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Nach den Wahlen und der Fed-Sitzung

Nach den Wahlen und der Fed-Sitzung
von Torsten Ewert

Da Herr Steffens aufgrund eines grippalen Infekts das Bett hüten muss, erscheint der nächste Steffens Daily voraussichtlich erst Anfang/Mitte nächster Woche. Lesen Sie heute einen Kommentar von Torsten Ewert:


Verehrte Leserinnen und Leser,

die zwei entscheidenden Ereignisse dieser Woche, möglicherweise auch der kommenden Monate, sind vorüber: die US-Kongresswahlen und die Sitzung der US-Notenbank.

Warum der Wahlausgang die USA doch nicht voranbringt

Uns stellt sich nun die Frage, welche Auswirkungen beide Ereignisse auf die Börsen haben werden. Nachdem die Republikaner nun zwar eine deutliche Mehrheit im Repräsentantenhaus erhalten werden, den Durchbruch im Senat jedoch knapp verpassten, ist das politische Patt eigentlich perfekt.

Beobachter werten das allerdings positiv. Zwar kann Präsident Obama revolutionäre Projekte, wie seine Gesundheitsreform, kaum noch durchsetzen, aber die Republikaner dürften kaum wie bisher stur auf Opposition setzen. Schließlich ist das Wählermandat Ausdruck der Unzufriedenheit mit zu mageren Ergebnissen der Obama-Regierung. Eine Blockade würde den Stillstand nur manifestieren. Demnach – so das Kalkül – müssten nun beide Seiten aufeinander zu gehen und gemeinsam Lösungen finden.

Aufgrund der starken Gegensätze werden diese Lösungen jedoch vor allem Kompromisse sein. Und aus unserem konsensorientierten Deutschland wissen wir, was dabei herauskommt: Man einigt sich auf den kleinsten politischen Nenner. Damit hat zwar jede Seite Gelegenheit, das Resultat als ihren Sieg zu verkaufen, aber die notwendigen radikalen Reformen bleiben dabei aus.

Übernimmt nun die Fed das Ruder?

Vermutlich war aus diesem Grund die Reaktion der Börse auf den Wahlausgang eher verhalten. Die Kurse bröckelten nach der Eröffnung am gestrigen Mittwoch zunächst einmal ab, wie Sie hier im 15-Minuten-Chart sehen können (roter Pfeil):

 

Doch politische Börsen haben kurze Beine, heißt es. Und so war nach der Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed (FOMC) der kleine Einbruch schon wieder vorbei (grüner Pfeil). Nach einer volatilen Besinnungspause bewerteten die Börsianer die Ergebnisse der Notenbanker positiv.

Das hat möglicherweise gar nicht so viel mit den konkreten Schritten der Fed zu tun. Kommt es allerdings zu einem Polit-Patt oder mageren Kompromissen, wäre die US-Notenbank das einzige Organ mit deutlichem Einfluss auf die Wirtschaft. Polit-Management by Fed, sozusagen.

Hierbei hilft der Fed ihr zweifaches Mandat: Im Gegensatz beispielsweise zur EZB, die ausschließlich der Preisstabilität verpflichtet ist, berücksichtigt die US-Notenbank gemäß ihrer Satzung auch die „wirtschaftliche Situation“ des Landes bei ihren Maßnahmen. Und deren Beurteilung ist mit einem bunten Strauß von Parametern möglich von den Kreditbedingungen für die Unternehmen bis zur Arbeitslosigkeit.

Die Fed setzt die Politik des lockeren Geldes fort

Passend dazu betont das FOMC auch genau dieses duale Mandat in seinem aktuellen Statement mehrfach. Gleichzeitig verweisen die Mitglieder auch darauf, dass zwischen dieser (zusätzlichen) Zielsetzung, nämlich der Stärkung der Wirtschaft, und dem aktuellen ökonomischen Ausblick eine starke Diskrepanz gibt.

Und das ist für die Fed die Begründung, den Ankauf von Staatsanleihen erneut zu forcieren. Das war im Vorfeld natürlich erwartet worden, das FOMC setzt aber noch eins drauf: Statt der von Beobachtern erwarteten 500 Mrd. US-Dollar will die Fed bis 2011 sogar 600 Mrd. Dollar in die Hand nehmen. Faktisch druckt sie damit in dieser Höhe neues Geld und pumpt es ins System.

Damit setzt sie natürlich ein deutliches Zeichen, und die Märkte haben diese Botschaft wohl verstanden und entsprechend reagiert. Ökonomen veranschlagten im Vorfeld das erwartete 500-Mrd-Dollar-Programm mit einem volkswirtschaftlichen Effekt, der vergleichbar einer Zinssenkung von rund 0,5 % wäre. Da das FOMC in seinem Statement betont, dass bei Bedarf auch Anpassungen (sprich, vor allem Aufstockungen) je nach Wirtschaftslage möglich sind, wäre der rechnerische Effekt natürlich höher.

Die Fed fährt damit einen heißen Riemen

Der Kurs der Fed ist aber mit einigen Risiken verbunden. Sie geht weiterhin davon aus, dass niedrige Zinsen am Ende die Wirtschaft stimulieren. Aufgrund der Vorgeschichte der jüngsten Krise (massive Überschuldung von Staat, Bürgern, Unternehmen und Banken), scheint eine Unterversorgung mit Kredit kaum das Problem zu sein. Zumal die Investitionstätigkeit der Unternehmen weiterhin gut ist.

