In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber angesichts der kalten Temperaturen und des Dauerregens in den vergangenen Tagen packt mich doch das Fernweh. ...
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Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber angesichts der kalten Temperaturen und des Dauerregens in den vergangenen Tagen packt mich doch das Fernweh. So erinnere ich mich daran, wie ich mir mein Leben als Trader vor knapp 15 Jahren vorstellte, als ich mit der Börse anfing.

Eins war mir damals sonnenklar: Mich trennten lediglich noch wenige Monate, vielleicht ein oder zwei Jahre, von einem Luxusleben im Süden – eine Yacht, viele wilde Partys, eine Villa – und zwischendurch ein zwei Trades, mit denen ich die Monatsausgaben schon zusammentraden würde.

Tja, die Wirklichkeit sah seltsamerweise irgendwie anders aus – ganz anders. Statt ein Leben in Saus und Braus folgte die größte Aktienkrise seit 25 Jahren, der 2000er Crash. Weitere drei Jahre später, als der DAX einen Boden ausbildete, absolvierte ich 12 bis 14 Stunden Trading-Tage und auch die Wochenenden verbrachte ich mit Chartanalysen und dem Studium der verschiedensten Tradingansätze. Mein Leben verwob sich mit der Börse und alles andere, Partys, Freunde, etc. rückte in den Hintergrund.

Damals dachte ich noch, ich hätte einfach nur Pech gehabt, so eine Phase zu erwischen. Heute weiß ich, dass Börse grundsätzlich alles andere als leicht ist. Es gibt keine Ausnahmen. Nahezu alle, die mit dem Traden anfangen, machen gewisse Stadien durch, die sich mehr oder weniger ähneln.

(Hinweis: Das folgende gilt nicht für Langfristanleger, sondern für kurzfristig orientierte Trader.)

Die Verführungsphase

Oft beginnt es damit, dass man zufällig oder gezielt anfängt, mit an der Börse zu spekulieren. Sehr verhängnisvoll ist es, wenn man ebenso zufällig erste Gewinne macht. Durch die Gewinne beeinflusst denkt man: Hey, hier kann ich ganz einfach und ohne großen Aufwand sehr viel Geld verdienen. Es scheint zuweilen, als hätte man den heiligen Gral des Reichtums gefunden. Wie dumm sind doch all diejenigen, die sich täglich in ihren Büros abrackern und doch nicht mehr verdienen, als sie zum Leben brauchen.

Der Verstand gibt sich in dieser Phase diversen Phantasien hin (s.o.), der Traumberuf „Trader“ ist gefunden.

Das Witzige ist, dass man in dieser Zeit trotz völliger Ahnungslosigkeit oft eine Weile ganz gut Gewinne machen kann, zum Beispiel wenn man zufällig einen guten und starken Trend erwischt.

Viel erstaunlicher ist aber, dass einige noch nicht einmal Gewinne machen müssen, um vom Börsenvirus infiziert zu werden. Diesen Anlegern reicht die theoretische Möglichkeit schon aus.

Die Sucht

Doch im Prinzip ist es nichts anderes als eine Sucht. Der Dealer (Börse) verschenkt ein paar Pröbchen, und auf einige Charaktere wirkt keine Droge stärker als die Börse. Der Trader hängt mit seinem ersten Trade an der Börsennadel und wird vielleicht niemals mehr davon los kommen.

Vielleicht meinen Sie, dieser Vergleich sei ein wenig krass. Doch zur Sucht gehört immer auch der Ruin. Und was sonst, als eine existenzielle Sucht, würde vernünftige Menschen dazu bringen, Vermögen, Haus und Hof an der Börse zu verzocken, um dann kleinlaut in einem Börsenboard die Frage aufzuwerfen: Wie erklärt ihr das eigentlich euren Frauen? (Das ist eine Frage, die ich im Jahr 2004 tatsächlich in einem Börsenboard gelesen habe.)

