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Nerven wie Drahtseile

Ausgabe vom 30.08.2012

Inhaltsverzeichnis

Nerven wie Drahtseile

Ich wollte Sie selbstredend nur testen – ob Sie auch wirklich aufpassen! Unter gar keinen Umständen ist mir ein Tippfehler oder sogar ein Rechenfehler unterlaufen. Wo denken Sie hin?

Sie haben aufgepasst! Vielen Dank für die sehr, sehr vielen und überwiegend sehr freundlichen Hinweise, dass mir im gestrigen Steffens Daily ein Fehler unterlaufen ist. Um es eindeutig klar zu stellen: Der Dow Jones ist von den 80er bis zum Jahr 2000 natürlich um 900 %, nicht etwas um 9000 %, wie ich fälschlicherweise geschrieben hatte, angestiegen. Ich war offensichtlich so sehr darauf konzentriert, nicht die gefühlt naheliegende Zahl „1000 %“ zu schreiben, dass ich diesen Fehler nicht bemerkt habe. Ich bitte um Verzeihung.

Zum Markt:

Der DAX kämpft immer noch mit der 7.000er Marke, zeigt sich aber gerade etwas schwächer. Offensichtlich wird hier das mögliche Enttäuschungspotenzial im Zusammenhang mit Jackson Hole eingepreist. Der Fahrplan: "Fluktuation um die 6959-Punkte-Marke bis zum gelben Target" ist damit aber immer noch im Spiel.

Kommen wir so zum dritten und letzten Teil im Zusammenhang mit dem Thema: „Große Rally voraus“.

Die eigentliche Rally

Werfen wir einen Blick auf die große Rally, die bis zum Jahr 2000 andauerte:

 

Sie sehen, dass das letzte Tief vor dieser Rally das Crash-Tief 1974/1975 gewesen ist. Doch der eigentliche sehr beeindruckende Aufwärtstrend startete erst 1982. Doch glauben Sie nicht, dass es einfach gewesen wäre, diesen doch so klar erkennbaren Aufwärtstrend auch wirklich ganz mitzuspielen. Nein, dazu brauchten Sie Nerven wie Drahtseile.

Der 87er Crash

Wenn Sie sich diesen Chart anschauen, so scheint der 1987er Crash (roter Pfeil) zum Beispiel nichts weiter als eine normale Konsolidierung in einem großen Trend zu sein. Doch wie würden (oder haben) Sie sich gefühlt haben, als am 19. Oktober 1987 der Dow Jones um über 20 Prozent oder 500 Punkte an einem Tag einbrach?  Insgesamt kam es vom Hoch am 25.08.1987 bis zum Tief am 20.10.1987 zu einem Kursverlust von über 1100 Punkten. Der Index fiel damit um 41 %. Es dauerte knapp zwei Jahre, bis der Dow Jones das Hoch wieder erreichte und drei bis vier Jahre, bis er dieses Niveau endgültig nach oben verlassen konnte.

Ungemütliche Zeiten

Stellen Sie sich also vor, Sie sitzen gemütlich beim Kaffee, und dann bricht an einem solchen „Schwarzen Montag“ der Markt ein. Doch nicht nur das, in den folgenden Tagen geht dieser Kurseinbruch weiter. Sie haben seit einigen Jahren Stückchen für Stückchen sehr langfristige Positionen gekauft – und vielleicht rutscht sogar die Performance der Gesamtposition durch diesen Einbruch ins Minus! Wie soll man da die Nerven behalten?

Die Tretmühle der Negativschlagzeilen

Doch noch schlimmer werden eben diese drei bis vier Jahre nach dem Crash – falls Sie im Crash noch nicht verkauft haben. Es beginnt eine Art Gehirnwäsche, denn in dieser Zeit werden all die Themen, die diesen Crash verursacht haben oder haben könnten, in den Medien rauf und runter diskutiert. Und natürlich gehören in dieser Zeit die Untergangspropheten zu den beliebtesten Gästen in den Talkshows. Ja, alle sind sich einig: Das war erst der Anfang, es wird noch viel schlimmer kommen.

Es sind immer gewichtige Themen

Aber was waren es auch für gewichtige Themen, welche die Börsianer damals, natürlich erst nach dem Crash, mit Angst und Sorge erfüllten: Die enorme Ausweitung der US-Staatsverschuldung, das extreme Handelsbilanzdefizit, die massive Abwertung des Dollars, Inflation. Das alles wurde damals diskutiert. Nebenbei - kommen Ihnen diese Themen nicht irgendwie bekannt vor?

1987 schienen auf einmal all die Sorgen, die in der vorherigen großen Seitwärtsbewegung die Märkte belastet hatten, wieder aufgekocht, und neue kamen hinzu. Es gab damals wirklich nur sehr wenige Analysten, die damit rechneten, dass der Dow Jones zwölf Jahre später bei der 10.000-Punkte-Marke stehen würde. Sehr viele rechneten vielmehr mit einem Zusammanbruch der amerikanischen Währung.

Aber wie soll man es auch wissen?

Genau das ist das Problem. In dieser Rally werden viele „Crashs“ auftreten – schließlich gab es noch einige andere heftige Abwärtsreaktionen in dieser großen Aufwärtsbewegung. Die Medien werden derweil immer und immer wieder Negativschlagzeilen veröffentlichen– schließlich verkaufen diese sich einfach besser.

Und Sie als Anleger müssen all dem trotzen und mit scheinbar verrückten Verhalten reagieren: So sollten Sie, wenn die Börsen crashen, einen Kaffee trinken gehen und das Radio ausschalten. Oder sich direkt schlafen legen und erst in 10 bis 15 Jahren wieder aufwachen (In Anlehnung an Weisheiten von Kostolany).

Das Problem, mit der Börse reich zu werden, ist, dass man immer das tun muss, was dem gesunden Menschenverstand zu widersprechen scheint. Aber genau das ist der Grund, warum an den Börsen etliche viele Geld verlieren, die meisten nicht wirklich Geld damit verdienen und nur sehr wenige tatsächlich ein Vermögen machen. Abseits der Masse zu stehen, ist hart – schließlich mag das die Masse nicht.

Und so ist eines sicher: Um an der Börse Erfolg zu haben und um diese Rally wirklich mitzumachen (sofern sie kommt), werden Sie Nerven wie Drahtseile brauchen…

Viele Grüße

Jochen Steffens


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US-Konjunkturdaten

Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA bleiben zum Vormonat unverändert bei 374.000. Analysten hatten mit einem Rückgang auf 370.000 Stellen gerechnet.

Der Markt reagierte auf diese Veröffentlichung enttäuscht - wobei dies alles keine wirklich relevanten Entwicklungen sind.

Die Konsumausgaben legten im Juli um 0,4 Prozent zu. Analysten hatten im Konsens mit einem Anstieg um 0,5 Prozent gerechnet, nach einem unveränderten Wert zuvor. Auch hier eine leichte Enttäuschung. Allerdings ist für die extrem kosumabhängige US-Wirtschaft natürlich grundsätzlich gut, dass die Konsumausgaben ansteigen.


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