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Double Dip
von Jochen Steffens
 
Double Dip ist wider Erwarten kein Soßen-Mix für Nachos. Mit Double-Dip wird in der Lebensmittelindustrie ein Brausepulver in den Geschmacksrichtungen Kirsche und Orange, sowie einem "Swizzelstick" zum Schlecken bezeichnet. Es gibt diesen Begriff aber auch bei der Verzinkung, frei nach dem Motto: Doppelt eingetaucht hält besser. So viel unnützes Wissen, Google sei Dank.
 
Double Dip in der Wirtschaftswissenschaft
 
Einen weniger positiven Effekt bezeichnet dieser Begriff in der Wirtschaftswissenschaft. Dazu ein Zitat aus dem Wirtschaftslexikon von boerse-online.de:
 
„Als Double Dip bezeichnen Ökonomen ein immer wieder zu beobachtendes Konjunkturphänomen: Eine rezessive Wirtschaft zeigt plötzlich wieder Wachstumsraten. Die Mehrzahl der Marktteilnehmer erwartet, dass die Konjunkturwende geschafft sei, doch nur kurze Zeit später fällt die Wirtschaft wieder in die Rezession zurück. Deshalb auch Double (doppeltes) Dip (eintauchen). Zu beobachten war ein Double Dip beispielsweise in den US-Rezessionsjahren 1969/70.“
 
Ähnlichkeiten vorhanden
 
Der erste Teil kommt einem bekannt vor: Nach einer ersten Rezession kommt es wieder zu einer Erholung. Typisch für diese Double Dips ist, dass diese Erholung unerwartet früh auftaucht. Gerade Anleger fallen auf diese Erholungstendenzen herein und hoffen, dass das Schlimmste hinter ihnen liegt. Aufgrund verschiedener Effekte kommt es jedoch zu einem zweiten Abtauchen in eine Rezession.
 
Einer der Gründe ist beispielsweise die Arbeitslosigkeit. Gerade in den USA wirkt sich ein Mangel an Konsumbereitschaft erheblich aus. Natürlich ist auch der Rückgang der Kreditgeschäfte dafür verantwortlich, dass einfach weniger Geld zur Verfügung steht.
 
Warum blieb der Double Dip nach 2003 aus?
 
Ich erinnere mich noch sehr gut, wie in den Jahren 2003 und 2004 dieses Phänomen des doppelten Eintauchens in eine Rezession in aller Munde war. Überall konnte man davon lesen. Doch dieser Double Dip blieb aus. Warum?
 
Es lag unter anderem daran, dass die Amerikaner den Immobilienmarkt als einen wunderbaren Ort für ihre Spekulationen entdeckten. Die Folge war ein ungeheurer Immobilienboom. Es gab daraufhin direkt zwei Punkte, die der US-Wirtschaft damals geholfen haben, wieder auf die Beine zu kommen.
 
Da die Immobilienpreise in die Höhe schossen, erlebte auch die Baubranche einen unglaublichen Boom. Immer mehr Häuser wurden gebaut und eingerichtet. An diesem Prozess verdienen eine Vielzahl von Unternehmen und Handwerkern. Kein Wunder also, dass die Baumärkte, Baustoff- und Baumaschinenunternehmen, Tapeten-, Farb-, Möbel- und Küchenhersteller, Klimaanlagenfirmen etc, etc. alle fleißig mitverdienten. Sie können sich vorstellen, wie sehr dieser Boom, der durch das Platzen der DotCom-Blase angeschlagenen US-Wirtschaft wieder auf die Beine geholfen hat.
 
Eine exzessive Kreditvergabe tat ihr Übriges
 
Doch das ist nur ein Punkt. Immobilien werden gemeinhin gerne als Deckung für weitere Kredite akzeptiert. Und so führte der Immobilienboom zunächst zu einer Zunahme der vorhandenen Immobilien und deren Wert. Damit verbunden kam es zu einer exzessiven Ausweitung der Immobilienkredite, die zum Teil in neue Immobilienprojekte aber auch in den Konsum gesteckt wurden. Kredite bedeuten Liquidität, und diese ist natürlich das Feuer im Ofen der Konjunktur.
 
Je mehr Kredite die US-Bürger aufgenommen haben, desto mehr Geld stand der US-Wirtschaft zur Verfügung. Auch das war ein Grund, warum sich diese wieder erholte. Doch es fehlte nachhaltiges Wirtschaftswachstum: Als alle Häuser gebaut und die Immobilienpreise ins Absurde gestiegen waren, versagte dieser Stimulus (unter anderem auch, weil die Fed die Zinsen drastisch anhob).
 
