Börse - Intern - 10-Tage-Rückblick

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Der 10-Tage-Rückblick des Börse Intern informiert Sie darüber, was die Märkte in den letzten zehn Tagen wirklich bewegt hat. Regelmäßige und vor allem zuverlässige Informationen sind die Basis für Ihren Börsenerfolg. Mit diesem Service bieten wir Ihnen die Inhalte der vergangenen zehn Ausgaben übersichtlich auf einer Seite dargestellt.


Börse - Intern vom 13. August 2020:
Das könnte das große Thema für 2021 werden

Heute wurden in den USA wieder Zahlen vom dortigen Arbeitsmarkt veröffentlicht. Diese Daten hatten in den vergangenen Wochen einige Male für zum Teil heftige, mal mehr und mal weniger plausible Kursbewegungen an den Börsen, insbesondere an den Aktienmärkten, gesorgt. Doch dieses Mal verhielten sich die Anleger ruhig.

Das mag wohl auch daran gelegen haben, dass die gemeldeten Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe die Erwartungen ziemlich genau getroffen haben. Die Prognose lautete im Durchschnitt auf 1,12 Millionen, die tatsächliche Zahl wurde mit 0,963 Millionen angegeben.

Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA

Die Differenz beträgt rund 160.000. Vor einer Woche war diese doppelt so hoch, entsprechend deutlicher fiel die Marktreaktion aus.

Unabhängig davon entwickeln sich die Arbeitsmarktdaten weiter in die richtige Richtung, auch wenn in der vergangenen Woche immer noch mehr als drei Mal so viele Erstanträge gestellt worden sind wie vor der Corona-Krise. Und da auch diverse andere Wirtschaftsdaten klar und deutlich stärker in die richtige Richtung weisen, als man es erwartet bzw. befürchtet hatte, ziehen inzwischen auch wieder die Renditen am Anleihemarkt an.

Hohes Wachstum, hohe Zinsen, geringes Wachstum, niedrige Zinsen

Die Zinsen waren eigentlich schon immer ein Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung. Geht es der Wirtschaft gut, hat man es tendenziell mit höheren oder steigenden Zinsen zu tun, geht es der Wirtschaft schlecht, sinken in der Regel die Renditen. Das hat natürlich auch mit der Geldpolitik der Notenbanken zu tun.

Denn bei einer boomenden Wirtschaft hat man es mit einer hohen Nachfrage der Verbraucher nach Konsumgütern und der Unternehmen nach Investitionsmöglichkeiten zu tun. Dies treibt die Preise. Und um einer Inflation entgegenzuwirken, erhöhen die Notenbanken die Zinsen, damit Verbraucher und Unternehmen einen Anreiz haben, ihr Geld auf verzinsten Konten zu halten. Dies bremst das Wirtschaftswachstum, die Nachfrage und damit die Preise und die Inflation.

Bei einer kränkelnden Wirtschaft möchten die Notenbanken das Gegenteil bewirken. Die Unternehmen sollen mehr investieren und die Verbraucher mehr konsumieren. Das Halten von Geld auf den Konten muss daher unattraktiver werden – durch sinkende Zinsen.

Zinsen im Dauertief

Dieser Mechanismus ist seit einiger Zeit durch die Dauerniedrigzinspolitik der Notenbanken deutlich weniger stark ausgeprägt. Insbesondere mit Beginn der Corona-Krise wurden die Leitzinsen sogar noch einmal kräftig gesenkt und bei rund 0 Prozent zementiert, teilweise sogar noch tiefer. Die moderate Erholung der Renditen, die ab Herbst 2019 zu beobachten war, brach mit der Corona-Krise in sich zusammen.

10-jährige US-Staatsanleihen (siehe folgende Grafik) rentierten im August 2019 bei weniger als 1,5 %, stiegen dann über den Herbst auf immerhin knapp 2 % an, landeten am Hoch- bzw. Tiefpunkt des Corona-Crashs aber bei nur noch 0,54 %.

Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen
(Quelle: fred.stlouisfed.org)

Die Umlaufrendite in Deutschland (siehe folgender Chart) notierte im August 2019 bei -0,73 %, stieg dann bis Ende 2020 auf immerhin -0,2 % an und landete im Corona-Crash-Tief Anfang März 2020 bei -0,83 %.

Umlaufrendite

Seit Anfang August ist eine mögliche Wende im Gange. Die Wirtschaftsdaten haben deutlich positiv überrascht. Daher geht man davon aus, dass die Corona-Krise schneller überstanden ist, als bislang erwartet. Das hatten die Aktienmärkte mit ihren irren Erholungen bereits angezeigt. Und dadurch ziehen nun auch die Inflationserwartungen an.

Mit dem Wirtschaftswachstum kommt auch die Inflation zurück

Befeuert wurden diese, als gestern in den USA gemeldet wurde, dass die Inflation im Juli um ganze 0,6 % im Vergleich zum Vormonat gestiegen ist. Die Erwartungen lagen nur bei +0,3%. Die jährliche Inflation (siehe folgende Grafik, dunkle Balken) stieg dadurch auf 1,0 %, nach 0,6 % im Juni und nur 0,1 % im Mai. Die Inflation steigt also derzeit recht stark an.

Inflation in den USA (jährlich)

Ähnlich ist die Entwicklung bei der Kernrate. Diese wuchs zum Vormonat auch um 0,6 %. Hier lagen die Prognosen allerdings nur bei +0,2 %. Und im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Preise in der Kernrate sogar um 1,6 %, nach jeweils +1,2 % in den beiden Vormonaten (helle Balken).

Mit steigenden Inflationserwartungen steigen auch die Renditen

Und da sich die Wirtschaftsdaten deutlich aufgehellt haben und die Inflation anzieht, sind jüngst auch die Renditen gestiegen. Die 10-jährigen US-Staatsanleihen markierten Anfang August noch ein neues Tief bei 0,52 %.

Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen
(Quelle: fred.stlouisfed.org)

Seitdem haben sie sich auf 0,64 % erholt, und das zuletzt sogar mit einem recht hohen Tempo.

Können die Notenbanken an ihren Plänen festhalten?

Sicherlich sind das noch wenig ausgeprägte und keine nachhaltigen Entwicklungen. Aber wenn sich die Wirtschaft weiterhin stärker und schneller erholt, als es die Marktteilnehmer erwartet haben, und die Inflation(serwartung) ebenfalls weiter anzieht, dann könnte dies auch die Renditen weiter befeuern. Und dann wird sich irgendwann die Frage stellen, ob die Notenbanken, insbesondere die US-Notenbank, weiterhin an ihren aktuellen Plänen festhalten kann.

Schon einmal hat der Markt die Richtung vorgegeben und die Notenbank musste wenig später folgen, nämlich als 2019 die Renditen immer weiter nachgaben und letztlich die Leitzinsen folgten. Womöglich wird es nun in die entgegengesetzte Richtung gehen.

Wenn sich diese Erkenntnis am Aktienmarkt durchsetzt

Es gibt aktuell natürlich erst zarte Anzeichen dafür, dass es in diese Richtung gehen könnte. Daher stelle ich hier sehr frühzeitige Überlegungen an. Aber das kennen Sie bereits von Stockstreet. Und wenn sich die Anzeichen verdichten sollten, sich also die Wirtschaftsdaten weiterhin positiv entwickeln, die Inflation zunimmt und die Renditen steigen, dann könnte die Liquiditätsflut durch die Notenbank im aktuellen Ausmaß enden.

Und was passiert, wenn die Anleihekäufe der Notenbanken enden, haben wir auch schon erlebt. 2018 begann die Bilanzsumme der Federal Reserve (Fed) zu sinken.

Bilanzsumme der US-Notenbank
(Quelle: fred.stlouisfed.org)

Und Anfang 2018 markierte der S&P 500 ein markantes Hoch. Anschließend hatte der Index massive Probleme, dieses Hoch nachhaltig zu überwinden (lange horizontale Linie im folgenden Chart). Erst als die Fed ab Mitte September 2019 wieder begann, ihre Bilanzsumme auszuweiten, konnte sich der S&P 500 nachhaltig von dem Hoch lösen (vertikale Linie).

S&P 500 - Chartanalyse

Seit März 2020 steigt die Bilanzsumme der Fed steil an. Seitdem steigen auch die Aktienindizes wieder steil an, nachdem sie im Corona-Crash massiv eingebrochen waren.

Offensichtlich sind die Aktienmärkte also extrem abhängig vom Geld der Notenbanken. Und wenn eine schnelle Erholung der Wirtschaft dazu führt, dass die Inflation schnell das Ziel der Fed von 2 % erreicht bzw. übertrifft und die Renditen am Anleihemarkt deutlicher zulegen, dann wird die Fed gezwungen sein, ihren aktuell zementierten Kurs zu ändern. Und das wird dem Aktienmarkt nicht schmecken.

S&P 500 steht mit dem Allzeithoch vor hoher Hürde

Der S&P 500 hat übrigens gerade sein Allzeithoch erreicht (obere horizontale Linie). Im Premium-Trader war dazu schon zu lesen, dass solche wichtigen horizontalen Marken selten im ersten Anlauf nachhaltig überwunden werden. Das gilt insbesondere dann, wenn die Kurse auf dem Weg zu derartigen Hürden bereits eine lange Wegstrecke zurückgelegt haben. Bei charttechnischen Übertreibungen, die der aktuelle Aufwärts-Run der US-Indizes zweifelsfrei darstellt, kann es zwar auch noch relativ problemlos zu einem Anstieg über solche Widerstände kommen, meist führt ein späterer Rücksetzer aber dann unter dieses Niveau zurück. Denn je weiter ein Trend läuft, desto größer fällt auch die unausweichliche Gegenbewegung aus.

