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Jenseits der Vorstellungskraft
von Jochen Steffens
 
Es gibt eine Vielzahl von Schwierigkeiten und Hindernissen, mit denen der normale Mensch an den Börsen konfrontiert wird. Auf zwei sehr typische Beispiele dieser möchte ich heute eingehen.
 
 
 
Schauen Sie sich diesen Chart an. Ein Traum, wenn man dabei gewesen wäre. Von 92,74 Dollar verfünffachte sich diese Aktie in kurzer Zeit. Sie stieg um 440 % an – 440 % Gewinn, ein guter Schnitt. Jetzt allerdings scheint die Luft nach oben dünner zu werden. Es gab eine Seitwärtsbewegung, die auch noch nach unten gebrochen wurde. Muss man jetzt verkaufen, um nicht zusehen zu müssen, wie die Gewinne wieder in sich zusammenbrechen? Man könnte mit ein wenig gutem Willen sogar ein Tripple-Top annehmen. Die Seitwärtsbewegung ist natürlich durch schlechtere Nachrichten verursacht. Und damit zur ersten Frage:
 
Schätzen Sie einmal, bis wohin diese Aktie nun fallen wird? 300 Dollar, 250 Dollar oder 100 Dollar? Was denken Sie?
 
Zu wenig?
 
Ich verrate es Ihnen, sie wird überhaupt nicht weiter fallen, sondern vom dem hier angezeigten Niveau unbeirrt weiter ansteigen. Und doch ist man bei diesem Chart durchaus geneigt, einem Schreiber, der von fallenden Kursen schreibt, zu glauben. Warum? Weil die Kurse sich in der Nähe der oberen Chartbegrenzung aufhalten. Allein dieser Rahmen um den Chart begrenzt unsere Vorstellungskraft. Das ist alles.
 
Zum Vergleich derselbe Kursverlauf jedoch mit viel Platz bis zur oberen Begrenzung.
 
 
Dieser Chart sieht bereits eindeutig positiver aus. Man kann sich viel besser vorstellen, dass die Aktie weiter läuft. So einfach lassen wir Menschen uns beeinflussen. Wenn ich Ihnen diesen Chart vorlege und Sie fragen würde, wohin die Aktie nun laufen wird, könnten Sie sich wahrscheinlich vorstellen, dass sie bis zur 1000-Dollar-Marke weiterläuft. Warum gerade bis zur 1000-Dollar-Marke?
 
Erkennen von Formen
 
Natürlich zunächst wieder einfach deswegen, weil der Rahmen des Charts den Kursverlauf bei der 1000-Dollar begrenzt. Hinzu kommt, dass die 1000-Dollar-Marke eine wichtige psychologische Chartmarke ist. Doch das ist sicherlich nicht alles. Der Mensch neigt dazu, auch im Chaos Formen zu erkennen. Diese Fähigkeit war für ihn überlebenswichtig. Er musste im Dickicht des Unterholzes oder des Dschungels sehr früh das Tier, entweder Beute oder Feind, erkennen. Auch wenn er nur Teile des Tieres tatsächlich sah, musste er in der Lage sein, das ganze Tier hinzu zu phantasieren.
 
Gerade Menschen, die schon ein wenig mit Charts gearbeitet haben, werden also auch, ohne Striche einzuzeichnen, in diesem Chart eine Art Aufwärtstrend erkennen - ähnlich wie hier dargestellt:
 
 
So wird die 1000-Dollar-Marke erreichbarer. Aber ich bitte darum, sich deutlich zu machen, dass ein Anstieg vom Tief bis zur 1000-Dollar-Marke einem Gewinn von knapp 1000 % entspräche. Diese großen Zahlen schrecken dann doch wieder ab. 1000 % ist viel. Mit diesem Wert im Hinterkopf könnte man fast wieder etwas Zweifel kriegen. Was tippen Sie, bis wohin der Chart schlussendlich gelaufen ist?
 
Die Auflösung
 
Ich muss Sie leider enttäuschen. Ich bin mir fast sicher, dass keiner von Ihnen sich dem eigentlichen Kursziel auch nur ansatzweise genähert hat. Der Chart ist nicht „nur“ bis zur 1000-Dollar-Marke gelaufen, nein, die Kurse liefen bis auf 14.198 Dollar. Es handelt sich dabei allerdings nicht, wie oben beschrieben, um eine Aktie, sondern um einen Index und zwar um den Dow Jones Industrial:
 
 
Dieser Index ist damit von dem hier eingezeichneten Tief um mehr als 15.000 % gestiegen! Mit dieser Zahl war nicht zu rechnen. Eine solch hohe Zahl entspricht einfach nicht unseren „normalen“ Vorstellungen von Charts, Kursentwicklungen, zu erzielenden Prozenten etc.. Auch dadurch lassen wir uns gerne verwirren.
 
