In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: plötzlich ist sie wieder da – die Diskussion darüber, was die Fed wann, wo, wie tun könnte. Auslöser dafür war der schwache ...
Börse - Intern ist ein börsentäglicher Newsletter vom Börsenprofi Sven Weisenhaus. Sollten Sie diesen kostenlosen Newsletter noch nicht beziehen, können Sie sich → hier anmelden.


plötzlich ist sie wieder da – die Diskussion darüber, was die Fed wann, wo, wie tun könnte. Auslöser dafür war der schwache Arbeitsmarktbericht vom vergangenen Freitag (siehe Steffens Daily vom 06.09.2013). Vordergründig geht es um die Frage, ob die Fed ihren vorgesehenen Ausstieg aus den Anleihekaufprogrammen bereits im September beginnt.

Hat die Fed ein Problem?

Aber im Hintergrund geht es um die Glaubwürdigkeit der Fed und – auch das ist ein nicht zu unterschätzender Punkt – um das Ego ihres Vorsitzenden in Bezug auf sein zukünftiges Bild in den Geschichtsbüchern. Und für uns Anleger geht es darum, wie die Märkte in den kommenden Wochen und Monaten darauf reagieren.

Das Problem: Die Fed könnte mit der Ankündigung von Ben Bernanke im Juni, dass die Fed ihre ultralockere Geldpolitik noch in diesem Jahr zurückfährt, zu weit vorgeprescht sein. Zur Erinnerung: Nach ihrer Sitzung Ende April fügte die Fed erstmals einen ausdrücklichen Hinweis auf mögliche Kürzungen der Anleihekaufprogramme in ihr Statement ein. Bei seiner Anhörung zur Wirtschaftslage vor dem Kongress Mitte Mai wiederholte Bernanke die entsprechende Formulierung.

Nach der Fed-Sitzung vom Juni gab Bernanke dann einen konkreten Fahrplan bekannt: Beginn des Ausstiegs bis Ende 2013, Abschluss der Kaufprogramme bis Mitte/Ende 2014. Allerdings – so die Einschränkung – wird es auch dann noch lange Zeit keine Zinserhöhungen geben. Eine entscheidende Voraussetzung für dieses Szenario wäre jedoch eine entsprechend erstarkte US-Wirtschaft. Und diese wurde damals nicht nur von Ökonomen und Analysten für das zweite Halbjahr 2013 erwartet, sondern auch die Äußerungen der Fed deuteten darauf hin.

Liquidität oder Wachstum – zwei Treiber für die Märkte

Trotzdem schickte diese Verkündigung die Märkte zunächst auf Talfahrt, drohte doch der Entzug des billigen Geldes und vor allem der Liquidität, welche die Märkte bisher maßgeblich nach oben getrieben hat. Diese erste Panik legte sich aber bald wieder, und zwar aus zwei Gründen. Zum einen gelang es Ben Bernanke und der Fed in der Folge, die Sorge der Börsianer vor allzu schnellen Schritten in Richtung Ausstieg zu zerstreuen. Zum anderen verhieß eine wachsende Wirtschaft bessere Geschäfte und höhere Gewinne für die Unternehmen. Das wäre mehr als nur ein Ersatz für die Liquidität der Fed.

Und mit diesen insgesamt recht positiven Aussichten verlor der absehbare Ausstieg der Fed viel von seinem anfänglichen Schrecken. Zu diesem Szenario passte auch der Termin der Fed-Sitzung im September, zu dem die US-Notenbank nach allgemeiner Auffassung den Beginn ihres Ausstiegs verkünden sollte.

In der Zwischenzeit haben sich jedoch die fundamentalen Daten der US-Wirtschaft wieder eingetrübt. Der enttäuschende US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag ist nur das vorläufig letzte Glied in einer Kette anderer schlechter oder bestenfalls gemischter Daten der jüngsten Zeit: So stieg zwar der bekannte ISM-Index des verarbeitenden Gewerbes im August weiter an, der vergleichbare Einkaufsmanagerindex (PMI) für die USA sank dagegen.

Der ISM-Index des Dienstleistungsgewerbes machte unterdessen im August einen gewaltigen Sprung nach oben und wuchs damit so stark wie seit 2008 nicht mehr. Und die Autoverkäufe schossen im August sogar auf den höchsten Wert seit 2007. Dafür fielen die Auftragseingänge der Industrie (ein sehr wichtiger Frühindikator!) zuletzt um 2,4 % zurück. Und das Handelsdefizit der USA erhöhte sich im Juli unerwartet um 13 %, weil US-Firmen nicht mehr so viel exportierten wie zuvor.

