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Inhaltsverzeichnis

Hochzeit im Himmel oder Was macht der DAX in Indien?

Verehrte Leserinnen und Leser,

im Wirtschaftsleben ist das Verhältnis zwischen Deutschen und Amerikanern meist etwas gespalten. Traditionell und intuitiv fühlen sich Geschäftsleute aus den USA den Deutschen „im Business“ überlegen, und das häufig auch zu Recht. Umso schwieriger wird es dann für die Partner aus Übersee, wenn eine Kooperation unter umgekehrten Vorzeichen vonstattengehen soll.

Viele Flops – und nun ein Treffer?

Vielleicht ist das der Grund, warum auf der ganz großen geschäftlichen Bühne die meisten Kooperationen zwischen deutschen und amerikanischen Unternehmen gescheitert sind: DaimlerChrysler, die vorgebliche „Hochzeit im Himmel“ (Zitat: Jürgen Schremp, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG bei der Bekanntgabe des Zusammenschlusses mit Chrysler am 7. Mai 1998 in London) war dabei sicherlich der spektakulärste aber nicht der einzige Flop:

Die Übernahme des US-Mobilfunkanbieters Voicestream durch die Deutsche Telekom 2001 wurde ebenso zum Desaster wie der Versuch der Deutschen Post, mit DHL als dritte Kraft den US-Markt für Expressdienstleistungen gegen die Platzhirsche UPS und FedEx aufzurollen. Inzwischen sind zwar beide Ableger der deutschen Mütter im grünen Bereich, aber erst nach etlichen Jahren der Irrwege und vielen verbrannten Millionen.

Nun schickt sich mit der Deutschen Börse ein weiteres hiesiges Unternehmen an, mit einer Mega-Fusion ein transatlantisches Bündnis unter deutscher Führung zu schmieden. Das Vorhaben erscheint besonders bizarr, da es auf einem fast schon ureigenen Feld der Amerikaner stattfinden soll, der Finanzindustrie. Glaubt da wirklich jemand, dies sei eine gleichberechtigte Partnerschaft oder gar ein Zusammenschluss unter deutscher Führung, wie uns die Papierlage weismachen will?

David und Goliath in der Finanzwelt

Dazu einfach mal ein kleines Gedankenexperiment. Angenommen, die Amis machen die Deutsche Börse über kurz oder lang dicht – können Sie sich vorstellen, dass á la Opel oder Karstadt ein Aufschrei durch das Land geht? Oder sich gar eine deutsche Kanzlerin (oder Kanzler) wie seinerzeit bei Holzmann für „Börsianer“ in die Bresche wirft?

Und egal, was derzeit an Absichtserklärungen verbreitet wird – dass die New Yorker Börse am Ende das Sagen hat, scheint unabwendbar. Die Übernahme der Euronext 2007 dürfte hierfür die Vorlage liefern. Dieser Börsenverbund der Handelsplätze Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon ist noch heute größer als die Deutsche Börse, und zwar nach allen wichtigen Kriterien wie Marktkapitalisierung, Börsenumsatz und Anzahl der gelisteten Unternehmen. Dennoch rutschte die Euronext unter der Ägide der Amerikaner faktisch in die Bedeutungslosigkeit.

Eigentlich ist das auch kein Wunder. Zu überlegen ist die New Yorker Börse im weltweiten Vergleich: Bei Marktkapitalisierung und Börsenumsatz bewegt sie jeweils rund 25 % des weltweiten Volumens. Der zweitgrößte Börsenplatz, die NASDAQ folgt erst mit respektvollem Abstand (7 bzw. 16 % des weltweiten Anteils). Schon aus diesem Grund, dass nämlich der unmittelbare Verfolger quasi vor der Haustür sitzt, können die Amerikaner die Kontrolle gar nicht aus der Hand geben.

Meister der geplatzten Fusionen

Das einzige Pfund, mit dem Frankfurt derzeit wuchern kann, ist die um ca. 50 % höhere Marktkapitalisierung an der Börse. Dies führte zu der ungewöhnlichen Konstellation, dass die wichtigste Börse der Welt künftig formal zu 60 % den Deutschen gehört. Allerdings musste Frankfurt hier schon die ersten Federn lassen: Bei genauer Rechnung betrug nämlich der Anteil eigentlich 63 %. Eine kleine, aber bezeichnende Korrektur zugunsten der Amerikaner...

Da stellt sich natürlich die Frage, warum die Deutschen so scharf auf diesen Deal waren. Gut, man kann nun wieder das Ego der Protagonisten in den Vordergrund stellen. Der Chef der Deutschen Börse, der scheinbar so weich und väterlich wirkende Reto Francioni, gibt sich gerne staatsmännisch. Kenner charakterisieren ihn jedoch als äußerst machtbewusst.

Da muss ihn schmerzen, dass die Deutsche Börse von sieben (!) Fusions- bzw. Übernahmeversuchen in den vergangenen zehn Jahren nur einen unter Dach und Fach brachte, den Kauf der eher minder bedeutsamen US-Optionsbörse ISE 2007 (allerdings ist ausgerechnet dieses Geschäft für die höheren Verluste der Deutschen Börse im vierten Quartal 2010 verantwortlich...). Besonders bitter mag dabei sein, dass die europäische Lösung, eine Fusion zwischen Deutsche Börse und Euronext, am Widerstand der Franzosen scheiterte, die stattdessen lieber unter die Fittiche der NYSE schlüpften.

