In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Ich darf ehrlich sein, das Jahr 2011 nervt – aus Börsensicht. Aber das geht wohl nicht nur mir so. Egal mit wem ich spreche, die Kommentatoren ...
Börse - Intern ist ein börsentäglicher Newsletter vom Börsenprofi Sven Weisenhaus. Sollten Sie diesen kostenlosen Newsletter noch nicht beziehen, können Sie sich → hier anmelden.


Inhaltsverzeichnis

Der Fluch der Analysten

Ich darf ehrlich sein, das Jahr 2011 nervt – aus Börsensicht. Aber das geht wohl nicht nur mir so. Egal mit wem ich spreche, die Kommentatoren und Analysten sind unzufrieden und das zu Recht.

Ich habe viele Jahre damit verbracht, wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und deren Auswirkungen auf die Börse zu analysieren. Auf Grundlage dieses Wissen ist es möglich, im größeren Zusammenhang Kursentwicklungen vorherzusagen: Aufwärts-, Abwärts- und Seitwärtstrends.

Dabei gibt es meines Erachtens tatsächlich eine Vielzahl von Hilfsmitteln und Analyseansätzen, die zu befriedigenden Ergebnissen führen - also die Eintrittswahrscheinlichkeit der jeweiligen Prognose drastisch erhöhen.

Unvorhersehbarkeit der Ereignisse

Doch zurzeit werden die Märkte von anderen Faktoren getrieben. Die Krisen am Anfang des Jahres waren schwer einzuschätzen. Ein GAU in einem japanischen Atomkraftwerk und auf einmal wird  die Wetterlage in Japan für den weiteren Kursverlauf der Weltbörsen wichtiger als diverse US-Konjunkturdaten. Doch wer kann schon das Wetter vorhersehen?

Euro-Krise ohne Richtung

Und dann diese leidige Euro-Krise. Griechenland, Portugal, Spanien, Italien, Irland … Bei der großen Anzahl von Krisenherden mag mancher mutlos werden. Eigentlich müsste der geneigte Analyst sich zurzeit mit der wirtschaftlichen Entwicklung von fünf und mehr EU-Staaten auseinandersetzen, statt sich wie früher schön auf die US-Konjunktur zu konzentrieren. Mal abgesehen davon, dass die Flut der Zahlen kaum zu bearbeiten wäre - es ist nicht einmal gewährleistet, dass es etwas bringt.

Denn niemand weiß, wie die EU, der IWF und andere mit diesen Problemen letztendlich umgehen. Auch das ist ähnlich unvorhersehbar wie das Wetter in Japan.

Lösungen, die keiner will

Natürlich gäbe es praktikable Lösungen, wie zum Beispiel die einheitliche Euro-Anleihe, aus der sich diese Staaten unter entsprechenden Auflagen zu akzeptablen Zinsen bedienen können. Schnell wäre den Spekulationen der Boden entzogen und ohne Frage würden Länder wie China u. a. eine solche Anleihe massiv nachfragen. Aber diese Lösung ist zurzeit in der EU verständlicherweise noch nicht konsensfähig. Staaten mit einem Triple-A-Rating, wie zum Beispiel Deutschland, müssten unter Umständen höhere Zinsen bei der Finanzierung ihrer Kredite zahlen – das soll vermieden werden. Nicht nur, weil dann sicherlich der Euro eine massive Rally hinlegen würde, nein, diese Länder müssten auch auf die Rendite verzichten, die sie dadurch verdienen, dass sie den angeschlagenen Ländern Kredit gewähren - aber das ist ein anderes Thema.

Bei den Problemen in Europa geht es demnach weniger um die Frage der wirtschaftlichen Zusammenhänge, sondern darum, welche Entscheidungen getroffen werden, und das ist aufgrund der hohen Anzahl der Beteiligten wiederum ähnlich schwierig zu prognostizieren wie das Wetter nach einem Atomunglück …

Der Analysten-Fluch

Und so scheint es, als läge zurzeit eine Art Fluch auf den Börsenanalysten. Egal was Sie schreiben oder behaupten, egal welche Meinung sie vertreten, diese kann jederzeit von einem Tag zum anderen ad absurdum geführt werden.