Fazit

Achten Sie also in den kommenden Wochen und Monaten etwas genauer auf die Entwicklung der Inflation(serwartungen) und die Renditen am Anleihemarkt. Denn diese könnten für den Aktienmarkt das nächste beherrschende Thema nach der Corona-Krise sein. Und das hat das Potential, den Gipfelsturm der Aktienkurse zu beenden – womöglich nach einer Herbstkorrektur und einer Jahresendrally.


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Börse - Intern vom 12. August 2020:
Nasdaq 100 und DAX können bearishe Signale knapp verhindern

In der gestrigen Börse-Intern schrieb ich: „Was man gestern allerdings auch beobachten konnte: Nachdem es bei den Aktienindizes in den USA zu einer starken Intraday-Kursschwäche gekommen war, die insbesondere den Nasdaq 100 traf, folgte noch am selben Tag eine starke Kurserholung. Und aufgrund dieser schnellen Erholung muss man damit rechnen, dass sich die Bullen noch nicht nachhaltig aus ihren Aktien herausdrängen lassen.“ Wenig später kam es zu einer Wiederholung des beschriebenen Kursgeschehens.

Ab ca. 20 Uhr (MESZ) begannen die Aktienindizes in den USA zu schwächeln. Rund eine Stunde später nahmen die Abwärtsbewegungen Fahrt auf. Und eine weitere Stunde später kam es erneut noch am selben Tag zu einer Kurserholung. Diese fiel zwar zunächst moderat aus, sie setzte sich aber heute fort, so dass wieder ein Großteil der Verluste aufgeholt werden konnte.

Nasdaq 100 testet erfolgreich den bullishen Ausbruch

Der Nasdaq 100 gab dabei ziemlich exakt bis auf die obere Linie des Abwärtstrendkanals nach, welcher die beiden Hochs und Tiefs der 10-tägigen (ABC-)Korrektur verbindet. Und von dort aus konnte der Technologieindex sehr dynamisch nach oben laufen.

Nasdaq 100 - kurzfristige Chartanalyse

Das Chartbild vermittelt damit den Eindruck, dass der Ausbruch aus der (ABC-)Konsolidierung von oben erfolgreich getestet wurde und sich der Aufwärtstrend nun fortsetzt. Die Börsenampeln stehen daher charttechnisch weiterhin klar auf Grün.

DAX: Statt eines bearishen Signale wurde ein bullishes gesendet

Das gilt übrigens auch für den DAX. In der vorangegangenen Analyse vom 30. Juli hatte ich berichtet, dass die Kurse im Tief exakt 61,80 % der im Juni gestarteten Aufwärtsbewegung korrigiert hatten. Seitdem konnten auch hier die Kurse wieder dynamisch zulegen (siehe grüner Pfeil im folgendem Chart).

DAX - kurzfristige Chartanalyse

Und anstatt das 61,80er Fibonacci-Retracement der im Juni gestarteten Aufwärtsbewegung zu unterschreiten, hat der DAX die 61,80er Marke der Korrekturbewegung überschritten (siehe folgender Chart). Er konnte somit ein bearishes Signal verhindern und dann ein bullishes senden.

DAX - kurzfristige Chartanalyse

So hatten auch die übergeordnet bearishen Signale – der Bruch des Bear-Keils (blau im Chart oben und im folgenden Chart) sowie des Aufwärtstrendkanals (grün im folgenden Chart) – keine bearishen Konsequenzen.

DAX - Target-Trend-Analyse

Die Mittellinie bei 12.235 Punkten hat dem DAX Halt geboten und war dadurch zusammen mit dem 61,80er Retracement die Ausgangsbasis für die starke Kurserholung.

Diese hat nun das Potential, den DAX erneut bis zur Rechteckgrenze bei 13.300 Punkten zu führen, wo auch das bisherige Hoch der im März gestarteten Erholung markiert wurde. Allerdings kommt dem Index auf dem Weg dorthin inzwischen eine Konsolidierungslinie entgegen (rot gestrichelt). Und so könnte es der Index schwer haben, ein neues Trendhoch zu erreichen. Sollten aber die US-Indizes ihre jüngsten Neigungen zur Schwäche vollständig ablegen können, dürfte der DAX mit dieser zusätzlichen Unterstützung sein Allzeithoch ansteuern.

Fällt der DAX dagegen erneut unter die Rechteckgrenze bei 12.590 Punkten, muss man wieder vorsichtiger werden. Das gilt insbesondere, wenn zugleich auch der Nasdaq 100 doch noch in seinen gelben Konsolidierungskanal (siehe erster Chart) zurückfällt.


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Börse - Intern vom 11. August 2020:
Technologieaktien raus, Blue-Chips rein

Nach dem Nasdaq 100 und dem S&P 500 hat auch der Dow Jones seit gestern ein neues Hoch in der Erholungsrally erreicht (siehe grüner Pfeil im folgenden Chart).

Dow Jones - Chartanalyse

Man kann damit sagen, dass damit im Dow Jones seit dem bisherigen Erholungshoch vom 8. Juni nun eine mehr als zwei Monate andauernde Konsolidierung zu Ende gegangen ist. Bullisher ausgedrückt befindet sich der Dow Jones aber bereits seit Ende Juni wieder in einer Aufwärtsbewegung, der zwischenzeitliche Bruch der Aufwärtstrendlinie (dick grün im Chart) war nur eine Bärenfalle und das neue Erholungshoch ist nun ein weiteres Zeichen für die Stärke der Erholungsrally.

Dow Jones jüngst deutlich stärker als Nasdaq 100

Für mich viel interessanter als die mögliche Interpretation des neuen Erholungshochs ist aber die folgende Beobachtung: Der Dow Jones hinkte bislang dem S&P 500 und dem Nasdaq 100 hinterher – schließlich erreichte er erst jetzt, und damit deutlich später als die anderen beiden US-Indizes, ein neues Erholungshoch. Seit Donnerstag vergangener Woche läuft er aber wesentlich besser als insbesondere der Nasdaq 100. Denn während der Technologieindex von seinem jüngsten Allzeithoch bis zum gestrigen Tagestief mehr als 3 % verloren hat (siehe rotes Rechteck im folgenden Chart), konnte der Dow Jones in dieser Zeit ein neues Erholungshoch erreichen.

Nasdaq 100 - kurzfristige Chartanalyse

Daraus kann man schließen, dass Umschichtungen stattfinden – raus aus den extrem gut gelaufenen Technologieaktien und rein in die etwas vernachlässigte „Old Economy“. Man könnte auch sagen „raus aus spekulativen Werten, rein in defensive Titel“. Und bei dieser These stellt sich die Frage, ob die Rally langsam zu Ende geht, wenn die Anleger „risk off“ gehen.

Es zeigt sich Gewinnmitnahmebereitschaft

Dazu passt auch, dass die Edelmetallpreise seit vergangener Woche nachgeben – im gleichen Zeitraum, wie der Nasdaq 100 schwächelt. In beiden Fällen waren die Kurse zuvor extrem gut gelaufen. Und daher sind die aktuellen Rücksetzer ein Hinweis für eine erhöhte Gewinnmitnahmebereitschaft, wobei das freiwerdende Geld eben in defensive Aktien fließt.

Starke Kurserholung nach Intraday-Kursschwäche

Was man gestern allerdings auch beobachten konnte: Nachdem es bei den Aktienindizes in den USA zu einer starken Intraday-Kursschwäche gekommen war, die insbesondere den Nasdaq 100 traf, folgte noch am selben Tag eine starke Kurserholung. Und aufgrund dieser schnellen Erholung muss man damit rechnen, dass sich die Bullen noch nicht nachhaltig aus ihren Aktien herausdrängen lassen.

Man sollte die aktuellen Warnzeichen aber weiterhin mit größter Vorsicht zur Kenntnis nehmen und sich darauf einstellen, dass eine Herbstkorrektur jederzeit starten und sehr plötzlich ins Rollen kommen kann. Wenn beim Nasdaq 100 weiterhin Schwäche zu erkennen ist – was auch heute wieder der Fall ist – und sich diese verstärken sollte, könnten die Verkaufsbereitschaft der Anleger insgesamt zunehmen und fallende Technologieaktien letztlich auch die anderen beiden Aktienindizes mit nach unten ziehen. So könnte eine Herbstkorrektur ihren Verlauf nehmen.

Charttechnisch stehen die Börsenampeln noch klar auf Grün

Charttechnisch stehen allerdings die Börsenampeln auch im Nasdaq 100 noch voll auf Grün. Denn der Index konnte die Konsolidierung (gelber Bereich im Chart oben) nach oben auflösen und befindet sich mit seinem jüngsten Rücksetzer noch oberhalb des Abwärtstrendkanals, welcher die beiden Hochs und Tiefs der 10-tägigen (ABC-)Korrektur verbindet. Erst wenn die Kurse unter die obere Abwärtslinie zurückfallen (und dann auch die anderen Indizes Schwäche zeigen), springt die Börsenampel des Nasdaq 100 im kurzfristigen Bereich auf Gelb.

Und im Dow Jones sollte man die Aufwärtstrendlinie (grün im Chart oben) im Auge behalten. Wenn diese erneut gebrochen wird, und dann auch nachhaltig, sollte man sein Depot dementsprechend anpassen (Stopps nachziehen, Gewinne mitnehmen oder kleine Short-Trades wagen bzw. mit diesen die Long-Positionen absichern).


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Börse - Intern vom 10. August 2020:
Die Mär vom falschen Präsidenten für die Aktienmärkte

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

spätestens seit der Dollar deutlich schwächelt (und der Euro entsprechend stark steigt; siehe Börse-Intern vom 22.07.2020 bzw. vom 31.07.2020) hört man als Begründung unter anderem, dass dies mit der US-Präsidentschaftswahl in diesem Jahr zusammenhängt. Daraus wird auch eine mögliche Belastung für die Aktienmärkte abgeleitet.

