In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Die Stimmung der Anleger bezüglich Gold scheint zu kippen, ein Boden könnte nicht mehr weit sein. ...
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Zunächst ein Hinweis: In Verbindung mit dem Alpha-Target sind mir leider zwei Fehler unterlaufen.

Das Niveau des Alpha-Targets liegt natürlich bei 10.700 Punkten, wie auch die ganze Zeit beschrieben und nicht bei 10.800 Punkten, wie gestern irrtümlich im Steffens Daily angegeben. Man sieht ja auch im Chart, dass das Niveau des Alpha-Targets tiefer als die Mittellinie bei 10828 Punkten liegt (es geht immer um die Mitte des Kreises).

Und am 03. Juni schrieb ich, dass das Alpha-Target noch 18 Handelstage entfernt liegt, und hab damals Montag, den 22.06 als Termin genannt. Richtig ist aber natürlich Montag, der 29.06.2015 bzw. sogar Dienstag, der 30.06.2015, weil die Anzeige des Chartprogramms den ersten Handelstag nicht mitrechnet.  Ich bitte vielmals um Entschuldigung, das sollte nicht passieren. Aber im gestrigen Chart (und allen anderen davor) war alles richtig eingezeichnet, nur der Mann einen halben Meter hinter dem Monitor hat nicht richtig funktioniert…

Zum Thema:

Wie Sie wissen, achten wir bei unseren Prognosen sehr auf die Stimmungen in den Medien. Vor kurzem wurde auf der Onlineplattform des Handelsblatts ein Artikel veröffentlicht, der mich aufhorchen ließ. Der Titel: „Gold in der Krise - Wenn selbst die Münzsammler nicht mehr kaufen!“ In dem Artikel wird von einer „kompletten Kapitulation“ gesprochen. Es wird davon berichtete, dass „beim Bullion Trading LLC-Shop in New York […] die Absätze mit Münzen aus Edelmetallen im Mai um 35 Prozent" eingebrochen sind und „Die weltweit größte zentrale Münze, US Mint, hat im Mai den schwächsten Absatz der Goldmünzen „American Eagle“ seit acht Jahren verzeichnet.“ Im weiteren Text wird auch noch davon berichtet, dass das „Interesse am gelben Edelmetall von den schwindenden Zuflüssen in mit Gold unterlegten ETFs, die auf den niedrigsten Stand seit 2009 gefallen sind“ bestätigt wird. (Quelle: www.handelsblatt.com)

Münzsammler sind eher die „Kleinanleger“ unter den Goldhändlern. Wir können also festhalten, dass die Stimmung für Gold bei den kleineren Anlegern mehr als angeschlagen ist. Für Antizykliker bedeutet das, dass wir hier einen ersten wesentlichen bullishen Hinweis haben!

[Anm.: Das antizyklische Verhalten an den Börsen hat den Hintergrund, dass die Masse der Anleger „immer“ falsch liegt und man sich deswegen bei seinen Anlageentscheidungen konträr zur Masse stellen sollte. Tatsächlich zeigt die Erfahrung, dass man so sehr gut entscheidende Hochs, aber auch Tiefs bestimmen kann. Allerdings ist das Timing der Stimmungsindikation nicht sehr genau.]

Mögliche fundamentale Gründe für einen Goldpreisanstieg

Aber natürlich muss dieser bullishe Hinweis durch weitere Faktoren untermauert werden. Sie erinnern sich vielleicht, ich hatte schon einmal von dem Zusammenhang zwischen Deflation, Inflation und Goldpreis geschrieben. Als die Fed die Zinsen massiv senkte, hatte alle Welt Angst vor einer Inflation und kaufte Gold. Der Goldpreis haussierte. Tatsächlich bekämpfte die Fed aber massiv Deflationsgefahren (was Sie hier im Steffens Daily übrigens schon damals lesen konnten).  Als diese Erkenntnis dann so langsam bei den Anlegern ankam, brach der Goldpreis entscheidend ein.

Jetzt weisen erste Daten darauf hin, dass die Inflation in den USA anzieht. Die Zinsen sind immer noch niedrig. Eigentlich wäre das jetzt tatsächlich der richtige Zeitpunkt Gold zu kaufen, da niemand weiß, ob die Fed rechtzeitig reagiert, um eine Inflation zu verhindern. Aber genauso, wie damals die Anleger in der Goldhausse falsch lagen, scheinen sie das auch jetzt zu tun. Wenn ich also diesen Artikel im Handelsblatt lese, ist das für mich ein weiterer Hinweis darauf, dass Gold sich wahrscheinlich in einem Bodenbildungsprozess befindet.

Natürlich wäre es schön, wenn wir noch weitere Hinweise erhielten, die ähnlich ausgerichtet sind. Auch ein finaler Goldpreiseinbruch wäre wünschenswert - ein sogenannte Sell Off. Sie wissen, ich warte immer noch auf ein kurzes Unterschreiten der 1.000-Dollar-Marke und einer damit verbundenen Verkaufspanik. Aber leider ist die Börse kein Wunschkonzert. Und noch gibt es zudem immer noch genügend Goldbullen.