Der US-Immobilienmarkt schwächelt – wieder

Scheinbar kann sich aus diesen Werten jeder nun diejenigen herauspicken, die zu seiner aktuellen Sichtweise (bullish / bearish) passen. Aber es gibt drei wichtige, beinahe untrügliche Hinweise, dass der Aufschwung der US-Wirtschaft im zweiten Halbjahr doch nicht so stark ausfällt, wie bislang erwartet oder sogar ganz ausbleibt.

Erstens bezeichnete die Fed selbst die Wirtschaftslage im Protokoll ihrer Juli-Sitzung als „gemischt“. Optimismus sieht anders aus. Diese Zurückhaltung der Fed wird verständlicher bei einem Blick auf die Daten zum wichtigen US-Immobilienmarkt. Dieser erlebte zwischenzeitlich einen deutlichen Aufschwung und wurde dabei zu einer durchaus beachtlichen Stütze für die US-Konjunktur. Das unterstrich auch die Fed verschiedentlich in ihren Äußerungen.

Aber – und das ist der zweite wichtige Punkt – dieser Immobilienmarkt erlebt seit geraumer Zeit eine erneute Schwäche. So fielen die Baubeginne im Juni um fast 10 % und damit auf den tiefsten Stand seit zehn Monaten. Die Baugenehmigungen rutschten im gleichen Monate ebenfalls deutlich ab (-7,5 %). Die Verkäufe neuer Häuser brachen im Juli sogar um 13,4 % ein, und der Wert vom Juni wurde von ursprünglich +8,3 % auf nur noch +3,6 % abwärts korrigiert. Die anstehenden Hausverkäufe fielen im Juni um 0,4 % und im Juli um weitere 1,3 %. Nur die Verkäufe bestehender Häuser stiegen, das allerdings auf ein neues Nach-Rezessions-Hoch. Und die Bautätigkeit – die jedoch ein nachlaufender Indikator ist – legte im Juli mit 0,6 % stärker zu als die von den Ökonomen erwarteten 0,3 %.

Fehlender Optimismus bei den Unternehmensausblicken

Dass der Immobilienmarkt tatsächlich wieder ein Problemkind der US-Wirtschaft werden könnte, zeigen auch die Börsen. So brach der Index der US-Hausbaufirmen seit Mitte Mai um 29 % ein (siehe folgender Chart).

 US-Immobilienmarkt

Quelle: MarketMaker

Hintergrund ist der Zinsanstieg in den USA nach den oben genannten Schritten der Fed (siehe Pfeile im Chart). Die Fed hat zwar ihren Ausstieg noch gar nicht begonnen, geschweige denn Zinsschritte unternommen. Aber die Märkte preisten einen Renditeanstieg bei Anleihen bereits ein, auch wenn diese Reaktion vielleicht übertrieben sein mag. Aber das wirkte sich sofort auch auf die Hypothekenkredite aus und brachte Hauskäufer, Baufirmen und damit den Immobilienmarkt insgesamt unter Druck.

Drittens schließlich gab es in der kürzlich zu Ende gegangenen Quartalsberichtssaison kaum positive Signale von Seiten der Unternehmen auf eine wirtschaftliche Besserung. Nicht nur, dass die Ergebnisse für das zweite Quartal durchwachsen ausfielen. Das war ja erwartet worden. Aber insbesondere die Ausblicke auf den Rest des Jahres blieben zurückhaltend. Von Optimismus keine Spur, schon gar nicht auf breiter Front. Aber wenn die Unternehmen keine positive Entwicklung absehen können, woher soll dann die allseits erwartete Besserung im zweiten Halbjahr kommen? (Inzwischen passen die Analysten die erwarteten Unternehmensgewinne und die Ökonomen die Wachstumserwartungen für die USA für 2013 dementsprechend nach unten an.)

Die Fed in der Zwickmühle

Die Fed steckt damit in einer Zwickmühle, denn mit ihrem letzten Lockerungsprogramm (QE3), bei dem auch wieder verstärkt Hypothekenpapiere aufgekauft wurden, zielte sie ja insbesondere auf eine Stärkung des Immobilienmarkts. Diese ist nun zumindest teilweise hinfällig. Reagiert sie nun auf diese jüngste Entwicklung und verschiebt den Ausstieg mit Hinweis darauf, dann gesteht sie quasi ein, dass sie die Marktreaktion auf ihre Ankündigung bzw. die Wirtschaftsaussichten falsch eingeschätzt hat. Und das vor gerade einmal drei Monaten!

