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Bekommt jeder das, was er verdient?
von Jochen Steffens
 
Hurrikan Gustav trifft aktuell auf die Südküste der USA in der Nähe von  New Orleans. Doch der Ölpreis fällt und zwar um über 3 % auf unter 112 Dollar. Offenbar werden die Folgen des Hurrikans die Ölindustrie in den USA nicht sonderlich betreffen. Auch der Aktienmarkt geht nicht mehr davon aus, dass es so schlimm wird und bleibt gelassen. Zwar ist heute Labor Day in den USA, es findet kein regulärer Handel statt, aber die US-Futures sind offen und notieren um die Nulllinie. Menschliche Schicksale sind der Börse wie immer egal. Unabhängig davon, wie zynisch das auch sein mag, es geht immer nur um die wirtschaftlichen Folgen von Ereignissen.
 
Der Parteitag der Republikaner
 
In Folge des Hurrikans wird der Parteitag der Republikaner heute und eventuell auch in den nächsten Tagen stark eingeschränkt stattfinden. Präsident George W. Bush hat sein Kommen mittlerweile abgesagt, um sich um die Katastrophenbekämpfung zu kümmern.
 
Auch in den Nachrichten gerät die zuvor minutiös geplante Veranstaltung angesichts der Bilder und der Hurrikan-Berichterstattung ins Hintertreffen. Gerade die Parteitage sind jedoch eine perfekte Möglichkeit sich der US-Bevölkerung als neuer Präsident vorzustellen und entsprechend Wahlkampf zu betreiben. Ist also McCain eines der Opfer des Hurrikans?
 
Bekommt jeder das, was er verdient?
 
Angesichts der Klimapolitik der Republikaner könnte man fast auf die Idee kommen, dass es nur „gerecht“ wäre, dass die Republikaner nun Opfer eines Klimaphänomens werden - auch wenn viele Klimaforscher die zunehmende Häufigkeit und Heftigkeit der Hurrikans nicht unmittelbar mit der Klimaerwärmung in Verbindung setzen.
 
Aber es ist noch nicht einmal sicher, dass dieses Ereignis McCain zum Nachteil gereicht.
Politische Beobachter meinen, dass McCain die Chance nutzen kann, sich einerseits von der Bush-Politik abzugrenzen und sich andererseits als überparteilicher Präsidentschaftskandidat für die gesamte amerikanische Bevölkerung zu präsentieren. So kann er in den nächsten Tagen beweisen, dass er seine eigenen Interessen, also den Erfolg des Parteitags, hinter die Interessen der amerikanischen Bevölkerung, sprich der Krisenbewältigung, stellt.
 
Wie sich Hurrikan Gustav also letztendlich auf die Wähler auswirken wird, werden wir erst in den nächsten Tagen erfahren. Bei den Wettquoten kann man in den letzten Tagen einen leichten Anstieg zugunsten Barack Obamas erkennen, der jedoch nicht wirklich relevant ist.
 
Und damit zum Dax
 
Eigentlich müsste ich Ihnen nun den alten Chart wieder zeigen. Danach hat der Dax lediglich die alte Seitwärtsbewegung von oben getestet. Aber Sie sehen es auch in diesem Chart an den wagerechten roten Linien, deren obere Begrenzung bei 6360 Punkten liegt. Soweit ist also alles noch in Ordnung. Wenn uns Gustav nicht doch noch einen Strich durch die Rechnung macht, besteht nun die gute Chance, dass wir in Richtung 6500 Punkte laufen.
 
Ein kleiner Pferdefuß lässt sich in diesen Chart noch hineinanalysieren: Eigentlich hätte der Dax vor seinem Test dieser Seitwärtsbewegung von oben bereits die 6500 Punkte-Marke erreichen müssen. Das ist jedoch nicht geschehen. Somit ist dieses kleine Zwischenhoch bei 6450 Punkten etwas schwächlich ausgefallen. Allerdings muss man diese Schwäche im Zusammenhang mit dem Hurrikan sehen und sollte sie nicht überbewerten.
 
Durch den Ausbruch aus der Seitwärtsbewegung hat sich die Lage wieder deutlich aufgehellt. Der blaue Aufwärtstrend, den ich eingezeichnet habe, setzt sich damit immer mehr durch. Noch sind aber deutliche Anzeichen von Stärke ausgeblieben. Fazit: Alles etwas bullisher, aber noch ist nichts entschieden.
 

Viele Grüße
 
Ihr
 
Jochen Steffens
 
P.S. Gerade höre ich, dass der Hurrikan von Stufe 3 auf Stufe 2 runtergestuft wurde. Das erklärt auch die gelassene Haltung der Märkte.
 
