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Inhaltsverzeichnis

Anstieg im Nikkei bereitet keine richtige Freude

Da hierzulande in den Indizes nicht viel geschieht, wenden wir uns anderen interessanten Regionen zu.  Der Nikkei ist in den vergangenen Wochen, genau seit dem 13.11.2012 um 27 % von zuvor 8.619 Punkte auf im Hoch 10.952 Punkte gestiegen. Das weckt natürlich Begehrlichkeiten. Der Blick vieler Anleger geht nun in Richtung Japan.

 

Der starke Anstieg hat zumindest dazu geführt, dass der seit drei Jahren etablierte Abwärtstrend nach oben gebrochen wurde. Nach dem steilen Anstieg wird es jetzt zu einem Rücksetzer kommen – aber danach sollte die Aufwärtsbewegung fortgesetzt werden. Muss man also nun in Japan investieren? Dazu gleich mehr.

Ein Politikwechsel

Hintergrund dieses Anstiegs ist der Politikwechsel in Japan. Der alte und nun wieder neue Ministerpräsident Shinzo Abe setzt wieder auf eine Lockerung der Ausgabenpolitik, um aus dem Teufelskreis zwischen schwachem Wachstum und sinkenden Preise (Deflation) herauszukommen, der Japan seit 20 Jahren im Griff hat. So legte die neue japanische Regierung beispielsweise in der vergangenen Woche ein umfangreiches Konjunkturprogramm von 90 Mrd. Euro auf – Geld, das die Regierung aufgrund der hohen Verschuldung eigentlich gar nicht hat.

Diese Politik führt damit also zu einer Schwächung des Yens – das ist gut für die Exporte, und so ziehen in erwartungsfroher Vorfreude die Kurse der japanischen Unternehmen, allen voran die der Exportunternehmen, an.

 

In diesem Chart sehen wir den eigentlichen Hintergrund für den Kursanstieg des Nikkei – die deutliche Schwächung des Yen (hier im Vergleich zum Dollar, der dadurch ansteigt).

Eine neue, alte Politik

Aber es gibt ein kleines Problem. Derartige Maßnahmen sind nichts Neues. Sie wurden schon verschiedene Male versucht – ohne Erfolg. Warum also sollte das jetzt fruchten? Und genau das kritisieren viele Analysten – Japan fällt nichts Neues ein.

Der Währungskrieg

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Wenn Sie den Steffens Daily schon länger lesen, wissen Sie, dass ich seit vielen Jahren davon schreibe, dass es einen weltweiten Wettlauf um die Abwertung der eigenen Währung gibt. Die Länder versprechen sich Wettbewerbsvorteile  auf dem Weltmarkt. Das Problem ist, wenn sich alle Länder an diesem Wettlauf um eine schwächere Währung beteiligen, funktioniert das Spiel nicht mehr. Kurzfristig wird derjenige gewinnen, der es am extremsten betreibt. Doch es hat auch Nachteile – die schwachen Währungen werden mit einer Ausweitung der Staatsverschuldung erkauft und diese kann, wie unlängst in Europa gesehen, mittelfristig zur Staatskrise führen. Es ist also ein Pyrrhussieg, da alle Beteiligten zum Schluss in etwa gleich geschwächt aus dem Fiasko hervorgehen.

Das Problem für den Anleger

Und hier verbirgt sich auch das Problem für den Anleger – das direkt auch die oben aufgestellte Frage beantwortet, ob man nun in Japan investieren soll. Der Yen fällt nämlich nicht nur zum Dollar, sondern natürlich auch zum Euro. Und deswegen stellen wir doch einfach mal den Nikkei in Euro da. So sehen wir, welchen Gewinn ein europäischer Anleger gemacht hätte, der im Oktober in den Nikkei eingestiegen wäre:

 

Tja, und da sieht das Bild schon ganz anders aus. Von dem großen Anstieg und dem Ausbruch ist hier nichts zu erkennen. Und der kleine Einbruch der vergangenen Tage, den man im ersten Chart oben erkennt, hat in diesem Chart hier schon einen Großteil des kleinen Anstiegs seit Oktober aufgefressen.