Drei Gründe, warum Wahlen für Aktien belanglos sind

Die Begründung klingt zunächst schlüssig: Republikanische Präsidentschaftskandidaten gelten allgemein als wirtschaftsnah und -freundlich, demokratische Bewerber sollen dagegen von der Wirtschaft eher kritisch beäugt werden.

Mag sein, dass diese unterschiedliche Wahrnehmung irgendeinen realen, historischen Hintergrund hat – aktuell ergibt diese aus drei Gründen keinen Sinn.

Erstens ist gar nicht klar, ob die Pläne, die Joe Biden und die Demokraten im Wahlkampf propagieren (und die von diversen Kommentatoren als weniger vorteilhaft für die Wirtschaft eingestuft werden) nach einem Wahlsieg genauso umgesetzt werden (können). Sofern die Demokraten bei den zeitgleich stattfindenden Kongresswahlen keine Mehrheit in beiden Kammern erhalten, dürften etliche Pläne am Widerstand der Republikaner scheitern.

Darüber hinaus werden in den Medien auch Maßnahmen der Trump-Regierung als nachteilig für die Wirtschaft (Handelsstreit/Zölle, Corona-Bekämpfung) betrachtet. Was also welchen Einfluss hat, ist bereits aus diesem Blickwinkel kaum noch abzuleiten.

Keine klaren kurzfristigen Effekte

Viel klarer sind dagegen – zweitens – die Umfrageergebnisse der beiden Kandidaten:

Umfragewerte US-Präsidentschaftswahl

Hier lag Biden schon von Anfang an vor Trump – nach der Logik „Ein Demokrat ist schlecht“ hätten also Dollar und Aktienmärkte schon seit Monaten fallen müssen. Das war bekanntlich nicht der Fall. Immerhin kann man ab Mitte Mai einen zunehmenden Vorteil für Biden erkennen, der zumindest als Begründung für die Dollarschwäche herhalten kann, die faktisch zeitgleich begann.

Allerdings folgten die Aktienmärkte diesem Muster bekanntlich nicht, sondern zeigten sich weiter stärker. Und weder der Dollar noch die Aktienmärkte profitierten merklich von der Gegenbewegung bei den Umfragen, die ab Mitte Juli erkennbar ist.

Eine klare Bevorzugung eines Kandidaten durch die Finanzmärkte ist also im kurzfristigen Bereich nicht erkennbar.

Die Langfristanalyse der US-Präsidentschaftswahlen

Drittens kann man anhand der Aktienmärkte auch langfristig analysieren, ob diese Differenzierung der beiden politischen Lager jemals so deutlich war, wie es manche Kommentatoren glauben machen wollen. Verlässliche Kursdaten liegen zumindest für den Dow-Jones-Index seit 1885 vor – ein Jahr in dem zufällig auch ein neuer US-Präsident ins Amt kam. Wir haben also eine 136-jährige Historie für einen Vergleich von Aktienmarktverlauf und politischen Führung in den USA.

So viel vorweg: Dieser Vergleich fällt mehr als überraschend aus. Natürlich kennen viele von Ihnen den Spruch: „Politische Börsen haben kurze Beine“. Das Ergebnis dieses Vergleichs könnten Sie also erwarten: Natürlich entwickeln sich die US-Aktienmärkte unter demokratischen Präsidenten keineswegs schlechter als unter republikanischen. Aber über die Details dürften sich manche doch die Augen reiben…

Zunächst der Chart des Dow Jones seit 1885, in dem ich die Zeiträume der jeweiligen Regierungszeiten der US-Präsidenten markiert habe (rot = Republikaner, blau = Demokraten).

USA: Regierungszeiten vs. Aktienmarkt

(Quelle: MarketMaker)

Hausse und Crash im politischen Kontext

Es fällt auf, dass sowohl die Hausse der 1920er Jahre als auch die Rally von 2003 bis 2007 faktisch unter den Tisch fallen, da der „Abrechnungszeitpunkt“ (die Wahl bzw. Amtseinführung) in den jeweils folgenden Crash fielen: 1932/33 war das Tief des Crashs der Großen Depression und 2008/09 das Tief des Crashs der Finanzkrise.

Aus diesem Grund verbuchen die Republikaner zwei Regierungsperioden, in denen die Aktienkurse per Saldo um deutlich mehr als 20 % fielen – etwas, das den Demokraten erspart blieb bzw. nur einmal widerfuhr (1893-1897). Die Demokraten profitierten hingegen stark von ihrer langen Regierungszeit in den 1930- und 1940er Jahren und der starken Hausse in dieser Phase.

Die Wahl-„Statistik“ in Zahlen

In Zahlen liest sich das so: Seit 1885 gab es 16 Perioden, in den sich Demokraten und Republikaner (jeweils 8 Mal) als US-Präsident abwechselten, wobei zwei oder mehr Amtszeiten für die jeweilige Seite natürlich als eine Periode gezählt wurden.

Von den rund 135,5 Jahren regierten die Demokraten 64 Jahre, die Republikaner 71,5 Jahre. Und jetzt halten Sie sich fest: Anleger, die zum Zeitpunkt der Amtseinführung demokratischer Präsidenten die Aktien des Dow Jones gekauft und bis zu einem Amtswechsel unbeirrt gehalten hätten, könnten sich dabei über eine Rendite von gut 8.200 % oder 7,13 % pro Jahr freuen. Fans der Republikaner mussten sich dagegen mit gut 1.000 % oder 3,31 % p.a. begnügen.

Diese „Statistik“ spricht also dafür, dass sich die Anleger wegen eines Machtwechsels im Weißen Haus keine Sorgen machen müssen…

Und die Moral von der Geschicht‘…

Die Zahlen bestätigen eigentlich eher den schon eingangs erwähnten Spruch, dass politische Börsen kurze Beine haben. Schließlich sind die wirtschaftlichen Bedingungen und gegebenenfalls stimmungstechnische Aspekte viel wichtiger als die Parteizugehörigkeit des US-Präsidenten. Und ob republikanische und demokratische US-Präsidenten tatsächlich eine diametral entgegengesetzte Wirtschaftspolitik gemacht haben – wie man bei solchen „Börsenweisheiten“ glauben könnte, sei auch dahingestellt.

Dieser Vergleich spricht jedenfalls nicht dafür. Aber selbst, wenn es so sein sollte, dann hat die Wirtschaft offenbar stets Möglichkeiten gefunden, sogar negative Effekte weitgehend zu kompensieren. Und genau das ist die Lehre aus dieser Mär vom angeblich „falschen“ Präsidenten: Die Unternehmen sind clever genug, auch unter widrigen Bedingungen klarzukommen. Schließlich ist allein der normale Konkurrenzkampf auf den Märkten allzeit eine große Herausforderung. Unternehmen, die dabei erfolgreich sind, werden sich auch durch andere Negativfaktoren nicht von ihrem Weg abbringen lassen!

Man muss als Anleger sicherlich auf viele Einflüsse auf die Finanzmärkte achten. Aber der Ausgang der US-Präsidentschaftswahl ist für die Börsen kein Aspekt, dem man allzu große Aufmerksamkeit schenken muss.

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert


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Börse - Intern vom 9. August 2020:
Die Märkte sprengen die Grenzen des Vorstellbaren

Die Aktienmärkte hatten ihren Fokus jüngst sehr stark auf die US-Arbeitsmarktdaten gelegt. Und mit dem heutigen offiziellen Bericht des U.S. Bureau of Labor Statistics wurden sie nicht enttäuscht. Privatwirtschaft und öffentliche Hand meldeten im Juli 1,8 Millionen neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft. Erwartet worden waren im Durchschnitt 1,6 Millionen.

neu geschaffene Stellen in den USA

Die Arbeitslosenquote ging auf 10,2 % zurück, von 11,1 % im Vormonat. Die Prognosen lagen bei 10,5 %.

Arbeitslosenquote in den USA

Der Dow Jones reagierte erwartungsgemäß und sprang im Future-Handel unmittelbar nach Bekanntgabe der Daten (siehe grüner Pfeil im folgenden Chart) binnen 3 Minuten von ca. 27.270 auf mehr als 27.400 Punkte an – immerhin ein Kursplus von 0,5 %.

Sind die Anleger inzwischen satt?

Doch weitere 11 Minuten später notierte der Index nur noch bei etwas mehr als 27.300 Zählern. Und im weiteren Verlauf wurden der gesamte Gewinn wieder abgegeben und die Kurse wanderten sogar in Richtung Tagestief, bevor sie sich allerdings erneut erholen konnten.

Reaktion des Dow Jones auf Arbeitsmarktdaten
(Quelle: Comdirect)

Diese Entwicklung könnte ein Indiz dafür sein, dass die guten Nachrichten nun ausreichend gefeiert wurden und die Märkte damit zunächst satt waren (oder sind – das bleibt noch abzuwarten).

Für mich wäre das nur allzu verständlich. Denn einerseits sollte man nicht vergessen, dass im Juni noch 4,8 Millionen neue Jobs geschaffen wurden (im Juli nur noch 1,8 Millionen) und es in den USA laut offiziellen Angaben nach wie vor mehr als 16 Millionen Arbeitslose gibt, die auf eine Beschäftigung warten – und auf das neue Hilfspaket der Regierung. Da würde es bei dem aktuellen Tempo sehr lange dauern, bis diese Menschen wieder in Lohn und Brot sind. Andererseits begegnen mir bei meinen Recherchen fast täglich immer unglaublichere Bewertungsrelationen zum Aktienmarkt, die einfach danach schreien, dass es mit den Aktienkursen auch mal wieder abwärts gehen sollte.

