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Missverständnisse
von Jochen Steffens
 
Ich habe in den letzten Tagen einige Mails erhalten, aus denen hervorging, dass es einige Missverständnisse gegeben hat. Dazu folgendes:
 
Es ist zurzeit schwer geworden für die Zweifler. Die Börsen steigen, und wie es so üblich ist, werden auch die Kommentare mit den steigenden Kursen immer optimistischer. Dabei vermischt sich in den Analysen, wie so oft, die Einschätzung zur wirtschaftlichen Entwicklung mit der zur Börsenentwicklung. Gerade in der aktuellen Phase ist diese Vermischung Ursache von vielen Missverständnissen. Hier muss genau differenziert werden, um zu verstehen, was an den Märkten gerade passiert und warum wer zu welchen Ergebnissen in seinen Prognosen kommt.
 
Börse als Frühindikator für die Wirtschaft
 
Normalerweise spiegelt die Börsenentwicklung die zukünftige Entwicklung der Wirtschaft wider. Dem liegt eine einleuchtende Logik zugrunde: Anleger spekulieren grundsätzlich immer auf ein zukünftiges Ereignis, nämlich darauf, dass die Kurse steigen, weil sich ein Unternehmen oder eine Wirtschaft weiter positiv entwickelt. Aber das ist nicht alles. Gerade die kapitalstarken institutionellen Anleger unterhalten zum Teil riesige Research-Abteilungen, die eigentlich nur dafür da sind herauszufinden, wie sich die Wirtschaft in den nächsten Monaten und Jahren entwickeln wird. Bei den großen Banken und Fonds geht es somit darum, noch vor allen anderen die entscheidenden Trends auszumachen. Etwas überspitzt ausgedrückt bedeutet das, dass die jeweilige Kursentwicklung an den Indizes der Weltbörsen normalerweise so etwas wie die Essenz aus allen Ergebnissen dieser Analysen zur zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung  der unterschiedlichen Research-Abteilungen ist. Ich habe geschrieben: „normalerweise“, aus folgenden Gründen:
 
Langsam und zäh
 
Diese institutionellen Anleger verwalten Summen, die man nicht auf einmal auf den Markt werfen kann, ohne den Markt unerwünscht heftig zu beeinflussen. Die verbliebenen Anleger hätten nicht genug Kapital zur Verfügung, um zum Beispiel bei einem Verkauf alle die Wertpapierverkäufe zu kompensieren. Somit braucht es mehrere Monate, zum Teil Jahre, um eine Investitionsrichtung umzudrehen. In normalen Märkten kann man diese Stopp- und Wendemanöver der Supertanker unter den Investmentvermögen anhand der Charts erkennen. Dazu zwei Charts
 
 
 
Wirkliche Topformationen nach langen Aufwärtstrends dauern zuweilen mehrere Jahre. So zum Beispiel der Dow Jones (linker Chart), der für die Kern-Topformation ganze zwei Jahre gebraucht hat.
 
Was passiert in dieser Zeit?
 
Damit die Kurse seitwärts laufen, müssen die Käufer- und die Verkäuferseite relativ ausgeglichen sein. Nach langen Aufwärtstrends verkaufen meistens die starken Hände (institutionelle Anleger) den schwachen Händen (Kleinanleger) ihre Aktien. In dieser Zeit kommt es gerne zu scharfen Kurseinbrüchen (große Positionen werden verkauft) die ebenso schnell von der bullishen Masse wieder hochgekauft werden. Es findet also eine Umschichtung statt, die sich eben in dieser volatilen Seitwärtsbewegung ausdrückt (siehe Charts).
 
Der Crash
 
Das Problem des Crashs im Jahr 2008 war, dass es zuvor zwar auch zu einer länger andauernden Seitwärtsbewegung gekommen ist, diese ging jedoch „nur“ über sechs Monate (siehe rechter Chart) und hat nach der großen Rally zuvor  offenbar nicht ausgereicht, um die Positionen zu drehen oder abzusichern. Es kam zu dem größten Crashs seit dem Jahr 1929. Das allein ist eigentlich schon ein Hinweis darauf, dass hier institutionelle Anleger von der Heftigkeit des Einbruchs und natürlich auch von den Auswirkungen der Finanzkrise kalt erwischt wurden. Der eigentliche Beweis ist jedoch darin zu sehen, dass die großen US- Investmentbanken aber auch sehr viele Fonds durch den Einbruch in existenzielle Schieflage geraten sind. Dieses Banken- und Fondssterben in den USA geht bis heute unvermindert weiter.
 