Da aber natürlich dieses Gelddrucken Inflationsdruck erzeugt und den Dollar schwächt (der Euro stieg seit gestern bereits bis auf 1,425), muss sie gleichzeitig einen Zinsanstieg am Markt verhindern. Das geht nur, wenn sie das Aufkaufprogramm größer wählt als die gleichzeitige Neuverschuldung des Staates. Und genau das geschieht nun:

Nach Berechnungen der Deka-Bank umfassen alle (also auch die noch laufenden früher beschlossenen) unterstützenden Maßnahmen der Fed ein Volumen von rund 110 Mrd. Dollar pro Monat. Das Haushaltsdefizit der ersten neun Monate 2010 betrug aber nur 100 Mrd. Dollar. Damit übersteigt das Fed-Programm die Nettoemissionen von US-Staatsanleihen deutlich!

Verzerrungen am Anleihemarkt

Das führt zu massiven Verzerrungen am Anleihemarkt, die derzeit bereits erkennbar sind:

 

Quelle: Federal Reserve Bank, eigene Berechnungen

So blieb zum Beispiel das Zinsniveau 10jähriger US-Staatsanleihen (blaue Kurve) seit Ende August faktisch unverändert (rotes Feld). Gleichzeitig sank jedoch der Realzins, gemessen anhand von Anleihen, die einen Inflationsausgleich bieten (grüne Kurve). Letztlich bedeutet das nichts anderes, als dass in dieser Zeit die Inflationserwartungen der Anleger merklich gestiegen sind (rote Kurve).

Normalerweise aber führen steigende Inflationserwartungen auch zu höheren Nominalzinsen. Die blaue Kurve müsste also steigen, die grüne konstant bleiben. Der geneigte Beobachter reibt sich verwundert die Augen, weil er sich fragt, warum sich die Anleger mit niedrigeren Realzinsen zufrieden geben.

Der Grund ist eben die Politik des leichten Geldes der Fed. Da die US-Notenbank auf Monate hinaus als Nettokäufer von Staatsanleihen auftreten wird, können Anleger relativ risikolos Staatsanleihen kaufen und diese später mit Kursgewinnen bei der Fed abladen. Diesen Anlegern geht es nicht um die Zinsen, sondern um die bei diesen Geschäften zu erzielenden Kursgewinne.

Diese mögen zwar überschaubar sein, aber große institutionelle Anleger können mit billigem kurzfristigem Geld Anleihen auf Kredit zu reinen Spekulationszwecken kaufen. Damit entsteht potenziell eine Blase am Anleihemarkt!

Was das für die Aktienmärkte bedeutet

Fraglich sind die Konsequenzen für den Aktienmarkt. Zwar steigen die US-Märkte bereits seit Ende August, aber die obige Grafik zeigt, dass dies exakt der Zeitraum ist, in dem auch die Inflationserwartungen der Anleger massiv anstiegen! Es liegt also nahe anzunehmen, dass in die Kurse der Sachanlage „Aktie“ nur diese höheren Inflationserwartungen eingepreist wurden.

Das andere Problem ist, dass aufgrund dieses Mechanismus noch zu viel Geld im Anleihemarkt steckt. Geld, das normalerweise – wegen der mickrigen Zinsen – schon längst in den Aktienmarkt geflossen wäre. Diese Umschichtungen werden nun weiter verzögert.

Und ein drittes Phänomen hat potenzielle Auswirkungen auf den Aktienmarkt. Platzt diese Anleihe-Blase eines Tages, bedeutet das, dass die Anleger dann bei stark steigenden Kursen aussteigen müssen. Eventuell kommt es sogar zu einem Crash. Die kreditfinanzierten Käufe machen es dann notwendig, dass die Spekulanten ihre Kredite mit anderem Geld ablösen müssen.

Dieses Geld müsste dann mangels anderer Alternativen aus Aktienverkäufen kommen. Sprich, die bis dahin an den Aktienmärkten erwirtschafteten Gewinne dienen dann dazu, die Löcher bei Anleihen zu stopfen. Das könnte dann zu einem „Echo-Crash“ am Aktienmarkt führen – ähnlich wie zu Beginn der Finanzkrise die Immobilienportfolios mit Aktiengewinnen gerettet werden mussten.

Reiten Sie die Rally mit Reißleine!

Was bedeutet das nun für Ihre Anlagen? Reiten Sie die kommende Welle an den Aktienmärkten, aber achten Sie auf die Anleihemärkte. Kurzfristig sind Dollar-Investments für Euro-Anleger weniger attraktiv, da der Dollarkurs weiter unter Druck bleiben wird.

In jedem Fall lassen Sie eine Hand immer an der Reißleine. Steigen Sie aus Positionen aus, die ins Minus zu laufen drohen, und konzentrieren Sie sich bei Neuinvestments vor allem auf trendstarke Werte. Und vor allem: Meiden Sie aktuell neue Investments in Anleihen. Bestehende Engagements können Sie halten, solange die Kurse sich oben halten. Im Zweifelsfall sichern Sie Ihre Gewinne.

Finden Sie keine attraktiven Einstiegsgelegenheiten mehr, ärgern sich aber über die gering verzinste Liquidität, dann stocken Sie Ihre Goldbestände auf. Trotz eines anziehenden Goldpreises ist das Edelmetall bei steigendem Dollar für Euro-Anleger immer noch einen Kauf wert.

Und dann warten Sie gespannt ab, welche Welle zuerst bricht...

 

Mit besten Grüßen

Torsten Ewert
 

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