Apple sprengt Grenzen des Vorstellbaren

So berichtete der bekannte Börsenkommentator Markus Koch über das Beispiel Apple: Allein in den vergangenen 10 Handelstagen konnte die Aktie um mehr als 100 Dollar bzw. mehr als 28 % zulegen. Der Smartphone-Pionier hat damit 400 Milliarden Dollar an Wert hinzugewonnen. Seit dem Tief im März stieg der Aktienkurs um mehr als 245 Dollar bzw. +115 %, wodurch der Marktwert um rund 1.000 Milliarden Dollar explodiert ist. Die Apple-Aktien notiert dadurch aktuell mehr als 50 % über dem 200-Tage-Durchschnitt (blaue Linie im folgenden Chart).

massive Übertreibung bei Apple

Es fehlt nicht mehr viel, dann wiegt das Unternehmen an der Börse zwei Billionen USD. Damit wäre es doppelt so teuer, wie alle Unternehmen aus dem DAX zusammen. Jeder einzelne iPhone-Nutzer ist dadurch mit rund 2.000 Dollar bewertet. Und teilt man den Börsenwert von Apple durch die Anzahl der Erdenbewohner, dann erhält man einen Wert von 250 Dollar. – Ich kann es mir absolut nicht erklären, wie man bei dieser Bewertung aktuell noch Aktien von Apple kaufen kann.

Übrigens hat Apple im S&P 500 inzwischen eine Gewichtung von rund 7 %. Man sollte sich besser gar nicht vorstellen, was mit dem Index passiert, wenn Apple lediglich an seinen Durchschnittskurs der vergangenen 200 Tage zurückkehren würde.

China könnte in einem Technologiekrieg Apple ins Visier nehmen

Übrigens ist die Gefahr dafür gar nicht so gering. Denn man sollte beachten, dass US-Präsident Donald Trump mit dem geplanten Verbot von chinesischen Apps wie TikTok oder WeChat – die entsprechenden Dekrete hat er kürzlich unterzeichnet, die Tinte ist noch nicht trocken – gerade einen möglichen Technologiekrieg mit China anzettelt. Und China hat bereits Gegenmaßnahmen angedroht. Apple könnte ein Ziel dieser Maßnahmen sein. Das würde Lieferketten stören und das Unternehmen damit hart in Umsatz und Gewinn treffen. Die Aktie könnte dann massiv einbrechen.

US-Notenbank gibt pro Stunde 2 Milliarden in den Markt

Aber womöglich wird dies nicht passieren. Denn es gibt ja noch die Notenbanken. Und die Federal Reserve kauft aktuell pro Stunde (!) für 2 Milliarden Dollar Assets am Markt ein und gibt ihm damit Liquidität in dieser Höhe, die dann natürlich zu einem Teil auch in den Aktienmarkt fließt. Und sie hat jede Möglichkeit, diese Summe auch problemlos noch zu erhöhen. Das Ergebnis sind Spekulationsblasen, die man aktuell an immer mehr Stellen im Markt sehen kann.

Realzinsen tief im negativen Bereich

Silber hat sich zum Beispiel jüngst im Preis verdoppelt. Gold hinkt dem etwas hinterher, kann aber auch eine sehr ansehnliche Performance vorweisen. Aktien und Edelmetalle profitieren davon, dass durch die Notenbankaktivitäten die Realzinsen, also die nominalen Zinsen abzüglich der Inflation, immer weiter in den negativen Bereich rutschen. In den USA ist die Realrendite inzwischen bei einem Minus von rund 1 % angekommen. Da ist es natürlich logisch, dass die Notenbankliquidität nicht auf Girokonten verharrt, wo sie an Wert verliert, sondern in irgendwelche Sachwerte investiert wird.

Crash unwahrscheinlich, scharfer Rücksetzer höchst wahrscheinlich

Und so muss man einen Crash im aktuellen Marktumfeld sehr wahrscheinlich nicht fürchten. Aber ein scharfer Rücksetzer kann jederzeit einsetzen, weil das „Gummi“, also zum Beispiel die Differenz von Aktien oder Edelmetallen zu ihren 200-Tage-Durchschnittskursen, schon extrem gespannt ist. Bei Silber beträgt der Unterschied übrigens aktuell mehr als 70%.

dynamischer Kursanstieg bei Silber

Da verwundert es auch nicht, dass Unternehmenslenker inzwischen ihr Schäfchen ins Trockene bringen.

Unternehmenslenker bringen ihre Schäfchen ins Trockene

Amazon-Chef Jeff Bezos hat zum Beispiel in den vergangenen Tagen Aktien des von ihm gegründeten Online-Handelshauses im Wert von 3,1 Milliarden Dollar verkauft, wie aus Börsenunterlagen vom Mittwoch hervorgeht. Für Bezos sind dies zwar eigentlich nur Peanuts, doch er hatte angekündigt, jährlich „nur“ Anteile im Volumen von 1 Milliarde Dollar loszuschlagen, um diese in andere Unternehmen und Innovationen zu investieren. Insofern ist das aktuelle Volumen der Verkäufe doch ein mahnendes Indiz.

Zumal sich der Mann in guter Gesellschaft befindet. Denn das Handelsblatt berichtete am Dienstag, dass auch in Deutschland viele Vorstände und Aufsichtsräte offenbar mit Rückschlägen an der Börse rechnen. Das könnte zumindest erklären, warum im Juli 55 börsennotierte Unternehmen Aktienverkäufe ihrer Führungskräfte gemeldet haben.

Wiederholt sich das Jahr 2019

Zum Vergleich: Das letzte Mal gab es so viele Verkaufsmeldungen im Juli des vergangenen Jahres. Damals kochten die Sorgen um den Handelsstreit zwischen den USA und China hoch und US-Präsident Donald Trump drohte auch Europa mit neuen Strafzöllen. Der DAX verlor in dieser Zeit im Rahmen einer etwas verfrühten Herbstkorrektur fast 10 % (siehe rotes Rechteck im folgenden Chart).

DAX - Korrektur 2019

Da wirkt es fast wie eine Prophezeiung, dass in der vergangenen Nacht (MESZ) gemeldet wurde, dass Trump Aluminiumimporte aus Kanada in die USA wieder mit Zöllen belegt.

Trump führt Zölle auf kanadisches Aluminium wieder ein

Trump habe ein Dekret unterzeichnet, nach dem 10-prozentige Zölle auf die kanadischen Importe zum Schutz der US-amerikanischen Wirtschaft wieder eingeführt werden, sagte er bei einem Firmenbesuch im Bundesstaat Ohio. Da kanadische Hersteller ihr Versprechen gebrochen hätten, den US-Markt nicht mit billigem Aluminium zu fluten, seien die Zölle wieder notwendig, um die heimische Aluminium-Industrie zu schützen. Kanada hat für diesen Fall bereits Vergeltungsmaßnahmen angekündigt.

Der Markt kann länger irrational bleiben

Es gab mal eine Zeit, in der solche Nachrichten zu massiven Kurseinbrüchen geführt hätten. Aber was nützen die ganzen Informationen aktuell, wenn die Aktienkurse in den USA derzeit letztlich doch immer wieder nach oben schnellen, nachdem sie ein kleines Stückchen abwärts gelaufen sind.

Inzwischen bekomme ich dazu viel Zuspruch von Lesern. Einer bezeichnet den aktuellen Markt als paradox „und in keiner Weise logisch herzuleiten“. Und ein weiterer verweist auf den bekannten Satz von John Maynard Keynes „The market can remain irrational longer than you can stay solvent“ (zu Deutsch: Der Markt kann länger irrational bleiben, als Sie liquide bleiben können.). Letzteres sollten Sie aktuell unbedingt beherzigen.


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Sven Weisenhaus
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Börse - Intern vom 6. August 2020:
Die Marktreaktionen sind kaum noch widerspruchsfrei zu erklären

Es gibt Zeiten, in denen sollte man sich mit kurzfristigen Trades einfach aus dem Markt heraushalten. Das gilt insbesondere dann, wenn man den Markt nicht richtig einschätzen kann. Und spätestens seit dem heutigen Verlauf sollte man sich überlegen, ob wir uns aktuell nicht in solchen Zeiten befinden. Denn dem Markt scheint man derzeit mit logischen Überlegungen kaum mehr beikommen zu können. Die Kursbewegungen lassen sich nur noch bedingt sinnvoll und widerspruchsfrei erklären.

Nach positiven Arbeitsmarktdaten stiegen die Aktienkurse wieder

Wie komme ich zu dieser Einschätzung? Werfen wir dazu zunächst einen Blick auf das heutige Marktgeschehen. Die Aktienmärkte haben seit ca. 9:40 Uhr (MESZ) tendenziell nachgegeben. Soweit ist dies nach den vorangegangenen Kursgewinnen nicht ungewöhnlich. Man könnte diese Bewegung einfach mit simplen Gewinnmitnahmen begründen und würde damit wohl kaum Widerspruch ernten.

Um 14:30 Uhr (MESZ) wurden dann in den USA planmäßig die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe veröffentlicht. Diese fielen besser aus als erwartet. Denn es wurden in der vergangenen Woche lediglich 1,186 Millionen neue Erstanträge gestellt. Erwartet wurden hingegen im Durchschnitt 1,5 Millionen.

Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA

Und es wurden nicht nur die Erwartungen geschlagen, sondern der aktuelle Wert war auch der niedrigste, seit die Zahlen durch die Corona-Krise in den Millionen-Bereich gestiegen sind. Die beiden Anstiege der Vorwochen waren damit womöglich nur ein kurzer Rückschlag in der ansonsten in die zumindest richtige Richtung laufenden Entwicklung. – Wobei die Zahl der Anträge nach wie vor mehr als vier Mal so hoch ist wie vor der Krise, was ein klares Indiz dafür ist, dass die US-Wirtschaft noch sehr weit vom „Normalniveau“ entfernt ist.