Zwei Kranke, ein Blinder und ein Champion
von Torsten Ewert
 
Verehrte Leserinnen und Leser,
 
„... die Berge kreißen und eine lächerliche Maus wird geboren“. Natürlich meinte der alte Horaz damit nicht die Verschmelzung von Commerzbank und Dresdner Bank. Und ich natürlich auch nicht, denn schließlich entsteht ja kein Mäuslein, sondern ein „nationaler Champion“. Zumindest, wenn man den klingenden Worten der Beteiligten glauben kann.
 
Vorsicht bei wohltönenden Worten
 
Aber je wohltönender die Worte und je geringer die Substanz, desto größer sollte die Vorsicht der Investoren sein. Und tatsächlich machen diese auch kein langes Federlesen und flüchten in Scharen: Die Commerzbank hält heute mit zwischenzeitlich über neun Prozent Minus die wahrlich strahlende rote Laterne.
 
Leider ist das auch auf längere Sicht das Einzige, was an diesem Deal strahlt. Dass die Dresdner unter dem Dach der Allianz eher vor sich hinsiechte, nachdem es ihr auch vorher nicht besonders gut ging, ist allein schon daran zu sehen, dass die Versicherungsgranden das Institut jetzt für knapp 10 Milliarden Euro weiterreichen, während sie 2001 dafür satte 24 Milliarden gezahlt haben.
 
Die Commerzbank selbst war ebenfalls lange Jahre ein Übernahmekandidat, der zu klein zum Leben aber zu groß zum Sterben war. Erst in den letzten Jahre hatten einige glückliche Deals des bauernschlauen damaligen CEO Klaus-Peter Müller ihm und der Bank einige Achtungserfolge eingebracht. Dazu gehört sicher auch, dass Investmentbanking eingestampft zu haben – freilich aufgrund einiger herber Verluste.
 
Da das aber lange vor der Finanzkrise geschah, können sich die Commerzbank-Oberen jetzt rühmen, die Finanzkrise vergleichsweise glimpflich überstanden zu haben.
 
Zwei aus dem Abseits
 
So übertrifft die Commerzbank zwar jetzt den neuen „Partner“ in wichtigen Punkten wie Bilanzsumme, Kunden- und Mitarbeiterzahlen, allerdings ist das nur eine vorteilhafte Momentaufnahme für die „Gelben“. Denn die beiden „Kleinen“ standen immer im Schatten des Primus Deutsche Bank und hatten nie eine reelle Chance, dieser das Wasser zu reichen.
 
So haben sie sich immer gegenseitig die Kunden abspenstig gemacht, zumal sie auch gegen die andere Übermacht, die Sparkassen und Raiffeisenbanken nicht wirklich punkten konnten. Außerdem hatten sie immer auch den Anspruch „alles“ machen wollen (Filial- und Privatkundengeschäft, Mittelstandsfinanzierung, Investmentbanking, Vermögensmanagement), was bei ihrer Größe eher auf eine Verzettelung hinauslief.
 
Trotz all der Änderungen und Entwicklungen der letzten Jahre bei beiden Banken sind deren Geschäfte immer noch so deckungsgleich wie zwei Blaupausen. So geht es dann auch nach der „Verschmelzung“ eher um „Schrumpfen“ (von 9.000 Stellen weniger ist die Rede, das sind immerhin 15 % der gesamten Mitarbeiterzahl!), als um stürmische Entwicklung und neue Konzepte oder Visionen.
 
Der schöne Traum vom Champion
 
Trotzdem überbieten sich wie gesagt die Verantwortlichen in tönenden Worten über eine rosige Zukunft des neuen Instituts. Der meist gebrauchte Ausdruck ist sicherlich der vom „neuen nationalen Champion“, was verbunden wird mit der (vagen) Hoffnung auf eine Konsolidierung der arg zersplitterten Bankenlandschaft in Deutschland.
 
Das ist ein zu weites Feld, um es hier auch nur ansatzweise zu streifen, aber selbst die Champion-Träume reifen bei genauerer Betrachtung nicht einmal mehr zu Seifenblasen, sondern platzen sofort. Der vermeintliche „Champion“ ist nämlich immer noch nur halb so groß wie die Deutsche Bank – und da sind sämtliche Schrumpfkuren noch nicht einmal mit eingerechnet.
 
Die „Deutsche“ spielt international auch keine wirklich führende Rolle mehr: Sie war schon 1997 nur Nummer 9 nach Marktkapitalisierung weltweit und ist im letzten Jahr auf Platz 20 abgerutscht. Mag sein, dass nach der Finanzkrise die Gewichte wieder etwas verschoben sein werden, aber egal ob in den USA, China, Singapur oder Spanien: dort wird man das neue Gebilde eher schulterzuckend zur Kenntnis nehmen, waren doch die internationalen Aktivitäten der beiden deutschen Banken schon bisher sehr beschränkt und im Rückzug begriffen.
 