Die aktuelle Situation
 
Die aktuelle Situation ist leider etwas anders: Einen Immobilienboom, wie wir ihn in den Jahren 2002 bis 2006 gesehen haben, werden wir jetzt nicht noch einmal erleben. Gibt es aber einen anderen Bereich, der jetzt diese Rolle der Bauwirtschaft übernehmen kann? Man kann es nicht hundertprozentig ausschließen. Vielleicht die Emerging Markets und damit auch der Aktienmarkt. Eine andere Möglichkeit sehe ich zurzeit noch nicht. In den Jahren 2003 und 2004 war hingegen schon bekannt, dass der Immobilienboom die US-Wirtschaft unterstützt.
 
Aber auch bei den Emerging-Markets und dem Aktienmarkt sehe ich wenig Chance, dass über den monetären Stimulus hinaus, die Kreditvergabe der Banken noch einmal derart exzessiv ausfallen wird, wie es in den Boomjahren der Fall gewesen ist. Also auch diese Form der Liquidität steht dem Markt nicht zur Verfügung.
 
Man kann also mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass die US-Wirtschaft sich dieses Mal nicht wie in den Jahren 2003-2007 entwickeln wird.
 
Die Aktienmarkt-Inflation ist keine Alternative zum Immobilienboom
 
Doch untersuchen wir die Aktienmarkt-Inflation genauer. Es besteht, wie schon mehrfach beschrieben, die Möglichkeit, dass die Liquidität, die von der Fed bereitgestellt wird, dieses Mal nicht in den Immobilienmarkt, sondern in den Aktienmarkt fließt. Man muss hier tatsächlich von einer Inflation reden. Gehen wir nämlich davon aus, dass die US-Wirtschaft sich eben nicht derart nachhaltig erholt, wie in den Jahren des Immobilienbooms, dann würden die Aktien liquiditätsgetrieben zwar ansteigen, ohne jedoch damit einen Anstieg des jeweiligen Unternehmenswertes widerzuspiegeln.

Einfacher ausgedrückt: Die US-Wirtschaft dümpelt vor sich hin, aber der Wert des Aktienmarkts steigt, ohne dass diesem Preisanstieg eine fundamentale Wertsteigerung zugrunde liegt. Damit hat man eine größere Summe (Preis der Aktien) mit der man den gleichen Wert (Unternehmen) bezahlen muss, das ist Inflation pur.
 
Im Gegensatz zum Immobilienboom vermute ich, dass die Banken nicht bereit sein werden, auf Aktienvermögen entsprechend hohe Kredite zu vergeben. Aktien sind auch aus Sicht der Bänker weniger sicher, als Immobilien – gerade nach den beiden großen Crashs.
 
Das bedeutet, selbst wenn es zu einer Aktien-Inflation kommt, werden wir diesen wichtigen Aspekt, der in der Phase des Immobilienbooms die US-Wirtschaft zusätzlich anfeuerte, dieses Mal nicht in dem Ausmaß erleben.
 
Eine Rally ohne Fundament
 
Und damit wird eine Inflation an den Aktienmärkten zu einer ausgehölten Rally ohne Fundament. Und immer wenn an den Märkten das Fundament fehlt, muss man mit einem Einbruch rechnen. Dieser wird umso stärker ausfallen, je länger die Märkte diese Fakten ignorieren!
 
Und wahrscheinlich wird dieser Double Dip einen solchen Einbruch auslösen.
 
Das Timing

So logisch diese Gedankengänge auch sind, es bleibt ein nicht zu unterschätzendes Problem: Nämlich die Frage des Zeitpunktes! Wie lange wird die Liquidität die Märkte und auch die US-Wirtschaft noch stützen können? Wie lange können die Märkte eine nur langsam wachsende Wirtschaft outperformen? Wie weit kann eine Aktienrally auch wieder Einfluss auf die US-Wirtschaft nehmen und ein inflationäres Wachstum erzeugen? Und damit die letzte aller Fragen: Wann wird die Fed eingreifen und die Zinsen erhöhen, eben um eine Aktien-Inflation zu verhindern.
 
Und diese letzte Frage kann ich Ihnen nicht beantworten. Aber vielleicht erfahren wir heute im Statement der Fed schon ein kleines bisschen mehr. Wobei ich befürchte, dass es aus Sicht der Fed noch zu früh ist, jetzt schon solche Schritte anzukündigen, oder sogar zu beschließen. Trotzdem müssen wir bei jeder Zinssitzung der US-Notenbank damit rechnen.
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens

US-Konjunkturdaten 
von Jochen Steffens
 
Das Handelsbilanzdefizit der USA stieg auf 27,01 Mrd Dollar. Analysten hatten mit 28,70 Mrd. Dollar gerechnet, nach 25,97 Mrd. Dollar zuvor.
 
 
Als Grund für die Ausweitung des Handelsbilanzdefizits wird ein Anstieg bei der Ölimportrechnung genannt. Die Ölimporte stiegen im Juni von zuvor 13,41 auf nunmehr 16,59 Mrd. Dollar.

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