Eine direkte Investition in den Nikkei hätte keine richtige Freude gemacht. Man wäre an den Währungseffekten verhungert. Um das zu vermeiden, hätten Sie also währungsgesichert einsteigen müssen.

Das eigentliche Problem ist tatsächlich, dass dieser Aufwärtstrend nicht im Nikkei, sondern in der Währung verursacht wurde. Und nach der alten Regel, dass man immer im primären Markt der Entwicklung investieren sollte, müsste man also direkt in die Währung investieren. Und dann wäre der Trade auch für einen europäischen Trader aufgegangen (siehe zweiten Chart). Sofern das Spiel weitergeht, sollte man auch diesen Markt für weitere Investitionen nutzen.

Kurz: Direkt im Nikkei zu investieren oder in japanische Unternehmen ist aufgrund der Währungseffekte unsicher. Entweder Sie investieren in währungsgesicherte Derivate (sofern vorhanden) oder aber Sie hoffen darauf, dass sich die Entwicklung im Yen fortsetzt und spekulieren auf der Währungsseite gegen den Yen.

Viele Grüße 

Ihr

Jochen Steffens

www.stockstreet.de

PS: Der Markt wurde dann im weiteren Verlauf von positiven US-Konjunkturdaten getrieben. Dazu weiter unten unter "US-Konjunkturdaten" im Steffens Daily mehr.


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US-Konjunkturdaten

Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA ist um 37.000 auf 335.000 gefallen. Das ist ein Fünfjahrestief!

Schwierig abzuschätzen ist, ob das immer noch eine Gegenbewegung zu den Auswirkungen des Hurrikan Sandys ist. Sollte sich dieser Trend jedoch fortsetzen, wäre es eine beachtliche Trendwende im US-Arbeitsmarkt. Dazu sollten wir aber die kommenden Zahlen abwarten.

 

Auch der Immobiliensektor boomt. So ist die Zahl der Baubeginne im Vergleich zum Vormonat um 12,1 Prozent auf 954.000 gestiegen. Das ist der höchste Wert seit Juli 2008. Analysten hatten lediglich einen Anstieg um 3,4 Prozent erwartet. Auf Jahressicht liegen die Baubeginne sogar um 36,9 Prozent höher.

Hier zeigt sich die Trendwende schon sehr deutlich, auch wenn die tatsächlichen Zahlen uim Vergleich mit dem Jahr 2005 noch sehr, sehr niedrig sind (siehe Diagramm).

Die Zahl der erteilten Baugenehmigungen ist allerdings nur um 0,3 Prozent auf 903.000 gestiegen. Hier hatten die Analysten mehr erwartet, nämlich 0,6 Prozent. Da die Baugenehmigungen als Vorlaufindikator für die künftige Bauaktivität zu sehen sind, trübt diese Zahl das Bild wieder etwas ein.

In diesem Diagramm erkennen Sie, das sich ein stabiler Aufwärtstrend ausbildet, wenn auch noch immer auf niedrigem Niveau. Trotzdem ist diese Entwicklung im Immobiliensektor in der Lage, auch nachhaltig positiven Einfluss auf die US-Konjunktur zu nehmen.

 

Der Philly-Fed Index, der die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe in der Region Philadelphia abbildet, ist von 4,60 Punkten im Dezember auf nunmehr minus 5,8 Punkte gefallen und weißt damit auf eine Kontraktion des verarbeitenden Gewerbes hin.

Insgesamt überzeugende Zahlen, wenn auch der Philly Fed ein wenig aus der Reihe tanzt. Im Diagramm erkennen Sie aber, dass es sich zurzeit um eine Fluktuation um die 0 Linie handelt. Die Werte haben damit wenig Aussagekraft.


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