Und damit sind wir bei der zweiten Phase:

Die Ernüchterungsphase

Egal wie lange die erste Phase auch dauert, egal, wie viel Geld man in dieser verdient hat, irgendwann folgt die Ernüchterung. Auf einmal verliert man nur noch. Zunächst schwinden die Gewinne, dann das Vermögen. Der Frust und die Angst werden von Tag zu Tag größer. Es endet schließlich oft (leider) in existenzieller Panik – je nachdem, wie abhängig ein Trader von der Börse ist.

Diese Phase könnte man auch mit dem Spruch: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, überschreiben, denn genau das ist die Erkenntnis, die man in dieser Phase erleben muss. Denn erst dann wacht man auf und spürt, dass die Börse alles andere als leicht ist. Sie wird zum immerwährenden erschreckenden Begleiter: Am Tage, wenn man verzweifelt die Börsenkurse abfragt, in der Nacht, wenn Alpträume Zeichen der Seelenqual werden. Das erste, an was man denkt, wenn man aufwacht, ist die Börse und der letzte Gedanke, der einen in den Schlaf begleitet ist ebenfalls: Börse.

Um die Verluste zu vermeiden, wird in wilder Hektik versucht, das bisherige Unwissen durch Bücher, Internetanalysen, Seminare u.a. zu heilen. Alles wird ausprobiert, alles scheint der hilfreiche Strohhalm, der einen aus dieser Phase heraushelfen kann. Erfolgreiche Phasen, in denen man das Gefühl hat, endlich verstanden zu haben, werden von depressiven Phasen abgelöst, in denen wieder alles den Bach runter geht.

Doch so schlimm diese Phase auch sein mag, sie ist die lehrreichste und wichtigste Phase für einen Trader. Nur durch die Verluste lernt er die Gefahren kennen. Nicht gesetzte Stopps, Aktien zu weit ins Minus laufen lassen oder zu früh im Plus verkauft, nur um überhaupt mal wieder einen Gewinn zu realisieren. All diese Fehler sind notwendig. Sie brennen auf schmerzhafte Art und Weise die Grundregeln der Börse ins Gemüt. Es sind eben diese Regeln, die unverzichtbar sind, um nicht unterzugehen.  Regeln wie: „Verluste begrenzen“ und „Nicht jedem Massentrend hinterherhecheln“.

Auf der anderen Seite ist es auch die schönste Phase, denn es ist die leidenschaftlichste und intensivste. Wenn man noch vor Freude schreit, sobald man einen heiklen Trade im Gewinn abgeschlossen hat, oder wie ein Tiger im Käfig umherläuft, wenn ein Trade nicht so läuft wie geplant. Es ist diese Zeit, in der man lichterloh brennt für die Börse.

In dieser Phase hören allerdings die meisten Trader auf. Einfach weil sie bankrott sind oder weil sie die Verluste oder dieses mentale Hin und Her nicht mehr verkraften.

Und damit kommen wir dann zu dritten Phase:

Die Aufstiegsphase

Wer dies jedoch durchhält und dafür sorgt, nicht Bankrott zu gehen, dringt in die dritte Phase vor. Einer der entscheidenden Punkte, um in diese Phase zu gelangen, ist dabei die Bereitschaft, aus seinen Fehler zu lernen (und nicht immer anderen die Schuld zu geben). Und plötzlich, zunächst nur für einige Wochen und dann immer häufiger und regelmäßiger wird Geld verdient. Zwar unter dem Strich nur wenig, aber es ist eine deutliche gewinnbringende Verbesserung zu spüren.

Gleichzeitig mit dieser Entwicklung entsteht auch ein gewisses Bewusstsein, wie Börse funktioniert. Man hat die notwendigen Grundlagen verstanden und verinnerlicht. Es ist immer noch keine gute Zeit, es sind immer noch viel Kampf, Aufwand und viel Frustbereitschaft notwendig, diese Phase zu meistern. Immer noch muss man lernen, lernen, lernen. Doch es wird spürbar immer besser und besser.

Irgendwann in dieser Phase erreicht man den Break Even. Es läuft, und man könnte von der Börse leben.

