In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Die computergenerierten Flash-Crashs nehmen zu ...
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Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

einer der Aufreger der vergangenen Woche war der Flash Crash bei Apple. Der plötzliche Kurseinbruch der Aktie des mit Abstand teuersten Unternehmens der Welt sowie eines gefeierten Börsenlieblings schreckte natürlich die Anlegergemeinde auf. Sogar die großen Finanzmedien hierzulande griffen dieses Ereignis mehr oder weniger ausführlich auf. Aber ist die Aufregung berechtigt oder nur ein Sturm im Wasserglas?

Der Flash Crash bei Apple

Zunächst die Fakten: Am Montag, 01.12.2014, sackte der Kurs plötzlich um zunächst 0,8 % ab. Das scheint nicht ungewöhnlich zu sein – immerhin fiel der Kurs zuvor vom zwischenzeitlich markierten Tageshoch um knapp 1,4 %. Ungewöhnlich waren jedoch sowohl die Dynamik dieses Rücksetzers als auch der damit verbundene Anstieg des Volumens (siehe Pfeile im folgenden Chart):

Apple Flash Crash

Quelle: MarketMaker

Danach nahm die Dynamik weiter zu, und weniger als eine Minute später hatte die Apple-Aktie  insgesamt 5,35 % an Wert verloren. Die Geschwindigkeit und die Stärke dieses Einbruchs sowie der Umfang der dabei gehandelten Aktien sprechen recht eindeutig dafür, dass dabei Computeralgorithmen der Hochfrequenzhändler im Spiel waren. Die Apple-Aktie erholte sich zwar etwas von diesem Blitz-Crash, aber am Ende dieses Handelstages verzeichnete sie dennoch ein Minus von rund 4 %.

Dieses Szenario erinnert uns natürlich fatal an den berühmten Flash Crash vom 6. Mai 2010, als nicht nur eine einzelne Aktie, sondern etliche große US-Werte betroffen waren – der Dow Jones Index wurde mehr als 1.000 Punkte oder ca. 9 % in die Tiefe gerissen. Damals wie in der vorigen Woche bei Apple war der Spuk innerhalb von Minuten vorbei, wobei der Dow Jones sich sogar wieder komplett erholte.

Apple war nicht das einzige Opfer

Ebenso wie damals werden in den einschlägigen Kommentaren die Hochfrequenztrader als Bösewichter ausfindig gemacht, die höchstwahrscheinlich auch tatsächlich ihre Finger – besser gesagt, ihre Software – im Spiel hatten. Allerdings hat diese Kritik und Polemik auch etwas Heuchlerisches.

Denn bereits drei Tage später verzeichneten die Börsen einen weiteren Flash Crash. Aber dann betraf es keinen Börsenliebling oder einen weltweit bekannten Index, sondern nur einen vergleichsweise wenig beachteten ETF (Exchange Traded Fund – börsengehandelter Indexfonds) auf einen Goldminen-Index. In den Medien hierzulande fand dieser Flash Crash daher keinen Niederschlag und selbst in den USA beschränkten sich die Meldungen darüber fast ausschließlich auf spezielle Finanzportale oder Trading-Blogs im Internet.

Dabei ging es mit diesem ETF immerhin fast 10 % nach unten – und das sogar wenige Sekunden vor Handelsende. Das Volumen schoss ebenfalls rasant nach oben, aber auch hier erholte sich der Kurs wieder. Zum Schluss-Settlement verblieb nur noch ein Minus von weniger als 1,2 %, und am Morgen danach eröffnete der ETF sogar über dem Kursniveau vor dem Flash Crash.

Klare Indizien für Computeralgorithmen

Im Fall dieses ETFs ist das Wirken von Computeralgorithmen noch offensichtlicher, denn der Einbruch erfolgte tatsächlich nur bei diesem Fonds – die Basiswerte des Index, den dieser ETF abbilden soll, bewegten sich faktisch nicht. Und noch ein Umstand deutet auf softwaregesteuerte Einflüsse hin: Sowohl bei Apple als auch dem Goldminen-ETF stoppte der Rückfall exakt am sogenannten LULD circuit breaker (LULD = Limit up, Limit down).

Das ist ein Kursniveau, das von den Börsen laufend berechnet wird und dazu dient, größere Kursausschläge auszuschließen. Sie stellen eine Art Stopp in beide Richtungen dar, wobei der Handel automatisch ausgesetzt wird, wenn diese Niveaus über- oder unterschritten werden. Aber „zufälligerweise“ geschah das in der vorigen Woche nicht, sondern die Kurse stoppten just an diesen Niveaus und drehten dann wieder. Der circuit breaker (Unterbrecher) funktioniert also nicht, weil die Algorithmen ihn berücksichtigten und sein Auslösen vermieden.

Nichts Besonderes

Die aktuelle Berichterstattung über den Flash Crash bei Apple könnte den Eindruck erwecken, dieser sei etwas Besonderes. Ist er aber nicht. Bei Apple z.B. gab es am 25. Januar 2013 einen ähnlichen Vorfall. Allerdings blieb der damalige Einbruch – der ansonsten nach genau demselben Muster ablief – mit einem zwischenzeitlichen Minus von 1,7 % vergleichsweise harmlos und lieferte damit kein „Futter“ für die Medien.

Aber auch andere Werte und Märkte waren schon betroffen, z.B. Indien im Oktober 2012 und Singapur im Oktober 2013. Selbst der DAX wurde schon Opfer solcher Aktionen (siehe Steffens Daily vom 06.02.2014). Erfahrene Aktien-Trader, vor allem an den US-Börsen, haben dafür inzwischen kaum noch ein müdes Lächeln übrig, denn solche „Crashs“ von einigen Zehntel Prozent oder wenigen Prozentpunkten sind längst an der Tagesordnung. Der Informationsdienstleister Nanex listet auf seiner Webseite so viele davon akribisch auf, dass mir die Lust verging, sie auch nur für das laufende Jahr zusammenzuzählen.

