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Inhaltsverzeichnis

Rohstoffe und Konjunktur

Verehrte Leserinnen und Leser,

kürzlich las ich einen Kommentar, in dem der Autor eine interessante Theorie aufstellte: Die Veränderung des Rohölpreises in einem Jahr wirkt sich – je nach Richtung – bremsend oder stimulierend auf die US-Wirtschaft des Folgejahres aus.

Der Ölpreis als Konjunkturbremse?

Im Klartext: Steigt der Ölpreis im Jahresverlauf stark an (in Prozent), fällt das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den USA im darauffolgenden Jahr merklich geringer aus. Eine Entspannung am Ölmarkt oder gar ein fallender Preis kurbelt die Wirtschaft dagegen an.

Nach dieser Theorie wäre 2011 also mit einer relativ schwachen Wirtschaftsentwicklung zu rechnen. Schließlich verzeichneten wir 2010 stark steigende Preise beim Rohöl. In den vergangenen Wochen erreichten die Ölpreise sogar wieder Kurse über 100 US-Dollar (obwohl der prozentuale Anstieg dabei nicht mehr so dramatisch war).

Schauen wir uns diese These einmal genauer an. Dazu der folgende Chart, in dem die prozentualen Veränderungen des Ölpreises (blau) auf der linken Skala und die Änderungen des realen, also inflationsbereinigten US-BIP (rot) auf der rechten Skala dargestellt sind:

Ölpreis vs. US-BIP

Quellen: Bureau of Economic Analysis, MarketMaker

Auf den ersten Blick stimmen die meisten Thesen

Da das BIP nur vierteljährlich ermittelt wird, sehen Sie dieses als einzelne Säulen, während die täglichen Notierungen des Ölpreises ein durchgehendes „Gebirge“ ergeben. Um die teilweise starken Schwankungen der Preisbewegungen zu glätten, habe ich beim Ölpreis jeweils die Durchschnittspreise der vergangenen 30 Tage mit denen von vor 12 Monaten verglichen. Außerdem sind die roten Säulen nach links verschoben, damit der Vergleich zum Folgejahr des BIPs leichter wird.

Nach der These vom Ölpreis als Zünglein an der Konjunkturwaage müssten also die roten Säulen kleiner werden oder sogar nach unter zeigen, wenn das blaue Gebirge größer wird bzw. umgekehrt. Und tatsächlich scheint da etwas dran zu sein.

Besonders eindrucksvoll sind natürlich die jüngsten Beispiele von 2008 und 2009. Aber auch 2001/2002 sahen wir nach einem deutlichen Rücksetzer beim Ölpreis im Folgejahr eine kleine Konjunkturerholung. Und die erste Hälfte der 1990er Jahre scheint ebenfalls geradezu eine Bestätigung dieser Theorie zu sein.

Einfache Theorien für komplizierte Zusammenhänge?

Andererseits finden wir auch genügend Beispiele, wo dieser Zusammenhang scheinbar auf den Kopf gestellt wurde: Dem starken Preisanstieg 1987 folgte kein wirtschaftlicher Einbruch – und das trotz des berüchtigten Oktober-Crashs in diesem Jahr! Und in der Rezession 1990 konnte auch ein (zugegeben kleinerer) Rückgang des Ölpreises die Wirtschaft offenbar nicht stimulieren – das BIP schrumpfte im Folgejahr sogar!

Am bemerkenswertesten wird allerdings diese These im vorhergegangenen Boom von 2003 bis 2006 widerlegt: Dem deutlichen Preissprung 2003 folgten Wachstumsraten von 4 %, und auch in den nächsten Jahren konnte ein faktisch durchgehend steigender Ölpreis die Wirtschaft nicht sonderlich beeindrucken. Das schaffte erst die Finanzkrise...

Apropos Finanzkrise. Während dieser über 20 Jahre, die im Chart dargestellt sind, entwickelten sich die US-Wirtschaft und die Ölpreise ja nicht im luftleeren Raum. Diverse Krisen, Kriege, Blasen, Terroranschläge und sonstige weltbewegende Ereignisse drückten dieser Zeit ebenfalls ihren Stempel auf. Die Vereinfachung „Der Ölpreis bestimmt die wirtschaftliche Richtung“ greift da wohl etwas zu kurz.

Das alte Gesetz von Angebot und Nachfrage

Dennoch ist Rohöl ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor, der natürlich einen erheblichen Einfluss auf die Konjunktur hat. Aber gerade in der Ökonomie sind die Abhängigkeiten stets wechselseitig. Eine simple, aber trotzdem wirkungsvolle Methode, diese Zusammenhänge zu erfassen, ist das alte Gesetz von Angebot und Nachfrage.

Danach ist es selbstverständlich so, dass bei hohen Ölpreisen (Veränderung auf der Angebotsseite) die Konjunktur gebremst werden kann, weil dann die Nachfrage sinkt und in der Folge Produktion und BIP zurückgehen.

