In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Herr Ewert hält heute in Berlin einen Vortrag zur Target-Trend-Methode und kann so nicht, wie gewohnt, den Montags-Text übernehmen. Nutzen wir ...
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Herr Ewert hält heute in Berlin einen Vortrag zur Target-Trend-Methode und kann so nicht, wie gewohnt, den Montags-Text übernehmen. Nutzen wir demnach den heutigen Tag mit der positiven Stimmung an den Märkten im Rücken dazu, ein wenig über die dunklen Tage eines Anlegers zu schreiben:

Jeder Mensch hat eine gewisse Leidensfähigkeit, gepaart mit der Bereitschaft, sich in Geduld zu üben. Jeder Mensch verfügt zudem über die Fähigkeit zu hoffen. All diese drei Punkte zusammen gehören zu den Eigenschaften, die beim Handel mit Aktien viele Menschen in den Ruin getrieben hat.

Schritt eins ins Verderben:

Ein Anleger kauft eine Aktie in der Hoffnung, sie würde steigen. Vielleicht hat er sich mit dem Unternehmen auseinandergesetzt, sicher aber ist er überzeugt, einen guten Kauf getätigt zu haben. Nur leider sehen das einige Anleger ganz anders, denn sie verkaufen diese Aktie, der Kurs fällt.

Im noch vergleichsweise entspannten Gehirn des Anlegers formen sich beruhigende Sätze: „Gut, den perfekten Einstieg, wann findet man den schon. Man muss einer Aktie Zeit geben, sich zu entwickeln. Das wird schon…“

(Andere Variante: Die Aktie steigt zunächst und fällt dann – das ist vielleicht sogar noch gefährlicher)

Zu diesem Zeitpunkt hat die Hoffnung, eine wirklich gute Aktie im Depot zu haben, vielleicht ein paar kleine Kratzer erhalten, bleibt aber fest zementiert und unbestritten.

Schritt zwei ins Verderben:

Eigentlich hatte der Anleger sich vage vorgenommen, einen Stopp zu setzen oder auszusteigen, wenn die Aktie ein gewissen Prozentsatz gefallen ist. Dieses Niveau ist nun auch erreicht, vielleicht ein wenig zu schnell.

In so einer Situation übt sich der noch nicht wirklich leidgeprüfte Anleger in hoffnungsvollen Thesen: „Jetzt muss ja bald eine Gegenbewegung einsetzen, die Aktie ist so schnell gefallen! Wenn ich jetzt verkaufe, war es bestimmt wieder das Tief! Jetzt auszusteigen wäre Unsinn, schließlich handelt sich um eine fundamental gut aufgestellte Aktie – da kann eigentlich nichts schief gehen – auf lange Sicht.“

Trotzdem verliert der Anleger ein wenig das Vertrauen in die Aktie, und so wird er schnell im Internet recherchieren, ob seine Aktienauswahl auch wirklich richtig gewesen ist. Verzwickterweise neigt ein Anleger in so einer Situation zu einem Phänomen, dass in der Psychologie als „Selektive Wahrnehmung“ beschrieben wird. Mit anderen Worten: Er wird nur die guten Analysen lesen, die Meinungen, die ihn bestätigen. Kritische Stimmen wird er, verunsichert wie er inzwischen ist, gar nicht erst lesen, lesen wollen. Schlimmstenfalls wird er die Kritiker als Scharlatane oder völlig Ahnungslose beschimpfen. Durch die scheinbar vielen positiven Analystenkommentare (die sich eigentlich immer zu fast jeder Aktie finden lassen) beruhigt, setzt er darauf, dass sich die Aktie doch noch erholen wird und er bald wieder im Plus ist. Der Stopp ist vergessen! „Wozu auch Stopps, das führt ja zu nix! Wie oft ist man schließlich zuvor unglücklich ausgestoppt worden?“

Schritt drei ins Verderben:

Es kommt, wie es kommen muss. Die Aktie fällt weiter! Schließlich ist der heutige Text mit dem Wort: „Kapitulationspunkt“ überschrieben. So langsam gerät der Anleger in gepflegte Panik. Die Verluste sind mittlerweile derart angewachsen, dass es weh tut, wirklich weh. Aber soll man jetzt noch, wo die Aktie bereits XY % gefallen ist, verkaufen? Das macht doch keinen Sinn!