Sicherlich ist es nun ein Leichtes, auf diesen Profi-Tradern herumzuhacken, die sich Kraft ihrer Geldmittel derartige Softwareprogramme, die entsprechenden Hochleistungsrechner und vor allem den superschnellen Zugang an die Börsen leisten können, um diese Strategien umzusetzen. Und natürlich ist es bitter für jeden Anleger, der bei derartigen Aktionen ausgestoppt wird und dadurch das Nachsehen hat. Das übliche Muster ist es dann, nach den Aufsichtsbehörden zu rufen, die solche Unfairness doch bitte schön unterbinden und die „kleinen“ Anleger und Trader schützen sollen.

Der Ruf nach den Behörden ist keine Lösung

Aber das ist natürlich nicht die Lösung. Zum einen kamen historisch gesehen die Hochfrequenzhändler und Algorithmen-Trader erst mit der Deregulierung des Börsenhandels auf. Damals riefen insbesondere institutionelle Anleger um Hilfe, weil die großen Börsen als Quasi-Monopolisten ihrer Meinung nach zu hohe Gebühren forderten.

Das änderten die Behörden, indem sie Konkurrenzplattformen für den Aktienhandel zuließen. Diese heißen bezeichnenderweise Darkpools – also „dunkles Becken“ – und saugen inzwischen (je nach Markt) geschätzte 40 % oder mehr des Aktienhandels von den regulären Börsen ab. Um diesen Verlust auszugleichen, öffneten die Börsen den Hochfrequenztradern Tür und Tor, die für den Vorteil, Bruchteile von Millisekunden schneller handeln zu können, bereitwillig hohe Gebühren zahlen. Wenn die Aktivitäten der Hochfrequenztrader irgendwann beschnitten werden, dann werden diese Profis über kurz oder lang auf eine andere Strategie ausweichen. Und das „Spiel“ beginnt von vorn.

Zum anderen – und das ist vielleicht der wichtigere Aspekt – sind private Trader und Anleger seit jeher derartigen Nachteilen ausgesetzt. Selbst zur „guten alten Zeit“ des Handels an einer Präsenzbörse hatten die dortigen Akteure entscheidende (Informations-)Vorteile gegenüber den normalen Aktionären. Später waren es die Großbanken mit ihren Analystenabteilungen, die durch ihre Recherchearbeit, ihre Direktkontakte in die Unternehmen und natürlich ihre riesigen Datensammlungen über fundamentale und branchentypische Zusammenhänge einen Vorsprung für sich und ihre (zahlende) Klientel herausholten. Auch von der Computer- und Charttechnik profitierten die Profis viel früher und stärker als Otto Normalanleger.

Stellen Sie sich „hinter“ den Markt

Es ist also sinnvoller, wenn wir uns damit abfinden, dass professionelle Anleger immer einen Vorsprung vor uns haben werden. Genau das ist ja der Grund, warum wir im Steffens Daily immer wieder betonen, dass Sie sich „hinter“ den Markt stellen sollen! Wichtig ist nur, die daraus resultierenden Nachteile für uns zu kennen und sie – wo es geht – zu vermeiden.

Als Trader sollten Sie daher stets damit rechnen, dass Ihnen die Algorithmen der Profis die Kurse unvermutet in den Stopp treiben können. Aber das kann sowieso jederzeit geschehen. Sie müssen sich nur eine Strategie überlegen, wie Sie nach einem solchen Vorfall damit umgehen. Das betrifft nicht nur die Position selbst (z.B. Wiedereinstieg nach Beruhigung oder nicht?), sondern vor allem die mentale Seite dieser Situation.

Als Langfristanleger haben Sie es etwas einfacher. Sie können mit Ihren Stopps ohnehin großzügiger sein. Im Idealfall arbeiten Sie völlig ohne derartige charttechnische Marken. Viele von Ihnen werden nun stutzen, denn gewöhnlich werden Stopps als das A und O des Risikomanagements gepriesen. Aber bei langfristigen Investments erfolgt der Einstieg häufig weniger aus charttechnischem Blickwinkel, sondern aufgrund weiterer Kriterien, z.B. fundamentaler Daten und eines Branchenvergleichs. Es ist also nur logisch, wenn auch der Ausstieg mehrere Aspekte berücksichtigt und sich nicht nur auf einen Punkt – das Kursniveau – beschränkt!

Langfristanleger haben es besser

Falls Ihnen das zu heikel ist, dann versuchen Sie es mit Stopps auf Basis von Tages- oder Wochenschlusskursen. Dann gehen Sie diesen Flash Crashs zu 99 % aus dem Weg. Noch besser sind natürlich mentale Stopps, bei denen Sie nochmals eine gründlichere Analyse des betreffenden Wertes vornehmen. Aber auch dafür ist – wie beim Trader – natürlich ein belastungsfähiges Nervenkostüm eine unbedingte Voraussetzung.

Auf jeden Fall sollten Sie sich nicht darauf verlassen, dass die Behörden dieses „Problem“ lösen. Und selbst wenn – das kann noch dauern. Also gehen Sie das Problem – sofern es überhaupt eines für Sie ist – aktiv und beherzt von sich aus an. Aber das sollte für einen engagierten Anleger ohnehin eine Selbstverständlichkeit sein.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei Ihren Investments!

Ihr Torsten Ewert


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