Theoretisch könnte sie zwar weiter abwarten, denn schließlich hat die Fed selbst keinen konkreten Ausstiegszeitpunkt genannt, sondern nur einen vergleichsweise vagen Zeitraum („bis Ende des Jahres“). Aber der Septembertermin bietet sich an, weil im Anschluss an die Fed-Sitzung eine Pressekonferenz stattfindet, die es Ben Bernanke erlaubt, die jeweiligen Schritte einzuordnen.

Eine solche Pressekonferenz ist aber nur noch nach dem Dezember-Meeting geplant, aber so lange will die Fed die Märkte bestimmt nicht im Ungewissen lassen. Und dazwischen ist nur noch eine Sitzung Ende Oktober...

Homöopathischer Ausstieg

Startet die Fed aber nun ihren Ausstieg tatsächlich wie vorgesehen, dann läuft sie Gefahr, später zurückrudern zu müssen. Am wahrscheinlichsten, und was inzwischen auch die meisten Beobachter vermuten, ist daher: Die Fed wird im September den Ausstieg beginnen, aber quasi nur in homöopathischer Dosis. Da sie ohnehin schrittweise vorgehen will, kann sie später immer noch nachlegen, falls die erhoffte Erholung an Fahrt gewinnt. Verschlechtern sich die Rahmenbedingungen weiter, dann kann sie zu einem späteren Zeitpunkt, vergleichsweise gefahrlos für ihre Reputation, den Ausstieg unter Hinweis auf „geänderte Rahmenbedingungen“ verlängern oder aussetzen.

Und schließlich schafft Ben Bernanke, der höchstwahrscheinlich im Januar 2014 aus dem Amt scheidet, es damit auch, seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin, ein „wohlbestelltes Haus“ zu überlassen. Er hat dann zwar die größte geldpolitische Lockerung der Geschichte und damit ein beispielloses monetäres Experiment gestartet, hätte aber immerhin am Ende seiner Amtszeit auch dessen Abschluss eingeleitet.

Ben Bernanke und die Fed wären damit aus dem Schneider. Ausbaden müssen die Folgen aber wie immer die Märkte und die Anleger. Denn kommt es zu diesem „Alibi-Ausstieg“ in der nächsten Woche, dann fehlt den Märkten weiterhin die klare Orientierung über die künftige wirtschaftliche Richtung der USA. Die Unsicherheit, sowohl bezüglich der Konjunktur als auch der weiteren Fed-Politik, bleibt dann erhalten.

Unsicherheit an den Börsen bleibt

Bekanntlich ist Unsicherheit aber Gift für die Börsen. Damit besteht die Gefahr, dass die Erholungsbewegung der Indizes von vergangener Woche abebbt und sich die Korrektur fortsetzt. Falls die Investoren eine neuerliche konjunkturelle Schwäche sowie die reduzierten Gewinnerwartungen der Unternehmen ebenso plötzlich einpreisen, wie sie es mit dem Renditeanstieg am Immobilienmarkt getan haben (siehe Chart oben), dann ist sogar ein kräftigerer Rückfall möglich. Wir sind schließlich im Crash-Monat September!

Sie sollten daher in den kommenden Wochen sehr wachsam bleiben und eventuell vorgesehene Investments besonders sorgfältig prüfen. Wie immer kann die Kursentwicklung der großen Indizes wichtige Hinweise liefern. So ist der S&P 500 (siehe folgender Chart) in der turbulenten Sitzung am Freitag nach dem US-Arbeitsmarktbericht von der Oberkante seines aktuellen Korrekturkanals (rote Linien) abgeprallt. Die vorangegangene Abwärtsbewegung seit dem Hoch Anfang August deutet zudem auf eine Fortsetzung dieses Kanals hin.

SP500

Quelle: MarketMaker

Das sind die charttechnischen Eckdaten im S&P 500

Fällt der Kurs also in den kommenden Tagen unter die aktuell erreichte blaue Linie sowie das Tief vom Freitag, startet die nächste Abwärtswelle, was durch einen Rückfall unter das August-Tief bestätigt würde. Das Kursziel wäre dann die Unterstützung bei 1.600 Punkten bzw. die strichpunktierte blaue Linie. In diesem Bereich sollte der S&P 500 aber Halt finden, zumal darunter bei 1.576 Punkten auch das alte Allzeithoch als massive Unterstützung liegt.