Zwar scheinen die Märkte, besonders in den USA, zurzeit verunsichert zu sein, aber wenigstens sind sie noch weit ab jedweder Panik. Und so sind zurzeit noch Gewinne möglich, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. Aber so langsam wäre es wünschenswert, dass wieder etwas mehr Ruhe einkehrt. Und so sehne ich mich nach den „alten“ Zeiten zurück, in denen es hauptsächlich um die wirtschaftliche Entwicklung in den USA und deren Auswirkungen auf die Börse geht.

Wenn Sie also zurzeit ein ähnlich unzufriedenes und etwas verunsichertes Gefühl plagt, seien Sie beruhigt, Sie sind in guter Gesellschaft – nur, die wenigsten Analysten werden es offen zugeben …

Charts, Charts, Charts

In  letzter Konsequenz kann man in solch undursichtigen Phasen eigentlich fast nur noch auf die Charts achten – auch wenn selbst die Charttechnik aufgrund der bestehenden Unsicherheiten schlechtere Ergebnisse erzielt als sonst. Somit bleibt nur noch, dass Sie zurzeit mit erhöhter Vorsicht agieren sollten. Wie ich schon einmal vor einigen Wochen geschrieben habe: Es gibt wesentlich bessere Phasen, in denen man an den Börsen Vollgas geben kann. Jetzt ist Tempo 30 mit den Fingern an der Handbremse angesagt …

Einige Fragen zum gestrigen Text

Da ich nach dem gestrigen Text einige Mails mit Fragen zu dem Gap (Kurslücke) im DAX erhalten habe, will ich direkt hier im Steffens Daily darauf eingehen.

Frage 1: Wieso schreiben Sie, dass das Gap geschlossen wurde, es fehlen doch noch 10 Punkte.

Es stimmt, das Hoch der Kerze vom Donnerstag lag bei 7.217,24 Punkten, das Tief am 20.05.2011 und damit die Gap-Oberkante liegt bei 7228,13 Punkten. Zum wirklichen Gap-Schluss fehlen somit genau  10,89 Punkte. Es stellt sich also folgende Frage:

Frage 2: Wenn Sie in diesem Fall von Gap-Schluss schreiben, ab wie vielen Punkten Differenz gilt ein Gap noch als geschlossen?

Sehr gute Frage, die allein deswegen so gut ist, weil ich sie nicht zufriedenstellend beantworten kann. Eigentlich ist das Gap nicht geschlossen – das ist Fakt. Aber es gibt wie bei allen charttechnischen Marken eine gewisse Unschärfe. Es ist die Frage, ab wann ein Widerstand gebrochen wurde, wann eine Unterstützung erfolgreich getestet wurde, etc. Hier müssen Sie tatsächlich ein wenig gelassener an die Sache herangehen – eine genaue Faustregel abzuleiten wurde oft versucht, ist aber meines Erachtens Unsinn. Hier hilft vielleicht, sich diese Gaps oder Widerstände im Tageschart anzusehen und wenn diese Differenz mit bloßem Auge kaum noch zu erkennen ist, sollte sie eigentlich nichtmehr relevant sein.

Frage 3: Wie wird ein Gap genau definiert? Schlusskurse oder die Tiefst- und die Höchstkurse? Was ist richtig?