In typisch deutscher Provinzler-Manie
 
Erschwerend dürfte hinzu kommen, dass die neue (wie heißt sie eigentlich?) Bank noch ein gutes Jahr mit sich selbst beschäftigt sein dürfte. Die immer noch schwache Kapitalausstattung der Commerzbank erlaubt es ihr nicht, den Konkurrenten trotz der Abschläge „einfach so“ zu übernehmen. Ein zweistufiges Verfahren ist erforderlich, um den Kapitalbedarf zu stemmen, an dessen Ende die Allianz immer noch stolze 30 % an der Commerzbank hält
 
Allianz? Richtig, das ist der Finanzkonzern, der mit dem Versuch, eine Bankentochter zu integrieren, gerade grandios gescheitert ist. Damit ist ein illustre Skat- (oder Doppelkopf-) Runde komplett: zwei Kranke, ein Blinder und ein „Champion“.
 
Die so überschwänglich gefeierte „deutsche Lösung“ ist somit nichts weiter als ein typische Provinzposse, an deren Ende keinem gedient ist, aber auch keinem wehgetan wurde, und jeder sein Gesicht wahren kann:
 
Gewinner und Verlierer
 
Die Allianz ist die ungeliebte Tochter los, Beobachter und Politiker können sich zum neuen nationalen Champion gratulieren, die Deutsche Bank kommt nicht wirklich in die Bredouille. Großer Gewinner ist Commerzbank-Chef Martin Blessing, Spross einer Bankerdynastie und Enkel des ehemaligen Bundesbankpräsidenten Karl Blessing. Zwar konnte sich der 45jährige bereits bis zum Chef einer Bank hochdienen, musste sich aber bisher mit einem selbst in Deutschland zweitklassigen Haus zufrieden geben, während sein Vater Werner es wenigstens in den Vorstand der Deutschen Bank geschafft hatte. Nun gibt’s freilich ein anständiges Trostpflaster.
 
Größter Verlierer könnte Postchef Frank Appelt sein. Wollte der doch eigentlich seine Postbank loswerden. Nachdem vor Monaten bereits die Deutsche Bank abgewinkt hat (warum die wohl all die Banken nicht haben wollen?), kamen die Dresdner und die Commerzbank einzeln bzw. im Verbund ernsthaft als Partner ins Gespräch. Zwar glauben einige der Auguren immer noch an eine Dreierlösung aus Commerz-, Dresdner und Postbank, aber die Mannen um Martin Blessing werden erst einmal die „Beraterbank“ verdauen müssen.
 
Selbstredend kommt auch für die Postbank nur eine „deutsche Lösung“ infrage, schon aufgrund des Mitspracherechtes des Bundes als Großaktionär der Post – aber langsam werden nun die Alternativen knapp ...
 
Die China-Alternative
 
Für die „Dresdner“ gab es ja schon eine nicht-deutsche Alternative. Allerdings war ein Verkauf der „Grünen“ an die chinesische China Development Bank (CDB) eigentlich gar keine Option (außer für die Gewerkschaften, die diese Variante zunächst aus „sozial-opportunistischen“ Erwägungen heraus präferierten). Zwar boten die Chinesen mehr Geld und auch noch in bar, aber durchsetzbar wäre diese Lösung nicht gewesen.
 
Zudem schon die Commerzbank eigentlich nur 2. Wahl ist. Die ursprünglich favorisierte Fusion mit der Postbank kam wegen eines Rückziehers der Deutschen Post nicht zustande. Damit geht für die Allianz der desaströse Ausflug in die Banken- bzw. Allfinanzszene mit einem neuerlichen Misserfolg zu Ende.
 
Weitere Verlierer
 
Damit sind auch die Aktionäre abermals die Verlierer. Hatte doch das Dresdner-Bank-Abenteuer seit Jahren wie Blei auf dem Aktienkurs gelegen. Nun kann nicht einmal zum Schluss noch ein Trostpflästerchen in Form eines vernünftigen Verkaufspreises erzielt werden. Durch die Restbeteiligung an der Commerzbank und einige Garantien für eventuelle weitere Verluste der Dresdner hat die Allianz weiterhin einen Klotz am Bein. Das ist auch heute ein den Kursen zu sehen. Ein „Erleichterungs-Feuerwerk“ sieht anders aus.
 
Weitere Verlierer neben den Angestellten beider Institute werden auch die Kunden sein. Weniger Wettbewerb, aber höherer Kostendruck und Rationalisierung werden Angebot, Service und Preise vermutlich auf Dauer verschlechtern.
 
Damit würde sich dann das alte Sprichwort erneut bewahrheiten: „Wenn zwei Kranke sich in ein Bett legen, wird keiner von ihnen gesund.“ Bleibt zu hoffen, dass der deutschen Bankenszene insgesamt ein besseres Schicksal winkt. Obwohl, Zweifel sind angebracht ...
 
Mit besten Grüßen
 
Ihr Torsten Ewert
 
 

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