Jedenfalls haben sich weniger Menschen arbeitslos gemeldet als zuvor, was aus Sicht der Wirtschaft und damit eben auch für die Aktienmärkte positiv ist. Daher ist es durchaus eine logische Konsequenz, dass Anleger nach der Veröffentlichung der Daten heute wieder zu Aktien gegriffen haben und die Kurse dadurch nach den Rücksetzern erneut nach oben getrieben wurden. Der Dow Jones konnte innerhalb der ersten 5 Minuten nach Bekanntgabe der Daten rund 100 Punkte zulegen (siehe grüner Pfeil rechts im folgenden Chart).

Reaktion des Dow Jones auf Arbeitsmarktdaten
(erstellt mit: Comdirect)

Soweit erscheint das heutige Marktgeschehen also völlig logisch. Doch jetzt kommen wir zu einem deutlichen Widerspruch.

Nach negativen Arbeitsmarktdaten stiegen die Aktienkurse wieder

Denn wie gestern in der Börse intern zu lesen war, fiel der ADP-Arbeitsmarktbericht deutlich schlechter aus als erwartet. Die logische Konsequenz für die Aktienmärkte wäre also das genaue Gegenteil der heutigen Reaktion gewesen. Weil weitaus weniger neue Stellen geschaffen wurden als erwartet, können auch weniger Menschen einen neuen Job erhalten. Und das ist natürlich tendenziell schlecht für die Wirtschaft und hätte damit auf die Aktienkurse eigentlich einen negativen Einfluss haben müssen.

Doch wie ich gestern auch in der Börse-Intern bereits berichtet habe, gab der Dow Jones im Future-Handel nach Veröffentlichung der schwachen Daten gerade einmal rund 50 Punkte nach und stieg dann über das Niveau, welches vor den Daten markiert wurde (siehe grüner Pfeil links im Chart oben). Und im weiteren Verlauf legte der Index kontinuierlich weiter zu.

Es lässt sich nicht uneingeschränkt widerspruchsfrei argumentieren

Nun hatte ich den gestrigen Kursanstieg noch damit begründen, dass die Anleger offenbar auf weitere Liquidität gesetzt haben, die in die Märkte gelangen wird, wenn sich Republikaner und Demokraten in den USA angesichts der unerwartet schwachen Lage am Arbeitsmarkt zügig auf ein neues Hilfspaket einigen.

Doch bei dieser Argumentation hätten die heutigen deutlich über den Erwartungen liegenden Arbeitsmarktdaten dazu führen müssen, dass die Aktienkurse nachgeben, weil das Hilfsprogramm eben damit womöglich in einem kleineren Umfang verabschiedet werden könnte.

Somit scheint die gestrige Marktentwicklung komplett konträr zur heutigen. Und das lässt sich nicht uneingeschränkt widerspruchsfrei erklären. Es dürfte daher spannend werden, wie der Markt auf den morgigen offiziellen US-Arbeitsmarktbericht reagiert.

Mein Rat lautet jedenfalls: Da weder absehbar ist, wie die Daten ausfallen noch wie der Markt darauf reagiert, sollte man sich auch morgen zumindest im Umfeld der Veröffentlichung der Daten besser aus dem Markt heraushalten.


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Börse - Intern vom 5. August 2020:
Ist die positive Bilanzsaison wirklich noch ein Grund für Aktienkäufe

Gestern hatte ich geschrieben, der Gewinnrückgang um 35 % gegenüber dem Vorjahr bei den Unternehmen aus dem S&P 500 sei für die Aktienmärkte kein Problem, weil die zuvor stark reduzierten Erwartungen im Durchschnitt um 22 % geschlagen werden konnten, was es in dieser Höhe seit Beginn der Datenerhebung von FactSet im Jahr 2008 noch nie gab (bisheriger Rekord: 1. Quartal 2010 mit +14,7 %, 5-Jahres-Durchschnitt: +4,7 %). Das klingt natürlich sehr bullish.

Bullish ist auch zu werten, dass die Analysten ihre Gewinnschätzungen für die Unternehmen des S&P 500 für das 3. Quartal 2020 im Juli angehoben haben, und zwar laut FactSet um 1,1 % (siehe folgende Grafik). Denn in den letzten 15 Jahren (60 Quartale) wurden die Schätzungen im ersten Monat eines Quartals im Durchschnitt jeweils um 2,4 % gesenkt. Und die letzte Anhebung der Gewinnschätzungen liegt schon zweieinhalb Jahre zurück (1. Quartal 2018).

Die Gewinnerwartungen lagen auf einem extrem niedrigen Niveau

Man sollte allerdings beachten, dass einerseits die Daten sich noch ändern können, da zum Zeitpunkt dieser Angaben erst 63 % der S&P 500-Unternehmen ihre Bilanzen vorgelegt hatten, und andererseits die Gewinnerwartungen zuvor in einem Rekordtempo reduziert wurden. Für die aktuell noch laufende Berichtssaison des 2. Quartals 2020 wurden die Erwartungen allein im April um stolze 29,0 % gesenkt.

S&P 500: Anpassungen der Gewinnerwartungen

Und im weiteren Verlauf wurden die Erwartungen immer pessimistischer, wie die folgende Grafik aus der Börse-Intern vom 29. Juni noch einmal sehr anschaulich darstellt.

Entwicklung Gewinnerwartungen S&P 500

Für die Berichtssaison zum laufenden 3. Quartal 2020 wurden die Prognosen im Verlauf des gesamten 2. Quartals 2020 im Durchschnitt um 23,6 % zurückgeschraubt, bevor es dann wie oben erwähnt im Juli mit +1,1 % wieder in die andere Richtung ging.

Schere zwischen Gewinn- und Kursentwicklung ist extrem weit geöffnet

Keine Frage, grundsätzlich ist es zuträglich für die Aktienkurse, wenn die Erwartungen der Analysten geschlagen oder angehoben werden. Und so zeigen die Aktienmärkte auch aktuell Stärke, insbesondere in den USA mit Blick auf die neuen Trendhochs im S&P 500 und im Nasdaq 100.

Doch ich halte es für riskant, nur auf die positiven Seiten dieser Entwicklung zu schauen. Denn die Gewinne sinken mit dem 2. Quartal 2020 nun schon das 5. Mal in den vergangenen 6 Quartalen gegenüber dem Vorjahreswert. Und die Gewinnerwartungen wurden von einem sehr niedrigen Niveau aus geschlagen bzw. angehoben. Derweil sind die Aktienkurse sehr weit gestiegen.

Dadurch klafft zwischen Gewinn- und Kursentwicklung ein extrem großes Loch, wie die folgende Grafik von FactSet zeigt, die ich schon einige Male hier in der Börse-Intern verwendet habe…

S&P 500: Kursentwicklung vs. Gewinnentwicklung

…zuletzt übrigens am 19. Mai. Damals lagen die Gewinnerwartungen für das 2. Quartal 2020 noch bei -41,9 % und für das 3. Quartal 2020 bei -23,8 %. Aktuell wird für das 3. Quartal 2020 ein Gewinnrückgang um -22,9 % erwartet (siehe auch folgende Grafik). Seit dem 19. Mai haben sich die Gewinnerwartungen zum 3. Quartal 2020 also insgesamt sogar um 3,78 % erhöht.

S&P 500: Gewinnerwartungen 3. Quartal 2020

Aber so richtig vom Hocker haut mich das nicht. Zumal die Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr 2020 aktuell bei einem Minus von 19,4 % liegen (siehe folgende Grafik). Das ist nur 0,3 Prozentpunkte besser als am 19. Mai (-19,7 %).

S&P 500: Gewinnerwartungen Gesamtjahr 2020

Und der S&P 500 notierte am 19. Mai bei ca. 2.950 Punkten. Seitdem hat der Index um fast 12 % auf mehr als 3.300 Zähler zugelegt. Die bereits sehr weit geöffnete Schere zwischen Gewinn- und Kursentwicklung ist daher noch weiter aufgegangen – auf ein Niveau, welches selbst kurz vor dem Corona-Crash nicht erreicht wurde und auch zu keinem anderen Zeitpunkt in den vergangenen 10 Jahren.

Ähnliches gilt für das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500, welches derzeit bei 22 liegt (forward 12-month P/E ratio).

S&P 500: Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Für europäische Aktien sinken die Gewinnerwartungen weiter

Und ähnliches gilt auch für unsere heimischen Aktien. Im Gegensatz zur Entwicklung in den USA haben sich hier die Gewinnerwartungen für das 2. und 3. Quartal 2020 allerdings sogar weiter eingetrübt. Laut Refinitiv-Daten wird aktuell damit gerechnet, dass die Gewinne der Firmen im STOXX 600 (der Aktienindex beinhaltet die 600 größten europäischen Unternehmen) im Frühjahr um 67,5 % gegenüber dem Vorjahresquartal eingebrochen sind. Vergangene Woche war „nur“ mit einem Minus von 58,3 % gerechnet worden. Und für das 3. Quartal 2020 wird mit einem Rückgang um 37 % gerechnet, nach 36,2 % in der vergangenen Woche.

Der STOXX 600 notierte am 19. Mai (um gegenüber der S&P 500-Analyse bei gleichen Daten zu bleiben) bei rund 340 Punkten. Aktuell sind es etwas mehr als 364 Zähler, womit dem Index trotz sinkender Gewinnerwartungen ein Kursplus von rund 7 % gelang.
(Der DAX notierte derweil am 19. Mai bei rund 11.000 Punkten. Seitdem hat der deutsche Leitindex um 15 % auf mehr als 12.600 Zähler zugelegt. Zwischenzeitlich waren es im Hoch bei rund 13.300 Punkten sogar fast 21 %.)