Nein, jetzt muss man durchhalten. Aus der ursprünglichen Hoffnung, die Aktie im Gewinn zu verkaufen, ist jetzt eine Notfallhandlungsanweisung geworden: Der Anleger will die Aktie verkaufen, wenn der Verlust nicht mehr ganz so schmerzhaft ist! Sie muss ja nicht mehr ins Plus laufen, aber wenn sie wenigstens einen Teil der Verluste wieder gutmachen würde!

Schritt vier ins Verderben:

Die Aktie erholt sich! Endlich! Nach den höchst angespannten Wochen kann er nun endlich wieder aufatmen. Sie steigt und steigt. „Juhu!“

Aber leider tickt der Mensch anders – selten vernünftig. Statt jetzt zu verkaufen, wie ursprünglich gedacht (siehe Notfallhandlungsanweisung) führt die nachlassende Anspannung dazu, dass der Anleger auf die wahnwitzige Idee kommt, die Aktie vielleicht doch erst dann zu verkaufen, wenn sie wieder im Plus steht oder zumindest auf Kaufkurs, dann, wenn kein Minus mehr im Depot zu erkennen ist. Mit dem steigenden Aktienkurs klettert schließlich auch die Zuversicht des Anlegers.

Der fünfte Schritt ins Verderben:

Doch plötzlich dreht die Aktie wieder und der Kurs sinkt. Eine kleine Konsolidierung in der Erholungsrally? Jetzt nur nicht die Nerven verlieren! Die kommt schon wieder auf die Beine. Doch genau das geschieht nicht. Sie fällt weiter.

Der Anleger grübelt, was zu tun ist. Es werden neue vage Pläne geschmiedet: „Wenn sie das bisherige Tief nach unten verlässt, müsste man sie verkaufen (übrigens das tun dann tatsächlich einige – aber wir wollen den Extremfall).“

Doch dann geschieht das Unvorstellbare: Die Aktie fällt in wenigen Stunden nicht nur unter das Tief, sondern wird direkt brutal weiter nach unten durchgereicht. Der Schock lässt den verzweifelten Anleger erstarren. Unfähig zu handeln schaut er zu, wie die Aktie immer tiefer fällt und fällt. Jetzt ist der Verlust mittlerweile so groß und schmerzhaft, dass er es nicht wagt, ihn zu realisieren. Es bleibt eine vage, aber verzweifelte Hoffnung, dass die Kurse sich wie durch ein Wunder doch noch erholen.

Der sechste Schritt ins Verderben:

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt wendet sich der Anleger an andere, vielleicht erfahrene Börsianer. Aber was sollen die in so einer Situation empfehlen? Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen, und hier kann man nicht mehr viel tun.

Ich empfehle in solchen Situationen (oder bereits schon deutlich früher), Druck aus der Position zu nehmen, indem man Teilverkäufe vornimmt. Das ist allerdings eher eine Art psychologischer Trick und zwar aus folgendem Grund: Verkauft man einen Teil, und die Aktie steigt wieder, so kann man mit der verbliebenen Position die Verluste verringern. Fällt die Aktie hingegen weiter, so sind wenigstens die Verluste kleiner und man kann ab einem bestimmten Punkt auch noch eine weitere Teilposition verkaufen. Die letzte Position wandelt sich dann im schlimmsten Fall in eine Langfristposition. Ich weiß, das ist keine befriedigende Lösung, aber die eigentlichen Fehler wurden schließlich schon wesentlich früher gemacht.

Einem erfahrenen Trader würde ich allerdings etwas anderes empfehlen: Er sollte sofort komplett aussteigen, denn als Trader muss man Konsequenz lernen. Der Verlust ist ein Schmerz, der ihn daran hindern wird, noch einmal solche Fehler zu begehen. Er sollte dann diese Aktie für lange Zeit meiden und sich neuen Tradingideen zuwenden, die ihm ermöglichen, den Verlust in einigen Wochen / Monaten wieder aufzuholen.