Interessanterweise haben verschiedene Analysten zu diesem Thema auch verschiedene Ansichten. Meines Erachtens hängt es unter anderem davon ab, welche Charts analysiert werden. Mittlerweile haben sich die Candlestick-Charts, die wir auch im Steffens Daily und unseren Börsendiensten verwenden, eingebürgert. Im Gegensatz zu den Schlusskurs-Charts ermöglichen sie auch noch zu beurteilen, was Intraday am jeweiligen Handelstag geschehen ist. Dadurch ist auch bei Gaps eine höhere Genauigkeit möglich. Wenn Sie also mit Candlesticks arbeiten, bleiben eigentlich nur noch zwei Varianten, die eng zusammenhängen:

Um eine Kurslücke im Chartbild herauszubilden, braucht es zwei Kerzen. Diese beiden Kerzen müssen so weit auseinander liegen, dass zwischen Ihnen auf der Y-Achse (Kursachse) eine Lücke (Gap) entsteht. Daraus resultiert folgendes:

Für die erste Kerze, die vor dem Gap ausgebildet wird, ist das Tageshoch/Tagestief entscheidend, nicht jedoch der Schlusskurs. Für die neue Kerze des nächsten Tages ist logischerweise zunächst der Eröffnungskurs relevant. Hier entsteht das Gap. Aber dieses Gap kann logischerweise im weiteren Verlauf des Handelstages bereits geschlossen werden. Sprich, sobald die zweite Kerze geschlossen ist, wird auch bei dieser Kerze das Extrem (Tageshoch oder -tief) relevant. Hilfreich kann es sein, sich den Kursverlauf auf einer Zeitebene niedriger anzusehen, also im Stundenchart. Hier erkennt man die Ausmaße des Gaps dann meistens deutlicher.

Doch, das ist meine Ansicht – andere Ansichten sind durchaus auch vertretbar!

Im DAX-Stundenchart sieht man die Kurslücke deutlicher und erkennt auch, wie wenig relevant die verbleibenden 10 Punkte sind.

 

Frage 4: Im DAX und anderen Indizes wurden in diesem Jahr viele Gaps gerissen, werden diese alle noch geschlossen?

Hintergrund dieser Frage ist die charttechnische Regel, dass Gaps geschlossen werden. Und das stimmt auch, wobei das etwas abhängig von den Indizes und den Marktphasen ist. Ich hatte hier vor einigen Jahren einmal belegt, dass im Nasdaq100 weit mehr als 90 % aller Gaps geschlossen werden. In anderen Indizes, zum Beispiel im DAX, ist die Quote nicht so hoch. Doch in den vergangenen Monaten haben wir eine inflationäre Zunahme von Gaps gesehen. Das hängt mit der unsicheren Marktphase zusammen und den vielen Nachrichten, die zurzeit die Kurse beeinflussen. Deswegen würde ich zurzeit der Gapschluss-These weniger Gewicht geben, da die Gefahr hoch ist, dass einige Gaps offen bleiben. Als Tradingansatz war sie schon immer schwer umzusetzen, da die Regel keinen zeitlichen Rahmen beinhaltet. Es ist somit nicht klar,  wann die Gaps geschlossen werden. Zum Teil kann das Jahre dauern, wer will darauf traden?

Es gibt somit bessere Setups, wenn zum Beispiel, wie hier im DAX, nach dem Bruch eines wichtigen Widerstandes ein Gap gerissen wird, die einfach eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit für einen Gapschluss haben. Schließlich geht es hier nicht nur um das Gap, sondern auch den Test des Widerstandes von unten. Sprich, hier wirken bereits zwei Faktoren, was die Wahrscheinlichkeit erheblich erhöht (siehe Text von gestern).

Gaps im Allgemeinen

Ansonsten sind Gaps nur interessant, wenn sie nach langen Aufwärtsphasen oder Abwärtstrends auftauchen. Hier sind sie ein wichtiges Anzeichen für eine Übertreibung und leiten eine mögliche Trendumkehr ein. Alle anderen Gaps sind eher von untergeordneter Bedeutung, es sei denn, sie tauchen wie das gestern besprochene an wichtigen Marken auf. 

 

Viele Grüße

 

Jochen Steffens


Die Börsenbriefe von Stockstreet

Die gut abgestimmte Palette unserer Börsenbriefe reicht von der Investment Strategie für langfristig orientierte Investoren, über die Aktien-Perlen und den Premium Trader, bis hin zum Allstar Trader für schnelle Gewinne. Der sehr spekulative Hebel XXL und die täglichen Chartanalysen des Target Trend Spezial runden das Angebot ab.