Gewinnerwartungen für 2021 sind gesunken

Und übrigens: Die Gewinnerwartungen für 2021 sind seit dem 19. Mai gesunken! War in der damaligen Börse-Intern noch von einem erwarteten Gewinnwachstum von +27,3 % für die Unternehmen aus dem S&P 500 zu lesen, so gehen Analysten nun nur noch von +27,0 % im kommenden Jahr aus. Das Ergebnis je Aktie sollte – Stand 19. Mai – 2020 insgesamt bei 129,16 Dollar und 2021 bei 164,68 Dollar landen. Inzwischen werden Werte von 129,03 und 164,43 Dollar erwartet (siehe folgende Grafik).

S&P 500: (Erwartungen zum) Gewinn je Aktie

Gegenüber dem Jahr 2019 werden die Gewinne im Jahr 2021 also nur 0,865 % höher liegen. Im Mai waren es immerhin noch mehr als +1,01 %. Damals hatte ich schon gefragt, ob „ein Gewinnanstieg von rund 1 % binnen zwei Jahren ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von mehr als 20 rechtfertigen kann“. Diese Frage stellt sich nun in verschärfter Form erneut.

Probleme werden von einer Liquiditätsflut verdeckt

Ich komme daher auch erneut zu der Erkenntnis, dass die Aktienmärkte nur deshalb auf dem aktuellen Niveau angelangt sind, weil die Regierungen und Notenbanken die Probleme der Corona-Pandemie mit einer zuvor nie dagewesenen Flut an Liquidität überschwemmt haben, so dass diese von den Anlegern offenbar nicht mehr gesehen werden.

Dafür sprechen auch die heutigen US-Arbeitsmarktdaten. Der ADP-Beschäftigungsreport meldet im Juli einen Stellenaufbau in der Privatwirtschaft in Höhe von gerade einmal 167 Tausend. Im Vormonat wurde noch ein Anstieg von revidiert 4,31 Millionen gemeldet. Die Konsensschätzung lag bei 1,5 Millionen.

ADP-Arbeitsmarktbericht

Doch der Dow Jones hat im Future-Handel nach Veröffentlichung dieser Daten gerade einmal rund 50 Punkte nachgegeben, um danach auf ein neues Tageshoch zu steigen und die Hochs vom 15. und 23. Juli zu überwinden. Der S&P 500 markierte ein neues Trendhoch seit März und der Nasdaq 100 sogar ein neues Allzeithoch. Offenbar setzen die Anleger darauf, dass sich Republikaner und Demokraten in den USA angesichts der Lage am Arbeitsmarkt zügig auf ein neues Hilfspaket einigen wird und damit weitere Liquidität in die Märkte gelangt.

Fazit

Die Anleger freuen sich, dass die Gewinnerwartungen in der laufenden Berichtssaison geschlagen werden und kaufen Aktien zu immer höheren Kursen. Dabei lassen sie völlig außer Acht, dass die Gewinnentwicklung übergeordnet betrachtet eigentlich kaum mehr einen Grund für Käufe liefert, weil Aktien insgesamt schon extrem teuer sind – und das am Beginn einer saisonal schwachen Phase.

Nun ja, „the trend is your friend”. Und der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.


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Börse - Intern vom 4. August 2020:
Der Markt ist in einer extremen Schieflage

Die neue Handelswoche startete gestern mit ordentlichen Kursgewinnen. Die Begründungen dazu folgten einem inzwischen bekannten und sich immer wiederholenden Schema. So wurden die Kursanstiege mit positiven Konjunkturdaten begründet, welche die Hoffnung auf eine schnelle Erholung der Wirtschaft geschürt haben sollen. Schaut man sich die gestrigen Daten an (was ich nachfolgend noch tun werde), dann ist die Begründung dieses Mal auch durchaus plausibel. Doch genauso oft, wie man diesen Zusammenhang jüngst lesen konnte, wurde auch im selben Atemzug wieder vor möglichen Risiken für die Wirtschaftserholung aufgrund der Corona-Krise und der hohen Infektionszahlen in der Welt gewarnt.

Dieses „einerseits…, andererseits…“ ist für viele Kleinanleger äußerst verwirrend. Denn während diverse Experten und Institutionen gebetsmühlenartig davor warnen, dass die Rückkehr auf das Vor-Krisen-Niveau lange Zeit benötigen werde und es Rückschlagpotential durch steigende Neuinfektionen gibt, zeigen die Aktienkurse und Wirtschaftsdaten scheinbar unbeeindruckt eine klare V-förmige Erholung der Konjunktur an. Wer hat also Recht?

Zu Beginn des 3. Quartals stärkstes Wachstum seit Sommer 2018

Die gestrigen Einkaufsmanagerdaten zur Industrie von IHS Markit fielen äußerst positiv aus. Sie bestätigten damit die Schnellschätzungen zur Gesamtwirtschaft, die bereits am 24. Juli veröffentlicht wurden. Demnach befindet sich die Wirtschaft in Deutschland und der Eurozone inzwischen wieder auf dem Wachstumspfad.

Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft in Deutschland legte im Juli auf starke 55,5 Punkte zu, von 47,0 Zählern im Vormonat. Damit stieg der Wert erstmals seit Februar wieder über die Marke von 50 Zählern, ab der das Barometer Wachstum signalisiert, und er erreichte zugleich den höchsten Wert seit August 2018.

IHS Markit Gesamt-Einkaufsmanagerindex Deutschland

Ähnliches gilt für den Gesamt-Einkaufsmanagerindex der Eurozone, der im Juli auf 54,8 Punkte zulegen konnte, von 48,5 Zählern im Vormonat.

IHS Markit Gesamt-Einkaufsmanagerindex Eurozone

Und auch die US-Wirtschaft hat sich im Juli weiter vom jüngsten Einbruch erholt. Wie ebenfalls gestern aus der Firmenumfrage des Institute for Supply Management (ISM) hervorging, ist der Einkaufsmanagerindex zur US-Industrie im Juli auf 54,2 Punkte gestiegen, von 52,6 Zählern im Juni.

ISM Einkaufsmanagerindex verarbeitendes Gewerbe USA

Die Wachstumsdynamik fällt damit in allen Regionen beeindruckend hoch aus. Und sie untermauert die jüngsten Kursgewinne an den Aktienmärkten. Soweit deutet sich also auch nach diesen Daten eine V-förmige Erholung an.

Allerdings hatte fast jeder Marktbeobachter damit gerechnet, dass die Unternehmensaktivitäten auch in Deutschland und der Eurozone mit Beginn des 3. Quartals 2020 wieder in den Wachstumsbereich zurückkehren würden, nachdem die Corona-Krise die Wirtschaft hier zuvor hat vier Monate in Folge schrumpfen lassen. Nun muss sich erst noch zeigen, ob dieses aktuelle Wachstumstempo auch beibehalten werden kann. Denn nur dann kann die Wirtschaft auch relativ zügig das Vor-Krisen-Niveau erreichen, was der Aktienmarkt ja bereits vorweggenommen hat.

Unternehmensergebnisse des 2. Quartals 35 % unter Vorjahreswerten

Erreicht ist dieses Niveau noch längst nicht. Blickt man auf die laufende Berichtssaison in den USA, dann liegen die bislang vorgelegten Unternehmensergebnisse im Durchschnitt um 35 % unter den Vorjahreswerten. Aber das ist für den Aktienmarkt kein Problem. Denn 85 % der Unternehmen konnten die zuvor stark reduzierten Erwartungen schlagen, und zwar im Durchschnitt um 22 %. Das gab es in dieser Höhe noch nie. Die aktuelle Krise hat damit ihren nächsten Rekord.

Der Markt ist in einer extremen Schieflage

Allerdings gerät der Markt dabei immer mehr in eine Schieflage. Denn die positiven Geschäftszahlen verteilen sich alles andere als gleichmäßig auf die Unternehmen. Stattdessen sind nur wenige Branchen ohne größere Blessuren durch die Krise gekommen, allen voran natürlich der Technologie-Sektor. Und das zeigt sich auch bei den Aktienkursen. Seit Jahresbeginn haben die 5 Unternehmen aus dem S&P 500 mit dem größten Marktgewicht 1,66 Billionen US-Dollar an Wert zugelegt. Zugleich haben die übrigen 495 (!) Unternehmen 1,61 Billionen Dollar an Marktwert eingebüßt.

Und auch das Verhältnis von Wirtschaftshilfen zu Wirtschaftsaktivität gibt zu denken. Im 2. Quartal 2020 betrug der Wirtschaftsstimulus in den USA insgesamt 5.000 Milliarden Dollar. Die Wirtschaftsleistung lag dagegen bei 4.850 Milliarden Dollar. Und damit wären wir schon beim nächsten Rekord. Denn auch ein solches Verhältnis gab es zuvor noch nie.

Übrigens: 5.000 Milliarden Dollar ist auch der kumulierte Börsenwert von Apple, Amazon, Alphabet und Facebook. Diese 4 machen damit 25 % des S&P 500 aus. Aber auch das ist bislang kein Problem, denn solange die Big-Tech-Aktien ihre Rally fortsetzen, kann der Gesamtmarkt aufgrund seiner Schieflage offensichtlich nicht korrigieren. Mal sehen, wie lange noch...

Spiegelt der Aktienmarkt noch die wirtschaftliche Realität wider?

Mir machen solche Ungleichgewichte Sorgen. Denn der (Aktien-)Markt wird damit extrem abhängig von einigen wenigen Unternehmen. Und ein Aktienindex, wie der S&P 500, spiegelt nicht mehr uneingeschränkt die gesamte Wirtschaft wider. Daher kommt es wohl auch, dass zwar der Großteil der Unternehmen deutliche Einbrüche bei Umsatz und Gewinn melden mussten und die Experten skeptisch bezüglich der Geschwindigkeit der Wirtschaftserholung sind, die Aktienindizes aber dennoch erheblich zulegen konnten, und zwar deutlich weiter, als man es ihnen zugetraut hat. Sie überzeichnen damit die gesamtwirtschaftliche Realität, insbesondere in den USA. Und damit komme ich nun zu den mahnenden Stimmen:

Aktuelle mahnende Stimmen

Nach Ansicht von Robert Kaplan, Chef des Notenbankbezirks Dallas, wird die immer noch sehr hohe Arbeitslosigkeit in den USA bis zum Jahresende wohl nur noch wenig zurückgehen. Die Quote werde dann wohl noch bei 9 % bis 10 % liegen, sollte das Corona-Virus nicht besser eingedämmt werden. Und danach sieht es ja derzeit bekanntermaßen weiterhin nicht aus.

