Dunkle Wolken noch nicht verflogen




Dunkle Wolken noch nicht verflogen
von Jochen Steffens

Das Sparpaket in Griechenland ist angenommen. Doch was geschah? Die Märkte fingen nicht an, ein Kursfeuerwerk hinzulegen, sondern gingen nach der Veröffentlichung des Ergebnisses der Abstimmung zunächst Punkt für Punkt zurück. Der Grund ist einfach: Ich hatte gestern geschrieben, dass einige Trader auf einen positiven Ausgang traden, weil das Chance- /Risiko-Verhältnis sehr günstig ist. Einige von diesen Tradern werden jetzt aussteigen oder erste Teilpositionen auflösen. 

Die kommenden Handelstage

Wichtiger ist aber auch, was in den kommenden Handelstagen geschieht. Schließlich ist mit der vorläufigen Rettung Griechenlands die Schuldenkrise in Europa nicht gelöst worden. Auf der anderen Seite gilt weiterhin, dass das Umfeld für die Börsen weiterhin günstig ist. Die Zinsen sind niedrig, es ist genug Geld da, das in den Markt fließen könnte, und die übergeordneten Aufwärtstrends sind alle noch intakt. Soweit so gut. Damit aber eine Rally starten kann, muss es nach den positiven drei Handelstagen und nach der Abstimmung zu Anschlusskäufen kommen. Das Spiel kennen Sie.

Dazu ein Blick auf den DAX:

Sie sehen, dass sich der DAX seit dem 23.05.2011 also seit mehr als einem Monat in einer engen Seitwärtsrange aufhält, die auch heute noch nicht wirklich nach oben gebrochen werden konnte. Hier wird es nun darauf ankommen, in welche Richtung der DAX nachhaltig (!) ausbricht. Da diese Seitwärtsbewegung mittlerweile derart offensichtlich ist, muss aber auch mit Fehlsignalen gerechnet werden. Das erschwert die Sache ein wenig.

Gleichzeitig erkennen wir auf der Unterseite der Kurse eine Abrundung. Dieses Rounding spricht eigentlich dafür, dass die Hochs im Mai noch einmal angelaufen werden. Das kann im letzten Drittel des Roundings auch etwas dynamischer geschehen. Hieraus ergibt sich also ein Hinweis, dass die positive Stimmung in den nächsten Tagen anhält.

Dunkle Wolken

Ein Problem bleibt jedoch noch. Die politischen Börsen sind noch nicht wirklich beendet. Immer noch hängt wie ein Damoklesschwert eine mögliche Abstufung der USA über den Börsianern. Die Republikaner und Demokraten können sich nach wie vor noch nicht auf eine Erhöhung der Schuldengrenze einigen. Im August droht den USA die Zahlungsunfähigkeit. Zwar nur für ein bis zwei Monate, aber trotzdem wird dies eines der nächsten Themen an den Börsen und in den Börsenmedien werden. Und das könnte zu weiteren Belastungen führen.

Letztendlich…

Doch all diesen politischen Börsen zum Trotz entscheidet sich schlussendlich der weitere Börsen-Verlauf an der Frage, ob die US-Wirtschaft im vierten Quartal (!) wieder Fahrt aufnehmen wird oder nicht. Wie mein Kollege Torsten Ewert am Montag bereits geschrieben hat, musste die Fed mittlerweile ihre eigenen Prognosen nach unten korrigieren. Auch das verunsichert die Märkte. Wir müssen also davon ausgehen, dass die weiteren US-Konjunkturdaten sicherlich genau unter die Lupe genommen werden und einen maßgeblichen Einfluss auf die Kursentwicklung haben werden.

US-Häusermarkt

Und dabei wird einer der wichtigsten Faktoren nach wie vor die weitere Entwicklung auf dem US-Häusermarkt sein. Während in den vergangenen Monaten die Zahlen immer düsterer wurden, und es im Immobilienmarkt eine Art Double Dip (doppeltes Eintauchen in die Rezession) gegeben hat, verbreiten die heutigen Zahlen wieder etwas Hoffnung:

Die Verkäufe bestehender Häuser in den USA stiegen im Mai um 8,2 Prozent. Auf Jahressicht gab es sogar einen Anstieg um 13,4 Prozent. Das ist das erste Plus auf Jahressicht seit 13 Monaten!

Sollte sich diese Stabilisierung auch in anderen Konjunkturdaten im Zusammenhang mit dem US-Immobilienmarkt zeigen, könnten wir von einer Stabilisierung oder sogar einer positiven Trendwende ausgehen. Und das wiederum wäre ein sehr starkes Signal für die Märkte, da eine Wiederbelebung des US-Immobilienmarktes selbst auf niedrigem Niveau einen erheblichen Einfluss auf das US-Wirtschaftswachstum haben wird.

Viele Grüße

Jochen Steffens




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