In der Bewegung
 
Schauen Sie sich bitte einmal die Phase von 1965 bis 1985 an, also die große Seitwärtsbewegung in der Mitte des Charts, die immer wieder an der 1.000er Marke scheiterte. Damals gab es durch die Ölkrisen und andere Effekte einige schwere Rezessionen in den USA. Anfang der 80er sank dabei die Stimmung und die Hoffnung der Anleger und US-Verbraucher auf einen absoluten Tiefpunkt – der im jetzigen Crash noch nicht wieder erreicht wurde.
 
Auch in diesen dunklen Zeiten hätte keiner der befragten Analysten einen Dow Jones von 14.000-Punkten als Kursziel für die nächste Rally genannt. Schließlich wäre das noch einmal ein Kursgewinn von über 1000 Prozent gewesen.
 
Sie sehen, wir tun uns schwer damit, gerade wenn wir uns täglich mit den Börsen beschäftigen, über unseren Tellerrand hinauszuschauen. Wir erleben das Heute und das Morgen, denken in Wochen und höchsten Monaten. Das ist eines der Hindernisse für große Börsengewinne: Eine Performance von 1000 % für einen Index? Nein, das passt nicht in das Denkschema.
 
Warum ich das schreibe?
 
Kommen wir damit zu dem letzten Chart:
 
 
Dieser Chart ähnelt dem ersten Chart, den ich Ihnen gezeigt habe. Wieder sind wir oben an der Chartbegrenzung angekommen. Diese Rallye startete 1984 und hat seitdem ebenfalls ungefähr 1000 % Performance generiert. Wenn ich Sie nach den hier vorgestellten Charts nun frage, bis wohin der Dow Jones im besten Falle steigen kann, welche Antwort werden Sie geben?
 
Sie könnten tatsächlich auf die Idee kommen, einen weiteren 1000 % Anstieg zu erwarten, zumindest im Anschluss an die aktuelle Seitwärtsbewegung, die durchaus noch einige Jahre anhalten kann. Dieser 1000 % Anstieg wäre schließlich schon der dritte in den letzten 70 Jahren, und damit nicht einmal eine ungewöhnliche oder verrückte Prognose – nein, es wäre Normalität. Einer Konsolidierung folgt „wie immer“ eine 1000 % Rally.
 
Aber wissen Sie eigentlich, was Sie da für möglich halten?
 
Sie können sich also nun nach diesen Ausführungen, zumindest theoretisch vorstellen, dass der Dow Jones auf 150.000 Punkte ansteigt! Das wäre nämlich der Fall, wenn er vom letzten Hoch bei 14.000 Punkten um weitere 1000 % ansteigen würde.
 
Ein Dow Jones auf 150.000 Punkten? Sie hätten mich für vollkommen verrückt gehalten, wenn ich Ihnen das am Anfang erzählt hätte. Und genau das ist das Problem. Diese großen Zahlen, beziehungsweise Kursziele, scheinen für uns, die wir täglich mit Börse konfrontiert sind, absoluter Unsinn zu sein.
 
Doch auch Anfang der 80er Jahren, nach 20 Jahren Seitwärtsbewegung, hat sich wirklich niemand mehr eine 1000 Prozent Rally vorstellen können. Zu schlimm war die Rezession, zu schlecht die Stimmung, zu niedrig die Hoffnung.
 
Die Erweiterung der Vorstelllungen
 
Ich möchte betonen, dass ich nicht behaupte, dass der Dow Jones unbedingt bis auf 150.000 Punkte steigen wird. Mir geht es in diesem Text lediglich darum, Horizonte zu erweitern – Vorstellungen zu schaffen. Denn tatsächlich scheitern die meisten Menschen an den Börsen daran, dass sie zu sehr in ihren sehr beengten Vorstellungsräumen gefangen sind. Man muss seinen Geist frei machen für das Unvorstellbare, das Unsagbare. Nur dann hat man eine Chance, große Gewinne zu machen. Und diese Erweiterung der Vorstellung gilt natürlich nicht nur für Rallys, sondern auch für jedes andere denkbare Szenario.
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens

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