Zinssenkung am Donnerstag?
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Zinssenkung am Donnerstag?
von Jochen Steffens
Auch wenn die US-Indizes heute nicht mitspielten, blieb der DAX überraschend positiv gestimmt. Grundsätzlich ist das nichts weiter als ein kleiner Ausgleich für die vielen Handelstage der vergangenen Monate, in denen der DAX schlechter abschnitt als die US-Indizes. Besonders aber auch ein Ausgleich für die Tage vor dem EU-Gipfel, an denen die Sorgen Vorrang hatten. Doch es gibt auch andere Faktoren, die den DAX treiben.
Senkt die EZB die Zinsen?
Aussagen von EZB-Mitgliedern und die niedrige Inflationsrate in Deutschland lassen Experten hoffen, dass die EZB am Donnerstag die Zinsen unter die 1 % Marke senken wird. Auch wenn das keine nachhaltigen Veränderungen nach sich ziehen wird, so ist das doch ein symbolischer Akt. Und natürlich reicht dieser aus, um einige Anleger darauf wetten zu lassen. Allerdings ist das Thema vom Markt meines Erachtens bereits eingepreist, so dass man vorsichtig sein muss, wenn man hier noch aufspringen will.

Aber es kam immerhin schon mal zu den am Freitag als notwendig erachteten Anschlusskäufen. Und so ist auch die 6.478er Marke knapp gerissen worden. Noch fehlt allerdings der Ausbruch mit erhöhtem Umsatz, um einen wirklich nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.
US-Daten ziehen US-Indizes ins Minus
Am Nachmittag enttäuschte dann der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe. Er sank auf 49,7 Punkte und damit unter die wichtigen 50er Marke. Werte unter 50 signalisieren eine wirtschaftliche Schrumpfung – die Gefahr eines Rückfalls in eine Rezession steigt demnach. Analysten hatten mit 52 Zählern gerechnet.

Interessant ist auch wie der Preisindex abtaucht - Inflation? Keineswegs. Auch hier bestätigt sich immer und immer wieder, dass wir uns in einem stark deflationären Umfeld befinden.
Allerdings zeigte sich auch heute wieder, dass sich der US-Immobilienmarkt erholt. So sind die Bauausgaben in den USA stärker als erwartet gestiegen. Sie kletterten um 0,9 % auf ein Jahresvolumen von 830 Mrd. Dollar. Analysten hatten lediglich mit einem unveränderten Wert gerechnet.
Nach wie ist es fraglich, ob diese noch zaghafte Erholung des US-Immobilienmarktes in der Lage ist, die rezessiven Tendenzen der US-Wirtschaft zu kompensieren.
Im Blick behalten…
Im Blick sollten Sie auch folgende Entwicklung behalten: Die auf dem EU-Gipfel beschlossene Maßnahme, dass der Europäische Rettungsfonds ESM Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt erwerben soll, könnte scheitern. Sowohl Finnland als auch die Niederlande scheinen eben diese nicht unterstützen zu wollen. Für diese Maßnahme ist Einstimmigkeit erforderlich, das kann also noch kompliziert werden.
Und so könnte die aktuell positive Stimmung auch schnell wieder umschlagen. So sind sie, die politische Börsen. Und das auch noch in den Sommermonaten – die sowieso schon zu Fehlsignalen neigen.
Viele Grüße
Jochen Steffens
