In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: China, Russland, EZB, FED, Ölpreis, all das sollen Gründe für den Einbruch gewesen sein - vielleicht ist es aber auch etwas ganz anderes ...
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Nun, Sie haben es miterlebt – der DAX befindet sich seit drei Handelstagen im freien Fall. Wie immer fragen sich die meisten Marktteilnehmer: Was ist denn der Grund?

Zum einen wird der Ölpreisverfall genannt. Es gibt Analysten, die nun doch der Meinung sind, der Ölpreis falle aufgrund eines Nachfragemangels, der wiederum ein Hinweis auf eine Abschwächung der Weltwirtschaft sei. Andere geben als Gründe Hinweise aus China an, wonach sich dort die wirtschaftliche Entwicklung abschwächt. Der Einbruch des russischen Rubels und des russischen Index werden erwähnt, die Probleme in Griechenland, aber man hört auch als Grund, dass die EZB angesichts des fallenden Euros und der sinkenden Ölpreise (der die Wirtschaft unterstützt) vielleicht doch keine Staatsanleihen ankauft.

Man könnte natürlich auch sagen: Es ist alles zusammen – damit macht man es sich einfach. Sie wissen aber, ich bin kein Freund von den Antworten des Mainstreams. Und so will ich genauer auf diese Frage eingehen und biete zum Schluss eine etwas andere Lösung.

Die zeitliche Abfolge verrät zumindest den ersten Auslöser

Interessanterweise stieg der DAX bis zur EZB-Sitzung am Donnerstag, den 4. Dezember, steil an. Doch als dann die EZB-Sitzung die Erwartungen enttäuschte und auch noch am Freitag die US-Arbeitsmarktdaten deutlich über den Erwartungen lagen, fing der DAX an, in den Sinkflug überzugehen. Zeitlich gesehen kann man das als ersten Auslöser ansehen. Aber dann wird es schwierig, denn die US-Indizes fallen bei weitem nicht so deutlich wie der DAX.

Ein zweiter Aspekt ist, dass sich mit dieser EZB-Sitzung auch der Euro erholte, der nun einen ersten Bodenversuch startet. Und Sie erinnern sich, ich hatte hier angedeutet, dass der fallende Euro eigentlich gut für die europäische Wirtschaft ist. Da sich jetzt so etwas wie ein zarter Boden ausbildet, geht natürlich die Sorge um, dass der Euro doch nicht mehr die 1,20-Dollar-Marke erreicht, die (unter der Hand) als Mindestziel der EZB gehandelt wird. Aber das kann höchstens ein unterstützender Aspekt gewesen sein.

Schieflage institutioneller Anleger

Ich habe mich gefragt, was in dem aktuellen Zusammenhang der Unterschied zwischen den US-Indizes und dem DAX ist. Und da gibt es einen interessanten Ansatz:

Während die institutionellen Anleger in den USA in diesem Jahr auf fetten Gewinnen sitzen, dürften den meisten Deutschland-Fonds lediglich (wenn überhaupt) ein kleiner Gewinn bleiben – und zwar wann? Wenn der DAX in der Nähe der 10.000er Marke notiert! Nun stellen Sie sich vor, Sie wären Fondsmanager eines großen DAX-Fonds und haben es in diesem Jahr mit Ach und Krach geschafft, trotz des wirklich bescheidenen Marktes, ein kleines bescheidenes  Plus zu generieren. Und dann sehen Sie, wie der Markt kurz vorm Jahresende abschmiert. Was werden Sie tun?

Gemütlich im nächsten Café warten, bis der Sturm vorbei ist, so wie es Kostolany in solchen Situationen empfiehlt?

Nein, sicher nicht, denn Sie müssen zum Jahresende Ihre Performance ausweisen und es sind nicht mehr viele Handelstage bis dahin. Also was werden Sie tun? Ich kann es Ihnen sagen: Sie fallen in eine gepflegte Panik und drücken wie wild den Verkaufen-Button, um wenigstens einen Teil der Performance zu sichern. Wenn das aber mehrere größere institutionelle Anleger tun, und das bei geringem Käuferinteresse, erklärt sich diese doch vergleichsweise hohe Verkaufsdynamik.

Die Unterseite der Verfallstagsanalyse

Allerdings gibt es noch einen weiteren, wesentlich interessanteren Ansatz, den ich Ihnen heute ebenfalls nicht vorenthalten will. Dazu werfen wir noch einmal einen Blick auf die Verfallstags-Grafik:

 

Wir haben uns bei der vergangenen Analyse nur mit der Oberseite der Verfallstags-Grafik beschäftigt. Eben weil ich, und das gebe ich zu, bis Freitag lediglich damit gerechnet habe, dass es um die 10.000er Position geht. Wenn ich mir aber jetzt anschaue, wo der DAX gelandet ist, nämlich bei 9.300 Punkten, dann hat auch das eine gewisse Logik. Wie Sie in der Grafik erkennen können, liegen bei 9.400 und 9.300 Punkten noch zwei sehr große Long-Positionen (siehe Pfeile). Und es kann sein, dass die Stillhalter (die also in der Gegenposition zur Longposition sitzen und damit short sind) diese Positionen nicht richtig abgesichert hatten. Und zwar aus folgendem Grund: Der DAX war zuvor von der 9.300er Marke höchst dynamisch an die 10.000 Punkte Marke gestiegen. Das ging so schnell, dass hier vielleicht einige nicht mitgekommen sind. Jetzt hat der DAX die 9.300er Marke wieder erreicht und nun können sich diese Stillhalter zu dem Kurs absichern, um sich damit neutral zu stellen.

Bedenken Sie aber bei all diesen „Verfallstagstheorien“: Es sind nicht mehr als Spekulation – auch wenn die entsprechenden Szenarien häufig genug eintreffen. Es gibt zudem noch ein paar andere Faktoren in dem Zusammenhang, aber das würde nun nur zu Verwirrung führen. Festhalten kann man aber, dass sich die Kurse in den Verfallstagswochen zuweilen hochvolatil zeigen – eben aus Absicherungsgründen. Mal schauen, was bis Freitag noch geschieht.

Viele Grüße

Jochen Steffens

PS: Mittlerweile steht der DAX wieder 2,5 Prozent im Plus. Das unterstützt natürlich vehement die Verfallstagsthese. Denn, wenn Sie sich den DAX anschauen, so hat er kurz die 9.300er Marke abgearbeitet und ist dann entsprechend dynamisch nach oben gezogen. Die anderen Probleme sind hingegen keineswegs beseitigt…


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