Der Anstieg
 
Jetzt erleben wir seit den Tiefs einen deutlichen Anstieg. Unter normalen Umständen wäre dieser beachtliche Anstieg ein Hinweis darauf, dass eine kräftige Erholung der US-Wirtschaft vorweggenommen wird. Das Problem dabei wird aber sein, dass diesem Anstieg eben keine vernünftige Recherche der institutionellen Anleger zugrunde gelegen hat. Wir befinden uns im Prinzip noch immer im Panik-Modus. Zunächst war es im Crash die Panik, Geld zu verlieren. Diese hat nun gedreht. Jetzt ist es die Panik, in eine Underperformance zum Markt zu geraten und die Rally zu verpassen.
 
Zweifel sind angebracht
 
Man kann somit zumindest Zweifel haben, dass dieser aktuelle Anstieg wirklich eine starke wirtschaftliche Erholung vorwegnimmt. Hinzu kommt, dass den Märkten zurzeit durch die historisch niedrigen Zinsen, aber auch durch die ausufernden Konjunkturprogramme, die weltweit ein Volumen von mehreren Billionen Dollar haben, extrem viel Liquidität zur Verfügung steht.
 
Und damit kommen wir zu dem Dissens, den es zurzeit gibt. Die Vermutung liegt nahe, dass man die aktuelle Marktbewegung höchstwahrscheinlich getrennt von der weiteren Entwicklung der Wirtschaft (besonders der in den USA) betrachten muss.
 
Börse – Top und Wirtschaft – Flop?
 
E kann somit sein, dass die Aussichten für die weitere Entwicklung der US-Wirtschaft sehr düster sind und die Märkte aufgrund der genannten Faktoren trotzdem weiter steigen werden. Und das ist die Crux an der Sache. Analysiert man die fundamentale Situation in den USA, kommt man zu dem Schluss, dass es entweder einen durch die Konjunkturprogramme verursachten kurzen Boom mit anschließendem zweiten Eintauchen in eine wesentlich tiefere Rezession kommt oder aber, dass selbst dieser Zwischenboom ausbleibt.
 
Die Märkte müssten das eigentlich wissen und über Kursverluste, oder einer längeren Seitwärtsbewegung vorwegnehmen. Sie sind aber noch im Panik-Modus oder schon im Liquiditäts-Modus, und niemand kann sagen, wie lange dieser noch andauern wird.
 
Differenzierung
 
Hier muss also in den Analysen sehr genau unterschieden werden. Um was geht es dem Analysten oder dem Kommentator? Um die Märkte oder die Wirtschaft?  Und beim letzteren Punkt muss auch noch unterschieden werden, um welche Wirtschaft es geht, der in den USA oder der in Deutschland.  Natürlich wird sich dieser Dissens spätestens dann wieder normalisieren, wenn die Nachbeben der Finanzkrise vorbei sind. Aber auch hier weiß man noch nicht wirklich, wann das sein wird.

So unbefriedigend diese Situation auch sein mag: Wenn Sie mit diesem Hintergrund die verschiedenen Analysen und Kommentare lesen, wird Ihnen der Unterschied auffallen und Sie werden wesentlich deutlicher differenzieren können, wer welche Meinung warum vertritt. Zudem werden Sie wahrscheinlich auch wesentlich besser erkennen, welche Analysen Wirtschaft und Börsen vermischen.
 