Doch es gilt eben auch der umgekehrte Fall: In einem starken Aufschwung oder Boom ignoriert eine nicht zu bremsende Nachfrage ein Zeitlang alle Warnsignale der Angebotsseite (z.B. steigende Preise). In diesem Fall ist also die florierende Wirtschaft die Ursache für den hohen Rohölpreis. Und mitunter hält ein solcher Ausnahmezustand länger an, als man denkt.

Wenn die Preise mehrere Runden drehen...

Dieses Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage ist es auch, dass für die steigenden Notierungen bei Agrarrohstoffen, aber auch Industriemetallen zuständig ist (siehe folgender Chart).

Agrarrohstoffe und Metalle

Quelle: MarketMaker

Die steigende Nachfrage, z.B. aus den Schwellenländern, führt dabei zu steigenden Preisen. Als sekundärer Effekt kommt hinzu, dass durch „Energiepflanzen“, wie z.B. Mais, wertvolle Anbaufläche für die Nahrungsmittelerzeugung verloren geht. Also schrumpft tendenziell auch das Angebot.

Wird dieser Effekt, z.B. durch Subventionen für die Bauern, politisch zusätzlich verstärkt, führt das unter Umständen dazu, dass bevorzugt die geförderten Produkte angebaut werden. Andere, dann unattraktiver erscheinende Alternativen, wie z.B. Weizen, werden zunächst vernachlässigt. Über derartige Zweit- und Drittrundeneffekte erfolgt also sogar eine Verknappung des Angebots bei Rohstoffen, die von der ursprünglichen Entwicklung gar nicht betroffen waren.

Wenn der Ruf nach Brot die Welt erschüttert

Für die meisten von uns sind steigende Preise bei Backwaren oder Kaffee  - glücklicherweise – allenfalls eine ärgerliche Unannehmlichkeit. Für die Menschen in den Schwellenländern sind jedoch Preissprünge von etlichen dutzenden oder gar einigen hundert Prozent für Grundnahrungsmittel wie Reis, Mais oder Weizen eine Frage des Überlebens. (Auch wir empfinden ja Preissteigerungen bei Dingen, die wir – wie Lebensmittel – häufiger oder in größeren Mengen kaufen, als bedeutender!)

Daher könnten die steigenden Preise für viele Agrarrohstoffe letztlich viel entscheidender als der Ölpreis sein. Einen Vorgeschmack auf die möglichen Auswirkungen gaben die Ereignisse in Nordafrika (in Tunesien z.B. war der Ausgangspunkt der dortigen Unruhen stark gestiegene Brotpreise!).

Angesichts der Tatsache, dass vor allem die wirtschaftliche Stärke der Emerging Markets verantwortlich für den gegenwärtigen Boom ist, bekommt die Preisentwicklung der Agrarrohstoffe eine weltwirtschaftliche Dimension. Denn durch interne Unruhen geschwächte Schwellenländer fallen als Nachfrager, Produzenten und Lieferanten aus und können so der globalen Ökonomie einen empfindlichen Dämpfer versetzen.

Reis ist wichtiger als Öl!

Angesichts der hier im „Steffens Daily“  bereits häufiger thematisierten konjunkturellen Schwäche der ehemaligen Weltwirtschaftslokomotive USA wäre ein solcher Einbruch von China und Co. fatal. Damit sind Reis, Mais oder Weizen derzeit vielleicht die wichtigeren Konjunkturindikatoren als der Ölpreis usw.

Dabei sind nicht nur die Preisanstiege an sich, sondern vor allem auch die Preisschwankungen bedeutsam. Steigt nämlich die Volatilität einer Kursbewegung, tendieren die Preise für das entsprechende Produkt in weniger perfekten Märkten umso stärker nach oben:

Ein Händler irgendwo im Inneren Chinas, wird angesichts ungewohnt schwankender Einkaufspreise die Verkaufspreise lieber etwas großzügiger ansetzen und kaum noch ändern, wenn sie ihm auskömmlich erscheinen. Schließlich kann er kaum noch abschätzen, wie viel er beim nächsten Mal für die Ware bezahlen muss und ob er angesichts der höheren Preise auch noch seine gesamte Menge absetzen kann. Dieser „Sicherheitspuffer“ ist es meist, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Achten Sie auf die Schwellenländer

Solange also die Schwellenländer noch als Motor für Deutschlands Export und die Gewinne der US-Multis fungieren, müssen Sie auch immer ein Auge auf mögliche Entwicklungen haben, die diese Maschine zum Stottern oder gar Stocken bringen können. Die Preise von Agrarrohstoffen sind eine davon.

Vielleicht lesen wir dann eines Tages mal einen Kommentar über die Korrelation von Brotpreisen und Konjunktur. Aber dann ist es natürlich – wieder einmal – zu spät. Also bleiben Sie wachsam!

Mit besten Grüßen

Torsten Ewert


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