Im Gegenteil: Deborah Birx, Beraterin des Präsidialamtes, sieht die USA vielmehr in einer „neuen Phase“ der Coronavirus-Pandemie. „Was wir heute sehen, unterscheidet sich von März und April“, sagt sie dem Sender CNN. Das Virus sei „außerordentlich weit verbreitet“.

Nach Einschätzung des US-Notenbankers Neel Kashkari könnte daher ein „wirklich harter Lockdown“ von vier bis sechs Wochen der US-Wirtschaft nützen. Der Wirtschaft könne eine starke Erholung gelingen, aber nur, wenn das Virus unter Kontrolle gebracht werde, sagte der Präsident der Fed von Minneapolis dem Sender CBS. „Wenn wir das nicht tun, und wenn wir nur dieses grassierende Virus haben, das sich im ganzen Land ausbreitet mit wiederholten Ausbrüchen und lokalen Lockdowns in den nächsten ein oder zwei Jahren, was durchaus möglich ist, werden wir viele, viele weitere Firmenpleiten erleben.“ Dann werde die Erholung für alle sehr viel langsamer vonstattengehen.

(Übrigens entspannt sich der Arbeitsmarkt auch hierzulande nur sehr langsam. Wie aus einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts hervorgeht, gab es im Juli noch bei 42 % der Unternehmen in Deutschland Kurzarbeit. Im Juni waren es 46 % und im Mai 53 %.)

Wie sollte man mit dieser Situation umgehen?

Mit diesen drei Wortmeldungen haben gewichtige Experten erneut auf (eigentlich schon bekannte) Risiken hingewiesen. Demgegenüber stehen, wie eingangs bereits beschrieben, sehr starke Wirtschaftsdaten und steigende Aktienmärkte. Stellt sich die Frage, wie man mit dieser Situation umgehen sollte.

Diese Frage lässt sich natürlich nicht allgemeingültig beantworten. Jeder Anleger oder Trader hat seinen eigenen Investmentstil und eine eigene Risikoneigung. Ich persönlich bin jüngst zurückhaltend geblieben und habe auf dem aktuellen Niveau der Aktienmärkte nur sehr vereinzelt neue Investments getätigt, auch in Erwartung einer saisonalen Herbstkorrektur. Erst wenn diese die Kurse ein Stück zurückholt, werde ich wieder stärker zugreifen.

Das war sicherlich auch keine schlechte Idee. Der DAX hat am 21. Juli sein Erholungshoch markiert. Seit zwei Wochen befindet sich der Index somit vermeintlich bereits in einer (saisonalen) Korrektur. In den USA haben S&P 500 und Nasdaq 100 zwar gestern sogar noch neue Hochs seit März erreicht, doch für Euro-Anleger blieb davon aufgrund der jüngsten Wechselkursentwicklung nichts übrig. Und wir stehen erst am Anfang der saisonal schwachen Phase.

Zudem ist die Wirtschaft gerade erst auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Viele Unternehmen sparen aber noch Kosten ein und setzen dazu Mitarbeiter frei. Neueinstellungen werden nur sehr zurückhaltend vorgenommen. Die Dynamik der Wirtschaftserholung könnte daher ihren Höhepunkt erreicht haben und die Wirtschaftsleistung noch eine Weile unterhalb des Vor-Krisen-Niveaus verweilen. Und damit könnte auch die Dynamik der Erholung der Aktienmärkte abnehmen und der Kursanstieg auch in den USA pausieren. Dadurch könnte auch die Schieflage des Marktes etwas begradigt werden.


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Börse - Intern vom 3. August 2020:
Die wunderbare Welt der Finanzprodukte

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

am Wochenende erhielt ich zweimal Post: Zum einen steckte die aktuelle Ausgabe der Wirtschaftswoche in meinem Briefkasten, zum anderen schickte mir ein treuer Leser eine Glosse der Freitagsausgabe der Aachener Nachrichten (AN). In beiden ging es um Finanzprodukte und deren Marketing.

Das Sparschwein und andere Finanz-„Produkte“

In der AN-Glosse nahm der Autor unter anderem die Wirecard-Pleite als Aufhänger, um die „Finanzindustrie“, ihre „Produkte“ und das (oft aggressive) Marketing dafür aufs Korn zu nehmen.

Allerdings machte der Autor meines Erachtens gleich zu Beginn einen Fehler. Sein erster Satz lautete nämlich: „Das letzte Finanzprodukt, das ich verstanden habe, war mein Sparschwein.“ Nun war der Autor anhand seines Bildes unter dem Artikel als reifer Herr jenseits der 60 zu identifizieren (tatsächlich ist er schon 72). Und sein Verständnis des Sparschweins fußt – wie er im Artikel deutlich macht – auf seinen Erfahrungen im zarten Knabenalter. Nun dürfen Sie sich wundern, warum ich mich in einem ernsthaften Börsen-Newsletter mit den Ansichten eines Menschen auseinandersetze, an dem offenbar die Entwicklung des Finanzwesens mehr als 60 Jahre lang spurlos vorbeigegangen ist…

Aber wie gesagt: Der Artikel war eine Glosse. Und der Autor – im Hauptberuf übrigens Kabarettist – hat hier sicherlich eine ordentliche Prise wohlkalkuliertes Understatement eingestreut. Und seine Argumentation war durchaus fundiert: Die Finanz-„Industrie“ erzeuge „Produkte“, deren Wert für die Anleger mitunter zweifelhaft ist und die nur durch gnadenloses Marketing unter die Leute gebracht werden.

Produkt oder nicht Produkt – ist das wirklich die Frage?

Wie es der Zufall so will, beschäftigte sich die Wirtschaftswoche in einem ihrer Artikel der jüngsten Ausgabe genau mit demselben Thema. Dabei ging es unter anderem darum, dass die Fonds-„Industrie“ zurzeit Gesundheits- und Biotech-Fonds bzw. ETFs besonders stark vermarktet – Corona „sei Dank“.

Nun ist dieser Vorwurf an die Finanzbranche nicht neu. Verbraucherschützer erheben ihn seit Jahren. Oft entzündet sich die Empörung an dem Begriff „Finanzprodukte“. Ein Fonds, ein Zertifikat oder sonst irgendein Konstrukt aus den Finanzlaboren der Banken sei schließlich kein „echtes“ Produkt und dürfe daher auch gar nicht „vermarktet“ werden – so offenbar die unausgesprochene, aber unterschwellige Zielrichtung dieser Argumentation.

Nun verstehe und unterstütze ich ja durchaus die generelle Idee des Anlegerschutzes und der Transparenz von – ähm, wie nennt man jetzt Finanz-„Produkte“, wenn man sie nicht mehr „Produkte“ nennen darf? Allerdings habe ich nach jahrzehntelanger Erfahrung so meine Zweifel, dass Transparenz, Aufklärung und Risikohinweise das geeignete Mittel sind, um Anleger vor den Gefahren des Finanzmarkts wirksam zu schützen.

Warum Anlegerschutz die Anleger nicht schützt

So sind die großen Finanzskandale der vergangenen Jahre am sogenannten „grauen“ Kapitalmarkt Beleg genug, dass die Anleger immer wieder windigen Geschäftemachern auf den Leim gehen:

   - S&K-Pleite 2013; rund 11.000 Anleger, min. 240 Millionen Euro Schaden;

   - Infinus-Pleite 2013; rund 22.000 Anleger, min. 300 Millionen Euro Schaden;

   - Prokon-Pleite 2014; rund 75.000 Anleger, min. 560 Millionen Euro Schaden;

   - P&R-Pleite 2018; rund 54.000 Anleger, rund 3.500 Millionen Euro Schaden;

   - PIM Gold 2019; rund 10.000 Anleger, rund 160 Millionen Euro Schaden.

Irgendwie scheint es wie bei Zigaretten zu sein: Die Warnhinweise werden immer größer, immer drastischer, aber trotzdem greifen die Leute weiter zu. Die Sucht verlangt es und verdrängt die Risiken. Bei Finanzprodukten heißt die Sucht: Gier. Da können die Risikohinweise noch so ausführlich sein – der Anleger sieht nur die Rendite, will den Verheißungen des Beraters glauben – und unterschreibt. Und wer ist da der Berater, der dem Kunden ausredet, was dieser offenbar so sehr will?

Wann ein „Produkt“ ein Produkt ist

Ich persönlich finde daher den Begriff „Finanzprodukt“ gut, und zwar aus zwei Gründen. Erstens sind Fonds, Zertifikate usw. zweifellos Produkte – auch wenn man sie nicht anfassen kann, wie z.B. ein Auto. Aber wie dieser Newsletter – der ebenfalls ein Produkt ist – wurden sie von irgendwem „gefertigt“; es gibt also einen (oder mehrere) „Produzenten“, der dafür Zeit investiert hat und (in der Regel) entlohnt wird und es gibt Kunden, die das Produkt erhalten und nutzen.

In der Regel bezahlen die Kunden auch dafür, aber der unergründliche Ratschluss der Götter – bzw. in diesem Fall des Stockstreet-Managements – hat verfügt, dass dies im Fall dieses Newsletters ausnahmsweise nicht der Fall ist…

Übrigens hätte vermutlich auch der Autor der eingangs erwähnten Glosse nichts dagegen, wenn man seinen Artikel sein „Produkt“ nennt.

