In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Gibt es wirklich ernstzunehmende Hinweise, dass das Bösenjahr so wird wie der Januar? ...
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Hinweis: Wie Sie vielleicht schon in den Medien gelesen haben, grassiert in Köln ein grippaler Infekt, der weite Teile der Bevölkerung heimgesucht hat. Und das ist auch der Grund, warum am Freitag kein Steffens Daily erschien, Herr Steffens ist ebenfalls erkrankt. Der nächste Steffens Daily erscheint voraussichtlich am Mittwoch. Heute schreibt, wie gewohnt montags, Herr Torsten Ewert: 

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

Sie haben bestimmt schon von der Januar-Regel an den Börsen gehört: „Wie der Januar, so das gesamte Jahr.“ Im Internet kursieren derzeit wieder diverse Betrachtungen zu dieser Regel. Weil der Januar an den US-Börsen mit Verlusten zwischen 2,1 % und 3,7 % zu Ende ging, wird nun mitunter auch ein schwarzes Börsenjahr 2014 beschworen.

Die Januar-Regel funktioniert – auf den ersten Blick

Doch gemach: Lassen Sie sich davon nicht verunsichern. Immerhin sind diese Stimmen schon leiser geworden, nachdem diese Regel bereits im Vorjahr versagte. (Im Januar 2014 verloren die drei großen US-Indizes zwischen 1,7 % und 5,4 %, beendeten das Jahr jedoch mit Gewinnen von 7,5 % und 13,4 %.)

Dass diese Regel im vergangenen Jahr versagte, ist nicht weiter tragisch, denn es liegt in der Natur der Sache, dass bei derartigen statistischen Faustregeln gelegentliche Ausnahmen vorkommen. Schwerwiegender ist jedoch, dass diese Regel wesentliche Aspekte, die für Anleger relevant sind, außer Acht lässt. Daher wollen wir sie heute mal genauer unter die Lupe zu nehmen. (Weil diese Regel ursprünglich aus den USA stammt, beschränke ich mich hier auch auf die US-Indizes.)

Laut Statistik funktioniert die Januar-Regel. Das zeigt folgende Grafik, die das Ergebnis dieser Regel für die drei größten US-Indizes mit der längsten Kurshistorie darstellt – dem S&P 500 (inkl. seiner Vorläufer) seit 1790, dem Dow Jones Industrial Average seit 1897 und dem NASDAQ Composite seit 1938.

Statistisch gesehen ist das in der Tat ein eindrucksvolles Ergebnis. Mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei zu eins bis drei zu eins gibt der Januar scheinbar tatsächlich einen Hinweis auf das Jahresendergebnis. Und es kommt sogar noch besser: Gleicht man die Betrachtungszeiträume für den S&P 500 und den Dow Jones mit dem des NASDAQ an (ab 1938), ergeben sich für diese beiden Indizes Werte von 77 % bzw. 81 % für die Januar-Regel. Im Dow Jones steigt die Wahrscheinlichkeit damit sogar auf vier zu eins! (Wegen der besseren Vergleichbarkeit erfolgen daher die folgenden Angaben für alle Indizes ab 1938.)

Ein ernüchterndes Ergebnis für die Bären

Wenn man bedenkt, dass im Januar erst ein Zwölftel oder rund 8,3 % des Gesamtjahres vorüber sind, scheint diese Regel tatsächlich eine Möglichkeit zur Performancesteigerung zu bieten. Allerdings unterschiedet dieses Ergebnis nicht zwischen positiven und negativen Kursbewegungen. Das Jahr 2015 begann aber, wie auch 2014, mit einem Verlust. Die Frage ist nun also, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein gegebenes Ergebnis im Januar (positiv/negativ) Rückschlüsse auf das gleiche Ergebnis (positiv/negativ) am Jahresende zulässt. Dazu die folgende Grafik:

Januar-Regl 2

Hier erkennen wir schon deutliche Unterschiede. Positive Kurse im Januar ziehen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch einen positiven Jahresausgang nach sich – die Werte liegen für alle Indizes über 80 %. Das ist durchaus logisch, denn die Indizes sind seit 1938 bekanntlich deutlich gestiegen.

So kam der Dow Jones in den vergangenen 77 Jahren auf ein Plus von 14705 %, der S&P 500 auf 19543 % und der NASDAQ sogar auf 84763 %! Das entspricht Kursgewinnen (ohne Dividenden!) von 6,7, 7,1 und 9,2 Prozent pro Jahr. Bei solchen langfristigen Steigerungen ist die Wahrscheinlichkeit also ganz „naturgemäß“ höher, dass nach einem positiven Januar auch das Gesamtjahr im Plus schließt.

Umgekehrt gilt folglich, dass dies bei einem negativen Jahresauftakt – so wie aktuell – eher nicht der Fall ist. Diese Zahlen nähern sich teilweise bedenklich der 50%-Marke (blaue Linie). Und eine 50%ige Wahrscheinlichkeit bedeutet, dass Sie auch einfach eine Münze werfen könnten.

Lassen Sie sich nicht verunsichern!

Lassen Sie sich also nicht von Kommentaren verunsichern, die mit Blick auf die Januar-Regel den Teufel an die Wand malen. Natürlich existieren zweifellos spezielle Risiken für die Aktienmärkte. Aber langfristig überwiegen ganz eindeutig die Chancen, selbst wenn das eine oder andere Jahr negativ zu Buche schlägt.

Und wer weiß, vielleicht ist ja auch der aktuelle Einbruch an den US-Märkten eine dieser Chancen. Genau so war es schließlich auch im vergangenen Jahr: Das Jahrestief 2014 wurde unmittelbar nach dem Einbruch im Januar gebildet. Ab Februar stiegen die Kurse wieder und die Indizes legten vom Tief aus bis Jahresende um 16,2 (Dow Jones), 18,5 (S&P 500) bzw. 20,0 Prozent (NASDAQ) zu.

Wie auch immer: Das Jahr 2015 wird in jedem Fall etliche neue Chancen bereithalten und das völlig unabhängig davon, wie der Januar verlaufen ist.

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert

PS: Welche Faktoren im Jahresverlauf relevanter sein werden als die Januar-Regel, erfahren Sie in unserem Jahresausblick, der kürzlich erschienen ist. Und in der Stockstreet Investment Strategie passen wir die im Jahresausblick entworfenen Szenarien laufend den aktuellen Verhältnissen an. Das Ergebnis: Während der DAX 2014 müde 2,65 % gewann, kam die konservative (!) Stockstreet Investment Strategie auf stattliche 9,86 % Zuwachs! Nutzen Sie also Ihre Chance und melden Sie sich hier zum kostenlosen 30-tägigen Probeabo an!


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