In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Die US-Indizes zeigen deutliche Stärke gegenüber dem DAX. Der Grund hierfür ist in der schwächeren Entwicklung der US-Wirtschaft zu finden. ...
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Während sich die US-Indizes in Lauerstellung für einen möglichen Ausbruch nach oben befinden, zeigt sich der DAX gestern und heute überraschend schwach. Offiziell wird das mit dem „starken“ Euro begründet: Diese steigt mittlerweile wieder auf über 1,11 Dollar.

Aber wie gestern schon beschrieben, vermute ich, dass noch ein anderer Grund eine Rolle spielt:  Umschichtungen aus Europa zurück in die USA. Heute um 20.00 Uhr (MEZ) wird das Ergebnis der Fed-Zinssitzung bekanntgegeben. Nach den eher durchwachsenen US-Konjunkturdaten des ersten Quartals rechnen einige Analysten damit, dass die Fed ihre ersten Zinsschritte nach hinten verschieben oder insgesamt die Zinserhöhungen verlangsamen werden. Unterstützt wird dieser Aspekt dadurch, dass heute für die USA ein Wirtschaftswachstum von lediglich 0,2 Prozent für das erste Quartal gemeldet wurde (erste Schätzung). Analysten waren von einem Wachstum von 1,0 Prozent ausgegangen.

Der US-Anleger zwischen Europa und den USA

Und nun stellen Sie sich vor, Sie wären ein US-Anleger. Sie hätten im November 2014, wie damals auch hier im Steffens Daily korrekt beschrieben, erkannt, dass der DAX zu den US-Indizes Stärke zeigen wird und einen Teil des Geldes in den DAX gesteckt. Der DAX hat daraufhin eine starke Rally hingelegt, Sie sind dick im Plus.

Nun erkennen Sie aber, dass der DAX es bei der 12.000er Marke wirklich schwer hat. Gleichzeitig ziehen aber wieder die US-Indizes an und der S&P500 könnte vielleicht sogar sein Allzeithoch überwinden. Das insbesondere dann, wenn im Statement der Fed irgendeine Anmerkung zu finden wäre, dass die Fed die schwächeren Konjunkturdaten bemerkt und sie bewertet. Es reicht hier eine Aussage, die lediglich die Vermutung unterstützt, die Fed wird langsamer oder vorsichtiger agieren als bisher angenommen, um den S&P500 über dieses Allzeithoch zu hieven. Das wäre wiederum ein bullishes Signal, das zu weiter stark steigenden Kursen führen wird. Insbesondere auch im Hinblick auf den US-Präsidentschaftszyklus, nachdem die Vorwahljahre meist sehr starke Börsenjahre sind.

Denken Sie daran, sie stellen sich gerade vor, ein US-Investor zu sein. Würden Sie dann nicht auch zumindest teilweise Geld aus dem DAX abziehen, um es wieder in die US-Indizes zu reinvestieren?

Die Stärke des Euros ist der Auflösung der Short-Positionen geschuldet

Das einzige, was nicht zu dieser Theorie passt, ist der starke Euro. Eigentlich müsste man bei Umschichtungen aus Europa in die USA eher eine Schwächung des Euros sehen. Aber nach dem starken Abverkauf beim Euro sind viele größere Anleger short und sitzen auf ihren Gewinnen. Angesichts der Fed-Sitzung und der schwachen US-Daten werden diese sicherlich einen Teil ihre Gewinne sichern (wenn eine Short-Position aufgelöst wird, kommt dies einem Kauf gleich). Und das kann den oben genannten Effekt ausgleichen.

Bei einem Blick auf den aktuellen Euro/Dollar-Chart wird zudem klar, dass man eigentlich auch nicht von einer wirklichen „Stärke“ des Euros reden kann. Hinweis: Diese bereits ältere Analyse des Euro-Charts hatte ich zuletzt am 12. März 2015 (siehe hier) vorgestellt, noch bevor der Euro sein Tief ausgebildet hat.

Sie sehen, dass ich hier als untere Linie des großen Unterstützungsbereichs die 1,0462 Dollar gesetzt hatte. Das Tief des Euro lag bei 1,0463 Dollar. Genauer kann man nicht treffen. Und nun läuft der Euro wieder an die obere Linie des Unterstützungsbereiches. Im Moment steht  er bei 1,1177 Dollar. Die eigentliche Widerstandsmarke liegt jedoch bei 1,1211 Dollar.

Wir können im Moment festhalten, dass noch keine klare Bodenformation zu erkennen ist. Zudem ist die Gegenbewegung nach dem starken Einbruch eher als technischer Natur. Wir haben also noch keine wirklich stichhaltigen Hinweise für eine Stärke des Euros. Und somit sind mittel- bis langfristige Long-Positionen zurzeit vom Chance-Risiko-Verhältnis noch nicht empfehlenswert.

Zudem ist natürlich die Parität nach wie vor relativ nahe. Und Sie kennen das, solche psychologisch wichtigen Marken wie die 1-Dollar-Marke haben eine nahezu magische Anziehungskraft auf Kursverläufe.

Viele Grüße

Jochen Steffens


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