Doch folgen wir weiter dem armen Anleger in seiner Verzweiflung: Die Kurse fallen unaufhörlich, die Stimmung sinkt auf Depressionsniveau. Da wird mit sich selbst gehadert oder die Schuld bei allen anderen gesucht, dem Management, dem Staat, den Notenbanken, oder was sonst gerade passt und dann kommt er: der Kapitulationspunkt.

Der endgültige Schritt ins Verderben: Der Kapitulationspunkt

Irgendwann reißen die Nerven und der Anleger verkauft (andere Variante: er legt die Position ins Ultra-Langfristdepot). Interessanterweise scheinen viele Menschen häufig gleichzeitig diesen „Kapitulationspunkt“ zu erreichen. In Indizes kann man das sehr schön erkennen: Gerne enden lange Abwärtstrend in einem Sell Off – einer Verkaufspanik. Das sind Tage, an denen die Kurse unkontrolliert einbrechen und das unter sehr hohem Volumen, einfach weil alle, die so lange gewartet haben, nun auch verkaufen. Auf der anderen Seite scheinen keine Käufer mehr am Markt zu sein und so entsteht im Chart eine lange rote Kerze bei hohem Umsatz. Und genau dann ist das Tief erreicht und die Kurse drehen nach oben.

Es ist wirklich seltsam, wie gleichgeschaltet der Mensch in diesen Momenten agiert. Sehr schön können Sie das auch bei einem Stau auf der Autobahn beobachten, dann wenn eine Spur schneller vorwärtskommt. Zunächst wechseln nur einige die Spur, doch irgendwann brechen plötzlich sehr viele gleichzeitig aus, um auf die schnellere Seite zu kommen. Also alter Trader wissen Sie aber, dass genau das der Zeitpunkt ist, die Spur eben nicht zu wechseln – schließlich wird die eigene Spur ja gerade von Autos befreit …

Ein anderes sehr schönes Beispiel sind Schlangen an Supermarktkassen, wenn irgendetwas beim Kassieren schief läuft.

Nach dem Schmerz kommt der Gewinn

Wenn Sie lange an den Börsen tätigt sind, lieben Sie Kapitulationspunkte. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, sehr schnell viel Geld zu verdienen. Aber das kann eben nur derjenige, der genau den oben beschriebenen Fehler bereits ein oder mehrere Male gemacht hat. Nur er wird die Dynamik verstehen.

Wo lag der Fehler?

Und zum Schluss müssen wir natürlich noch aufklären, welchen Fehler der oben beschriebene Anleger gemacht hat. Die meisten von Ihnen werden es bereits wissen. Wenn Sie den Text genau gelesen haben, werden Sie feststellen, dass der Anleger zu keinem Zeitpunkt einen klaren Tradingplan entworfen hatte. Es gab nur einen vagen Stopp und auch als die Position in Schieflage geriet, wurden zwar reihenweise neue Pläne geschmiedet, aber es fehlte die Konsequenz, sie umzusetzen.

Das Problem dabei ist: Wenn ein Anleger einen Trade eingeht und dann etwas schief läuft, funktioniert sein Gehirn nicht mehr richtig. Er gerät in eine Art „Trance-Zustand“, indem sachliche und vernünftige Entscheidungen kaum noch möglich sind. Sie sollten also bereits vor jedem Trade einen ganz klaren Plan erstellen: (Beispiel) Ich will die Aktie X zu 9,90 Euro kaufen. Ich werde sie verkaufen, wenn Sie unter 8,87 Euro fällt (niemals einen Stopp auf geraden Marken setzen). Mein Kursziel liegt bei 12,30 Euro.

Am Anfang wird man sich aber trotzdem nicht immer daran halten. Aber mit den Jahren werden Sie die Erfahrung machen, dass es einfach zu weh tut, vom Plan abzuweichen. Mit der Zeit weiß man einfach, wovor man sich schützen muss und Konsequenz ist einer der Grundpfeiler des Börsenerfolges.

Aber, selbst als erfahrenem Trader wird es Ihnen passieren, dass Sie immer mal wieder alle Pläne und Vernunft und all ihr Wissen in einem schwachen Moment der Börse opfern …

Viele Grüße

Ihr

Jochen Steffens

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