Die Werbung gehört immer dazu

Da Produkte verkauft werden sollen, werden sie auch mehr oder weniger intensiv beworben. Das gilt für Autos, Joghurts, Haushaltsgeräte – aber eben auch für Zeitungen und Newsletter, Börsenbriefe und Finanzprodukte. Und weil wir alle wissen, was wir von Werbung zu halten haben, gibt es eigentlich auch keine Unklarheiten, wenn uns Hochglanzprospekte über das neueste Automodell oder ein tolles Immobilieninvestment auf den Tisch flattern.

Und genau das ist für mich der zweite Grund, warum ich den Begriff „Finanzprodukte“ gut finde: Er erinnert mich daran, dass das entsprechende Angebot auch per Werbung in den höchsten Tönen gelobt wird und ich die Versprechungen dieser Werbung daher kritisch prüfen muss.

Das ist vor allem auch dann wichtig, wenn es sich nicht um Bank- oder Anlage-, sondern um Versicherungs-„Produkte“ handelt. Während die Werbung der Banken und Anlagefirmen auf unsere Gier zielt, zielt die Werbung der Versicherungen auf unsere Ängste: Krankheit, Unfall, Alter, Tod – für all das gibt es „Absicherungen“. Und die Werbung suggeriert, dass die Anbieter dabei nur unser Bestes wollen und das Beste bieten. Aber ob es im konkreten Fall für uns tatsächlich das Beste ist oder nicht (z.B. weil das vermeintliche Risiko für uns gar nicht relevant ist), steht auf einem ganz anderen Blatt.

Was Sie von der Neuwagenfarbe über Finanzprodukte lernen können

Zugegeben, nicht immer sind wir uns des Einflusses der Werbung bewusst und verfallen daher ihren Verlockungen auch schon mal. Wenn ich z.B. doch die 35. Joghurtsorte probiert und verworfen habe, obwohl ich diese Erfahrung auch schon mit 33 anderen zuvor gemacht habe, dann weiß ich, dass ich wieder einmal reingefallen bin.

Bei Joghurt und vielen anderen Dingen ist der „Verlust“, der dadurch entstehen mag, bedeutungslos. Bei Versicherungen mit langjähriger Bindung bzw. Geldanlagen, die große Summen erfordern, sind Fehlentscheidungen dagegen schmerzlicher. Aber das ist letztlich der dritte Grund, warum Finanzprodukte auch tatsächlich so genannt werden sollten: Die Entscheidung für oder gegen diese Produkte sollte man besonders sorgfältig abwägen.

Das machen wir bei anderen großen Investitionen ja auch, z.B. bei einem Haus oder Auto. Und es wäre schon viel gewonnen, wenn mancher „Anleger“ über seine Geldanlage-Produkte zumindest genauso lange nachdenkt und mit seiner Familie diskutiert wie über die Farbe des nächsten Neuwagens…

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert

Apropos Werbung für Finanzprodukte: Auch in meinen Börsenbriefen empfehle ich diese meinen Lesern natürlich. In der am Freitag erschienenen Monatsausgabe meines „Geldanlage-Briefs“ habe ich ein besonderes „Schmankerl“ für ertragsorientierte Anleger herausgesucht – das zudem weitgehend unabhängig von den Unbilden des Aktienmarktes ist. Also: Sichern Sie sich gleich jetzt diese und alle folgenden Ausgaben durch ein Abo des Geldanlage-Briefs!

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Börse - Intern vom 31. Juli 2020:
Wird der starke Euro-Anstieg bereits zu einer Belastung?

Nach Ende des gestrigen Xetra-Handels konnten sich die Aktienkurse von ihren teilweise herben Verlusten noch (etwas) erholen. Das gilt auch und insbesondere für die US-Indizes. Der Nasdaq 100 schloss den Tag am Ende sogar mit einem Gewinn ab. Und weil nachbörslich die vier US-Tech-Riesen Alphabet, Amazon, Apple und Facebook mit ihren Geschäftszahlen die Markterwartungen übertrafen, kam es auch noch zu Kurssprüngen. Und so haben die Bären – zumindest am US-Markt – wieder eine Chance vertan.

Berichtssaison: Am Hochpunkt geht es abwärts

Allerdings bleibe ich dennoch skeptisch. Denn schon am 16. Juli hatte ich geschrieben, dass derzeit eigentlich nur noch die Bilanzsaison für Kursimpulse sorgen kann. Inzwischen hat die Berichtssaison ihren Hochpunkt erreicht und bei den wichtigsten Unternehmen bereits für die erwarteten Kursimpulse gesorgt. Was soll also jetzt noch kommen?!

Vielleicht noch das derzeit in Verhandlungen befindliche Rettungspaket der US-Regierung. Allerdings lässt sich heute beobachten, dass die gestrigen späten Kursgewinne bereits wieder abgegeben werden. Und bei unseren heimischen Aktienindizes liefen die späten Kurserholungen deutlich weniger weit als bei den US-Pendants.

Wird der starke Euro-Anstieg bereits zu einer Belastung?

Hat das womöglich mit dem extrem starken Euro zu tun? Die Gemeinschaftswährung kennt gegenüber dem US-Dollar derzeit kein Halten. Fast sämtliche Abwärtstrendlinien (rot im folgenden Chart) hat der EUR/USD mühelos überwunden. Selbst die äußerste Trendlinie (dick rot), über die ich am Mittwoch vergangener Woche berichtete, als der Wechselkurs noch bei „nur“ rund 1,16 USD stand, wurde überwunden, wenn auch nur knapp und noch nicht nachhaltig.

EUR/USD - Chartanalyse

Mit im Hoch mehr als 1,19 Dollar notierte der EUR/USD heute so hoch wie seit Mitte Mai 2018 nicht mehr. Und binnen nur drei Wochen hat der Wechselkurs mehr als 5,8 % zugelegt. Was für Aktienverhältnisse wenig klingt, ist am Devisenmarkt eine echte Hausnummer. Seit dem 14. Mai sind es sogar mehr als 10 %. Einen solchen Anstieg gab es zuletzt im Mai 2011.

Exporte teurer, Importe billiger

Problematisch kann dies für exportorientierte Unternehmen sein. Denn durch einen starken Euro werden die Waren für ausländische Abnehmer in Fremdwährungen teurer. Allerdings wird im Gegenzug der Einkauf von Rohstoffen aus dem Ausland günstiger. Dennoch gelten größere Wechselkursveränderungen an den Börsen häufig als Belastungsfaktor.

Durch einen starken Euro werden übrigens durch die günstigeren Einkäufe aus dem Ausland deflationäre Tendenzen importiert. Der jüngste Anstieg der Verbraucherpreise in der Eurozone könnte daher bei einem anhaltenden Anstieg des Euro gedämpft werden. Im Juli liegt die jährliche Inflation bei 0,4 %, nach 0,3 % im Juni und 0,1 % im Mai.

Inflation der Eurozone

Die Kernrate legte sogar von 0,8 % im Juni auf nun 1,2 % zu. Auch damit blieben die Preissteigerungen aber noch weit unter dem Ziel der EZB zurück. Und so kann die Notenbank problemlos noch auf dem Gaspedal bleiben.

Eurozonen-Wirtschaft um 12,1 % eingebrochen

Das erscheint auch nötig. Denn wie zu befürchten war und erwartet wurde, ist die Wirtschaft der Eurozone in der Corona-Krise mächtig unter die Räder gekommen. Das zeigen die BIP-Daten, die heute neben den Inflationsdaten veröffentlicht wurden. Demnach verringerte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Zeitraum von April bis Juni gegenüber dem Vorquartal um 12,1 %, wie Eurostat auf Basis einer vorläufigen Schätzung mitteilte. Dies ist der bei Weitem stärkste Rückgang seit Beginn der Zeitreihe 1995. Experten hatten aber einen Einbruch in dieser Größenordnung erwartet, nachdem das BIP zu Jahresbeginn bereits um 3,6 % zurückgegangen war.

Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone

Da sowohl die Wirtschaft in Deutschland als auch die der Eurozone deutlich stärker eingebrochen sind als die der USA (siehe dazu auch gestrige Börse-Intern), wäre dies eigentlich ein Grund für einen schwächeren Euro und eine vermeintliche Begründung für die aktuelle relative Schwäche der heimischen Aktienindizes gegenüber den US-Pendants. Möglicherweise sind die Anleger auch aktuell enttäuscht, dass die BIP-Daten aus Deutschland und der Eurozone nicht besser als erwartet ausgefallen sind, weil sich damit nun abzeichnet, dass die Erholung doch mehr Zeit benötigen dürfte.

Die Chancen für einen bullishen Ausbruch überwiegen derzeit

Doch immerhin scheint es noch so, dass die Eurozone inzwischen besser durch die Coronakrise kommt (Stichwort: Neuinfektionen). Und daher könnte sich die Euro-Stärke noch etwas fortsetzen. Ein bullisher Ausbruch über die rote Abwärtstrendlinie erscheint derzeit wahrscheinlicher als ein bearisher Bruch der Aufwärtstrendlinien (grün im folgenden Chart).

EUR/USD - langfristige Chartanalyse

Sicherlich war es kein verkehrter Rat, Long-Trades auf den EUR/USD ab 1,16 USD zu reduzieren und größere Teilgewinne mitzunehmen. Wer kurzfristig agiert, könnte jetzt weitere Gewinn mitnehmen und einen Rücksetzer bzw. eine Konsolidierung abwarten. Aufstocken könnte man wieder, wenn dem Wechselkurs der klare Ausbruch über die Abwärtstrendlinie und damit eine mögliche Trendwende gelingt. Und wenn der Euro weiter steigt, sollte man auch beobachten, ob diese Entwicklung zu einem zunehmenden Thema an der Börse und einer Belastung für exportorientierte Euro-Aktien wird. Das könnte eine mögliche Herbstkorrektur verstärken.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Trading
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de


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