsauslastung fiel zudem ein weiteres Mal auf ein Rekordtief von nun 69,1%.
 
 
Dieser dramatische Einbruch der Industrieproduktion, wie auch der Kapazitätsauslatung zeichnet jedoch wieder ein anderes Bild als das Verbrauchervertrauen. Dieses passt zu dem massiven Abbau von Arbeitsplätzen. Ob also die Hoffnung der US-Verbraucher sich gegen diese deutlichen Entwicklungen in der US-Wirtschaft stemmen kann? Das bleibt abzuwarten.
 

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