Bullisher wird es erst, wenn sich der S&P 500 nachhaltig oberhalb von 1.670 Punkten etabliert hat. Aber erst mit Überschreiten des August-Hochs entspannt sich die Lage merklich. Bis es soweit ist und insbesondere mehr Klarheit über Konjunktur und Notenbankpolitik in den USA herrscht, ist eine große Seitwärtsbewegung zwischen 1.576 / 1.600 und 1.700 Punkten wahrscheinlich. Und diese könnte uns womöglich noch bis ins nächste Jahr begleiten...

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert


Die Börsenbriefe von Stockstreet

Die gut abgestimmte Palette unserer Börsenbriefe reicht von der Investment Strategie für langfristig orientierte Investoren, über die Aktien-Perlen und den Premium Trader, bis hin zum Allstar Trader für schnelle Gewinne. Der sehr spekulative Hebel XXL und die täglichen Chartanalysen des Target Trend Spezial runden das Angebot ab.

Testen Sie unser Angebot!


Anmeldung zum kostenlosen Newsletter "Börse - Intern"

  • Kostenloser Tagesbericht vom Börsenprofi Sven Weisenhaus.
  • Börsentäglich nach Börsenschluss direkt zu Ihnen ins Postfach.
  • Die Vertraulichkeit Ihrer E-Mail-Adresse ist für uns selbstverständlich.
  • Jederzeit wieder abbestellbar.

Jetzt hier anmelden:

Datenschutzhinweise anzeigen

Sie erhalten direkt im Anschluss eine E-Mail mit einem Bestätigungs-Link von uns zugesendet. Bitte bestätigen Sie Ihre E-Mail-Adresse durch einen Klick auf den Link in dieser E-Mail. Erst dann haben Sie sich vollständig angemeldet. Nach der Bestätigung Ihrer Anmeldung erhalten Sie den Newsletter "Börse - Intern" ab der nächsten Ausgabe.

Anmeldung zum kostenlosen Rohstoffdienst

  • Die ganze Welt der Rohstoffe in einem Newsletter.
  • Mehrmals pro Woche direkt per E-Mail kostenlosen zu Ihnen ins Postfach.
  • Die Vertraulichkeit Ihrer E-Mail-Adresse ist für uns selbstverständlich.
  • Jederzeit wieder abbestellbar.

Jetzt hier anmelden:

Datenschutzhinweise anzeigen

Sie erhalten direkt im Anschluss eine E-Mail mit einem Bestätigungs-Link von uns zugesendet. Bitte bestätigen Sie Ihre E-Mail-Adresse durch einen Klick auf den Link in dieser E-Mail. Erst dann haben Sie sich vollständig angemeldet. Nach der Bestätigung Ihrer Anmeldung erhalten Sie den Rohstoffdienst ab der nächsten Ausgabe.

Alle Angebote von Stockstreet.de

  • Logo Steffes Daily
  • Logo Der Rohstoffdienst
  • Logo Premium-Trader
  • Logo Hebel-XXL
  • Logo Investment-Strategie
  • Logo Aktien-Perlen
  • Logo Allstar-Trader
  • Logo Target-Trend-Spezial

Allstar-Trader

Das erwartet Sie

Allstar-Trader Cover

Vom Traden leben!

Aktien, Rohstoffe & Devisen
erfolgreich handeln!

von Bernd Raschkowski

Jetzt informieren und kostenlos testen!

Investment-Strategie

Das erwartet Sie

Investment-Strategie Cover

Ihr langfristig orientierter Börsendienst
für Vermögen und Wohlstand!

Die Strategie für Ihre Geldanlage!

von Torsten Ewert

Jetzt informieren und kostenlos testen!

Premium-Trader

Das erwartet Sie

Premium-Trader Cover

Erfolgreich Traden mit der
revolutionären Methode!

Zuverlässig und dauerhaft erfolgreich!

von Michael Jansen

Jetzt informieren und kostenlos testen!

Target-Trend-Spezial

Das erwartet Sie

Target-Trend-Spezial Cover

Tägliche Chartanalysen nach
der revolutionären Methode!

Zuverlässig und dauerhaft erfolgreich!

von Sven Weisenhaus

Jetzt informieren und Beispiele lesen!

Aktien-Perlen

Das erwartet Sie

Aktien-Perlen Cover

Der Börsendienst für die unentdeckten
Chancen an den Börsen der Welt!

Die Spreu vom Weizen trennen!

von Torsten Ewert

Jetzt informieren und kostenlos testen!

Hebel-XXL

Das erwartet Sie

Hebel-XXL Cover

Zocken aus Leidenschaft!

Begleiten Sie uns in
das Casino der Hebelprodukte!

von Michael Jansen

Jetzt informieren und kostenlos testen!