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Die wichtigste Nachricht des Tages war natürlich der US-Arbeitsmarktbericht. Demnach sind in den USA außerhalb der Landwirtschaft 203.000 neue Stellen geschaffen worden, nach 200.000 zuvor. Analysten hatten mit 180.000 Stellen gerechnet:

 (Hinweis: Hier habe ich gestern unter den US-Konjunkturdaten als Prognose 136.500 Stellen geschrieben. Diese Zahl habe ich natürlich nicht erfunden, sondern von einer bisher sehr zuverlässigen Quelle, der ich immer die Prognosen entnehme. Doch heute steht auf dieser Seite ebenfalls der Wert „180.000“ als Prognose. Ich würde im Moment vermuten, dass es sich dort um einen Tippfehler gehandelt hat. Ich möchte mich trotzdem für diese Fehlinformation entschuldigen, insbesondere da ich natürlich auch einen Fehler meinerseits nicht gänzlich ausschließen kann.)

Die Arbeitslosenquote in den USA ist von zuvor 7,3 Prozent auf jetzt 7,0 Prozent gefallen, ein Wert, der von der Fed vor einigen Monaten im Zusammenhang mit der Rückführung der Anleihekäufe in Zusammenhang gebracht wurde. Ob das noch heute gilt, sei dahingestellt.

Es fehlt noch das klare Bild

Wir hier im Stockstreet-Team waren uns eigentlich alle einig: Wenn der Wert höher als erwartet ist, die Arbeitslosenquote sinkt, werden die Märkte kurz und heftig anziehen und dann wegbrechen. Das passierte auch zunächst im direkten Anschluss an die Veröffentlichung der Daten. Wobei der Anstieg nur sehr kurz ausfiel und der Einbruch ebenfalls nur zu einem kleinen Kursrückgang mutierte. Und dann zogen die Kurse  plötzlich dynamisch an – der DAX notierte anschließend mehr als ein Prozent im Plus. Diese Reaktion war ungewöhnlich. Immer wenn etwas Ungewöhnliches geschieht, muss sehr genau analysiert werden, wie dieser Sonderfall entstanden ist. Denn hieraus kann man oft sehr frühe Erkenntnisse gewinnen, die einem einen geldwerten Vorteil in der näheren Zukunft verschaffen.

Folgende Varianten stehen zur Diskussion:

Fehlpositionierung der Konjunkturdaten-Trader

Der Markt hatte bereits mit höheren Werten als laut Prognose gerechnet und war dann eigentlich eher enttäuscht. Das hört sich zunächst seltsam an, ist es aber nicht. Die Prognosen sind der Maßstab. Die langfristig orientierten Anleger achten darauf, ob die Prognosen übertroffen werden oder nicht und reagieren im Anschluss. Viele Trader haben aber oft vorher eine Meinung, also in diesem Fall z.B., dass die Prognosen weit übertroffen werden und die Kurse somit einbrechen. Stimmt dann diese Einschätzung nicht, kann es zu einer scheinbar „falschen Reaktion“ des Marktes kommen. In diesem Fall zu einer Art Short-Squeeze, weil all die Trader, die auf fallende Kurse gewettet haben, nun sehr schnell aussteigen mussten. Das halte ich zurzeit für die wahrscheinlichste Variante.

Verfallstag bremst

Übernächste Woche findet der große Verfall statt. Es könnte sein, dass institutionelle Anleger versuchen, die Kurse bis dahin über der 9.000er Marke zu halten.  Näheres dazu am Montag, hier in Ihrem Steffens Daily. Gegen diese Variante spricht allerdings, dass dieser Anstieg heute derart dynamisch erfolgte. Das angesichts von weiteren zehn Handelstagen bis zum Verfallstag eher ungewöhnlich und käme vergleichsweise früh.

Dennoch: Sollten wir bereits in der kommenden Woche sehen, dass ein Kampf um die 9.000er Marke entbrennt, der bis zum Verfall anhält, müssen wir im Anschluss an den Verfall mit stärker fallenden Kursen rechnen. Dann nämlich, wenn die institutionellen Anleger die Stützungskäufe auflösen. Hier ergäbe sich ein interessantes Setup für einige lukrative Trades

Plosser erwartet 3 Prozent Wachstum

Möglich ist auch, dass sich ein Kommentar von Charles Plosser, Chef der Federal Reserve Bank of Philadelphia, der nahezu zeitgleich veröffentlicht wurde, positiv ausgewirkt hat. Er betonte zwar, dass sich der US-Arbeitsmarkt in die richtige Richtung bewegt und die Fed daher die Rückführung der Anleihekäufe einleiten solle, aber er sagte auch, dass er für die USA im Jahr 2014 mit einem Wirtschaftswachstum von 3 Prozent rechne. Das könnte die Anleger zum Einstieg motiviert haben. Dieser Punkt muss mit dem folgenden im Zusammenhang gebracht werden.

Der Gewöhnungseffekt

Es kann nämlich sein, dass die Märkte sich bereits an das Thema „Ende von QE3“ gewöhnt haben und deswegen nicht mehr so nervös reagieren. Wenn dem so wäre, müsste man der Fed zugestehen, dass sie eigentlich alles richtig gemacht hat. Sie hat dieses Thema bereits Mitte des Jahres zunächst angesprochen, der Markt reagierte heftig. Daraufhin hat sie es relativiert – der Markt erholte sich. Ab dann hat die Fed immer wieder darüber gesprochen, ohne den Termin zu konkretisieren. Genauso kann man die hysterische Börsenwelt dazu bringen, schwierige Themen gut zu verdauen. Sie erinnern sich vielleicht daran, dass ich hier bereits mehrfach zu verschiedenen Anlässen schrieb, dass es einen Gewöhnungseffekt an den Börsen gibt.

Wenn das der Fall ist, könnte es sein, dass auch diese Konsolidierung nur sehr kurz ausfällt und der Markt bis zum Jahresende munter weiter steigt.

Weitere Analysen sind notwendig

Das sind die möglichen Punkte. Wir werden erst im weiteren Verlauf erkennen, was der Markt nun spielt. Einen ersten kleinen Hinweis werden wir mit der weiteren Entwicklung des heutigen Tages sehen. Sollten die Kurse in den USA gegen Ende des Handels doch noch deutlicher nachgeben, spräche das für eine Fehlpositionierung der Trader, die direkt auf den Arbeitsmarktbericht gewettet haben.  Geschieht das nicht, müssen wir beobachten, ob demnächst ein Kampf um die 9.000er Marke entbrennt (dazu mehr am Montag). Steigen die Kurse jedoch wieder an die Hochs, wäre das tatsächlich ein Hinweis auf einen Gewöhnungseffekt – denn nach den vorliegenden Daten ist es mittlerweile sehr wahrscheinlich, dass die Fed die Anleihekäufe bald reduzieren wird.

Das liebe ich so an der Börse: Sie überrascht und immer wieder, stellt uns immer wieder vor neue Herausforderungen und ist damit eines der wenigen Dinge auf dieser Erde, die selbst nach diesen vielen Jahren nicht langweilig werden – zumindest wenn man diese zähen politischen Börsen, die uns in den vergangenen Jahren immer mal wieder lange Phasen begleitet haben, außen vor lässt.

Viele Grüße und ein schönes Adventswochenende

Ihr

Jochen Steffens


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