Testen Sie unser Angebot!


Anmeldung zum kostenlosen Newsletter "Börse - Intern"

  • Kostenloser Tagesbericht vom Börsenprofi Sven Weisenhaus.
  • Börsentäglich nach Börsenschluss direkt zu Ihnen ins Postfach.
  • Die Vertraulichkeit Ihrer E-Mail-Adresse ist für uns selbstverständlich.
  • Jederzeit wieder abbestellbar.

Jetzt hier anmelden:

Datenschutzhinweise anzeigen

Sie erhalten direkt im Anschluss eine E-Mail mit einem Bestätigungs-Link von uns zugesendet. Bitte bestätigen Sie Ihre E-Mail-Adresse durch einen Klick auf den Link in dieser E-Mail. Erst dann haben Sie sich vollständig angemeldet. Nach der Bestätigung Ihrer Anmeldung erhalten Sie den Newsletter "Börse - Intern" ab der nächsten Ausgabe.

Anmeldung zum kostenlosen Rohstoffdienst

  • Die ganze Welt der Rohstoffe in einem Newsletter.
  • Mehrmals pro Woche direkt per E-Mail kostenlosen zu Ihnen ins Postfach.
  • Die Vertraulichkeit Ihrer E-Mail-Adresse ist für uns selbstverständlich.
  • Jederzeit wieder abbestellbar.

Jetzt hier anmelden:

Datenschutzhinweise anzeigen

Sie erhalten direkt im Anschluss eine E-Mail mit einem Bestätigungs-Link von uns zugesendet. Bitte bestätigen Sie Ihre E-Mail-Adresse durch einen Klick auf den Link in dieser E-Mail. Erst dann haben Sie sich vollständig angemeldet. Nach der Bestätigung Ihrer Anmeldung erhalten Sie den Rohstoffdienst ab der nächsten Ausgabe.

Alle Angebote von Stockstreet.de

  • Logo Steffes Daily
  • Logo Der Rohstoffdienst
  • Logo Premium-Trader
  • Logo Hebel-XXL
  • Logo Investment-Strategie
  • Logo Aktien-Perlen
  • Logo Allstar-Trader
  • Logo Target-Trend-Spezial

Allstar-Trader

Das erwartet Sie

Allstar-Trader Cover

Vom Traden leben!

Aktien, Rohstoffe & Devisen
erfolgreich handeln!

von Bernd Raschkowski

Jetzt informieren und kostenlos testen!

Investment-Strategie

Das erwartet Sie

Investment-Strategie Cover

Ihr langfristig orientierter Börsendienst
für Vermögen und Wohlstand!

Die Strategie für Ihre Geldanlage!

von Torsten Ewert

Jetzt informieren und kostenlos testen!

Premium-Trader

Das erwartet Sie

Premium-Trader Cover

Erfolgreich Traden mit der
revolutionären Methode!

Zuverlässig und dauerhaft erfolgreich!

von Michael Jansen

Jetzt informieren und kostenlos testen!

Target-Trend-Spezial

Das erwartet Sie

Target-Trend-Spezial Cover

Tägliche Chartanalysen nach
der revolutionären Methode!

Zuverlässig und dauerhaft erfolgreich!

von Sven Weisenhaus

Jetzt informieren und Beispiele lesen!

Aktien-Perlen

Das erwartet Sie

Aktien-Perlen Cover

Der Börsendienst für die unentdeckten
Chancen an den Börsen der Welt!

Die Spreu vom Weizen trennen!

von Torsten Ewert

Jetzt informieren und kostenlos testen!

Hebel-XXL

Das erwartet Sie

Hebel-XXL Cover

Zocken aus Leidenschaft!

Begleiten Sie uns in
das Casino der Hebelprodukte!

von Michael Jansen

Jetzt informieren und kostenlos testen!