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Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

es ging schon ein wenig verrückt zu an den US-Börsen in der vergangenen Woche. Am Montag feierten die Anleger noch Kurse über 5.000 Punkten im NASDAQ Composite. Dieses Niveau liegt knapp unter dem Allzeithoch von 2000 und wurde erstmals seit rund 15 Jahren wieder erreicht. Am Freitag verzeichneten die US-Indizes hingegen kräftige Verluste von bis zu 1,5 %.

Schwarzer Freitag an den US-Börsen?

Das war nicht nur der schwärzeste Tag für die US-Börsen seit mehr als einem Monat, sondern damit löschten S&P 500 und Dow Jones auchihre bislang ohnehin magere Performance seit Jahresbeginn fast vollständig aus. Zum Vergleich: Der DAX schaffte per Freitag seit Anfang 2015 ein Plus von 17,8 %, der MDAX sogar von 19,8 %!

Auslöser für diesen Rücksetzer waren die US-Arbeitsmarktdaten, die deutlich besser als erwartet ausfielen: Im Februar wurden 295.000 neue Stellen geschaffen, während die Schätzungen im Vorfeld nur bei 240.000 lagen. Zwar wurde der Wert für Januar um 18.000 nach unten korrigiert, aber damit verbleibt immer noch ein Plus von 37.000 gegenüber den Erwartungen der Analysten.

Mit den Zahlen für Februar lag die Zahl neu geschaffener Stellen zum 13. Mal in Folge über 200.000 pro Monat. Nach diesem Kriterium ist der laufende Aufschwung am Arbeitsmarkt nun der fünftstärkste in seiner seit 1940 erfassten Historie und so stark wie seit Ende der 1990er Jahre nicht mehr, als der Arbeitsmarkt aufgrund der Hightech-Euphorie brummte.

Arbeitsmarktdaten als Auslöser für den Kursrutsch

Im folgenden Chart sehen Sie, dass bereits wenige Minuten nach der Bekanntgabe der Arbeitsmarktdaten am Freitag um 14.30 Uhr MEZ die Kurse im S&P500-Future stark und nachhaltig zu fallen begannen:

E-Mini S&P500, FDAX, EURUSD

Abgesehen von einer rund einstündigen Stabilisierung zu Beginn des regulären Aktienhandels an der Wall Street (siehe blaues Rechteck im obersten Chartteil), ging der Kursrutsch bis zum Handelsschluss weiter.

Bemerkenswerte Stärke des DAX

Bemerkenswert ist, dass der DAX-Future in dieser Stabilisierungsphase des US-Marktes sogar deutlich zulegen konnte (siehe mittlerer Chartteil). Das lag aber hauptsächlich daran, dass nach der Bekanntgabe der US-Arbeitsmarktdaten der Euro erneut kräftig nachgab und letztlich bis auf rund 1,08 US-Dollar fiel (siehe unterster Chartteil).

Wie hier im Steffens Daily schon mehrfach dargelegt, profitieren natürlich europäische, aber vor allem deutsche Exportunternehmen von einem schwachen Eurokurs. Das trieb den DAX zunächst an, bevor er dann – allerdings in abgeschwächter Form – den schwachen Vorgaben aus den USA folgte.

Als Auslöser für diese Kursrückgänge nennen Analysten erneut aufgekommene Zinserhöhungsängste, da die Konjunktur – und insbesondere der US-Arbeitsmarkt – offenbar weiterhin robust bzw. auffallend stark ist.

Zinserhöhungsängste kommen wieder auf

Bereits in der Vorwoche (siehe Steffens Daily vom 02.03.2015) hatte ich an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass es ein ganz einfaches Mittel gibt, diese Zinserhöhungsängste des Marktes genau nachzuvollziehen – die Fed Funds Futures (siehe folgende Grafik):

FedWatch

Quelle: CME Group

Und in der Tat stellen wir im Vergleich zur Vorwoche einen deutlichen Anstieg der erwarteten Zinsniveaus und damit de facto eine Verschiebung des ersten zu erwartenden Zinsschrittes der Fed nach vorn fest (siehe Pfeile).

So stieg gegenüber der Vorwoche nun das für September erwartete Zinsniveau auf knapp 0,5 %, während die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung zu diesem Termin von moderaten 54,62 % auf sehr relevante 65,71 % stieg. Auch die folgenden Zinsschritte verschoben sich damit um jeweils eine Fed-Sitzung nach vorn.

Sind Zinsen von 0,5 % überhaupt relevant?

Allerdings fragt sich, ob diese Verschiebung um einen Monat wirklich relevant ist und stärkere Kursabschläge rechtfertigt. Selbst wenn es dazu kommt, wird das Zinsniveau weiterhin extrem niedrig bleiben und die Wirtschaft kaum belasten. Außerdem ist vorläufig offen, ob die Fed tatsächlich früher handelt. Der Arbeitsmarkt ist bekanntlich ein nachlaufender Konjunkturindikator. Unter anderem aus der zu Ende gegangenen Quartalsberichtssaison wissen wir, dass viele US-Unternehmen unter dem starken Dollar leiden und die US-Ölindustrie zusätzlich mit den niedrigen Ölpreisen zu kämpfen hat.

Diverse Unternehmen – nicht nur aus dem Öl- und Gassektor – haben zudem schon Rationalisierungsmaßnahmen (inklusive Entlassungen) angekündigt oder gar begonnen. Erste Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt zeigen sich zudem schon abseits der vielbeachteten Stellenzahlen: So hat sich z.B. das Lohnwachstum im Februar stärker abgeschwächt als prognostiziert. Darin sehen Ökonomen zum einen ein Indiz für eine anhaltende Unterauslastung des US-Arbeitsmarktes. Zum anderen dämpft ein schwächeres Lohnwachstum die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale und damit einen wichtigen inflationstreibenden Faktor.

Die Fed wird vorerst weiterhin „geduldig“ bleiben

Die Fed wird all diese Entwicklungen zweifellos berücksichtigen. Außerdem ist nicht zu erwarten, dass die Fed in Sachen Zinserhöhung übereilt reagiert, sondern sie wird weiterhin „geduldig“ bleiben. Das sollte jedem Marktteilnehmer inzwischen klar sein.

Wenn das den Börsianern nach der leichten Panikattacke vom Freitag auch wieder bewusst wird, könnte die aktuelle Schwäche der US-Indizes bald wieder aufgeholt werden. Die jüngste Konsolidierung hat die überkaufte Lage inzwischen spürbar entspannt. Damit könnten die Kurse – eventuell nach einem erfolgreichen Test der 2.000er Marke im S&P 500 von oben – ihre weiterhin intakt übergeordnete Aufwärtstendenz wieder aufnehmen. Erste Anzeichen dafür lassen sich anhand der positiven Kursentwicklung zu Beginn des heutigen Handels an den US-Börsen bereits ausmachen.

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert


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