Deutschland kauft Gold

So ist ebenfalls im Handelsblatt heute ein Artikel zu lesen, bei dem die Stimmung auf den ersten Blick ganz anders aussieht. Titel: „Edelmetall beliebte Anlageform. Richtige Gold-Fans kann nichts erschüttern

Weiter heißt es: „Mehr als 70 Prozent der Deutschen sagen, Gold sei für sie eine sichere Anlage – das ist bemerkenswert angesichts der turbulenten Kursentwicklung der vergangenen Jahre“, sagt Pro-Aurum-Gründer Robert Hartmann.“

Es wird ebenfalls darauf hingewiesen, dass beim „Degussa Goldhandel […] in den ersten fünf Monaten des Jahres 2015 sogar einen deutlichen Anstieg bei der Anlage in physisches Gold“ zu beobachten sei. „Im Vergleich zu 2014 seien die Umsätze je nach Monat zwischen 30 Prozent und mehr als 50 Prozent gesteigert worden. Die beliebtesten Produkte deutscher Anleger seien die klassischen Krügerrand Goldmünzen sowie die Ein-Unze, 100 und 250 Gramm Goldbarren.“

Nun hört sich das auf den ersten Blick so an, als wären das zwei völlig unterschiedliche Artikel auf der gleichen Plattform. Aber hier muss man aufpassen. Dieser Artikel betrifft hauptsächlich Deutschland und in dem Artikel wird diese Nachfrage auch mit den Problemen in Griechenland in Zusammenhang gebracht.

Auch wird an andere Stelle in einem anderen Artikel darauf hingewiesen, dass das Interesse an Gold seit März zurückgeht. Und so titelt die Wirtschaftswoche im Zusammenhang mit der Meldung, dass für 70 Prozent der Deutschen Gold eine sichere Anlage sei: „Gold – alle wollen es, keiner kauft es“ Aber hier verbirgt sich natürlich ein großes Kaufpotenzial, das passt auch.

Natürlich wäre es tatsächlich bullisher, wenn auch in Deutschland eine Art Kauf-Kapitulation zu erkennen sei. Eindeutiger wäre es zudem, wenn es, wie gesagt,  noch zu einem finalen Show-Down mit stark fallenden Kursen kommt. Das wäre das klare Einstiegsignal.

Gold befindet sich noch in einem klaren Abwärtstrend

Aber weil dieser noch auf sich warten lässt, werfen wir ein Blick auf den Chart, ob hier vielleicht weiter Hinweise auf eine bullishe Entwicklung zu finden sind:

Sie können hier erkennen, dass Gold dabei ist, den steilen roten Abwärtstrendkanal zu verlassen. Aber das geschieht alles andere als dynamisch, sondern eher sehr zögerlich. Hintergrund ist, dass dieser Bruch keinen Trendwechsel darstellt, sondern lediglich auf die abflauende Dynamik des Abwärtstrends hinweist. Es bildet sich nämlich ein neuer, flacherer Abwärtstrendkanal aus (hier blau). Und dieser zögerliche „Trendbruch“ des roten Trends ist typisch für eine solche sich abschwächende Dynamik.

Zwar kann eine abflachende Dynamik ein Hinweis auf einen Boden sein und das würde zu dem oben Gesagten passen. Aber um das zu bestätigen, müsste eine wieder ansteigende Kursbewegung zu erkennen sein. Solange also die obere Linie des blauen Trendkanals noch intakt ist, halten wir uns eindeutig (!) noch in einem klaren Abwärtstrend auf. Weitere Bodenformationen sind zurzeit nicht zu erkennen. (Höchstens ein bullisher Keil, bei dem aber die untere Seite nicht eindeutig ist. Zudem wäre dann ebenfalls der Bruch der oberen blauen Abwärtstrendlinie das bullishe Signal.)

Fazit:

Wir erkennen ein zunehmendes Desinteresse an Gold, welches nun auch schon in den Medien thematisiert wird. Das ist ein Hinweis darauf, dass Gold vielleicht bald einen eindeutigen Bodenbildungsversuch unternehmen wird. Insbesondere wenn die Inflation in den USA weiter anzieht, ergibt sich auch ein fundamentaler Grund für Goldkäufe. Schön wäre zuvor noch ein finaler Ausverkauf. Noch sind aber die Abwärtstrends in Ordnung, noch fehlen ernstzunehmende bullishe Signale im Chart. Wenn man in Gold einsteigen will, dann sehr vorsichtig mit zunächst kleinen Positionen und dem unbedingten Willen, bei einem stärkeren Rücksetzer vorsichtig nachzukaufen. Oder man wartet auf klarere bullishe Signale.

Viele Grüße

Ihr

Jochen Steffens

PS Die Märkte warten heute auf die Fed-Sitzung und das Statement, das im Anschluss veröffentlicht wird. Mehr dazu morgen in ihrem Steffens Daily


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