Die Entspannungsphase

Und damit kommen wir zur letzten Phase: Die meisten Trader haben schon mindestens fünf bis zehn Jahre täglicher Beschäftigung mit den Börsen hinter sich, bevor sie diese Phase erreichen! Aber dann geschieht etwas, das alles verändert. Man könnte sagen, die Börsensucht erledigt sich selbst.

Denn die Intensität der Emotionen nimmt ab, man wird insgesamt gelassener. Natürlich können immer noch extreme, externe Ereignisse die Emotionen hochkochen lassen, aber im täglichen Dickicht des Börsendschungels bleibt man ruhiger und routinierter. Und gerade diese Gelassenheit in Verbindung mit der Erfahrung und der Intuition führen dazu, dass man häufiger richtig liegt als je zuvor.

Allerdings auch nicht immer. Es kommt auch weiterhin gelegentlich zu Verlusten oder man hat schlechte Monate. Wenn Ihnen jemand etwas anders erzählt, befindet er sich noch in Phase 1 – glauben Sie mir. Aber man nimmt Verluste nicht mehr so ernst – sie gehören dazu. Gelassen steigt man aus, wenn es nicht so läuft wie erwartet und sucht sich neue Einstiegchancen. Aber die große Leidenschaft, auch der Wahn, sind verschwunden. Klar, wenn es einmal längere Zeit nicht gut läuft, wird man immer noch nervös, das ist normal. Aber insgesamt ist das Traden viel entspannter. Es ist die Zeit, in der man auf Dauer erfolgreich arbeitet.

Und was ist mit dem Reichtum?

Aber „reich“ werden sie dann auch noch nicht – jedenfalls nicht so bald. Um das zu verstehen, ein etwas abgewandeltes Beispiel aus meinem Buch:  

(Hinweis: Es geht um Day-Traden mit Futures)

Es ist nämlich gar nicht so leicht, als Trader (der nicht bereits über ein großes Vermögen verfügt) jeden Tag aus der Börse einen durchschnittlichen Gewinn von 1.000 Euro zu ziehen – es ist sogar verdammt schwer. Denn gerade bei Futures muss irgendjemand diese 1.000 Euro auch verlieren. Da sich aber in diesen Märkten nur die Besten lange halten, haben Sie es mir einer starken Konkurrenz zu tun. Aber gehen wir einmal davon, es funktioniert:

Was glauben Sie, wie lange Sie brauchen, um Millionär zu werden, wenn Sie im Schnitt jeden Tag 1.000 Euro verdienen?

Genau, ca. vier Jahre. Wir gehen (um es einfach zu machen) von 250 Handelstage im Jahr aus, das sind also 250.000 Euro im Jahr oder eine Million in vier Jahren. Aber dann haben Sie noch nicht einen Cent Steuern oder anderes bezahlt. Bei (als Beispiel aufgerundet) 30 Prozent Steuern verbleiben Ihnen lediglich 175.000 Euro im Jahr. Dann dauert es schon knapp sechs Jahre bis zur Million.

Aber Sie müssen ja von diesem Geld auch noch Ihr tägliches Leben bestreiten. Gehen wir davon aus, Sie bleiben trotz des anwachsenden Vermögens sparsam und verbrauchen nur 35.000 Euro im Jahr (also nix Ferrari und Penthaus oder so), dann bleiben noch 140.000 Euro zum Ansparen für die Million. Damit brauchen Sie für die erste Million die berühmten sieben Jahre.

Einige behaupten, wirklich reich wäre man nur dann, wenn man über einen zweistelligen Millionenbetrag verfügt. Dem Beispiel folgend brauchen Sie dazu dann glatte 70 Jahre (lassen wir  Zinsen und andere Erträge ebenso weg wie die Tatsache, dass man mit einem größeren Vermögen auch mehr Geld beim Traden investieren könnte.)

Der Ausweg? Man muss die richtig großen Gewinne machen und durchhalten können, aber das ist ein ganz anderes Thema und davon ein anderes Mal mehr…

Ihr

Jochen Steffens


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