Fazit
 
Ich bin, was die weitere Entwicklung der US-Wirtschaft anbetrifft, nach wie vor sehr skeptisch eingestellt. Ich kann mir einen kurzen Boom vorstellen (siehe "New Deal"), der durch die Konjunkturprogramme verursacht wird. Mittel- bis langfristig sehe ich hierin jedoch keine Lösung, da dieser Stimulus durch eine enorme Ausweitung der Staatsverschuldung erkauft wird (siehe weiter unten die Meldung zur US-Staatsverschuldung). Diese Ausweitung der Staatsausgaben muss irgendwann wieder eingedämmt werden, das wird zu einer erneuten Verstärkung der rezessiven Tendenzen führen (siehe Roosevelt Depression nach dem New Deal). Irgendwann wird der Markt das umsetzen. Bis dahin kann er, aufgrund der enormen Ausweitung der Liquidität und der Hoffnung auf die Wirkung der Konjunkturprogramme allerdings immer weiter ansteigen. Da hier zurzeit die wirtschaftliche Realität und die Börsen doch sehr auseinandergehen, ist es schwer, genauer zu prognostizieren, wie weit dieser aktuelle Rallye die Kurse noch treiben kann.
 
Die Rally kann sogar, wie ich schon vor einigen Monaten beschrieben habe, bis an die alten Hochs laufen (Thema große 15 - 20 jährige Seitwärtsbewegung wie in den 1960-1980er Jahren). Sie kann aber auch zu jedem Zeitpunkt vorher in sich zusammenbrechen. Das ist das, was ich mit dem "Schlittschuhlaufen auf schmelzendem Eis" zu berschreiben versucht hatte.
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens
 
 
P.S. Präsident Barack Obama  will Ben Bernanke für eine 2. Amtszeit. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Ben Bernanke eine Mitschuld an der Krise trägt, weil er zuvor zu schnell die Zinsen zu weit angehoben hat. Aber gut...
US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens
 
Der Stimmungsindex des Conference Board ist überraschend deutlich auf 54,1 Punkte angestiegen. Analysten hatten lediglich mit einem Stand von 47,0 Punkten gerechnet, nach 47,7 Punkten zuvor.
 
Der Index für die Erwartungen stieg auf 73,5 Punkten, der Index für die Einschätzung der gegenwärtigen Situation erhöhte sich auf 24,9 Punkte.
 
 
 
Ich habe Ihnen den S&P500 unter das Diagramm gelegt (graue Kurve). Man kann nun erkennen, dass der Einbruch im letzten Monat wahrscheinlich mit der Konsolidierung im Aktienmarkt zusammengehangen hat. Das ist ein Hinweis darauf, dass das Verbrauchervertrauen in den USA zurzeit (wie auch schon häufiger in der Vergangenheit) synchron zum Aktienmarkt verläuft.

Trotzdem ist ein deutlich steigendes Verbrauchervertrauen ein Hinweis darauf, dass das Konsumverhalten der US-Konsumenten vielleicht doch auch im vierten Quartal nicht einbricht. Das gilt allerdings nur für den Fall, dass die Märkte bis dahin stabil bleiben. Trotzdem fällt damit einer der bearishen Indikatoren erst einmal wieder weg.
 
Staatsverschuldung in den USA wächst rapide
 
Nach neuesten Schätzungen erwartet die US-Regierung in den kommenden 10 Jahren, dass die Staatschulden auf 9,05 Billionen Dollar anwachsen! Bisher war von einem Staatsdefizit von 7,1 Billionen ausgegangen worden. Die Schätzung ist damit um 2 Billionen-Dollar angestiegen! Allein im laufenden Haushaltsjahr, das am 30. September endet, rechnet das Weiße Haus mit einem Minus von 1,6 Billionen Dollar.
 
Nun kann es sein, dass Präsident Barack Obama durch diese Erhöhung verstärkt unter politischen Druck gerät. Insbesondere auch im Zusammenhang mit dem Gesundheitsreformen. Das ist jedoch das kleinere Problem. Die Käufer von US-Staatsschulden könnten angesichts des völlig aus dem Ruder laufenden Defizits nervös werden.
 
Stabilisierung im US-Immobilienmarkt
 
Der Case-Shiller-Index der nationalen Hauspreise stieg erstmals seit drei Jahren wieder und zwar um 2 ,9%. Zuletzt war dieser Index im zweiten Quartal 2006 gestiegen.
 
Gleichzeitig ist der von der Federal Housing Finance Agency (FHFA) ermittelten US-Hauspreisindex im zweiten Quartal dieses Jahres erneut um 0,7 % gesunken, nach eine Minus von 0,5 % zuvor.  Doch auch hier ist eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau zu erkennen.

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