Marktliberalisierung für Großanleger

Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Im Zeitalter des elektronischen Handels geht den klassischen Börsen ihr Geschäftsmodell nach und nach verloren. Als Privatanleger kennen wir das: Mit dem Aufkommen der Online-Broker, gaben wir unserer Hausbank in puncto Börsengeschäften den Laufpass. Als die Broker eigene Trading-Plattformen einführten, welche die Börsengebühren umgingen, nutzten wir natürlich auch diese Möglichkeit.

Etwas vereinfacht gesagt, fungieren die klassischen Börsen für die institutionellen Anleger als „Hausbanken“ bzw. Quasi-Monopolisten, die ihre teuren Gebührenmodelle gnadenlos durchdrücken. Natürlich bekommen Großanleger andere Konditionen als wir Privaten und vieles ist im Einzelfall auch verhandelbar. Dennoch sind die Transaktionskosten für die Institutionellen ein wichtiger Kostenblock und die etablierten Börsen ihnen daher ein Dorn im Auge.

Kein Wunder also, dass die Großbanken inzwischen eigene Handelssysteme gründeten, die – im Gegensatz zu den klassischen Handelsplätzen – weltweit operieren können. Günstigere Kostenstrukturen führen dazu, dass die „richtigen“ Börsen Marktanteile verlieren. So sank z.B. der Umsatz der Deutschen Börse am Handel mit DAX-Aktien (einem wichtigen Umsatzbringer!) allein in den vergangenen beiden Jahren von 80 auf unter 70 %. Das in Europa führende alternative Handelssystem Chi-X baute seinen Anteil im gleichen Zeitraum dagegen von gut 10 auf 20 % aus.

Was macht der DAX in Indien?

Bisher haben Deutsche Börse & Co. dem wenig entgegenzusetzen. Die Frankfurter versuchten es durch exzessiven Ausbau der DAX-Index-Familie. Mit deutscher Gründlichkeit wurde auch noch die letzte Investmentnische durch einen Indexprodukt abgedeckt. So können Sie (als institutioneller Anleger!) inzwischen über einen Index auf fallende Kurse in Indien setzen, und das auch noch wahlweise in Euro, US-Dollar oder Britischem Pfund.

Die Marke „DAX“ (eigentlich: Deutscher AktienindeX) wurde dabei bis kurz vor dem Zerreißen überdehnt („DAXGlobal“), weshalb die neueren Produkte wohl auch weniger spektakulär „Deutsche Börse Index“ genannt werden. Dennoch ist das Angebot an Indizes für Profianleger – nicht nur von der Deutschen Börse – mittlerweile inflationär aufgebläht. Den Verlust der früher üppig sprudelnden Gebühren für Börsentransaktionen können die Lizenzgebühren für die neuen, exotischen Indizes jedenfalls nicht kompensieren.

Lokale Börsen und weltweite Investment

Schwerer wiegt jedoch, dass die historisch bedingte lokale Ausrichtung der traditionellen Börsen die internationale Expansion verhindert. Die lukrativen Chancen in den sich rasant entwickelnden Anlagemärkten der Schwellenländer kann man von Frankfurt aus nicht wahrnehmen. Für die alternativen Plattformen, die ohnehin virtuell organisiert sind, ist dies dagegen gar kein Problem.

In den Begründungen für die Fusion mit der NYSE werden Sie daher dieses Argument weit oben auf der Liste finden. Ob dies in der erforderlichen Konsequenz und Schnelligkeit auch umgesetzt werden kann, bleibt fraglich. Die Amerikaner sind sich häufig selbst genug und tun sich daher schwer im Aufbau eigener Geschäfte jenseits ihrer Grenzen (deshalb auch die Vorliebe für Übernahmen bestehender Firmen). Wenn es dann noch zu einem Kompetenz- oder Strategiegerangel à la DaimlerChrysler kommt, liegt der  Erfolg dieser Fusion bald in weiter Ferne.

Anleger aufgepasst: Die 60%-Regel bei Fusionen!

Vor einigen Jahren veröffentlichte die Unternehmensberatung A.T. Kearney eine Studie über Firmenfusionen. Danach wird in 58 % der Fälle das Ziel des Zusammenschlusses nicht erreicht, und außerdem sinken in den ersten drei Jahren die Gewinne des fusionierten Unternehmens. Der Aktienkurs fällt sogar in 60 % der Fälle.

60 % - das ist der gleiche Anteil, den die Deutsche Börse formal an dem neuen Unternehmen hat. Allerdings beschreibt die Zahl in diesem Fall die Wahrscheinlichkeit dafür, dass dieser Deal für die Anleger ein Verlustgeschäft wird. Ist dies tatsächlich nur Zufall oder will Miss Börse hiermit den Anleger vielleicht einen Wink geben?

Mit besten Grüßen

Torsten Ewert


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